Ich möchte nur noch einmal sagen, dass das Parlament das Recht hat, Gesetze zu ändern. Ich weiß, dass Frau Franzen das zum Teil anders sieht. Sobald das Parlament eine Initiative startet, sagen Sie, wir müssen die Ministerin treiben.
Ich sehe meine Aufgabe als Abgeordnete aber so - ich glaube, das geht allen hier so -, dass wir auch schauen, ob wir die Gesetzestexte so verändern können, wie es sinnvoll ist. Dabei sind wir also auch als Abgeordnete in der Pflicht. - Das aber nur zur Ergänzung.
- Ich kann das nachvollziehen. Wir würden das auch gerne im Parlament beschließen. Wir haben uns aber darauf verlassen, dass Sie das, was Sie in Ihren Koalitionsvertrag geschrieben haben, nämlich dass Sie ein Lehrerbildungsgesetz im Jahr 2012 einbringen wollen, auch in die Tat umsetzen, damit wir genau diese Handlungsspielräume für die Regierung schaffen können. Das haben Sie aber versäumt. Ich weiß auch nicht, wann Sie diesen Gesetzentwurf überhaupt einbringen wollen.
Herr Kollege Günther, wären Sie so nett, dem Plenum mitzuteilen, wer die Reform der Lehrerausbildung in der vergangenen Legislaturperiode auf den Weg gebracht hat?
- Es waren CDU und FDP, die das auf den Weg gebracht haben. Wir haben zur Kenntnis nehmen dürfen, dass die Landesregierung im Moment sogar plant, diese Reform in Flensburg auch umzusetzen. Das haben wir neu gelernt. Deswegen ist unser zweiter Antrag an dieser Stelle hoffentlich überflüssig.
Ich darf vielleicht aber noch ein Zitat anbringen. Sie müssen keine Angst haben, dass dies wieder ein Zitat eines schlimmen konservativen Lehrerverbandes ist. Vielmehr ist das der Antrag von Herrn Professor Reinhart.
„Der Senat geht für die absehbare Zukunft von einem zweigliedrigen weiterführenden allgemeinbildenden Schulsystem mit den tra
genden Institutionen Gymnasium und Gemeinschaftsschule aus. Er präferiert ergänzend zum Primarstufenlehrerstudium getrennte Lehramtsstudiengänge für das Gymnasium und die Gemeinschaftsschule, weil die Schularten und die Biografien ihrer Schülerinnen und Schüler unterschiedlich sind.“
Das sagen die Experten, mit denen Sie doch immer Dialoge führen wollen. Dann hören Sie doch einmal darauf, was Ihnen die Experten sagen.
Wir brauchen diese Doppelstrukturen in Schleswig-Holstein nicht. Wir brauchen sie nicht nur inhaltlich nicht, sondern das funktioniert auch organisatorisch nicht. Deshalb hat man in Flensburg auch solch eine Angst bekommen. Ich habe befürchtet, dass Kiel durch diese Reform belastet wird.
In der Praxis zeigt sich jedoch, dass genau das Gegenteil der Fall sein wird. Es wird sich ein dramatischer Schwund an Studierenden in Flensburg zeigen, weil Ihr Modell nicht funktionieren wird. Es wird doch kein Mensch nach Flensburg gehen, weil dort nur ganz wenige Lehramtskombinationen möglich sein werden, während in Kiel alles möglich ist. Dann studiert doch kein Mensch mehr in Flensburg. Davor haben die Menschen im Moment Angst.
Was Sie in Ihrem Antrag beim letzten Mal geschrieben haben, dass Sie mehr Mobilität zwischen Flensburg und Kiel ermöglichen wollen, ist doch ein Hohn. Sie können doch nicht von Studierenden, die zum Beispiel Deutsch und Biologie studieren, erwarten, dass sie den ganzen Tag zwischen Flensburg und Kiel pendeln. Das sind die Sorgen, die die Menschen im Moment haben.
Es ist nicht nur inhaltlich falsch, was Sie machen, sondern es ist auch organisatorisch absoluter Murks. Sie können das heute stoppen, indem Sie unserem Antrag zustimmen. - Herzlichen Dank.
ode in Flensburg neue Initiativen zur Lehrerausbildung auf den Weg gebracht worden sind. Darunter waren viele tolle Ansätze. Wir könnten jetzt noch einmal genau schauen, welche dieser tollen Ansätze wir der damaligen Universitätspräsidentin in Flensburg zu verdanken haben und welche der CDU und der FDP, die sich zur gleichen Zeit wie die Kesselflicker darüber gestritten haben, ob man zum Staatsexamen zurückkehren soll.
Wir sind nicht das einzige Bundesland in dieser Republik. Wir sind auch nicht das einzige Bundesland, das sich mit der Frage der Lehrerausbildung befasst. Ich empfehle interessierten Menschen einen Blick in die Broschüre „Ausbildung von Lehrkräften in Berlin“. In Berlin regiert momentan eine Große Koalition, die unverdächtig ist, ideologisch in eine Richtung zu tendieren. Dort ist eine hochkarätig besetzte Expertenkommission zusammengekommen, die unter anderem sagt, wichtig sei es, im Lehramtsstudium viel Polyvalenz bei gleichzeitig zu sichernder Professionalität zu ermöglichen.
Diese Kommission empfiehlt auch, die Lehrämter an der Schulstruktur zu orientieren. Hört, hört! Die CDU bekommt große Ohren. Diese Kommission empfiehlt außerdem, ein Lehramt an Grundschulen einzurichten. Außerdem empfiehlt diese Kommission, ein Lehramt an integrierten Sekundarschulen und Gymnasien als gemeinsamen Lehramtstudiengang einzurichten. Dies entspräche quasi einem gemeinsamen Studium für Gemeinschaftsschul- und Gymnasiallehrern.
Dies wird folgendermaßen begründet: In Berlin hat sich ein Zweisäulenmodell realisiert, in dem zwei zeitlich unterschiedlich getaktete und curricular unterschiedlich akzentuierte, aber gleichwertige Bildungsgänge zu allen Abschlüssen einschließlich der Hochschulreife führen. Hört, hört!
Weiter empfiehlt diese Kommission, das Lehramt an beruflichen Schulen beizubehalten. Das steht hier zum Glück nicht zur Debatte.
Der Konsens, den wir hier vielleicht auch festhalten können, besteht darin, dass es Länder in dieser Republik gibt, die keine reinen Gymnasiallehrer ausbilden. Das müssen wir möglicherweise entsetzt zur Kenntnis nehmen. Aber wir können beruhigt sein: Kein einziges der Länder in dieser Republik hat die Gymnasien abgeschafft. Alles wird gut.
Der zweite Konsens, den wir hier möglicherweise haben, ist, dass beide Universitäten im Land Schleswig-Holstein Stärken haben. Die Stärken beider Universitäten sollte man bei einer Reform der Lehrerbildung berücksichtigen.
Von Herrn Günther haben wir gehört, dass wir im August einen Antrag beschlossen haben, in dem wir gesagt haben, dass die Landesregierung eine neue Lehrerausbildung entwerfen und einen neuen Gesetzentwurf vorlegen soll. Auf dem Weg dahin haben wir jetzt einen ersten Zwischenstand gehört. Ich hatte nicht das Gefühl, dass Frau Wende das als unmöglich empfunden hätte, dass ich das als Rohmodell bezeichnet habe. Mein Eindruck war eher, dass alle Beteiligten das als einen ersten Schritt betrachten, über den jetzt vor Ort weiter gesprochen werden muss. Was denn sonst? Dafür haben wir doch den Dialogprozess. Dafür haben wir Arbeitsgruppen, und dafür haben wir auch unsere Gremien.
(Beifall SPD, BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und SSW - Dr. Ralf Stegner [SPD]: Sie ken- nen die nur nicht! - Christopher Vogt [FDP]: Herr Stegner, bleiben Sie versöhnlich!)
Wo wir in diesem Hause auch einen Konsens haben, ist, dass die Schulstruktur in unserem Land mit der alten Lehrerausbildung nicht mehr übereinstimmte.
Unser Ziel ist es, möglichst viele Schülerinnen und Schüler zum Abitur zu bringen, aber auch den bestmöglichen Abschluss für alle Schülerinnen und Schüler sicherzustellen, die das Abitur nicht erreichen. Unser Anspruch ist es auch, die bestmögliche Förderung für jeden einzelnen Schüler und für jede einzelne Schülerin zu erreichen. Wenn Sie jetzt nicken und sagen, das finden Sie auch, dann müssten Sie auch den nächsten Schritt mit mir gehen und sagen: Genau das sind doch die Aufgaben von allen Lehrerinnen und Lehrern im Land, sowohl von Gemeinschaftsschullehrern als auch von Gymnasiallehrern.
Das kann doch im Jahre 2012 nicht mehr ernsthaft so sein, dass Sie glauben, es gibt da zwei unterschiedliche Sorten Menschen, und darum muss es zwei unterschiedliche Sorten Lehrer geben, die diese dann ausbilden sollen.
Ich komme zum Fazit, das haben wir im letzten Punkt auch schon einmal gehört: Wir wollen in Schleswig-Holstein starke Gymnasien, starke Gemeinschaftsschulen, starke berufliche Schulen - übrigens auch starke Grundschulen vorneweg, ergänzt durch starke Förderzentren -, und dafür brauchen wir starke Lehrerinnen und Lehrer. - Vielen Dank.
Herr Abgeordneter, gestatten Sie zum Schluss noch eine Frage? - Das ist nicht der Fall. Dann machen wir in der Rednerliste weiter.
Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Bevor ich zu dem komme, was ich eigentlich sagen will, will ich noch kurz auf Sie, Herr Günther, reagieren. Ich fand es schon ziemlich dreist. Sie waren derjenige, der treu an der Seite des ehemaligen Wissenschaftsministers bei jeder Maßnahme stand, die immer weiter zu immer tieferem Misstrauen gegenüber der Hochschullandschaft geführt hat und dazu geführt hat, dass jetzt in der Hochschullandschaft ein Misstrauen gegenüber der Politik entsteht. Dass Sie sich jetzt hier hinstellen und uns vorwerfen, dass es an Standorten zu Unruhe in der Hochschullandschaft kommt und Sie sich sozusagen als Retter präsentieren und Senatsbeschlüsse beziehungsweise Entwürfe zu Beschlüssen, die eventuell ja auch noch anders getroffen werden können, zitieren, ist doch schon extrem interessant und spricht nicht gerade für Sie.