Dieser Rohstoff ist vielseitig. Die Kaskade haben wir alle vor Augen: die Nutzung als Furnier, als Möbel, als Bauholz, dann natürlich irgendwann als Industrieholz oder am Ende als Brennholz. Oder auch der Reisighaufen, der im Wald liegt oder auch neben unserem Haus.
Der Rohstoff Holz ist haltbar, widerstandsfähig über viele Jahrhunderte, wie wir an unseren alten Häusern sehen. Er bindet Kohlenstoff und kann später durch Verbrennung unproblematisch entsorgt werden, indem der Kohlenstoff
wieder in den Naturkreislauf kommt, eben mit dieser Verzögerung. Das ist eigentlich ein großes Wunder, wenn gleichzeitig in unseren bewirtschafteten Wäldern die höchste nachgewiesene Biodiversität herrscht. Vitalität und Widerstandskraft prägen unsere gesunden und vielfältigen Wälder. Vielaltrigkeit und Vielartigkeit sorgen für eine gesunde Risikostreuung in diesem System. Dieses Wirtschaftsgut stärkt den ländlichen Raum und die regionalen Wirtschaftskreisläufe. Menschen in Sachsen leben mit und von unseren Wäldern, und sie leben mit und von unseren Bäumen.
Nebenbei sei erwähnt, dass es abseits der stofflichen Nutzung natürlich auch die aktuellen Themen gibt, über die wir hier immer diskutieren: Es geht um Energie- und Wärmeversorgung; auch dazu kann Holz einen Beitrag leisten. Der Holzbau ist ja wieder im Gerede. Das ist vielleicht ein guter Weg, um nicht mit Styropor oder künstlichen Stoffen dämmen zu müssen, sondern Holz dafür zu nutzen und generell mehr mit Holz zu bauen und zu konstruieren.
Das Positionspapier der CDU-Fraktion spricht das alles deutlich an. Es ist auch eine gute Ergänzung zum Papier des Waldbesitzerverbandes, der auch 13 Punkte entsprechend fundiert aufgeschrieben hat.
Jedoch erleben wir in der politischen Diskussion, aber auch vor allem im aktuellen Handeln des zuständigen Staatsministeriums, dass der Verrottung weiter Teile der Wälder heute der Vorzug gegeben werden soll. Verrottung auch weiterhin; ich komme später dazu. Holz bleibt liegen, bleibt stehen, wird nicht mehr genutzt. Der fertige Baum muss wohl noch älter werden, er soll kränkeln und dann sterben. Er soll eben nicht genutzt werden, wie ihn der liebe Gott wachsen lassen hat. Flächenstilllegungen, Prozessschutz, Wildnis – das sind Begriffe einer akademischen Naturelite, die rücksichtlos aus Ämtern und Lobbymacht auf die Nutzungsanforderungen der 85 000 Waldbesitzer, der Waldarbeiter und der Unternehmer, des nachgeordneten Handwerks und der Holzindustrie unserer heimischen Säger trifft.
Der Schatz des Waldes, der in seiner Holznutzung liegt und bei dem viele Dinge für Erholung, Klima, Wasserspeicher etc. umsonst über viele Jahre angefallen sind, wird so verplempert, das Volkseigentum nicht nur des Staatswaldes massiv geschädigt. Das muss ein Ende haben, und das war in unserer Koalition auch am Anfang nicht so besprochen.
Was ist stattdessen passiert? Zuerst ging es los mit den kleinen Naturschutzmaßnahmen im Wald, mit Heckenpflanzen oder der Projektierung kleinteiligster Biotope auf Kosten des Sachsenforstes. Sachsensümpfchen überall, in jedem Revier sozusagen. Später dann die großen Wildnisgebiete, 1 000 Hektar im Wermsdorfer Wald wurden diskutiert. Später wurde es zurückgenommen, jetzt wird die Fläche woanders gesucht. In Olbernhau soll es so bleiben, dass dieser Wald, der für die Region ganz wichtig ist, entsprechend stillgelegt wird.
Jetzt kommt eine rücksichtslose Zertifizierung mit FSC, die auf 30 % der Landesstaatswaldfläche ausgedehnt werden soll und entsprechend nicht, wie vereinbart, in drei Revieren als Vergleichsrechnung ablaufen soll. Eine teure, einseitige Zerifizierungscommunity wird hier finanziert und die Bewirtschaftung auf der Fläche damit lahmgelegt. Die Unternehmer, die letztendlich im Sachsenforst arbeiten, müssen sich jetzt komplett auf FSC, auf diese Anforderung, umstellen, haben entsprechende Kosten und wälzen diese Kosten dann auch entsprechend in die Privat- und Kommunalwälder um.
Die zweite Aktuelle Debatte ist durch Herrn von Breitenbuch, Fraktion CDU, eröffnet worden. Die weitere Reihenfolge ist AfD, DIE LINKE, BÜNDNISGRÜNE, SPD, und der fraktionslose Kollege Teichmann, MdL, hat auch Redebedarf angemeldet. Jetzt ergreift für die AfD-Fraktion Herr Kollege Zwerg das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident! Werte Kollegen! Es herrscht Einigkeit darüber, den Wald und den Rohstoff Holz nachhaltig zu nutzen, und das tun wir auch.
War der deutsche Wald um das Jahr 1800 fast verschwunden, ist er heute so weitläufig wie seit Jahrhunderten nicht mehr, obwohl Deutschland heute viermal mehr Einwohner hat. Dies wurde durch die moderne Forstwirtschaft und durch die Industrialisierung möglich. Erst die Ablösung des Holzes als Brennstoff durch fossile Energieträger und als Baustoff durch Zement stoppte dann die Abholzung.
Holz ist nicht nur der älteste Baustoff der Welt, sondern auch die älteste Energieform der Menschheit. Den enormen Material- und Energiebedarf einer modernen Gesellschaft – wir sprechen hier von Deutschland und Industrie 4.0 – kann es aber nicht ansatzweise ersetzen. Richtig ist, dass Sachsen einen enormen Holzvorrat hat und ihn zu wenig nutzt. Damit verschenken wir Wertschöpfung im ländlichen Raum, aber auch günstige und umweltverträgliche Heizenergie.
Die Brennholznutzung ist ein Teil des Holzkreislaufs und gerade in Zeiten teurer Energie für viele Haushalte sehr wichtig. Zu behaupten, dass die Rettung der Holzheizung eine Errungenschaft der Regierungskoalition sei, geht allerdings zu weit. Ja, die Regierungskoalition hat in den Bundesrat einen Antrag zum Heizungsgesetz eingebracht. Aber nicht Sie, sondern die Allianz der Waldbesitzer und Forstverbände war es, die die Bundesregierung zur Vernunft brachte, obwohl das manchmal heute gar nicht möglich erscheint.
Ich muss Ihnen noch mehr Wasser in den Wein kippen: Ihre Bemühungen sind für die Haushalte keine echte Hilfe. Die
Holzofenförderung liegt aktuell – sie ist heruntergefahren worden – bei 10 %, und das auch nur in Verbindung mit einer Solaranlage oder Wärmepumpe. Bei einer Solarthermieanlage gehe ich auch noch mit, diese kann man wirklich preiswert installieren. Aber bedenken Sie bitte, dass wir im ländlichen Raum sehr oft die Holzheizung tatsächlich als Primärheizung vorfinden. Das bedeutet, das ist die Heizung für das Gebäude, nicht wie im urbanen Raum, wo wir einen schönen Kamin im Wohnzimmer vorfinden, der ab und zu genutzt wird, der dann also maximal als Sekundärheizung funktioniert. Das bedeutet am Ende, wenn ich das Ganze zu sehr aufrüste, doppelte Kosten für die Heizung. Sie dürfen mir glauben, die Wärmepumpe hat ganz andere Einsatzgebiete und wird dort gebraucht, aber nicht in einem Haus, das zum Beispiel Festbrennstoffkessel benutzt.
Das ist dann auch kein Förderprogramm, das ist ein Verhinderungsprogramm, und die CDU unterstützt das eben. Durch die viel zu strengen Emissionswerte werden Ende 2024 viele Heizungen wahrscheinlich zwangsstillgelegt. Wir wollen das abwenden, denn die Luft in Sachsen ist so sauber wie seit Jahrzehnten nicht mehr. Sie ist sogar viel besser als gefordert. Wir haben dazu einen Antrag eingebracht. Sie haben das abgelehnt. Erst danach kamen Sie, liebe Kollegen von der CDU, mit Ihrem eigenen Antrag.
Zum Bauen mit Holz hätten wir noch etwas zu sagen. Natürlich wird schon immer mit Holz gebaut. Man muss aber bedenken, dass Holz als Baustoff auch gewisse Nachteile hat. Wenn man zum Beispiel vorhat, im Geschossbau tätig zu werden mit eventuell Brettschichtbindern oder großen Leimbindern, dann haben wir auch die Frage des Brandschutzes zu klären. Das ist ein eindeutiger Nachteil. Ansonsten ist die sehr verbreitete Holzrahmenbauweise in der Fertigteilhausindustrie ja schon gegeben und wird auch genutzt, ist aber im Schnitt um 30 % teurer als Häuser, die Stein auf Stein gebaut werden. Das nur nebenbei zum Bau mit Holz. Im Übrigen ist Holz ein wunderbarer Baustoff. Wer in Österreich ab und zu in Urlaub ist, wird das bestätigen können.
AfD-Initiativen werden immer mit der Begründung abgelehnt, man habe selbst einen besseren Antrag oder bereite ihn vor. Nach dem Motto „Dreister geht immer“ setzt Staatsminister Schmidt noch einen drauf. Das vorletzte Woche beschlossene Gebäudeenergiegesetz ist aus seiner Sicht nicht zustimmungsfähig. Er will es verhindern, indem er den Vermittlungsausschuss im Bundesrat anruft. Guten Morgen! In unserem Antrag „Keine Heizung ist illegal“ aus dem Juli war genau diese Forderung die Anrufung des Vermittlungsausschusses.
Mit einer Ausnahme haben alle anwesenden CDU-Abgeordneten dies abgelehnt. Aber Hauptsache die Brandmauer steht, aber glauben Sie mir, sie wird nicht mehr lange stehen.
Das Wort hatte Herr Kollege Zwerg für die AfD-Fraktion. Jetzt kommt die Fraktion DIE LINKE zum Zug. Frau Kollegin Mertsching, bitte.
Werte Herr Präsident! Werte Abgeordnete! Vielen Dank an die CDU für die Aktuelle Debatte „Sachsens Wälder nicht verrotten lassen – den Rohstoff Holz nachhaltig nutzen“. Das ist doch mal eine gute Gelegenheit, über ein sehr wichtiges Thema zu reden. Am Ende geht es Ihnen ja darum, dass Sie das Totholz aus dem Wald holen wollen.
Ich frage Sie einmal, Herr von Breitenbuch: Was denken Sie, wie jemand überhaupt auf die Idee kommt, Totholz im Wald zu belassen? Vielleicht hat das etwas mit der Erkenntnis der planetaren Grenzen zu tun. Diese sind die natürlichen Belastungsgrenzen unseres Planeten, auf dem wir leben, und auf die wir angewiesen sind.
Beispiele sind der Süßwasserverbrauch, das Abholzen und andere Landnutzungsänderungen – wie die Flächenversiegelung, über die wir morgen sprechen werden –, die Verschmutzung der Umwelt durch Plastik, Chemikalien oder Atommüll, die steigenden Temperaturen oder die Artenvielfalt. Sechs dieser neun planetaren Grenzen sind überschritten. Beim Klima ist die Belastungsgrenze erreicht,
bei der Biodiversität sind wir schon seit dem Jahr 2009 drüber und das Artensterben geht munter weiter. Momentan verliert die Erde jeden Tag 150 Tier- und Pflanzenarten. In den letzten fünf Jahrhunderten verschwanden durch den Menschen ebenso viele Gattungen wie ohne den Menschen in 18 000 Jahren.
In Deutschland zählen wir 32 000 Tier-, Pflanzen- und Pilzarten. Und davon ist ein knappes Drittel als bestandsgefährdet eingestuft.
Nein. – Weitere 8 % kommen nur noch extrem selten vor und 6 % sind bereits ausgestorben. Warum sterben diese Arten? Sie sterben aufgrund von Pestiziden, die durch uns eingetragen werden, aufgrund der Intensivierung der Landnutzung,
der Übernutzung der natürlichen Ressourcen oder weil ihre Lebensräume verloren gehen – und Totholz ist für ein Fünftel der Organismen des Waldes ein Lebensraum; für Vögel, Insekten, Säugetiere, Moose, Flechten und Pilze.
Nein. – Wenn ein Baum stirbt, ist die Vielfalt an Holzbewohnern am höchsten, da vielfältige Alterungsmerkmale vorhanden sind: Höhlen, Stammsäulen, Saftabsonderungen, feine Risse, Ablösungen der Rinde, das Aufkommen von holzabbauenden Pilzen usw. usf. Die aktuelle Situation ist, dass vom Totholz abhängige Arten gefährdet sind. Das bedeutet auch, dass es in den Wäldern Deutschlands und Europas derzeit viel zu wenig Totholz gibt.
Sie möchten nun also Holz nachhaltig nutzen und rekurrieren allein auf die wirtschaftliche Verwendung. Leider müssen wir feststellen, dass in der Statistik zum Holzeinschlag für das Jahr 2022 besonders auffällt, dass das Holz wieder zunehmend für die Verbrennung genutzt wird. Der Holzeinschlag zur Energieerzeugung hat den höchsten Wert seit der deutschen Wiedervereinigung erreicht und nur ein geringer Teil des Holzeinschlags wird zum langlebigen Holzprodukt. Zur nachhaltigen Nutzung gehört aber auch die ökologische Seite. Ich habe Ihnen gerade aufgezählt, wozu Totholz wichtig ist, nämlich zur Einhaltung der planetaren Grenzen wie der Biodiversität – und das gilt nicht nur für den Regenwald am Amazonas, sondern auch für die deutschen Wälder.
Es macht mich fassungslos, dass Sie das bisschen Totholz – nachdem wir gehört haben, dass das einen Riesenbeitrag für die Lebewesen und Artenvielfalt im Wald leistet – im Prinzip dafür herausholen wollen, um es zu verbrennen.
Aber das ist eben die CDU: schwarz wie unsere Zukunft dank Ihrem Verständnis von Bewahrung der Schöpfung.
Zum Abschluss möchte ich noch einmal auf Ihren Debattentitel eingehen. Eventuell holen Sie sich dazu in Zukunft einmal Beratung;