So schön dieser Tag und dieses Ereignis selbst waren, so kommt man doch als Elternteil ins Grübeln. Von einem Tag auf den anderen wurde aus unserem kleinen Kitakind – ja, unserem kleinen Jungen – ein echtes Schulkind. Als Elternteil hatte man das Gefühl, dass irgendwie die Zeit des Behütetseins vorbei sei, die Anforderungen an die Kinder jetzt zunähmen, der Ernst des Lebens beginnen würde und alle Kinder von heute auf morgen ganz selbstständige Persönlichkeiten sein müssten. Das ist natürlich nicht so, sondern spiegelt eher die Ängste und Sorgen von uns, den Eltern, wider.
Aber dennoch stellt der Übergang von der Kita in die Schule einen gewaltigen Meilenstein im Leben eines Kindes dar. Es vollzieht sich ein gewaltiger Entwicklungsschritt. Schule bedeutet mehr Verbindlichkeit: aus „ich darf“ wird schnell „ich muss“. Schule bedeutet mehr effektive Lernzeit, man muss große Teile des Vormittags stillsitzen und so weiter, man muss einen neuen Platz einnehmen, man muss neue Freundschaften schließen, man muss sich dort zurechtfinden und eine neue Umgebung kennenlernen, die eigene Regeln hat; das kenne ich auch aus meinem ehemaligen Beruf. Kurz: Die Welt eines Kindes steht plötzlich von heute auf morgen Kopf.
Genau deshalb muss es doch unser aller Ziel sein, den Übergang von der Kita in die Schule so reibungslos, so harmonisch wie möglich zu gestalten. Schule, Kita und Elternhäuser sind in gemeinsamer Verantwortung, denn in diesem jungen Alter wird der Grundstein für die gesamte Bildungsbiografie eines Kindes gelegt.
Ich danke den beteiligten Ministerinnen – unserer Bildungsministerin Karin Prien und der Sozialministerin Aminata Touré – und ihren Häusern für ihr Engagement und den Einsatz zum Wohl unserer Kinder.
Zukünftig wird es in Schleswig-Holstein PerspektivKitas im Umfeld unserer PerspektivSchulen geben. Hier werden Kinder mit besonderen Bedarfen bestmöglich unterstützt. Hier wird es Sprachstandserhebungen für Viereinhalbjährige geben – natürlich, das ist ganz wichtig, in Verbindung mit Fördermaßnahmen sowohl durch Kita als auch durch Schule. Denn Diagnostik allein nützt nichts; entscheidend ist die Konsequenz daraus.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist nichts Geringeres als ein Gamechanger. Wir alle wissen und betonen das hier regelmäßig: Sprache ist der Schlüssel zur Welt. Schülerinnen und Schüler starten, wenn sie sprachliche Defizite haben, benachteiligt in ihre Schulkarriere. Frust kann sich aufstauen. Motivation kann verdrängt werden. Hinzu kommen die überforderten Lehrkräfte. Managen Sie mal eine 1. Klasse, wenn dort Schüler sitzen, die kein Wort Deutsch sprechen
oder nur ganz geringe sprachliche Deutschfähigkeiten haben, und andere können fast oder schon sicher lesen – und das alles mit vielleicht 30 Kindern in der Klasse. Das als Lehrkraft zu managen, ist eine gewaltige Herausforderung.
Nun richtet das Land das Verfahren „Entwicklungsfokus Viereinhalbjährige“, EVi genannt, ein, das den Fokus auf die Kinder mit sprachlichem Unterstützungsbedarf richtet. Das Ganze funktioniert so: Kitakräfte erheben anderthalb Jahre vor Schulbeginn den Sprachstand, dokumentieren und übermitteln ihn an die Schule. Es folgt ein Elterngespräch – bei geringem Unterstützungsbedarf übernimmt das die Kita –, ansonsten führen Kita und Schule das gemeinsam durch. Hinzu kommt, dass ab kommendem Schuljahr die Lernausgangslage in Klassenstufe 1 erhoben wird. Man sieht also, dass an allen Ebenen ganz konsequent zusammengearbeitet wird. Wir schaffen 25 neue Stellen an den Kitas und 20 zusätzliche Stellen an den Schulen, 50 PerspektivKitas können ab März starten – also, eine halbe Fachkraft pro Einrichtung.
Das ist eine tolle Sache, auch wenn ich in der Presse gelesen habe, was daran kritisiert wird – heute haben wir es auch schon gehört –: „Zu wenig!“, „Zu spät!“ und: „Falsch platziert!“, so lautet die Kritik der Opposition. Sie machen es sich etwas einfach. Man muss sagen: Gut Ding will Weile haben. Der Anfang ist gemacht. In meiner Wahrnehmung wird hier nichts Geringeres als eine bildungspolitische Trendwende eingeleitet.
Denn alle Bildungsexperten sagen uns, dass bei der Sprache im frühkindlichen Alter angesetzt werden muss. Hier werden die Weichen für die Zukunft ge
Die Sprachstandserhebung und die Förderung müssen sich an alle Kinder richten. Das muss im ganzen Land etabliert werden. So haben wir auch unseren Weg bei der PerspektivSchule beschritten. Wir hatten erst einige; jetzt haben wir sie im letzten Jahr auf 135 verdoppelt. Also: Wir stehen zu dem, was wir zusagen.
Mit diesen Maßnahmen, die jetzt eingeleitet werden, helfen wir gezielt und mit Nachdruck Kindern, die es nicht so leicht haben. Gleichzeitig ist das ein Quantensprung hin zu mehr Bildungsgerechtigkeit und ein Booster für den Bildungserfolg, für bessere schulische Leistungen, und es ist auch ein Entlastungpaket für die Lehrerschaft.
Wir lassen uns diesen Erfolg nicht zerreden, nein, wir stoßen mit dem neuen Sprachscreening und den Fördermaßnahmen genau in das Horn, in das wir schon länger blasen: Wir helfen denjenigen gezielt, die unsere Hilfe am Dringendsten brauchen. Und das ist auch absolut gut so. – Vielen Dank.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sprache ist facettenreich. Sprache kann wirkmächtig sein; das merken wir in diesem Parlament, und das haben wir auch in den letzten zwei Tagen immer wieder gemerkt. Sprache ist essenzieller Bestandteil unserer Identität, und deshalb führen wir leidenschaftliche Diskussionen über die Tiefen der Grammatik oder über das Gendern. Kleine Anmerkung dazu: Ich denke auch, ehrlich gesagt, dass Markus Söder öfter über das Gendern sprechen will als wir Grüne. Aber das nur als kleine Anmerkung dazu.
Das ist der Grund, warum wir eine andere Sprache lernen wollen oder warum wir uns den Übergang zwischen Kita und Grundschule verstärkt anschauen.
(Christopher Vogt [FDP]: Bisher hat darüber kein Mensch geredet! Du redest öfter darüber als Söder selbst! – Heiterkeit)
Herr Vogt, ich werde das in dem Protokoll noch mal nachschauen, aber ich glaube, ich habe den Namen hier noch nie erwähnt.
Diese Diskussion über Sprache ist also der Grund, warum wir andere Sprachen lernen wollen oder warum wir uns den Übergang zwischen Kita und Grundschule verstärkt anschauen. Ein fließender und gut geplanter Übergang von der Kita zur Grundschule ist essenziell, um Chancengerechtigkeit und Bildungserfolg zu gewährleisten. Kinder kommen mit unterschiedlichen Voraussetzungen in die Schule: sprachlich, sozial, emotional und motorisch. Es ist unsere Aufgabe, diese Unterschiedlichkeiten zu erkennen und darauf individuell einzugehen. Die sprachliche Förderung hat dabei eine zentrale Rolle.
Wir wissen, dass Spachkompetenz einer der wichtigsten Schlüsselfaktoren für den schulischen Erfolg ist. Kinder, die bereits frühzeitig in ihrer sprachlichen Entwicklung gefördert werden, haben später deutlich bessere Chancen, sich in der Schule zu integrieren und dem Unterricht zu folgen. Dadurch haben sie natürlich auch bessere berufliche Chancen. Dass wir im Bereich der Sprachförderung einen Handlungsbedarf haben, wissen wir aufgrund verschiedener Studien; ein Fünftel der Schülerinnen erreicht zum Ende der Grundschulzeit nicht die Mindeststandards.
Ein wichtiger Schritt, um diesen Übergang zu erleichtern, ist die enge Zusammenarbeit zwischen Kitas und Grundschulen. Deshalb ist es richtig, dass wir in dieser Legislatur beim Übergang von Kita zur Schule einen ganz klaren Schwerpunkt setzen.
In Schleswig-Holstein haben wir in den letzten Jahren viel dafür getan, dass diese Kooperationen gestärkt werden. Ab dem Schuljahr 2024/2025 startet das Modellprojekt „Entwicklungsfokus Viereinhalb“, das den Sprachstand von Kindern 18 Monate vor der Einschulung erfasst und entsprechende Fördermaßnahmen einleitet. Diese frühe Sprachstandserfassung stellt sicher, dass Kinder, die noch Unterstützung benötigen, diese rechtzeitig und noch bevor sie in die Schule kommen, erhalten. Die Erfahrungen aus anderen Bundesländern wie BadenWürttemberg, Hamburg und Hessen zeigen, dass
Frau Midyatli, Sie haben vorhin in Ihrer Rede zu Recht darauf hingewiesen, dass andere Bundesländer diesbezüglich vorweggehen. Aber Sie müssen auch anerkennen, dass Hamburg immer noch ein Stadtstaat ist, eine komplett andere Struktur hat als Schleswig-Holstein und dass wir finanzielle Rahmenbedingungen haben, die alles andere als einfach sind.
Ich weiß nicht, wie oft Sie schon gehört haben, dass wir grüne Bildungsministerinnen hier irgendwie voranstellen. Wir gucken sachlich auf die Sachen, und wenn Hamburg gute Ideen hat, dann ist uns doch egal, welches Parteibuch die haben.
Besonders Kinder, deren Erstsprache nicht Deutsch ist oder die aus sozial benachteiligten Familien kommen, profitieren von einer frühzeitigen Förderung. Denn Chancengerechtigkeit beginnt nicht erst in der Schule, sondern bereits in der Kita.
Natürlich orientieren wir uns dabei an den bestehenden Programmen. Trotzdem braucht es zunächst eine Pilotierung an einzelnen Standorten, um nachbessern zu können. Programme aus anderen Bundesländern lassen sich aufgrund der unterschiedlichen Strukturen eben nicht einfach mal so eins zu eins auf Schleswig-Holstein übertragen.
Wir wissen, dass insbesondere Kinder in sozial herausfordernden Umfeldern verstärkte Unterstützung benötigen. Dies ist der Gedanke hinter den PerspektivSchulen, und vor Kurzem haben wir ja hier an dieser Stelle schon über die PerspektivKitas gesprochen.