analyse. Dass wir im Laufe dieses Verfahrens auch auf einheitliche Standards und auf die Vergleichbarkeit achten müssen, versteht sich in meinen Augen von selbst.
Noten allein reichen nicht aus, denn Schülerinnen und Schüler wollen zeigen, was sie leisten können. Mit dieser neuen Art und Weise, die Entwicklung der Kinder in der Grundschule zu zeigen, schafft man den Elternsprechtag nicht ab, der immer noch gehalten wird, wenn die Entwicklungsberichte oder die Zeugnisse ausgegeben werden. Das möchte ich festhalten.
Frau Präsidentin Fritzen! Meine Damen und Herren! Natürlich kümmern sich die Lehrerinnen und Lehrer in Schleswig-Holstein um ihre Schülerinnen und Schüler. Natürlich wird im Fall der Vergabe einer 5 oder einer 6 in der Grundschule pädagogisch auf das Kind eingegangen und Trost gespendet. In diesem Fall muss aber auch Trost gespendet werden, weil allein die Tatsache der Note 5 oder 6 diese Notwendigkeit erzeugt.
Das war vor einigen Jahren der Grund dafür, die Noten in den Klassen 1 und 2 abzuschaffen. Das war in Schleswig-Holstein und auch allgemein Konsens. Ich habe von Ihnen nicht gehört, dass wir die Noten in den Klassen 1 und 2 wieder einführen sollen oder dass wir am besten sogar schon im Kindergarten Noten einführen sollen. Es ist doch anerkannt, dass in den Klassen 1 und 2 keine Noten vergeben werden und dass dies kein Weltuntergang ist. Die Gemeinschaftsschulen verzichten in den Klassen 5 bis 7 nicht grundlos auf Noten. Dieser Ent
In Klasse 3 können die Schulen bereits heute entscheiden, ob sie Noten wollen oder nicht. Nun gibt es im Lande einen Trend: Dort, wo in der Vergangenheit bereits in Klasse 3 auf Noten verzichtet wurde, entscheiden sich die Eltern auch heute nicht dafür, die Noten in den Klassen 3 und 4 einzuführen. Dort, wo sich damals für die Klasse 3 für Noten entschieden wurde, gibt es auch heute die Entscheidung, Noten für die Klassen 3 und 4 zu haben. Das spricht für die These, dass die Menschen zunächst einmal das behalten wollen, was sie schon kennen. Das ist geschenkt.
Wir empfehlen, in den Klassen 3 und 4 keine Noten zu vergeben. Der Umstand, dass man eine schlechte Note hat, ist nicht in jedem Fall so zu erklären, wie das bei Herrn Kubicki war: Man ist eigentlich ein brillanter Geist, war nur stinkendfaul. In manchen Fällen ist es einfach so, dass die Kinder gar nicht mehr könnten; egal wie sehr sich der kleine Timmi anstrengt, er kommt vielleicht niemals von der 4 weg. Für ihn ist das nun einmal ein Frusterlebnis. Dies in Kauf zu nehmen, weil ich den Einserschüler damit motiviere, indem er eine 1 hat, ist es aus meiner Sicht nicht wert.
Herr Kollege Martin Habersaat, gestatten Sie eine Bemerkung des Herrn Abgeordneten Wolfgang Kubicki?
Lieber Herr Kollege Habersaat, Sie waren immer schon zum Halbjahreszeugnis brillant, ich war es erst am Ende. Unabhängig von dieser Frage: Sie glauben, dass diese Frustration mit der Notengebung in Klasse 8 aufhört? Oder setzt sie sich dann fort, wenn jemand aufgrund seiner Leistungsfähigkeit nicht über diese Note hinauskommt?
- Ich glaube in der Tat, dass es in Klasse 8 zu solchen Frusterlebnissen kommt. Ich glaube aber auch, dass 14-Jährige damit anders klarkommen als Neunjährige, Herr Kubicki.
Man muss Neunjährigen eben nicht erzählen: Du wirst auf den Ernst des Lebens vorbereitet, es wird hart für dich, und nur allein kommst du durch. Das ist nicht die Aufgabe der Grundschule. Die Aufgabe der Grundschule ist es auch nicht, eine Vergleichbarkeit von Kindern herzustellen. Machen Sie sich einmal klar, ob Sie es sich eigentlich wünschen würden, dass die Kinder nicht nur das Zeugnis bekommen, sondern eine Rangfolge. Man könnte die Kinder in eine Reihenfolge von 1 bis 25 bringen. Dann wissen die Eltern ganz genau: Mein Kind hat Bronze erhalten. Es kann aber auch heißen: Mein Kind hat Bronze, Nachhilfe ist erforderlich, es muss die Goldmedaille erhalten. So ticken die einfach nicht.
Wir wollen überzeugen. Wir haben gute Argumente. Wir wissen, das braucht Zeit. Deshalb zwingen wir niemanden, auf die Noten zu verzichten. Deshalb entwickeln wir unsere Entwicklungsberichte weiter fort und versuchen, argumentativ zu arbeiten.
Die Kollegin Klahn hat uns auf einen Mangel im System hingewiesen: Wir müssen es einräumen, die Problematik von Auslandsaustauschen von Drittklässlern hatten wir bisher völlig unberücksichtigt gelassen.
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN, SSW - Anita Klahn [FDP]: Es gibt Kinder, die mit ihren Eltern in der 2. Klasse ins Aus- land gehen! - Weitere Zurufe)
Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Erdmann, Entwicklungsberichte gibt es in diesem Land schon seit der Zeit, als wir beide diesen Saal noch von draußen betrachtet haben. Sie sind unter Rot-Grün damals von Frau Erdsiek-Rave eingeführt worden. Ich kann mich sehr gut daran erinnern, denn damals war ich Vorsitzende des Landeselternbeirats für Grund-, Haupt- und Sonderschulen in diesem Land.
Wir haben Ihnen einen Vorschlag vorgelegt, der besagt, wir wollen eine Kombination aus der Note, die sich an objektiven Kriterien orientieren muss, wobei ich nicht gesagt habe, dass die Note objektiv ist, sondern dass sie sich an objektiven Kriterien orientieren muss, und einem entsprechenden Bericht, der deutlich macht, wo die Stärken und Schwächen eines Kindes liegen.
Wenn Sie vor Ort unterwegs sind und mit den Eltern sprechen, dann werden Sie sehr schnell feststellen, dass dies eine sehr hohe Akzeptanz findet. Wenn wir in der Schule Leistungsbewertungen umgehen, dann müssen sich Eltern und Lehrkräfte ein Stück weit auf gleicher Augenhöhe begegnen können. Das ist gegeben, wenn man Gespräche auf einer Grundlage führt, die man auch versteht. Noten werden in diesem Land nun einmal verstanden. Sie werden noch viel besser verstanden, wenn sie mit einem entsprechenden Bericht unterlegt werden.
- Ich will Ihnen etwas zu Ihrer Wahlfreiheit in den Grundschulen sagen: Grundschulen, die keine Schulkonferenz stattfinden lassen, haben keine Wahlfreiheit. Diese müssen ab sofort auf Noten verzichten, weil die Grundschulordnung vorsieht, dass die Schulen auf Noten verzichten. Erst wenn die Schulkonferenz tagt und einen Beschluss herbeiführt, der nicht mehr Mehrheitsbeschluss ist, sondern dem Vetorecht der Lehrkräfte unterliegt, was bei allen anderen Beschlüssen im Grundschulbereich bisher nicht der Fall gewesen ist, ist dies möglich. Bisher gab es an den Grundschulen immer Mehrheitsbeschlüsse, weil dort die Schülervertretungen nicht vertreten sind.
Meine Damen und Herren, im Umkehrschluss heißt dies: Die Eltern haben an dieser Stelle nicht mehr den Einfluss, den sie früher auf die Leistungsentscheidungen hatten.
Dies muss man auch sagen: Ich höre von Schulräten, die durchs Land ziehen und durchaus darauf hinwirken, dass an den Schulen Entscheidungen gegen Noten getroffen werden. Dort ist mitnichten von Wahlfreiheit zu sprechen.
Schauen Sie sich einmal an, welche Diskussionen wir gerade an den Schulen haben. Das sind unnötige Diskussionen. Unser Vorschlag müsste doch für Sie ein Kompromissvorschlag sein. Er würde Ihre Entwicklungsberichte beinhalten und die Noten. Ich glaube, eine vernünftigere Grundlage zur Leistungsbewertung können wir Kindern gar nicht geben.
Zu der Aussage, dass ein Kind eine Bronzemedaille bekommt, ein anderes eine Goldmedaille: Mein Gott, im Sport vergleichen wir uns auch. Da finden wir das alle klasse, da jubeln wir, wenn wir vorn sind. Auf der anderen Seite werden andere Anstrengungen übernommen. Es ist ziemlicher Unfug zu sagen -
Frau Abgeordnete, ich rede jetzt ein wenig lauter, weil ich nicht weiß, ob Sie mich überhaupt gehört haben. - Gestatten Sie eine Bemerkung des Herrn Abgeordneten Vogel?
Vielen Dank, liebe Frau Kollegin Franzen. Sie wissen sicherlich, dass festgelegt worden ist, dass einmal im Halbjahr eine Schulkonferenz stattfinden muss. Es besteht eigentlich für keine Schule die Möglichkeit, vor der Ausgabe des kommenden Zeugnisses keine Schulkonferenz stattfinden zu lassen. Insofern ist Ihr Beispiel nicht ganz griffig, wenn ich ehrlich bin.
Lieber Kollege Vogel, wir beide, Sie als Lehrkraft und ich als Elternvertreterin, sind schon Mitglied einer Schulkonferenz gewesen. Es obliegt dem Vorsitzenden der Schulkonferenz, die Tagesordnung festzulegen. Wenn dieser das Thema nicht
auf die Tagesordnung setzt, dann gibt es auch keinen Beschluss. Herr Kollege, das ist wirklich hanebüchend, so etwas in den Raum zu stellen. - Vielen Dank.
Zu einem Dreiminutenbeitrag hat die Kollegin Anke Erdmann von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Wort.
Frau Franzen, als Zwischenbemerkung wäre das, was ich jetzt sagen will, kürzer gewesen. Erstens glaube ich nicht, dass die Leute jubeln würden, wenn wir beide uns im Sport messen würden. Zweitens machen die Leute das ja nicht freiwillig und nicht durch Schulzwang.