Das Leibniz-Institut betrachtet in einem Sammelprofil die Wertschöpfungskette Umwelt - Mensch Ernährung - Gesundheit. Das beschreibt für mich sehr umfassend die Vielschichtigkeit der Ernährungswirtschaft.
Ökonomie, Ökologie und soziales Miteinander im Sinne einer nachhaltigen Wirtschaft zu denken und zu entwickeln, das ist die Herausforderung. Ob der gesellschaftlichen Bedeutung und der sich daraus ergebenden Herausforderungen an Wirtschaft, Wissenschaft, Verwaltung und Politik gründete die Fraunhofer-Gesellschaft die Allianz „Food Chain Management“. Ein Management der Wertschöpfungskette in der Ernährungswirtschaft von der Urproduktion über die Verarbeitung und den Handel bis hin zum Verbraucher - das ist der Ansatz, den wir auch in Schleswig-Holstein verfolgen müssen.
Zukunft gestalten heißt auch, die Bewertungsskala neu zu justieren. Heute reicht es nicht mehr, permanent Vergleiche von Bruttowertschöpfung oder nackten Arbeitsmarktzahlen vorzunehmen. Wir müssen genauer hinsehen und genauer hinhören, um zu erfassen, was Menschen beschäftigt, wie sie ihr Leben gestalten wollen, was sie unter Lebensqualität verstehen. Diese Frage ist deshalb im Zusammenhang mit der Bedeutung der Ernährungswirtschaft für unser Land so wichtig, weil die Qualität der Ernährung ein Faktor für Lebensqualität ist.
wirtschaftskammer existiert in diesem Jahr seit 50 Jahren. Das Zeichen hat Tradition, ist bekannt und soll sich weiterentwickeln zur geprüften Qualität aus dem echten Norden.
Dabei müssen wir uns mit unserem Qualitätsbegriff auseinandersetzen. Qualität kann sich nicht nur aus der Abwesenheit von Schadstoffen herleiten. Qualität bei Lebensmitteln hat viel mit der Produktionsweise zu tun. Die zunehmende gesellschaftliche Diskussion um die Art und Weise, wie wir uns ernähren und wie wir Lebensmittel produzieren, ist für Schleswig-Holstein eine Chance und Herausforderung zugleich.
Hier im Land produzieren verantwortungsbewusste Landwirtinnen und Landwirte hervorragende Lebensmittel. Diese müssen wir bei einer nachhaltigen und ressourcenschonenden Produktionsweise unterstützen und ihnen den notwendigen Raum für wirtschaftliche Entwicklung geben, auch indem wir Leitplanken formulieren, die überprüfbar sicherstellen, dass sich alle an die Regeln halten. So können wir unsere Kulturlandschaft erhalten, der Natur den nötigen Raum geben und unser Wasser schützen.
Bei meinen Terminen vor Ort erlebe ich viele gut ausgebildete Landwirtinnen und Landwirte, die sehr wohl eine Vorstellung und eine Idee von einer nachhaltigen und tiergerechten Landwirtschaft haben.
Für sie ist „wachse oder weiche“ keine Option. Sie sprechen sich aber auch gegen eine Agrarwende aus. Es kann keine Wende im Sinne einer Umkehr sein. Der Minister hat es beschrieben. Es darf nicht um ein Zurück gehen. Wir brauchen eine neue Richtung, einen gemeinsamen anderen Weg.
Dazu gehört für uns auch, den ökologischen Landbau weiter zu fördern. Hierbei hilft der „Zukunftsplan Öko“, den der Bundeslandwirtschaftsminister jüngst vorgestellt hat, mit dem ein Flächenanteil beim ökologischen Landbau von 20 % erreicht werden soll. Ein größeres Angebot an regionalen Bioprodukten bedeutet auch größere Artenvielfalt auf unseren Äckern. Hierbei ist die europäische ÖkoVerordnung für die Zukunft des ökologischen
Dabei geht es für uns nicht darum, konventionelle Landwirtschaft und Öko-Landbau gegeneinander zu stellen. Beide Bewirtschaftungsformen werden durch EU-Gelder aus der ersten Säule gefördert, und für beide müssen wir aus der zweiten Säule Unterstützung, Innovation und Forschung zuverlässig sichern.
Erinnern wir uns an die öffentliche Hochschultagung der CAU mit dem deutlichen Hinweis, dass es gelingen muss, zwischen Grundlagenforschung und Praxis eine praxisorientierte Forschung zu etablieren, die den Problemen einer nachhaltigen Landwirtschaft auf den Grund geht und Lösungsansätze bietet.
Das wachsende Bewusstsein bei den Verbrauchern, die Diskussionen um unseren Fleischkonsum - also nicht ob, sondern in welcher Menge wir Fleisch essen und produzieren - führt zu Reaktionen. Es gibt Labels und die Initiative Tierwohl. Aldi-Süd hat sogar erklärt, auf die Herkunft und Haltungsformen des Fleisches achten zu wollen. Das sind erste bescheidene Hinweise.
Die Frage der Bedeutung und der Entwicklung der Ernährungswirtschaft ist eng verbunden mit der Entwicklung der ländlichen Räume in SchleswigHolstein. Wir brauchen eine in den ländlichen Raum eingebundene Landwirtschaft mit regionaler Veredlung und Weiterverarbeitung. Schon jetzt sind Produkte aus Schleswig-Holstein zwar weltweit gefragt. Sie werden aber zu einem großen Teil als Rohware oder nur wenig weiterverarbeitet exportiert.
Unser Wunsch ist es, die Wertschöpfungsketten noch stärker innerhalb des Landes zu etablieren. Wir brauchen Wirtschaftszweige und Unternehmen, die die bei uns produzierten Rohstoffe verarbeiten. Wir brauchen Wirtschaftszweige, die ineinandergreifen und aufeinander aufbauen. Wir brauchen Tourismus und regionale Spezialitäten. Wir brauchen erneuerbare Energien und Gemüseanbau. Wir brauchen Transfer zwischen Wissenschaft und Wirtschaft, damit kleine und mittlere Unternehmen durch Innovation glänzen. Dies gilt auch für unsere Hochschulen. Wir brauchen die Weiterentwicklung des lebenslangen Lernens, um Ressourcen in Bewegung zu halten und Fachkräfte zu sichern.
Für all das kann die Ernährungswirtschaft in Schleswig-Holstein Bedeutendes leisten. Wenn Menschen in einem Bereich arbeiten, der mit dem Lebensumfeld räumlich und ideell verknüpft ist, stärkt das die Region insgesamt.
Das ist wichtig. Eine Stärke der Ernährungswirtschaft ist ihre Bandbreite unterschiedlich qualifizierter Arbeitsplätze. Gute Arbeit ist für Sozialdemokraten immer ein Kriterium. Das gilt für Erntehelferinnen und Erntehelfer ebenso wie für hoch qualifizierte Fachkräfte. Hier profitieren Menschen durch den gesetzlichen Mindestlohn. Wir werden noch in diesem Jahr den Bedarf an Beratungsstellen für mobile Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmern ermitteln.
Gute Arbeit bedeutet, dass wir Menschen Perspektiven bieten. Die Ernährungswirtschaft hat gute Arbeitgeberinnen und Arbeitgeber in Schleswig-Holstein, die qualifizierte Arbeitskräfte brauchen.
Die Ernährungswirtschaft braucht Absatzmärkte, auf denen für hohe Qualität faire Preise gezahlt werden. Das ist der Markt vor Ort. Das sind Angebot und Nachfrage regionaler Produkte. Das müssen zukünftig verstärkt der Markt der Metropolregion Hamburg sein und - wie wir auf der Grünen Woche wieder erlebt haben - auch die anderen Bundesländer. Zu Dänemark und zu den Niederlanden unterhalten wir bereits heute sehr gute Handelsbeziehungen im Bereich der Ernährungswirtschaft. Der Ostseeraum muss hinzukommen. Da haben wir alle miteinander einen Job zu erledigen.
Die großen Themen Ernährung, Gesundheit und Umwelt brauchen Bewusstsein, brauchen Bildung, brauchen Haltung. Lassen Sie uns gemeinsam dafür sorgen, dass in Schleswig-Holstein Lebensmittel und deren Produzenten wertgeschätzt werden, dass Nahrungsmittel nachhaltig produziert und verarbeitet werden, dass Ernährungswirtschaft im echten Norden für nachhaltige Qualität steht.
Aus der Beantwortung unserer Großen Anfrage zur Ernährungswirtschaft ergibt sich eine Reihe von Herausforderungen. Sie alle haben damit zu tun, wie wir künftig leben wollen. Das wollen wir im Detail in den Ausschüssen diskutieren. Wir beantragen die Überweisung an den Wirtschaftsausschuss zur federführenden Beratung sowie zur Mitberatung
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich habe mich auf diese Debatte gefreut. Es ist eine spannende Frage, wie wir uns in der Ernährung und in der Landwirtschaft künftig ausrichten. Dafür haben wir einen Bericht bekommen. Das kann ich nur begrüßen. Ich habe mich auch auf diesen Bericht gefreut. Ich habe diesen Bericht auch gelesen.
Es sind 91 Fragen gestellt worden, die auf 116 Seiten beantwortet worden sind. Ich habe vorhin schon einmal dazwischengerufen, dass der Minister doch einmal auf den Bericht eingehen solle. Das hat er aber nicht gemacht. Er ist überhaupt nicht auf diesen Bericht eingegangen, sondern er hat nur agrarphilosophisch die Zukunft erklärt.
Bei diesem Bericht hätte ich aber erwartet, dass nicht nur Arbeitsmarktzahlen dargestellt werden, sondern auch Fakten, die die Ernährungsbranche und die Landwirtschaft wirklich betreffen. Ich wundere mich. Die SPD-Fraktion hat diese Große Anfrage gestellt. Damit hat die SPD offenbar nicht nur ihr Herz für die Landwirtschaft und die ländlichen Räume entdeckt, sondern auch - und das freut mich umso mehr - ihr Herz für die Ernährungswirtschaft.
Während ihr Minister Habeck zur Grünen Woche nach Berlin fährt - Frau Eickhoff-Weber und ich waren übrigens auch dort -, lobt die SPD-Abgeordnete und hierfür zuständige Sprecherin und zudem Fraktionsvizevorsitzende die Landwirtschaft und die Ernährungswirtschaft über den grünen Klee. Nun erklären Sie mir bitte einmal, in welche Richtung Sie tatsächlich wollen.
Ich habe mich über mehrere Antworten gefreut, die ich zum Teil zitieren werde. Fast 80 % der Landesfläche sind ländlicher Raum. Hier leben und arbeiten fast die Hälfte der Schleswig-Holsteinerinnen und Schleswig-Holsteiner. Auch wird die Landwirtschaft als wesentliches Element für die Zukunftsfähigkeit des ländlichen Raumes bezeichnet. Allein diese Aussage freut mich. Man hat also schon erkannt, dass der ländliche Raum äußerst wichtig ist und dass sich im ländlichen Raum sehr viel abspielt - nicht nur Wertschöpfung, nicht nur das wird erzeugt, was wir täglich essen, sondern auch - dazu komme ich noch - andere Wertschöpfungen. Ich werde versuchen, im Einzelnen zu erklären, worum es geht.
Grundstandort Schleswig-Holstein - Herr Minister, das kennen wir rauf und runter. Wir diskutieren das immer. Wir haben hier die Möglichkeit, auf 200.000 ha besten Ackerlandes 13 dt, also 130 Doppelzentner besten Weizens zu ernten - ohne Beregnung, weltweit Spitze! Etwas Vergleichbares mit so wenig Aufwand finden Sie nirgendwo auf der Welt.
Grundstandort - mehr als 400.000 Kühe werden in Schleswig-Holstein gehalten. Herr Voß, 400.000 Kühe geben jeweils 7 t Milch im Jahr. Das sind 2,8 Millionen t Milch oder 1.000 l pro Einwohner bei 2,8 Millionen Einwohnern. 1.000 l pro Einwohner werden im Jahr produziert, da ist es doch klar, dass wir das nicht alles trinken können. Diese Menge muss verarbeitet oder exportiert werden. Das Problem ist doch bekannt, also müssen wir Strukturen schaffen.
2,8 Millionen Mastschweine - Herr Minister, auch diese Zahl kennen Sie - werden jährlich hier erzeugt, jedoch nur 500.000 Schweine werden jährlich in Schleswig-Holstein geschlachtet. Das bedeutet: Pro Einwohner gibt es ein Mastschwein. Das essen wir nicht auf.
Nur 500.000 Schweine werden geschlachtet. Der Rest muss durch den Tunnel. All diese Schweine müssen Richtung Süden nach Westfalen, nach Mecklenburg und zum Teil nach Polen gebracht werden, damit sie dort verarbeitet werden. Verarbeitungsmöglichkeiten vor Ort fehlen; Schlachthäuser werden nicht gefördert.