Sehr geehrter Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Liebe Gäste! Zunächst einmal möchte ich mich bedanken bei der Landesregierung für diesen sehr ausführlichen und teils aufschlussreichen Bericht zur Situation unser Schaf- und Ziegenhalter hier in Schleswig-Holstein.
Ich denke, es wird einmal mehr deutlich, welch wichtige Aufgabe dieser Berufsstand für uns alle in der Landschaftspflege und im Deichschutz etwa wahrnimmt. Ohne Schafe wären unsere Deiche, die viele Menschen und Häuser vor Sturmfluten schützen, undenkbar.
Aber - das sagen wir als Oppositionspartei gern: aber - erfahren die Schaf- und Ziegenhalter auch die Anerkennung und die Wertschätzung, die sie letztendlich verdienen? Und: Verdienen sie genug, um ihre Existenz zu sichern? Ich entnehme dem Bericht, wir müssen leider beide Fragen mit einem klaren Nein beantworten.
Gleichzeitig werden hohe Anforderungen an die Nutztierhalter gestellt. So müssen strenge Tierschutzauflagen beachtet werden oder komplizierte Sicherungsmaßnahmen von Weidetieren, wollen die Nutztierhalter eine Entschädigung bei Tierverlusten etwa bei Wolfsrissen haben. Eine wolfssichere Einzäunung der Schafherden, wie sie vorgeschrieben ist, ist jedoch oftmals nicht möglich oder zulässig und vor allem eine unzumutbare zusätzliche Arbeitsbelastung für die Schaf- und Ziegenhalter, die eh bei hoher Arbeitsbelastung zumindest kalkulatorisch Einkünfte nur deutlich unter dem Mindestlohn erzielen.
Zusätzlich zur Bedrohung durch den Wolf waren Schaf- und Ziegenhalter in einigen Regionen auch dieses Jahr durch den Gänsefraß betroffen. Tausen
de von Gänsen fraßen den Schafen in Nordfriesland das Futter weg. Das bisherige Gänsemanagement erwies sich einmal mehr als wirkungslos für die Weidetierhalter. Oftmals mussten Schaf- und Ziegenhalter Futter zukaufen, was ihr ohnehin geringes Einkommen noch weiter schmälerte. Auch hier müssen wir ran und hin zu einem Bestandsmanagement, das auch eine Bestandsanpassung der Gänse ermöglicht.
Ein weiterer Grund für den eher schwachen Ertrag dürfte sicherlich auch in der ausbaufähigen Vermarktungsstruktur der Erzeugnisse der Schaf- und Ziegenhalter zu finden sein. Diese ist oft weniger stark entwickelt als etwa auf dem Rinder- Geflügel oder Schweinemarkt. Dabei sind die Produkte aus der Tierhaltung der Schafe und Ziegen umfangreicher. Neben Fleisch und Milch produzieren sie auch sehr hochwertige Wolle.
Gerade unter dem Aspekt der Regionalität läge für Schaf- und Ziegenhalter eine besondere Chance der Ertragssteigerung. Regionale Produkte spielen ja in der Vermarktung eine immer größere Rolle und hier sehe ich erheblichen Handlungsbedarf für unser Land und auch die öffentliche Hand, um die Weidetierhalter sinnvoll zu unterstützen, etwa durch einfache Marketing- oder Schulungsmaßnahmen in den Kammern oder bei den Verbänden. Denn schließlich erfreuen regionale Erzeugnisse nicht nur die Verbraucher sondern entlasten durch verkürzte Transportwege auch unsere Umwelt und unter Tierschutzaspekten werden die Transportbedingungen und Zeiten für die Tiere erträglicher und somit weniger belastend. Allen ist damit geholfen.
Außerdem, und das denke ich, ist ein großes Defizit des Berichts: Mit keinem Wort geht er auf die Problematik des Wolfes ein. Da weiß ich jedoch aus vielen Gesprächen mit betroffenen Landwirten, dass das aktuell eines der Topthemen ist, das die Schäfer mit großer Sorge bewegt. Da, meine Damen und Herren, müssen wir uns in Zukunft noch mehr machen. Spätestens seit der E-Mail mit dem Positionspapier des Landesverbandes der Schleswig-Holsteinischen Schaf- und Ziegenzüchter sollten das alle wissen. Der Wolf ist aus Sicht der Schäfer eine große Bedrohung und verbreitet Angst. Wenn Menschen Angst haben, müssen wir das ernst nehmen und dürfen uns nicht auf eine reine Willkommenskultur beschränken. Hier fordere ich nach wie vor Schutzjagden und eine Neuausrichtung im Wolfsmanagement, um unseren Schäfern den Rücken zu stärken!
Herr Präsident! Schafe sind Küstenschutz auf vier Beinen. Das hat sich bewährt. Daraus erklärt sich auch, dass Schleswig-Holstein die größte Schafdichte hat. Schafe gehören an die Küsten und sind Teil der Kultur dort. In dem Bericht des Landwirtschaftsministers zeigt sich aber, dass der große Tierbestand bislang noch keine Entsprechung in den Vermarktungsstrukturen gefunden hat. Zusammengefasst: viele Schafe, aber kaum Vermarktung. Auf Seite 9 wird nüchtern beschrieben, dass der Markt von Erzeugnissen aus der Schaf- und Ziegenhaltung „wenig organisiert“ sei.
Das heißt im Einzelnen, dass die Wolle verscherbelt wird; Milch und Milchprodukte werden in Nischen und mit viel Aufwand einzelner Betriebe eigenvermarktet und das Fleisch wird größtenteils exportiert. Diese Strukturen sind völlig unzureichend, und das schon seit Jahren. Gerade bei Lämmerfleisch besteht erheblicher Nachholbedarf. Die Tiere haben nämlich unter den heimischen Vermarktungsfehlern zu leiden. Die Tiere werden lebend auf die Märkte nach Südeuropa gefahren, um erst dort geschlachtet zu werden.
Der SSW fordert eine Höchstdauer von solchen Transport von vier Stunden. Die schleswig-holsteinischen Lämmer und Hammel werden dagegen nicht vier Stunden, sondern über ganze Tage in den Süden gekarrt. Da kann von Tierwohl keine Rede sein. Unsere Forderung: Schlachtung und Vermarktung müssen vor Ort passieren. Wenn das Fleisch hier nicht abgesetzt werden kann, muss es zumindest in der Nähe geschlachtet werden. Alles andere ist Tierquälerei. Der kann man nur mit Transportbeschränkungen begegnen. Entsprechende Regelungen sind überfällig.
Dass dem Urlauber in nordfriesischen Restaurants neuseeländisches Lammfleisch serviert wird, während die Gäste die Schafherden auf den Deichen bewundern, werde ich wohl nie verstehen. Dabei beschreibt der Bericht, dass der Selbstversorgungsgrad bei Fleisch in Deutschland gerade bei 42 % liegt. Das macht es noch unverständlicher, dass friesische und dithmarscher Schafe nach Frankreich gefahren werden müssen. Verantwortlich sei der Markt, wird mir entgegengehalten. Ja, das mag stimmen.
Der Markt muss kaum mit Transportkosten kalkulieren, weil der Transport einfach zu billig ist. Das ist wohl auch der Grund, warum die Aktivitäten der Erzeugergemeinschaft für Qualitätslämmer ruhen, wie der Minister auf Seite 11 berichtet. Qualität und
Tierwohl sind wohl einfach zu teuer. Oder ist es der Beamtenstatus der Schafe, der Qualität und Tierwohl ins Hintertreffen geraten lässt? Schließlich machen staatliche Zuwendungen inzwischen den Löwenanteil des Betriebes aus. Der Gewinn aus Marktbedingungen, wie es malerisch im dem Bericht auf Seite 13 heißt, ist bei den Schafbetrieben verschwindet gering.
Immerhin wird in den letzten Jahren überhaupt etwas Gewinn verzeichnet. Die mangelnde Ertragskraft ist aber kein Schicksal. Die unerträgliche Ertragssituation für Wolle und Milch ist doch nicht Gott gegeben! Warum subventioniert der Steuerzahler jedes Tier mit durchschnittlich 231 €, aber zahlt als Verbraucher nur 6,99 € für Lammfleisch im Angebot beim Discounter? Das ist doch verkehrte Welt. Ich hoffe, dass sich neue Landwirtschaftsminister dieses Themas annimmt.
Viele Schafhalter hatten im Sommer Probleme mit der Dürre, weil die Tiere kaum noch frisches Grün fanden. Das hat sich inzwischen verbessert. Aber der Markt für Futter ist leergefegt, sodass die Versorgung der Schafe über den Winter gefährdet ist. Viele Landwirte wollen im Herbst keine Nachweidung durch die Schafe, sondern auf den Flächen lieber selbst Futter für die eigenen Tiere einfahren. Da bleibt für die Schafe dann nicht mehr viel. Ich frage daher den Minister, welche Ausgleichzahlungen für Dürreausfälle für die Schafzuchtbetriebe geplant sind.
Die Schafhalter haben schließlich die gleichen Rechte wie die anderen landwirtschaftlichen Betriebe. Schafhalter sind keine Liebhaber, sondern auch sie müssen knallhart kalkulieren. Ansonsten werden wir uns wohl bald Alternativen für den Küstenschutz überlegen müssen.
Herr Präsident! Mein Haus hat im Rahmen des Berichts viele interessante Informationen über die Schaf- und Ziegenhaltung in Schleswig-Holstein zusammengetragen. Lassen Sie mich hier einmal die zentralen Punkte darstellen:
Wir haben in Schleswig-Holstein die größte Schafdichte in Deutschland. Insgesamt haben wir den dritthöchsten Schafbestand aller Bundesländer.
Die Schafhaltung spielt eine zentrale Rolle im Küstenschutz, bei der Landschaftspflege und im Umwelt- und Naturschutz.
Die wirtschaftliche Situation der Schafhalter ist aber angespannt. Klar ist: Mit Schafen lassen sich keine Reichtümer gewinnen!
Vor diesem Hintergrund werden verschiedene agrarpolitische Initiativen zugunsten der Schafhalter diskutiert. Sie haben alle das Ziel, die bisherige Förderung aufzustocken. Vielen schwebt dabei eine auf Bundesebene neu einzuführende sog. „gekoppelte Weideprämie“ im Rahmen der Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) vor.
Ich sehe es so: Wir müssen über die sinnvolle Unterstützung der Landwirtschaft und somit auch der Schafhalter ohnehin in den nächsten Monaten intensiv reden, und zwar im Rahmen der nächsten Förderperiode in der gemeinsamen Agrarpolitik GAP. Dort müssen wir - so oder so - zu einer besseren Berücksichtigung von „Ökosystemdienstleistungen“ der Landwirtschaft im Förderportfolio kommen. Dann ist auch der richtige Zeitpunkt, um über weitere Unterstützungen für die Schaf- und Ziegenhalter zu sprechen. Dabei muss man aber fairerweise erwähnen, dass die früher gewährte „Mutterschafprämie“ von der EU im Rahmen der GAPReform 2003 zwar abgeschafft wurde, allerdings haben die Schafhalter seitdem - wie alle Landwirte - einen Anspruch auf die „entkoppelte“ Flächenprämie von circa 300 €/ha. Dies entspricht bei einer durchschnittlichen Besatzdichte von zehn Schafen pro Hektar circa 30 € pro Schaf.
Neben den EU-Direktzahlungen haben die flächenbezogenen Förderprogramme im Rahmen der sogenannten zweiten Säule der EU-Agrarpolitik eine große Bedeutung. Sie werden vielfach vom Land Schleswig-Holstein kofinanziert und kommen in erheblichem Maße auch den Schaf- und Ziegenhaltern zu Gute, zum Beispiel Vertragsnaturschutz und Natura-2000-Prämie. Nach unserer Auffassung ist das bisherige Maßnahmebündel insoweit ausreichend, dass wir Schnellschüsse vermeiden sollten.
Die genannten Förderprogramme sollen auch weiterhin im Rahmen der verfügbaren Haushaltsmittel angeboten werden. Ein Anreiz, die Herde aufzustocken, und auch noch die Schafhaltung zu intensivieren, sollte vermieden werden. - Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.