Sie hängen weiterhin Ihrem Traum nach, mit Windmühlen könnte man Kernkraftwerke abschalten. Das ist falsch. Wir haben im Übrigen keinen Ausstieg aus der Kernkraft, sondern einen Konsens, der in jeder Legislaturperiode anders gestaltet werden kann.
Zum Thema neue Technologien, Herr Kollege Hentschel! Ich finde es schon faszinierend, dass Sie uns gerade Windmühlen als neue Technologie verkaufen. Beim Transrapid sagten Sie uns, die Idee stamme von vor 60 Jahren und deshalb sei es nichts Neues.
Windmühlen sind 300 Jahre alt. Herr Hay, Sie sollten das auch einmal zur Kenntnis nehmen. In Norddeutschland gibt es Windmühlen schon ein bisschen länger. Das heißt, neue Technologie ist für Sie das, was Ihnen in den Kram passt.
Ich finde auch Folgendes interessant. Technikfolgenabschätzung im Bereich der Gentechnologie - Sie entwickeln Fantasie bis ins kleinste Zipfelchen! Technikfolgenabschätzung im Bereich Windenergie im Bereich der Nordsee - Sie entwickeln überhaupt keine Fantasie, sondern stellen fast einen Blankoscheck aus! Auch das kann ich so nicht akzeptieren.
- Kollege Hay, man sollte, wenn es um moderne Technologien geht, ein paar mehr nehmen und nicht immer nur den Kopf schütteln. Wir brauchen moderne Technologien. Das hat die F.D.P.-Fraktion in diesem Haus mehrfach dargestellt. Sie sind der Bremser in dieser Beziehung. Wir sind diejenigen, die es weiter befördern wollen.
Wir stehen für Technikfolgenabschätzung in jedem der Bereiche, nicht nur im Bereich Transrapid und Gentechnik. Wir stehen auch für Technikfolgenabschätzung im Windkraftbereich. Wir meinen auch, dass wir dies sorgfältig diskutieren müssen.
Im Übrigen bestätigen Sie doch unsere Befürchtung genau das haben Sie gemacht -, dass in Fragen Windkraftanlagen eben nicht die Neutralität der Ministerin gelten wird, sondern Ihre ideologischen Vorgaben. Genau das wollen wir als F.D.P. verhindern.
Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Ich fand den Einstieg von Kollegen Wadephul in die Diskussion ausgesprochen erfreulich. „Wie wahr, wie wahr!“ zu den letzten Diskussionen, die wir gehabt haben. Deshalb ist es richtig, dass wir uns verpflichtet haben und verpflichtet fühlen, den Verpflichtungen, die wir eingegangen sind und die noch die alte CDURegierung mitbeschlossen hat, die CO2-Minimierung, durchzusetzen.
Darum geht es aktuell insgesamt. Aber es ist doch eine absurde Geisterdebatte, wenn Sie hier den Eindruck erwecken wollen, wir wollten das ganze CO2-Problem etwa über die Windenergie lösen. Das ist doch absurd.
(Christel Aschmoneit-Lücke [F.D.P.]: Das hat Herr Hentschel gesagt! - Wolfgang Ku- bicki [F.D.P.]: Das hat Herr Hentschel ge- sagt! Nicht Sie, Herr Minister! Herr Hent- schel hat das gesagt!)
Sie wissen doch ganz genau, dass der Strombereich insgesamt am Verbrauch der Primärenergie nur etwa 17 % ausmacht.
Wir müssen an den Verkehr denken, an die Wärmedämmung, an solche Sachen, die alle dazugehören. Wir müssen alle Instrumente nutzen.
Da die EU sich verpflichtet hat, in den nächsten zehn Jahren eine Verdoppelung des Anteils der regenerativen Energien zu erreichen, müssen wir alle Ressourcen nutzen, ob das die Solarenergie ist, die Biomassenutzung, eine sinnvolle Kraft-Wärme-Kopplung, die Wasserenergie oder die Windenergie. Ich sage, in unserem Land ist die Windenergie die Ressource, die uns gegeben ist, und die sollten wir optimal nutzen.
Dabei müssen wir uns selbstverständlich, wie es hier schon gesagt worden ist und auch das Gutachten ausweist, auf 1 % der Flächen onshore beschränken. Das sind inzwischen 2.000 Anlagen. Sie hören es wahrscheinlich nicht gern, dass wir dieses Ziel, 25 % des bei uns verbrauchten Stroms damit zu erwirtschaften, nicht erst im Jahre 2010, sondern nach meiner Prognose bereits im Jahre 2003 erreicht haben werden. Das ist ein Erfolg. Das ist ein ökologischer und ein ökonomischer Erfolg.
Wir haben auf Belange des Naturschutzes, des Vogelschutzes, Rücksicht genommen, wenn es auch in der ersten Phase Schwierigkeiten gab. Natürlich gibt es Wetterlagen, bei denen sich die Windkraftanlagen nicht drehen. Aber ich kenne auch Wetterlagen - zum Leidwesen der Energieversorgungsunternehmen -, bei denen in Schleswig-Holstein mehr Windstrom erzeugt wird, als in diesem Land verbraucht wird. Es gehört zur Redlichkeit, das auch zu nennen. Wir müssen die verschiedenen Systeme intelligent miteinander verknüpfen.
Zum Offshore-Bereich sage ich noch einmal, was die Ministerpräsidentin schon gesagt hat. Wenn wir in dem beschränkten Umfang die Entwicklung vorantreiben und dabei beachten, dass natürlich der Nationalpark tabu ist - wir haben Abschied genommen von der Sagasbank -, wenn wir vielleicht auf zwei oder drei Gebieten und in einer Größenordnung von 1.200 MW insgesamt Anlagen offshore hinbekommen - umweltverträglich -, sind das 300 Anlagen. Hier war die Rede von 12.000 Anlagen. Die Entwicklung ist doch so, dass das in Zukunft 3-MW bis 4-MW-Anlagen sein
werden. Das muss man sehen, wir müssen unserer Industrie auch eine Chance geben, weil es in Zukunft Tausende von Offshore-Anlagen auf dem Weltmarkt geben wird,
und ich sehe nicht ein - bei aller Wertschätzung der dänischen Energiepolitik -, warum wir den Dänen einen Weltmarktanteil von 60 % lassen sollten. Da müssten wir doch gut mithalten können.
Ich denke, es ist eine Geisterdebatte, wenn Sie uns hier weismachen wollen, wir wollten vielleicht mit 1.000 MW offshore in drei Gebieten - wenn drei Gebiete überhaupt durchstehen - etwa die Kernenergie ersetzen. Das ist völlig falsch. Dazu gibt es ganz andere Instrumente. Aber das steht heute nicht auf der Tagesordnung.
Ich weise darauf hin, dass gemäß § 56 Abs. 6 der Geschäftsordnung durch die Überschreitung der Redezeit durch die Landesregierung um vier Minuten die gleiche Redezeit den Fraktionen zur Verfügung steht.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich bin richtig froh, Herr Wadephul, dass Sie ins Parlament gekommen sind.
Ich glaube nämlich, dass Sie eine Reihe von Debatten, die hier zu diesem Thema schon geführt worden sind, einfach nicht kennen. Wahrscheinlich bewegen Sie sich sonst nur in CDU-Kreisen und da bekommen Sie die Argumente zu diesem Thema nicht mit.
Tatsache ist, dass Atomkraftwerke - heute neu gebaut einen Strom mit Kosten über 20 Pf pro Kilowattstunde produzieren. Tatsache ist, dass Kohlekraftwerke heute neu gebaut, Beispiel Dresden - einen Strom produzieren, der über 18 Pf pro Kilowattstunde kostet. Das heißt, sowohl neu gebaute Atomkraftwerke als auch neu gebaute Kohlekraftwerke sind teurer als jede Windmühle in Schleswig-Holstein.
- Das ist kein Quatsch, das ist einfach Tatsache, Herr Kollege Kubicki! Aber ich nehme es zur Kenntnis, wie Sie mit Tatsachen umgehen; sie sagen Quatsch.
Ich empfehle Ihnen weiter, Herr Wadephul, kaufen Sie sich - vielleicht bekommen sie es auch umsonst - das Buch von Herrn Hohmeyer, Professor der Universität Flensburg, über die Umstellung der europäischen Energiewirtschaft auf regenerative Energien in den nächsten 20 Jahren. Das ist ein interessantes Buch, das sämtliche Sektoren der Energiewirtschaft durchdekliniert - ich hoffe, Sie können Englisch - und die Umstellung beschreibt. Das kann ich Ihnen nur empfehlen. Ich glaube, wenn Sie das gelesen haben, werden unsere Debatten hier zu diesem Thema besser werden.