- ich komme doch gleich dazu - zwei männlichen Tieren ins Nest gelegt. Das Paar hatte schon seit geraumer Zeit Brüten gespielt, bis dato aber nur mit einem Ei aus Gips. Kurzum: Die beiden Pelikane haben das Ei ausgebrütet, sind stolze Väter geworden und kümmern sich rührend um ihren Nachwuchs.
(Christian Hecht, AfD: Wer hat denn das Ei gelegt? - Lachen bei der AfD - Zuruf von der AfD: Genau! - Christian Hecht, AfD: Einer von den schwulen Pelikanen, oder was? - Hört doch einmal kurz zu! Es geht gleich weiter. Man kann die Geschichte auch im Internet ver- folgen; die ist wirklich nett. Das kommt im Tier- reich übrigens auch gar nicht so selten vor. (Eva von Angern, DIE LINKE: Das stimmt! - Daniel Roi, AfD: Das wollen Sie jetzt in der Kita erzählen?)
Interessant wird es aber erst dann, wenn das fünfjährige Kind beim Zoobesuch fragt: Aber Mama, wie geht denn das mit zwei Vätern? Haben Sie die Antwort sofort parat? Sind Sie auf alle Fragen, die unweigerlich folgen werden, entsprechend vorbereitet?
Bei den Fünf- bis Sechsjährigen haben wir als Eltern noch das Glück, dass wir gnadenlos alles gefragt werden. Aber wie sieht es dann bei den Zehn- bis Zwölfjährigen aus? Reden diese mit Ihnen über die beginnende Pubertät und die neue Gefühlswelt?
Jetzt kommen wir zu den Themen. Genau hier setzt das Projekt Medienkoffer des Kompetenzzentrums für geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe an. Es geht nämlich um Sprachfähigkeit - Sprachfähigkeit als Grundlage einer altersgerechten Bildung.
Was macht diese Medienkoffer aus? Sie wissen, dass es diese für unterschiedliche Altersstufen gibt. Es geht um eine altersgerechte und spezifische Auswahl an Materialien und Methoden. In der Rede der Ministerin, die von Herrn Prof. Willingmann vorgetragen wurde, ist bereits darauf eingegangen worden. Das brauche ich nicht zu tun. Hauptbestandteil des Koffers bilden, wie gesagt, ausgewählte Materialien, die übrigens auch im ganz normalen Buchhandel erhältlich sind. Das ist also nicht irgendetwas, das dort hineingeschmuggelt wird. Obwohl ich auch zugeben muss - ich habe mich gestern Abend mit einer Kollegin darüber unterhalten -, dass es Bücher gibt, bei denen ich sage: Hui, ja, sie enthalten durchaus Sachen, bei denen ich denke „oh, okay“.
Ich habe aber einmal bei der Gesellschaft APA - das ist die amerikanische Psychologenvereinigung, an der sich auch die deutschen Psychologen orientieren - nachgeschaut, was Sexualisierung eigentlich bedeutet: die wesentliche Orientierung des Selbstwertgefühls an sexuellem Verhalten. Das heißt, dass sexuelle Anziehungskraft und körperliche menschliche Attraktivität sozusagen gleichgesetzt werden. Wann spricht man von einer Sexualisierung von
Kindern? Ein Problem besteht gemäß APA dann, wenn einem Kind, sei es als Folge des Kontaktes mit hochsexuellen Medien wie TikTok, Snapchat und Co. - das kennen Sie alle - oder als Folge der Erziehung, vorzeitig ein unangemessenes Maß an Sexualität aufgezwungen wird. Das ist im Prinzip die Aussage oder die Unterstellung in Punkt 1 Ihres Antrages.
Hier geht es nicht darum. Auch das wurde in der Rede der Ministerin schon gesagt. Die Materialien richten sich an Geschlechterstereotype und Zuschreibungen. Es geht um unterschiedliche Familienmodelle und um geschlechtliche Diversitäten. Der Fokus dieser Bildungsangebote - auch das wurde gesagt: Sexualität und Wissen gehören zur Bildung - liegt auf ethischen, kulturellen, emotionalen und sozialen Fragen sowie auf deren Erläuterung.
Zudem muss man sagen: Es wird niemals über die Köpfe der Kinder hinweg entschieden. Die Eltern werden informiert, wenn diese Bildungsangebote in den Kitas und in anderen Einrichtungen wie Grundschulen, Horten sowie in weiterführenden Einrichtungen unterbreitet werden. Sie können widersprechen. Wenn mein Kind sich heutzutage auf Klassenfahrt begibt, dann muss ich vorher unterschreiben, ob es schwimmen darf, ob es etwas mit der Säge machen darf usw.
Warum ist das sinnvoll? - Ich habe es schon angedeutet: Die Kinder kommen mit den Themen sehr zeitig über das Internet in Kontakt.
Ich möchte aber abschließend sagen und das auch nicht unerwähnt lassen: Bei den Themen, die Sie angesprochen haben, gerade bezüglich dieses Zentrums zu queeren Themen, sind die unterschiedlichen Belange von Jungen und Mädchen genauso an der Tagesordnung. Sie legen den Grundstein für Gleichberechtigung und Chancengleichheit von Männern und Frauen in unserer Gesellschaft. Das ist ein Thema, das hierbei absolut parallel behandelt wird. - Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Dr. Schneider. Es gibt eine Intervention von Herrn Dr. Tillschneider und, wenn Sie diese zulassen, zwei Nachfragen, zum einen von Herrn Siegmund und zum anderen von Herrn Dr. Schmidt.
Würde mir und meinem kleinen Dreijährigen im Zoo ein schwules Pelikanpaar über den Weg laufen und würde mein kleiner Junge fragen, was das denn sei, dann würde ich sagen: „Weißt du was, Junge? Das kommt vor. Das ist aber nicht normal.“
Damit würde ich ihm einen gesunden Sinn für das Verhältnis von Norm und Abweichung einprägen. Die Kinder und unsere Gesellschaft überhaupt brauchen diese Struktur von Norm und Abweichung. Wer das aufhebt, der führt in die totale Beliebigkeit, in die totale Perversion; der zerstört jede gesellschaftliche Struktur und macht aus unserer Gesellschaft eine amorphe
Masse von Individuen, mit der sich alles machen lässt. Und genau darum geht es Ihnen. Aber wir sind der Widerstand gegen dieses perverse Projekt.
Herr Dr. Tillschneider, ich glaube, dass es einen Unterschied gibt. Das bringen Sie in einer Antwort vor. Sie sagen erst, es gibt die Norm und es gibt die Abweichung.
Dass sich die überwiegende Anzahl der Menschen als weiblich oder als männlich fühlt, ist doch unbestritten. Aber in einem Satz von Norm und Abweichung und dann auch noch von Perversität zu sprechen, lasse ich nicht gelten.
(Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD: Kann ich kurz reagieren auf das, was sie gesagt hat? Ich muss etwas klarstellen! - Ministerin Eva Feußner: Mikro! - Stefan Gebhardt, DIE LINKE: Eine Intervention auf eine Interven- tion, oder was?)
(Dr. Hans-Thomas Tillschneider, AfD: Ganz kurz! Ein Satz! Man kann doch etwas klar- stellen, und zwar - denn Sie haben mich jetzt falsch verstanden - habe ich nicht gesagt, dass die Abweichung pervers ist, sondern dass der Versuch, das Verhältnis von Norm und Abweichung aufzuheben, pervers ist! Das ist ein Unterschied!)
Vielen Dank, Frau Dr. Schneider. Sie sprechen heute für die CDU-Fraktion. Sie selbst sind Mitglied im Vorstand des Kompetenzzentrums für geschlechtergerechte Kinder- und Jugendhilfe Sachsen-Anhalt.
Ich habe mir angeschaut, was Sie dort für Kurse durchführen. Sie führen aktuell z. B. einen Selbstbehauptungskurs für Jungen durch. Ich zitiere die Themen: Junge*Sein und Männlichkeit ziehen sich durch den ganzen Kurs, damit die Jungen erkennen können, wie sie sich von ihren eigenen Männlichkeitsbildern und von an sie herangetragenen geschlechtsbezogenen Erwartungen einengen lassen. - Das halte ich einmal so fest.
Sie haben hier im Landtag eine Ausstellung unterstützt, finanziert mit Steuermitteln, in deren Rahmen sich queere Jugendliche quasi der Öffentlichkeit gestellt haben etc. Ich habe dazu übrigens ein Video. Ich empfehle allen - auch Ihnen von der CDU -, das einmal anzuschauen, um zu sehen, was Sie hier so mitfinanzieren. Zu sehen war z. B. Lina*Hannes, was sich selbst als hen oder hens ansprechen lassen möchte. Es bezeichnet sich selbst als queer, Enby und Fluff.
Ich frage Sie jetzt: Sind das die Werteverständnisse, die die CDU jungen Menschen im Jahr 2024 mit auf den Weg gehen möchte? Das ist die erste Frage.
Erst einmal dazu, warum ich dort im politischen Vorstand bin. - Ich möchte, dass jeder die Chance hat, seine eigenen Möglichkeiten zu nutzen, und sich dafür nicht verstecken muss.
Das bedeutet für mich auch Gleichstellung. Es geht nicht um primär Mann, Frau. Vielmehr soll jeder seine Chancen, seine Möglichkeiten nutzen können.