Dann lasse ich über den Alternativantrag der Fraktionen von SPD und SSW, Drucksache 20/2998 (neu) , in der Sache abstimmen. Wer diesem Antrag zustimmen will, den bitte ich um das Handzeichen. – Das sind die Fraktionen von SPD und SSW. Bei Gegenstimmen? – Von CDU und BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN. Bei Enthaltung? – Der FDP-Fraktion. Damit ist auch dieser Antrag abgelehnt.
Ich eröffne die Aussprache, und das Wort hat für die SPD-Fraktion die Abgeordnete Birte Pauls. – Bitte schön.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Am 10. Februar fand erneut der Tag der Kinderhospizarbeit statt. Die symbolischen grünen Bänder flatterten auf vielfältige Art und Weise durchs Netz und machten so auf die ganz besondere Situation von Kindern, Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit unheilbaren und lebensverkürzenden Erkrankungen und auf die Kinderhospizarbeit aufmerksam. Das ist eine wichtige Aktion, die jährlich stattfindet, und die SPD-Fraktion hat diese Aktion sehr gerne begleitet.
Jedes Jahr werden in Deutschland 50.000 Kinder und ihre Familien mit schwersten Krankheiten konfrontiert, die keine Aussicht auf Heilung haben.
Entschuldigung, Frau Abgeordnete. – Liebe Kolleginnen und Kollegen, es ist schon relativ spät am Nachmittag, aber ich darf doch bitten, dass Gespräche außerhalb des Plenarsaales geführt werden. Das Thema ist so wichtig, dass wir der Abgeordneten auch volle Aufmerksamkeit schenken sollten. – Danke.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. – Wenn Kinder sterben, dann ist das für deren Familien und deren Angehörige ein schier unermessliches Leid und eine äußerst belastende Situation, die erhebliche Auswirkungen auf die ganze Familie hat. Die erkrankten Kinder benötigen rund um die Uhr Pflege und Betreuung, und das oft über viele Jahre. In dieser Not bietet die Kinderhospizarbeit nicht nur die professionelle Unterstützung bei der medizinischen und pflegerischen Versorgung, sondern sie kümmern sich auch ehrenamtlich um die psychosoziale Begleitung, die Vernetzung und vor allem die Entlastung für diese Familien.
Sie erleichtern den Kindern und Jugendlichen durch individuelle Therapien und Pflege sowie durch soziale Begleitung die oft unerträgliche Situation und geben den Familien Halt und Entlastung oder, wie es der Bundesverband Kinderhospiz formuliert, Halt zu finden, wenn das Liebste von uns gerissen wird. Diese Entlastung bedeutet für die Familien unendlich viel. Sie können sich in dem Augenblick
um sich selbst kümmern oder aber um Geschwisterkinder, die verständlicherweise nicht immer die gleiche Aufmerksamkeit erhalten.
In Schleswig-Holstein sind sechs Einrichtungen im Bereich der Kinder- und Jugendhospizdienste tätig, darunter ist das Brückenteam der DRK-Schwesternschaften Kiel, das landesweit in der spezialisierten ambulanten pädiatrischen Palliativversorgung tätig ist. Das Hospiz im Wohld in Gettorf bietet landesweit die einzigen zwei Betten für die stationäre Versorgung von Kindern und Jugendlichen an, und dieses Angebot ist von unschätzbarem Wert für die Familien. Hierbei geht es gar nicht so sehr, wie bei den anderen Gästen im Hospiz, vorrangig um das Sterben, sondern um die so wichtige Entlastung für die betroffenen Familien.
aber die Erfahrungen zeigen auch, dass das eine gute Entscheidung war, die sehr gut angenommen worden ist und den Familien als richtig gute Entlastung dient.
Während sich 2.500 Menschen dankenswerterweise ehrenamtlich im Hospizbereich engagieren, sind darunter allerdings nur wenige, die sich um die Begleitung der Kinder und Jugendlichen kümmern. Erst recht ist das Angebot für Kinder und Jugendliche, nicht wie das Angebot für Erwachsene, flächendeckend vorhanden. Die vier anderen Kinder- und Jugendhospizdienste in Kiel, Rendsburg, Bad Segeberg und Flensburg bieten den Familien mit ihren schwerstkranken Kindern wohnortnah die beschriebene Unterstützung.
Genau darum geht es uns in unserem Antrag: die wohnortnahe Unterstützung und die notwendige Entlastung der betroffenen Familien im Alltag, denn gelebt und bei Kindern in den meisten Fällen auch gestorben wird zu Hause. Genau da braucht es die notwendige Unterstützung und die Entlastung.
Im Jahr 2016 haben wir den Antrag auf den Ausbau von wohnortnahen Hospizplätzen gestellt. Damit sind wir jetzt durch. Wir haben die Bettenanzahl, die gefordert wurde, erreicht, und ich bin sehr froh, dass das über Fraktionsgrenzen, über Legislaturperioden hinaus jetzt zum Erfolg gebracht worden ist.
Damit dürfen wir jetzt aber nicht aufhören, uns um das Thema zu kümmern. Es gibt noch viele Herausforderungen. Eine davon ist das Entlastungsangebot für Familien mit ihren kranken Kindern. Deshalb fordern wir die Landesregierung auf, die Bedarfe hier neu zu ermitteln.
Es handelt sich um ein hochsensibles Thema. Es geht um sterbende, kranke Kinder, und nicht jeder kann damit umgehen. Das ist mir sehr, sehr bewusst. Deshalb danke ich allen, die sich zutiefst menschlich, aber auch hochprofessionell um diese Kinder und ihre Familien kümmern.
Unsere politische Verantwortung ist es allerdings, hinzuschauen und zu handeln. Lassen Sie uns deshalb diese Kinder und ihre Familien unterstützen, wie es die viel zitierte Cicely Saunders gesagt hat:
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Kinderhospizarbeit ist eine der emotional herausforderndsten Aufgaben in unserem Gesundheits- und Sozialsystem. Wenn ein Kind schwerstkrank ist und es sich dem Lebensende nähert, trifft das natürlich nicht nur das Kind, sondern die ganze Familie und das Umfeld. Die Eltern, die Geschwister, die Großeltern und die Freundinnen und Freunde stehen vor einer kaum mit Worten zu beschreibenden Belastung. Es ist wichtig, sie in dieser schweren Zeit zu unterstützen und ihnen den Raum, die Begleitung und die Hilfen zukommen zu lassen, die sie brauchen.
Die meisten Familien wünschen sich, dass ihre Kinder in ihrer gewohnten Umgebung bleiben können. Dies erfordert nicht nur medizinische, sondern auch psychologische und soziale Unterstützung. Die am
Ambulante Dienste leisten eine wertvolle Arbeit, indem sie betroffene Familien über viele Jahre hinweg begleiten – in der Krankheitsphase, im Sterbeprozess und oft lange darüber hinaus in der Trauerphase. In Schleswig-Holstein gibt es mittlerweile fünf ambulante Kinderhospizangebote, die eine wertvolle und unverzichtbare Arbeit leisten.
Der Ansatz „ambulant vor stationär“ hat sich bewährt. Die meisten Kinder verleben ihre letzten Monate nicht in einem stationären Hospiz, sondern im Kreis ihrer Familie zu Hause – dort, wo sie sich sicher und geborgen fühlen, wo sie hingehören. Ein eigenständiges stationäres Kinderhospiz über die zwei Plätze für schwerstkranke Kinder mit besonderem Pflegebedarf im Hospiz am Wohld hinaus konnte sich aufgrund der geringen Fallzahlen nach meinem Kenntnisstand nicht etablieren.
Dennoch müssen wir sicherstellen, dass in besonderen Fällen stationäre Angebote zur Verfügung stehen. Hier besteht eine enge Kooperation mit der Sternenbrücke in Hamburg sowie mit dem Universitätsklinikum Schleswig-Holstein in Kiel, das über entsprechende Angebote verfügt.
Eine flächendeckende und qualitativ hochwertige Versorgung bedeutet aber nicht nur eine palliative Versorgung der erkrankten Kinder. Wir nehmen auch die Geschwisterkinder und die Eltern in den Blick, denn sie brauchen ebenfalls eine professionelle Begleitung, um den emotionalen Herausforderungen zu begegnen. Trauerbegleitung, Entlastungspflege und psychosoziale Unterstützung sind daher essenzielle Bestandteile einer ganzheitlichen Versorgung. Wir als Politik tragen die Verantwortung dafür, dass betroffene Familien nicht alleingelassen werden.
Der Ausbau ambulanter Strukturen sollte weiter Priorität haben. Das bedeutet eine sichere und langfristige Finanzierung für die ambulanten Kinderhospizdienste, eine bessere Vernetzung der Angebote und die Unterstützung für die ehrenamtlichen Helferinnen und Helfer, die mit großer Hingabe und Engagement tätig sind. Ihnen danke ich an dieser Stelle von Herzen für diese wertvolle Arbeit.
Die Hospiz‑ und Palliativversorgung hat in Schleswig-Holstein einen hohen Stellenwert, und es ist unser gemeinsames Ziel, diesen weiter zu stärken. Der vorliegende Antrag unterstreicht unser