Aber inhaltliche Gründe machen Sie überhaupt nicht geltend. Also: Kann etwas sinnvoll sein, kann etwas aus
dem Bildungsgang des Gymnasiums anerkannt werden, das wirklich von der Vorbereitung auf den Erzieherberuf her nützlich, wichtig und inhaltlich unabdingbar ist? Diese Frage muss ich mit Nein beantworten; denn es wäre eine Verkürzung, die nur auf Kosten der Qualität in dieser Konstellation möglich wäre. Sie würde einen formalen Abschluss anerkennen und sie würde auch Zeit sparen, aber sie würde in der Sache, glaube ich, keine Rechtfertigung eröffnen.
Ja. - Nur damit ich es richtig verstanden habe. Sie sehen also keine inhaltliche Notwendigkeit, mehr Abiturienten als Erzieherinnen in Kindergärten einzusetzen?
Nein, ich sehe das wirklich nicht; denn Abiturienten sind nicht der konsistente und normale und wünschenswerte Zugang in diese Ausbildung. Abiturienten haben die allgemeine Hochschulreife erworben, und die soll primär in ein Hochschulstudium einmünden. Es wäre sonst eine komische Antwort.
Herr Minister, es ist ganz gut, dass Frau Dr. Hüskens noch einmal nachgefragt hat. Mich würde interessieren, wie Sie zu dem Beschluss des Landtages stehen, dass in Sachsen-Anhalt Erzieherinnen langfristig eine Hochschulausbildung erhalten sollen.
Liebe Frau von Angern, das wäre doch dann eine von Grund auf andere Systematik. Über die Frage wundere ich mich. Es macht mir oft Spaß, Ihre Fragen zu beantworten, aber diese fordert mich einfach nicht genug heraus.
Es geht jetzt nicht um das Studium. Das Plädoyer war doch, Abiturienten als solche in die Ausbildung zum Erzieher zu nehmen. Das Argument war doch nicht, mehr Erzieher an Hochschulen auszubilden. Das sind doch zwei unterschiedliche Schuhe.
- Herr Kollege, das hängt einfach nur damit zusammen, dass ich mir offensichtlich irgendwann die Zeit nehmen muss, um Ihnen den Unterschied zwischen einer Fachschule und einer Fachhochschule zu erklären. Aber das möchte ich jetzt nicht.
Vielen Dank ,Herr Minister. - Dann kommen wir zu den Beiträgen der Fraktionen. Für die SPD-Fraktion spricht Frau Reinecke. Bitte.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Um es gleich vorwegzunehmen: Wir werden den Antrag vornehmlich aus bildungspolitischen, aber auch aus schulorganisatorischen Gründen ablehnen.
Ich möchte ganz kurz auf die bildungspolitischen Gründe eingehen, die hier in der Tat schon in mehreren Debatten erläutert wurden. Zuletzt fand ein Fachgespräch statt - es wurde auch von Frau Dr. Hüskens angesprochen -, bei dem herausgearbeitet wurde, dass die Kita als erster Lernort im öffentlichen Bildungssystem besonders wichtig ist. Mehr als bisher beachtet, sind die frühen Jahre für die Bildungsbiografie der Kinder entscheidend; denn hier werden die Grundlagen für die weitere Entwicklung und für die späteren Lernerfolge gelegt. So viel und so schnell wie in den ersten Lebensjahren lernt ein Mensch nie wieder.
Es wurde auf die Programmatik bzw. auf das entwickelte Programm, welches es seit dem Jahr 2004 gibt, „Bildung elementar“, und auf die Anforderungen und die Ansprüche eingegangen. An dieser Stelle wurden auch Differenzen zur wirklichen Umsetzung aufgezeigt.
Grundsätzlich wird die Auffassung vertreten, dass wir eine Akademisierung der Erzieherausbildung brauchen. Der Landtagsbeschluss wurde gerade schon genannt. Ich weiß auch aus dem Fachgespräch, dass die Kolleginnen und Kollegen der FDP diesbezüglich anderer Meinung sind. Ich denke, das ist legitim. Wir vertreten bei diesem Thema grundsätzlich einen anderen Ansatz.
Wie sieht es nun tatsächlich in der Praxis aus? - Zu beobachten ist nach wie vor folgender Trend: Viele entscheiden sich für den Erzieherberuf, weil sie in anderen Bereichen wenig Chancen haben. Bisher reicht meist ein Realschulabschluss als Voraussetzung aus. In der Regel erstreckt sich die Ausbildung über drei Jahre; ob nun im Blockunterricht oder turnusmäßig, es wurde alles schon genannt.
Vielerorts versucht man auch, die Fachschulausbildung aufzuwerten - darüber kann man lang und breit reden -, aber im Prinzip hält man an ihr fest. Damit steht man in Deutschland im Vergleich zu anderen Ländern in Europa ziemlich allein da. Wir sind also in Deutschland fast Schlusslicht bei diesem Thema.
Es geht mir dabei nicht darum, Schlusslicht zu sein, sondern um den veränderten Anspruch in der Arbeit mit Kindern. Wir haben das Qualifizierungsniveau der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter zu verbessern, indem wir die Ausbildungszeit verkürzen. Aber damit, für eine Hand voll Abiturienten irgendwelche Regelungen in der Rahmenrichtlinie zu verändern, ändern wir an der Problematik nichts grundlegend.
Ich denke, es geht vielmehr darum, systematisch eine grundsätzliche Veränderung herbeizuführen. Im Prinzip geht es momentan darum, dass die Altersstruktur in den Kitas beklagt wird und dass die Kapazitätsgrenze an der Fachhochschule für das Fortbildungsangebot für die Leiterinnen momentan auf 30 festgelegt wurde, wodurch das Ziel der Akademisierung von Erzieherinnen nur mit
tel- und langfristig zu bewerkstelligen ist. Wir reden also über einen Veränderungsprozess im System über die nächsten 20 Jahre. Sicherlich spielt dann auch die finanzielle Attraktivität im Beruf eine Rolle.
Das heißt, wir sprechen über mehrere Etappen: von dem berufsbegleitenden Studiengang der Leiterinnen über die Fort- und Weiterbildung der derzeitigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bis hin zur Einrichtung eines grundständigen Studiengangs für Erzieherinnen und Erzieher. Die Grundlagen, die in diesem grundständigen Studiengang gelehrt werden, wurden in dem Fachgespräch bereits genannt. Ich möchte sie an dieser Stelle nicht noch einmal erwähnen.
Es muss auch gesagt werden, dass die Leistungen, die momentan in den Kitas erbracht werden, nicht abgewertet werden dürfen. Die Erzieherinnen in den Kitas arbeiten gut. Sie erbringen eine pflegerische und betreuerische Arbeit sowie ein Engagement, das anzuerkennen ist. Man sollte es nicht abwerten, obwohl es oftmals so verstanden wird.
Ich denke, die Thematik tangiert auch den neuesten OECD-Bericht, in dem es heißt, dass es dringend erforderlich ist, die Studierquote zu erhöhen. Der künftige Fachkräftemangel ist in aller Munde. Wir werden uns auch in diesem Bereich dieser Diskussion stellen und das Potenzial von Abiturienten besser nutzen müssen.
Neben den handfesten bildungspolitischen Gründen unsererseits gibt es auch simple organisatorische Gründe, diesen Antrag abzulehnen. Ihrem Vorschlag zu folgen würde bedeuten, für relativ wenige Abiturienten einen hohen schulorganisatorischen Aufwand zu bewerkstelligen. Der gesamte Rahmenplan müsste umgestellt werden. Es müssten Parallelklassen gebildet werden. Ich denke, dies wäre einfach nicht praktikabel. Deshalb werden wir diesen Antrag ablehnen. Ich beantrage namens der SPD-Fraktion die Ablehnung. - Herzlichen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Meine Damen und Herren Abgeordnete! Zunächst möchte ich über das Stöckchen springen, das uns Frau Dr. Hüskens hingehalten hat, indem sie in der Überschrift des Antrages „Ausbildung von Erziehern“ die männliche Form gewählt hat.
Für die, die es nicht wissen: Statistisches Amt: Im Bereich der Kindertageseinrichtungen arbeiten 10 813 Erzieherinnen - mit kleinem i - und 60 Erzieher. - Bedauernswert: Das sind - für die Mathematiker unter uns - 0,5 % Männer. Das heißt, gleichstellungspolitisch vielleicht zwar nicht korrekt, aber an dieser Stelle hätte sicherlich die weibliche Form verwendet werden können.
(Herr Gürth, CDU: Was machen die Gleichstel- lungsbeauftragten dagegen? - Frau Weiß, CDU: Das ist so etwas von wichtig!)
Vielleicht aus meiner Sicht noch etwas zu dem Fachgespräch, das wir im Sozialausschuss gemeinsam mit dem Bildungsausschuss geführt haben. Der Kultusminis
Es ging in dem Fachgespräch um eine Qualifizierung der Erzieherinnen, um eine Fortentwicklung der Ausbildung. Wir haben eine ganze Menge über die künftige Leiterinnenausbildung an der Fachhochschule, auch an der Universität in Halle erfahren. Wir haben auch viel über die Erzieherinnenausbildung an der Fachschule erfahren. Wir haben eine ganze Menge Schwierigkeiten - sowohl deutlich ausgesprochen als auch zwischen den Zeilen - hinsichtlich der Kommunikation zwischen Fachschulen und Hochschulen mitbekommen. Ich glaube, eine Diskussion, ein Gespräch auf Augenhöhe findet an dieser Stelle noch nicht statt.
Wir haben auch erfahren, dass das Programm „Bildung elementar“, das im Jahr 2004 vorgestellt worden ist, erst in diesem Jahr in die Rahmenrichtlinien Einzug gehalten hat. Das ist aus unserer Sicht mehr als eine Verspätung.
Wir haben auch über die Problematik der Geschlechterverteilung, die ich bereits erwähnte, gesprochen. Das heißt, es ist also doch nicht so unwichtig. Auch dazu haben wir Stellung genommen.
Wir haben auch erfahren, wie die Qualität der Bewerberinnen und Bewerber an den Fachschulen ist, wie geprüft wird und wie von den Fachschulen selbst versucht wird, die besten Erzieherinnen und Erzieher herauszufiltern.
Ich denke, wir haben eine ganze Menge Stolpersteine mitbekommen, die wir versuchen müssen auszuräumen.
Ich möchte noch etwas zu dem Antrag im Besonderen sagen. Ziel ist es - das halte ich für legitim -, mehr Abiturientinnen in den Beruf der Erzieherin/des Erziehers zu locken. Ein Blick über den Tellerrand zeigt, das Land Berlin ist noch viel forscher als wir. Voraussetzung für eine Erzieherinnenausbildung ist dort mindestens ein guter Realschulabschluss oder das Abitur. In Anbetracht der Tatsache, dass wir - nicht nur als Politikerinnen und Politiker, sondern auch als Gesellschaft - so hohe Ansprüche an Kindertageseinrichtungen stellen, halte ich das für sehr sinnvoll.
Beim Blick in die Vorschriften zu unseren Fachschulen wird deutlich, dass es hier eine solche Differenzierung nicht gibt. Wir haben in der Fraktion auch darüber diskutiert, ob wir dem Antrag so, wie er vorliegt, folgen können. Wir können es aufgrund der derzeitigen Fassung noch nicht.
Ich denke, es gibt aufgrund der Lehrinhalte an den Fachschulen kaum Parallelen zu den Gymnasien. Da wären vielleicht Deutsch, Sozialkunde, Ethik und Religion zu nennen. Aber am Gymnasium finden Erziehungswissenschaft, Ökologie, Gesundheit, Organisation, Recht und Verwaltung höchstens marginal, aber nicht in Bezug auf eine Erzieherinnenausbildung statt.
Nichtsdestotrotz denke ich, dass wir im Zuge der Diskussion, die wir im Sozialausschuss und im Bildungsausschuss gerade haben - der Minister ist hierzu herzlich eingeladen -, dieses Thema ansprechen müssten. Denn ich halte es für wichtig, mehr Abiturientinnen und Abiturienten für diesen Beruf zu gewinnen. Vielleicht gibt es eben doch Möglichkeiten, im theoretischen Bereich - wenn überhaupt, dann nur im theoretischen Bereich; dies sage ich ausdrücklich - an der Fachschule Kürzungen herbeizuführen. Darüber sollten wir noch einmal reden.
Deshalb beantrage ich heute namens meiner Fraktion, diesen Antrag in den Sozial- und in den Bildungsausschuss zu überweisen. Ich sehe darin ein Kompromissangebot. Ich denke, wir sollten uns die Chance nicht nehmen, darüber zu sprechen.
33. - Ich werde mich in Zukunft bemühen, die Fragen so zu stellen, dass sie Sie ausreichend herausfordern. Was ich Ihnen auf jeden Fall empfehlen kann, ist die neueste Studie der GEW zur Eigeneinschätzung