Damit digitale Medien wirklich sinnvoll zur Bildung unserer Kinder beitragen können, muss eine ganze Reihe von Voraussetzungen erfüllt werden: Architekten und Planer sind gefragt, um die geeignete Infrastruktur zu schaffen. Die notwendige Hardware muss nicht nur beschafft, sondern eben auch mit Wartung und Betrieb kalkuliert werden. Die per Software vermittelten Inhalte müssen natürlich den Lehrplänen entsprechen. Und die Lehrkräfte brauchen die Möglichkeit, sich die entsprechenden Grundlagen anzueignen. Wenn ich mir die Situation in anderen Ländern anschaue, dann gibt es absolut Grund zur Eile. Um es ganz klar zu sagen: Wenn wir im internationalen Vergleich nicht irgendwann abgehängt werden wollen, müssen wir hier gemeinsam einen Gang zulegen.
Grundsätzlich ist dieses Thema natürlich so vielseitig, dass wir es umfassend im Ausschuss beraten müssen. Aus meiner Sicht brauchen wir hier nicht nur genügend Raum für innovative Ansätze, sondern auch ausreichend Freiheiten für kreative Lösungen vor Ort.
Mit Blick auf die erwähnte Lernmittelfreiheit will ich eines ganz klar sagen: Der Kinderschutzbund kritisiert regelmäßig und völlig zu Recht, dass hier auch heute noch lange nicht alle Kinder die gleichen Chancen haben.
Ich sehe deshalb nicht zuletzt die Schulträger in der Pflicht, dafür zu sorgen, dass die digitale Lernmittelfreiheit nicht etwa zu Belastungen und Ungleichheiten führt. Lernmittelfreiheit muss für alle Kinder gelten, ganz gleich ob digital oder im herkömmlichen Sinn. Wenn digitales Lernen nur ein Privileg von Gutsituierten wird, ist aus unserer Sicht rein gar nichts gewonnen.
Der Abgeordnete Sven Krumbeck hat in der digitalen Welt seine letzte Seite wiedergefunden. Er hat deshalb das Wort zu einem Dreiminutenbeitrag.
Ich wollte noch ganz kurz auf einen Punkt zu sprechen kommen. Natürlich ist dieser Antrag der PIRATEN in Schleswig-Holstein mit den Anträgen der meisten Piratenfraktionen in anderen Bundesländern verbunden. Manche Piratenfraktionen konnten ihren Antrag bisher nicht einreichen, weil es sich aufgrund der Beratungslage der einzelnen Parlamente bisher noch nicht ergeben hat. Dennoch handelt es sich hier um einen Antrag, der von allen Piratenfraktionen eingereicht werden soll beziehungsweise werden wird, was auch logisch ist. Denn wenn wir im Bundesrat etwas erreichen wollen, dann ist der Effekt umso größer, je mehr Anträge aus den Landtagen gestellt werden.
Ich möchte darauf hinweisen, dass unser Antrag zunächst nichts weiter als ein Gedankenanstoß sein soll, mit dem die Diskussion zunächst in Gang gebracht werden soll. Natürlich sind nicht alle Antragspunkte in Stein gemeißelt. Aber allzu weit bin ich mit meinen Gedanken davon gar nicht entfernt.
Sie sehen, solche Gedanken gibt es nicht nur bei den PIRATEN, sondern solche Gedanken scheinen zumindest auch bei den Bundestagsfraktionen von CDU/CSU und SPD vorhanden zu sein, weshalb darüber auch in den Koalitionsverhandlungen diskutiert worden ist.
Von daher halten wir unseren Vorschlag zumindest für diskussionswürdig. Wir sollten darüber nun also auch in Schleswig-Holstein diskutieren und uns damit im zuständigen Fachausschuss befassen. - Vielen Dank.
Für die Landesregierung erteile ich der Ministerin für Schule und Berufsbildung, Frau Britta Ernst, zu Ihrer ersten Rede im Schleswig-Holsteinischen Landtag das Wort.
Sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich, meine erste Rede hier gerade zu diesem Thema zu halten. Das ist ein Zukunftsthema, das uns lange beschäftigen wird. Ich habe mich auch gefreut, dass diese schulpolitische Debatte von einer gewissen Fröhlichkeit begleitet wird. Das tut diesem Thema auch einmal gut.
Medienkompetenz ist eine Kernkompetenz geworden und inzwischen fast genauso wichtig wie Rechnen, Schreiben und Lesen, und das Thema gehört dazu, wie der Schulalltag gestaltet wird. Wir betrachten in Deutschland trotz der Entwicklung doch mit Sorge, dass wir eine gewisse digitale Spaltung vorfinden. Nicht alle Menschen nehmen gleichermaßen teil an der digitalen Entwicklung, was fatal ist, weil das bedeutet, dass manche Menschen ihren Alltag nicht so gut gestalten können, dass sie, wenn sie zum Beispiel eine Reise planen, Nachteile haben, aber auch dass ihnen wichtige Kompetenzen fehlen, um im Beruf erfolgreich zu sein. Deshalb müssen diese Sorge, diese Spaltung, diese unterschiedlichen Kompetenzen angesprochen werden, weil hier eine Herausforderung liegt.
Wir wollen, dass alle Menschen kompetent und souverän digitale Medien nutzen können, und sehen darin eine wichtige Bildungsaufgabe. Das hat nun auch die Bundesregierung erkannt und das Programm „Digitale Agenda 2014 - 2017“ vorgelegt, und sie möchte sich mit den Bundesländern abstimmen. Deshalb ist es gut, dass der Antrag rechtzeitig darauf hinweist, dass wir uns in diese Debatte einschalten sollten. Ich teile die Forderung der PIRATEN: Die digitale Zukunft gehört ganz oben auf unsere Agenda.
Ich möchte einige Punkte nennen, weil wir in Schleswig-Holstein nicht bei null anfangen. Wir haben Medienpädagogik in der Aus- und Fortbildung intensiviert. An den Universitäten Flensburg und Kiel ist Medienpädagogik ein verbindlicher Teil al
ler Lehramtsstudiengänge. In der Fortbildung wurde in diesem Schuljahr ein Zertifikatskurs „Medienerziehung“ gestartet. Aber auch ich finde interessant, mit dem Bund über ein Forschungsförderprogramm zur Medienpädagogik nachzudenken.
Aktuell fördert die Landesregierung das Projekt „Media Matters!“, in dem es um die Stärkung der Medienbildung an den Schulen geht, an der Universität Flensburg mit 400.000 €.
Eine offene Infrastruktur, frei nutzbare Medienangebote in digitaler Form, wie gefordert, können die Teilhabe an unserer Wissensgesellschaft fördern. Denn Bildung ist Menschenrecht, und da bietet die digitale Entwicklung eine große Chance.
Trotzdem muss bei aller Euphorie in jeder Debatte auch auf die Risiken hingewiesen werden. Wir müssen uns auch mit Cybermobbing befassen. Das Netz vergisst nichts, und Fehler, die Schülerinnen und Schüler machen, können sie ein Leben lang begleiten. Auch darauf müssen wir uns einstellen und gute Ideen dazu haben.
Der Antrag fordert digitale Endgeräte für alle. Auch wenn wir es als Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten immer gut finden, wenn der Staat tätig wird, müssen wir zur Kenntnis nehmen, dass viele Schülerinnen und Schüler Geräte haben, die sie nutzen, sodass es nur darum geht, dass alle ein Gerät zur Verfügung haben, aber nicht darum, dass alle eines vom Staat finanziert bekommen. Das ist auch meine Meinung.
Der wichtigere Punkt - und der macht uns große Sorge - ist die Ausstattung mit Breitbandverkabelung und WLAN, weil da in Deutschland ein Investitionshindernis entstanden ist. Wir diskutieren viel über den Rückstau an Brücken und Autobahnen, aber der Rückstau an Breitbandverkabelung und WLAN in öffentlichen Gebäuden führt dazu, dass Innovationen auch in diesem Bundesland nicht so zum Tragen kommen können, wie sie es eigentlich könnten. Deshalb müssen wir uns darum kümmern.
Lernmittelfreiheit, frei zugängliche Bildungssoftware, Bereitstellung von digitalen Bildungsinhalten und solche Fragen zu diskutieren. Das ist wichtig. Wir wissen aber auch, dass die Schulbuchverlage da gefordert sind und gute Ideen bereitstellen müssen. Es geht ja nicht nur um kostenlose Unterrichtsmaterialien. Wir sind in der Bildungspolitik an einem Punkt, an dem die Qualität ganz oben steht. Nicht jede kostenlose Software ist für die Nutzung an Schulen geeignet. Wir wollen, dass es gut ist, und wir wollen auch eine gewisse Standardisierung, und da gibt es Schwierigkeiten.
Wir stehen noch ziemlich am Anfang, nicht ganz am Anfang, dass hochwertige Bildungsinhalte auch übers Netz genutzt werden können. Im Ergebnis sollten wir es positiv bewerten. Es bedeutet eine unglaubliche Demokratisierung des Wissens, und das ist natürlich eine ganz tolle Entwicklung.
Wir wollen digitale Selbstständigkeit der Menschen in unserem Land. Ich glaube, dass wir die vorhandenen Ansatzpunkte bündeln und in diesen Diskussionsprozess nicht nur Bildungseinrichtungen einbeziehen sollten, sondern auch die Wirtschaft, die beim Thema Fachkräftemangel gefordert ist.
Ich habe mir vorgenommen, die Gespräche zu intensivieren, mich des Themas anzunehmen, mit den Akteuren ins Gespräch zu kommen. Ich habe mich auch sehr gefreut, dass der Bildungsausschuss dazu schon Veranstaltungen durchgeführt hat. Eine war glaube ich - einen Tag nach meinem Amtsantritt; ich konnte leider nicht kommen. Insofern haben Sie tolle Vorarbeiten geleistet. Wir werden uns schnell zusammentun. Ich hoffe, dass wir Verbesserungen erreichen können, zusammen mit dem Bund, aber auch für Schleswig-Holstein. Auch ich freue mich auf die Beratungen im Ausschuss. - Vielen Dank.
Weitere Wortmeldungen liegen nicht vor. Ich schließe die Beratung. Es ist beantragt worden, den Antrag Drucksache 18/2301 dem Bildungsausschuss zu überweisen. Wer so beschließen will, den bitte ich um das Handzeichen. - Das ist einstimmig so beschlossen.