Mir ist es wichtig, gerade die Perspektive von Seniorinnen und Senioren selbst stärker in den Blick zu nehmen. Was wünschen sie sich neben den pflegerischen Aspekten? Ich möchte mich im Rahmen von Besuchen bei Senioren- und Seniorinnentreffs mit ihnen darüber austauschen, was sie mehr benötigen. Ich werde diese Eindrücke in unsere politischen Beratungen mitnehmen und freue mich deshalb über die Ausschussüberweisung. – Vielen Dank.
Es ist beantragt worden, den Antrag Drucksache 20/585 sowie den Alternativantrag Drucksache 20/629 an den Sozialausschuss zu überweisen. Wer so beschließen will, den bitte ich um das Handzeichen. – Das ist aus meiner Sicht einstimmig. Ich frage sicherheitshalber noch einmal nach Gegenstimmen. – Stimmenthaltungen? – Dann ist das einstimmig so beschlossen.
Bevor wir den nächsten Tagesordnungspunkt aufrufen, begrüßen Sie bitte gemeinsam mit mir Besucherinnen und Besucher, nämlich Schülerinnen und Schüler aus der Immanuel-Kant-Schule in Neumünster. – Herzlich Willkommen im SchleswigHolsteinischen Landtag!
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Es ist schwierig, auf die Lehrergewinnung einzugehen, wenn unsere Gedanken bei den ermordeten Schülern, bei ihren Familien und bei ihren Angehörigen sind. Ihnen allen gilt unser tiefes Mitgefühl. Ich möchte die Gelegenheit nutzen, einmal unserer Ministerin zu danken, die heute Morgen vor Ort an der Schule war und mit den Schülerinnen und Schülern und den Lehrerinnen und Lehrern gesprochen hat.
Lehrer zu sein, ist nicht immer leicht. Es ist aber ein ganz wichtiger Beruf. Ich persönlich finde, dass Lehrersein kein Beruf ist, sondern eine Berufung. Junge Menschen auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden zu begleiten, sie zu prägen und sie zu fördern, das ist wundervoll und erfüllend. Dieser Dienst am Menschen und an der Gesellschaft verdient unsere Anerkennung und unsere Unterstützung.
Das ist das, was wir alle tun können. Manche Stellschrauben kann aber nur die Politik stellen. Sie muss für die richtigen Rahmenbedingungen für gelingendes Lernen sorgen. Dazu gehört, dass der zunehmenden Mangel an Lehrkräften aufgehalten wird. Der Bedarf an Pädagoginnen und Pädagogen ist in den letzten Jahren noch gewachsen. Seit dem letzten Jahr sind 7.000 ukrainische Schülerinnen und Schüler gekommen. Auch durch Zuzug, eine sich verändernde Schülerschaft und eine sich verändernde Gesellschaft werden unsere Lehrerinnen und Lehrer zunehmend vor Herausforderungen gestellt. Eine Person vor 28 Kinder zu stellen, ist vielleicht
Zaubern kann leider keiner von uns. Maßnahmen, die wir jetzt ergreifen, um Studentinnen und Studenten zu gewinnen, fruchten erst in vielen Jahren. Deswegen müssen wir uns an Lösungen machen, die heute und morgen greifen. Dabei wollen wir nicht wie der vorliegende FDP-Antrag auf einzelne, überhastete Schnellschüsse setzen, sondern auf eine langfristige und vielschichtige Strategie zur Gewinnung neuer Lehrkräfte.
Das wollen wir als Schleswig-Holstein im Übrigen auch nicht alleine tun, sondern gemeinsam mit allen anderen Bundesländern. Die Kultusministerkonferenz weiß um dieses große Problem: Das Thema wurde – nicht zuletzt von der KMK-Präsidentin 2022, unserer Ministerin Karin Prien – nicht totgeschwiegen, sondern gemeinsam mit der Ständigen Wissenschaftlichen Kommission der KMK angepackt. Denn die Gemengelage ist komplex, sodass sie einer umfassenden Strategie und keiner Einzelmaßnahmen bedarf.
Wir bitten die Landesregierung daher, bis zum zweiten Quartal eine Handlungsstrategie zu entwickeln und uns vorzustellen. Enger Partner dabei wird die Allianz für Lehrkräftebildung sein, eine Institution, bei der sich Akteure aller drei Phasen der Lehrkräfteausbildung einbringen und zusammen Ideen entwickeln. Es wird hier eben nicht von oben verordnet, sondern gemeinsam an einem Strang gezogen. Das ist in Deutschland einmalig.
Wir benötigen dringend Maßnahmen, um die Studienabbrecherquote zu senken. Vielleicht könnte ein höherer Praxisbezug im Studium dazu beitragen, so wie es zum Beispiel an der Uni Flensburg der Fall ist. Ich selbst war im ersten Semester einen festen Tag an einer Schule und wusste daher genau, was im Berufsleben auf mich zukommt. Auch mehr Flexibilisierung im Referendariat, die Anerkennung ausländischer Abschlüsse, möglicherweise ein leichterer Laufbahnwechsel zwischen den verschiedenen Lehrämtern oder die Überprüfung von Sabbatical-Regelungen könnten wertvolle Beiträge leisten.
Außerdem muss die Beratung zu den Studienfächern intensiviert werden, um Pädagoginnen und Pädagogen für diejenigen Fächer zu gewinnen, die wir so dringend brauchen, zum Beispiel Mathe, Physik und Musik. Warum nicht die Weiterqualifizierung für das Drittfach ausbauen, so wie uns das gerade bei Informatik gelungen ist? Das ist ein absolutes Erfolgsmodell.
Selbstverständlich müssen wir uns auch die Frage stellen, wie wir aktuell mehr Menschen ins System bekommen können. Quer- und Seiteneinstiege gilt es daher zu fördern und auszubauen, jedoch – das betone ich ausdrücklich – mit damit einhergehenden Qualifizierungsmaßnahmen. Was unter Britta Ernst, der SPD-Bildungsministerin in Brandenburg, passiert, dass nämlich Bachelor-Absolventen, also Personen, denen der zweite Studienteil fehlt – der Master zum Beispiel –, als Lehrkräfte verbeamtet werden, halte ich für unverantwortlich. Daraus ergibt sich eine Zweiklassengesellschaft im Lehrerzimmer – die vollwertigen Lehrer mit hoher Besoldung und die „Hilfslehrer“, und – was noch viel schlimmer ist – das Ganze geht zulasten unserer Kinder.
Nein, liebe Kolleginnen und Kollegen, das ist nicht der Weg für Schleswig-Holstein. Wir setzen auf Qualität und arbeiten mit Nachdruck an der Quantität. Nur gut ausgebildete Kinder und Jugendliche haben die Chance auf ein unabhängiges, selbstbestimmtes Leben. – Vielen Dank.
Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Lehrkräfte haben einen der wichtigsten Berufe in unserer Gesellschaft, und sie wollten auch wieder einen der schönsten Berufe in unserer Gesellschaft haben. Wie in so vielen Bereichen ist auch hier der Fachkräftemangel ein zunehmendes Problem. Das Nachwuchsproblem betrifft vor allen Dingen die wichtigen MINT-Fächer – also den ma
thematisch-naturwissenschaftlichen Bereich – und die künstlerischen Fächer, während wir zum Beispiel im Fach Geschichte eine Quote von 300 Prozent haben, wenn man die Altersabgänge mit den Studierendenzahlen aus den verschiedenen Fächern vergleicht.
Insofern wird sich das Problem in den nächsten Jahren erheblich verschärfen. Es muss massiv und schnell gegengesteuert werden, es muss umfassend daran gearbeitet werden, dass dieser Beruf wieder attraktiver und beliebter wird, damit mehr junge Menschen Lust darauf haben, Kinder und Jugendliche zu unterrichten. Gleichzeitig – den Punkt teile ich – muss die Qualität der Ausbildung möglichst hoch bleiben. Was in Brandenburg angedacht wird – natürlich ist die Lage dort prekärer als bei uns –, finde ich schon zweifelhaft.
Ein entsprechender Handlungsplan ist längst überfällig. Wir werden dem Koalitionsantrag deshalb zustimmen. Die Punkte, die darin angesprochen werden, müssen beleuchtet werden. Sie sind ja auch sehr allgemein gehalten, deswegen kann man dem zum jetzigen Zeitpunkt zustimmen. Wir haben aber auch Zweifel daran, dass sie wirklich nennenswerte, große Fortschritte bei der Behebung des Fachkräftemangels bringen können.
Frau Ministerin, ich will den Punkt Teilzeit ansprechen. In Baden-Württemberg gab es dazu große Kontroversen. Man muss aufpassen, dass man nicht kontraproduktive Lösungen produziert. Wenn man Teilzeitmöglichkeiten für Lehrkräfte einschränkt – gerade für Frauen ist das ein großes Thema –, muss man aufpassen, dass der Schuss nicht nach hinten losgeht.
Es muss aber auch darum gehen, dass unsere aktuellen Lehrkräfte möglichst motiviert bleiben beziehungsweise noch stärker motiviert werden. Die Pandemie war eine enorme Herausforderung für viele Lehrerinnen und Lehrer, von denen sehr viele Außerordentliches geleistet haben. Man merkt in den Schulen nach wie vor, dass es erhebliche Nachwirkungen der Pandemie gibt. Die vielen Lehrkräfte, die hochmotiviert sind, sollen es bleiben. Da gibt es viele Baustellen: vernünftige Gebäude und Ausstattung, mehr Unterstützung bei Inklusion und Integration, die Lehrkräfte müssen sich wieder stärker auf den Unterricht konzentrieren können, vor allem in den Kernfächern, und wir brauchen kleinere Klassen.
Meine Damen und Herren, besondere Leistungen sollten – wenn es nach uns geht – zukünftig stärker honoriert werden. Das könnte aus unserer Sicht ein wichtiger Baustein sein. Leistung muss sich auch hier lohnen. Uns geht es um eine entsprechende Berücksichtigung bei Beförderungen. Es gibt vielerorts bereits Ausgleichsstunden, zum Beispiel, wenn man eine AG leitet oder Vergleichbares tut. Das ist gut und sinnvoll. Wir finden aber, dass dies mit Blick auf den Fachkräftemangel nicht die einzige Möglichkeit der Anerkennung bleiben sollte.
In vielen Bereichen ist es völlig normal, dass überdurchschnittlicher Einsatz entsprechend honoriert wird. Dies sollte zukünftig auch im öffentlichen Dienst und ausdrücklich bei Lehrkräften nicht mehr weiter verpönt sein. Der Bund und viele Bundesländer, auch Schleswig-Holstein, haben dafür auch längst gesetzliche Grundlagen, die in der Regel bisher vor allem aus Kostengründen nicht angewendet werden. In Bayern und Sachsen ist dies anders. Immerhin gehören diese beiden Bundesländer in bundesweiten Bildungsrankings regelmäßig zu den erfolgreichsten Bundesländern. Herr Söder will jetzt auch verstärkt Lehrkräfte aus anderen Bundesländern abwerben. Dem sollten wir etwas entgegensetzen.