Jetzt fahren wir in der Rednerliste fort. Für die SPD-Fraktion hat der Abgeordnete Martin Habersaat das Wort.
Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Ich muss gestehen, ich für meinen Teil war ganz zufrieden damit, dass Kollege Günther manche Teile nicht noch weiter ausgeführt hat. Das war eine muntere Oppositionsrede, eine der muntersten, die wir in dieser Legislaturperiode bisher gehört haben. Vielleicht antworte ich einmal mit der Offenlegung eines weiteren Geheimnisses, Herr Günther: Die bildungspolitischen Vorlieben dieser Ministerin sind auch die bildungspolitischen Vorlieben dieser Koalition.
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW - Christopher Vogt [FDP]: Wir wollen hier nicht über Ihre Vorlieben reden!)
Es zeugt schon von - nennen wir es so - Mut, sich als CDU-Abgeordneter hier hinzustellen und so einen Ton anzuschlagen vor dem Hintergrund dessen, was Sie in der Hochschullandschaft dieses Landes an Schaden angerichtet haben.
und Kritik an- und möglicherweise dann auch in den Gesetzentwurf aufzunehmen? Das ist ein völlig normaler Vorgang. Ich weiß gar nicht, wie man daraus Rücktrittsforderungen konstruieren kann.
Dass letztendlich so viel Kritik dann ja doch nicht zusammenkam, mache ich daran fest, dass Sie sogar den Beratungszeitpunkt hier im Landtag mit heranziehen müssen, um Skandale zu konstruieren.
Meine Damen und Herren, die CAU ist das wissenschaftliche Zentrum von Schleswig-Holstein. Hier studieren mehr als 24.000 junge Menschen. Hier lehren und forschen rund 2.000 Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler in derzeit 185 Studiengängen. Sie ist heute größte Arbeitgeberin in der Region. Sie versteht sich als moderne Volluniversität verbundener Wissenschaftskulturen. Breite exzellente Einzelforschung und interdisziplinäre Zusammenarbeit werden an der CAU gezielt über Kooperationen, koordinierte Forschungsprojekte und die gemeinsame Nutzung von Infrastrukturplattformen gelebt. - So berichtet die CAU über sich selbst. Das zeugt zu Recht von einer Menge Selbstbewusstsein.
Von einer derart starken und selbstbewussten Institution mit knapp 3.500 Lehramtsstudenten sollte man auch glauben, dass sie über typisches Kirchturmdenken hinaus ist und nicht nach dem Motto agiert: Was jemand anderem nutzt, schadet automatisch mir. Von Selbstbewusstsein könnte zeugen, mögliche Stärken anderer zur Kenntnis zu nehmen und die Konkurrenz einfach das Geschäft beleben zu lassen.
Stattdessen werden einmalig 1,2 Millionen € für die Universität Flensburg und ein jährlicher Mehrbedarf von knapp 900.000 € in Kiel als Provokation und als manifestierte Abrissbirne vor der CAU inszeniert. Was sollen denn dann eigentlich die anderen Hochschulen im Land zu 165 Millionen € sagen, die diese Koalition der CAU für die Sanierung ihrer Gebäude zur Verfügung stellt?
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW - Dr. Ralf Stegner [SPD]: So ist das! - Christopher Vogt [FDP]: Damit wer- den Gebäude saniert, keine Doppelstrukturen geschaffen!)
Die Aufgeregtheit in der Debatte lässt sich ja historisch erklären. Wir hatten einen Wissenschaftsmini
ster Jost de Jager und eine Haushaltsstrukturkommission, und die haben tatsächlich die Existenz von Hochschulen infrage gestellt. Sie haben tatsächlich die Abrissbirnen auffahren lassen. Da bestand eine wirkliche Gefahr für die Hochschulen in unserem Land.
Und was war die Reaktion von Ihnen, Herr Kubicki? - Nicht etwa Rücktrittsforderungen, sondern Herr de Jager wurde Spitzenkandidat der CDU im nächsten Landtagswahlkampf.
Es ist aus meiner Sicht durchaus nachzuvollziehen, dass die CDU jetzt endlich einmal ihre Abteilung Attacke trainiert.
Ich verfolge das mit Interesse. Interessant ist, dass Frau Wende zunächst, als wir mit der Debatte um die Lehrerbildung anfingen, als Lobbyistin für Flensburg gebrandmarkt wurde. Dann kam eine Phase, da kritisierte Kollege Günther, sie verrate die Interessen ihrer ehemaligen Hochschule, um sich in Kiel und Lübeck anzubiedern.
Die Frage ist: Ist es denn wirklich so schwer anzuerkennen, dass Frau Wende den Rollenwechsel von der erfolgreichen Hochschulpräsidentin zur erfolgreichen Bildungs- und Wissenschaftsministerin geschafft hat, ohne sich verbiegen zu lassen?
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW - Wolfgang Kubicki [FDP]: Ma- chen Sie eine Meinungsumfrage!)
Sieben Jahre nach einer sehr grundlegenden Schulgesetzreform in Schleswig-Holstein geht nun endlich auch die Reform der Lehrerbildung in die Schlussgerade. Frau Ministerin Wende holt das nach, was ihre Vorgänger - möglicherweise auch wegen verkürzter Legislaturperioden - nicht geleistet haben:
die Anpassung der Lehrerbildung an die neuen Schulstrukturen und die sich wandelnden Anforderungen an den Lehrerberuf - endlich!
Endlich haben wir in Schleswig-Holstein ein Gesetz, das die drei Phasen der Lehrerbildung, Studium, Vorbereitungsdienst, Fortbildung, in eines gießt und dem Ganzen eine Form gibt, die vorbildlich ist.
Die Vermittlung von Fachwissen stand bisher schon im Mittelpunkt der Lehrerausbildung und wird natürlich auch weiterhin im Mittelpunkt stehen müssen. Gleichrangig daneben stehen allerdings pädagogische Herausforderungen, weil die Schule heute in vielen Fällen Aufgaben übernehmen muss, die von Elternhäusern nicht mehr geleistet werden können - wofür es unterschiedliche Gründe gibt.
Wenn wir mehr Inklusion wollen - ich habe bisher alle Fraktionen immer so verstanden, dass sie dieses Ziel unterstützen -, dann müssen wir den Lehrkräften beibringen, wie das geht - allen.
Wenn wir allerdings junge Leute, die gerade das Abitur abgelegt haben, dazu bringen wollen, sich für den Beruf der Lehrerin oder des Lehrers zu entscheiden, müssen wir ihnen auch sagen, dass es Risiken auf dem Lehrerarbeitsmarkt gibt. Diese resultieren aus der schlechten Haushaltssituation der Bundesländer und aus stark zurückgehenden Schülerzahlen. Wir können ihnen aber auch sagen, dass es im mathematisch-naturwissenschaftlichen Bereich praktisch Jobgarantien für angehende Lehrerinnen und Lehrer gibt. Vor diesem Hintergrund verstehe ich nicht ganz, warum Sie gerade den Ausbau der MINT-Fächer mit Feuer aus allen Kanonen bekämpfen.
Der Gesetzentwurf geht den richtigen Weg auch, indem er den Anteil der studienbegleitenden Praktika an den Schulen ausweitet. Nur so können Studierende rechtzeitig überprüfen, ob ihre Entscheidung für den Lehrerberuf richtig war.
Das Modell eines gemischten Lehramts mit einem ersten Fach auf dem Niveau der Sekundarstufe I und einem zweiten auf dem Niveau der Sekundarstufe II ist in der Anhörung kritisiert worden, und die Landesregierung hat daraufhin - wir sprachen darüber; das macht man manchmal: auf Kritik rea
gieren - beschlossen, grundsätzlich alle Lehramtsfächer an der Universität Flensburg auf das Niveau der Sekundarstufe II anzuheben. Die Landesregierung hat auch beschlossen, dazu die notwendigen Ressourcen zur Verfügung zu stellen. Wenn ich sage, die Landesregierung hat beschlossen, meint das explizit nicht, Frau Wende hat am Kabinett vorbei heimlich irgendetwas ins Gesetz gemogelt, sondern das Kabinett hat geprüft, beschlossen und das richtig gemacht.
Damit geht Schleswig-Holstein auch keinen Sonderweg. Ich freue mich immer über Beiträge wie: Wer den Gymnasiallehrer abschafft, schafft das Gymnasium ab. Im Saarland kann man das „Lehramt für die Sekundarstufe I und die Sekundarstufe II“ studieren, in NRW - Kollege Vogt, richtig heißt es „Lehramt an Gymnasien und Gesamtschulen“. Es gibt auch andere Beispiele. Ich möchte auf Hamburg eingehen. In Hamburg heißt es interessanterweise „Lehramt Gymnasien“. Zu meiner Zeit hieß es das noch nicht, da hieß es „Lehramt Oberstufe Allgemeinbildende Schulen“.
Das ist aber genau das Gleiche. In Hamburg nennen sie das „Lehramt Gymnasien“. Das ist aber de facto der Lehrer, der an Stadtteilschulen und Gymnasien unterrichtet. Wenn das Ihr Problem ist, wenn es nur eine Frage der Namensgebung ist und ein reiner Gymnasiallehrer für Sie kein Einheitslehrer ist, weil er Gymnasiallehrer heißt, haben wir vielleicht noch Verhandlungsmasse für die Ausschussberatung.