(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Wir ermutigen ihn! – Abg. Winfried Mack CDU: Das wird im Präsidium behandelt! – Vereinzelt Heiterkeit)
Die Landesregierung schreibt in ihrer Antwort vom 24. Juli letzten Jahres, dass sie keine konkreten Aussagen bezüglich künftig verfügbarer Ressourcen für die tägliche Sport- und Bewegungsstunde treffen könne. Das mag zu diesem Zeit punkt auch zutreffend gewesen sein. Aber, Herr Minister Stoch, können Sie heute gegenüber dem Landtag genauere Aussagen treffen?
die tägliche Sport- und Bewegungsstunde kostenneutral um gesetzt werden kann. In Kapitel 0460 – Sportförderung – Ti telgruppe 76 – Förderung des Schulsports – sind für das Jahr 2013 aber 40 000 € und für das Jahr 2014 sogar 260 000 € für die Bewegungsstunde in der Grundschule veranschlagt. Das ist nicht kostenneutral. Was bedeutet das konkret?
Interessanterweise konnte man im September des letzten Jah res in einer dpa-Pressemitteilung des Vorsitzenden der SPDLandtagsfraktion, Claus Schmiedel, lesen, dass er an Grund schulen mit sport- und bewegungserzieherischem Schwer punkt zu den bereits vorgesehenen drei Unterrichtsstunden weitere zwei Unterrichtsstunden einführen möchte.
Ja. – Sie haben recht, wenn Sie sagen, dass Schulsport für eine gesunde körperliche Entwicklung wichtig ist und Schul sport die geistige, soziale und emotionale Entwicklung beein flusst.
Aber wir dürfen bei alledem nicht die Vereine vergessen. Ge rade beim Ausbau der Ganztagsschule dürfen sie nicht die Ver lierer sein.
(Beifall bei der CDU – Abg. Helmut Walter Rüeck CDU: Bravo! – Abg. Claus Schmiedel SPD: Das sind die Gewinner!)
Deshalb frage ich den Herrn Minister noch einmal ganz kon kret: Wie soll die genaue Umsetzung der täglichen Sport- und Bewegungsstunde an den Grundschulen aussehen, und wie wollen Sie die Sportvereine integrieren, damit auch sie in Zu kunft ihren Nachwuchs akquirieren können?
(Beifall bei der CDU und des Abg. Dr. Ulrich Goll FDP/DVP – Abg. Georg Wacker CDU: Sehr gut! – Abg. Helmut Walter Rüeck CDU: Bravo!)
Herr Präsident, herzlichen Dank. – Ich stand jetzt auch kurz vor der Versuchung, anstatt meine Rede zu halten, die fünf Minuten jetzt so zu gestalten,
Sport bewegt die Menschen nicht nur körperlich. Sport leis tet auch einen wesentlichen Beitrag zum bürgerschaftlichen Engagement, zum Demokratieverständnis, zur Gesundheits förderung, zur Bildung und zur sozialen Integration. In der Persönlichkeitsentwicklung des Menschen nimmt der Sport also einen bedeutenden Platz ein. Deshalb ist es wichtig, der körperlichen Betätigung breiten Raum zu bieten.
In den letzten Jahrzehnten hat sich das Leben unserer Kinder wesentlich verändert. Sie haben weniger Bewegung. Allein die Fortbewegung zu Fuß ist im Alltag auf ein Minimum re duziert, und das nicht nur bei den jungen Menschen. War es noch vor Jahren üblich, mit dem Rad oder zu Fuß zur Schule zu kommen, werden für diesen täglichen Weg vermehrt der Bus oder das „Familien-Taxi“ in Anspruch genommen.
wie Schnelligkeit, Ausdauer, Geschicklichkeit, Balance und Kraft wurden beim Spiel im Freien mit Gleichaltrigen ganz nebenbei erlernt. Auch diese Zeiten sind seit Jahren für viele Kinder vorbei.
Immer weniger treffen sich Kinder im Freien, etwa auf Bolz plätzen oder in ruhigen Wohngegenden auch auf der Straße, um gemeinsam uns gut bekannte Spiele wie Fangen, Seilhüp fen, „Himmel und Hölle“, Federball und Ballspiele aller Art zu spielen
oder auf Rollschuhen, mit dem Roller und dem Rad umher zuflitzen und damit, was Letzteres betrifft, die Grundlage für den Radsport zu legen.
Der Sport bietet und vereint in gemeinsamem Tun viele Fak toren, die im Leben wichtig sind, z. B. Ausdauer, Frustrati onstoleranz, Fair Play, Zusammenspiel und Sinn für Gemein schaft.
Die für die einzelnen Disziplinen im Sport aufgestellten Re geln – denken Sie nur an die Ballsportarten – gelten weltweit und genießen internationale Anerkennung. Alle Sportlerinnen und Sportler halten sich daran. Nur noch in der Musik finden wir sonst diese Gültigkeit.
Da sich der Lebensraum unserer Kinder für den natürlichen Bewegungsdrang so verändert hat, bekommt der organisierte Sport in Form von Sportunterricht, bekommen aber auch die Angebote der Sportvereine eine einzigartige Bedeutung. Denn
die zu geringe Förderung von Bewegungspotenzialen der Kin der und Jugendlichen führt zu gravierenden Schäden. Das ha ben meine zwei Vorrednerinnen bereits erwähnt.
Die besondere Verantwortung liegt im schulischen Sportun terricht. Hier werden alle Kinder und Jugendlichen erreicht und profitieren von gutem Sportunterricht, der von fachlich gut ausgebildeten Lehrerinnen und Lehrern erteilt wird. Sie profitieren davon nicht nur gesundheitlich und pädagogisch, sondern auch in ihrer Persönlichkeitsentwicklung.
Für uns ist es wichtig und auch richtig, dass Sportfachlehrer und Sportfachlehrerinnen an den Grundschulen unterrichten. Das Ziel ist fachlich qualifizierter Sport- und Schwimmunter richt in allen Schulstufen. Da widerspreche ich der Vorstel lung, dass wir an diesem Klassenlehrerprinzip festhalten. Wenn wir fachlich guten Sportunterricht in der Schule haben wollen, brauchen wir Sportfachlehrer.
Durch Fortbildungsangebote können sich diese Lehrkräfte oh ne Fakultas Sport an Grundschulen weiterqualifizieren. Lei der nehmen aber immer weniger Lehrer und Lehrerinnen die se Möglichkeit an, und dies wird der Bedeutung und Verant wortung, die dem Sportunterricht zukommt, nicht gerecht.
Ich sage dies, obwohl mir bewusst ist, dass sich auch die fach fremden Lehrkräfte sehr engagieren. Meine Feststellung ist auch keine Kritik an diesen einzelnen Menschen. Sie weist vielmehr auf den Mangel hin, den wir politisch beseitigen müssen.
Ich werde mich dafür starkmachen, die Fachlichkeit im Sport unterricht und dessen Stärkung voranzubringen.
Vielerorts findet aufgrund der fehlenden Fachlichkeit nur Be wegung und Spiel statt, aber kein systematischer Sportunter richt. Das Wissen aber, wie die Defizite an Schnelligkeit, Aus dauer, Geschicklichkeit, Balance und Kraft pädagogisch und didaktisch angegangen werden können, ist eine notwendige Voraussetzung für einen gelungenen Sportunterricht und für die Förderung junger Menschen.
Wichtige Partner gerade an den Ganztagsschulen sind die Sportvereine. Sie werden in diesem System keine Verlierer sein; sie werden hinsichtlich ihrer Arbeit gewinnen.
(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD – Abg. Claus Schmiedel SPD: Sehr gut! – Abg. Fried linde Gurr-Hirsch CDU: Wie denn?)
Hier besteht nämlich die Möglichkeit für viele Kinder und Ju gendliche – vor allem für diejenigen, die in ihrem sozialen Umfeld weniger Zugang zu solchen Angeboten haben –, eine Sportart kennenzulernen, mit der sie sonst nicht in Berührung kommen würden. Die Grundlagen der motorischen Fähigkei ten werden in jungen Jahren gelegt. Diese Grundlagen haben