Protocol of the Session on May 23, 2019

Ich möchte noch mal in die Runde fragen – weil uns da ein Vorwurf gemacht wird –: Wer gehört denn dazu? – Dazu gehören nicht nur die entsprechenden Arbeitgeberverbände oder Arbeitnehmerverbände, die Gewerkschaften, sondern auch die Umweltverbände.

(Beifall von den GRÜNEN)

Genau darum geht es bei sozialem Frieden: dass alle beteiligt werden. Aber genau diejenigen, die ihre Unterschrift mit unter diesen Kompromiss gesetzt haben, werden hier ausgeschlossen werden.

(Henning Höne [FDP]: Diese Leute müssen aber auch zur Unterschrift stehen!)

Ich möchte die Frage stellen: Wer entfernt sich denn hier vom Konsens? – Das sind nicht wir, sondern diejenigen, die nur vom Strukturwandel reden, das Füllhorn ausschütten – darüber kann man sich freuen –, aber dabei den Grund dieser Kommission vergessen.

Der Grund für die Einsetzung dieser Kommission war der Klimaschutz. Dass zuerst das eine – wie wir es gerade gehört haben, auch von Ihnen, Herr Minister – und dann das andere passieren soll, das stimmt einfach nicht.

Dazu gibt es auch ganz aktuelle Aussagen, beispielsweise von Herrn Kaiser von Greenpeace, der Mitglied der Kohlekommission war. Er hat gesagt, dass Strukturhilfen in dem Kohlekompromisspapier an klare Abschaltdaten für Kohlekraftwerke geknüpft werden.

Es ging um Geld nur für Klimaschutz. Es darf hier einfach keine Blankoschecks geben. Damit müssen Sie aufhören.

(Beifall von den GRÜNEN – Armin Laschet, Ministerpräsident: Das kommt doch alles!)

Herr Ministerpräsident, Sie sagen: Das kommt doch alles. – Aber darauf können wir nicht warten. Das gehört alles zusammen. Wir können nicht erst

das Geld ausgeben und dann schauen, was wir hinterher damit machen.

(Zuruf von Armin Laschet, Ministerpräsident)

Sie geben hier ein …

(Dietmar Brockes [FDP]: Ein erster Abschnitt und dann weitergucken!)

Die Bundesregierung kündigt hier einen Prüfauftrag nach dem anderen an, und Sie sagen: Das ist jetzt die große Lösung. – Das ist es eben nicht,

(Zuruf von Armin Laschet, Ministerpräsident)

sondern wir müssen genau schauen, und Sie müssen hier aktiv werden.

Kommen wir zu dem, was Sie hier eben gesagt haben. Einen einzigen Satz haben Sie zum Klimaschutz gesagt, und zwar: Das Weltklima zwingt uns, unsere Energiewirtschaft zu ändern. – Das stimmt. Dann muss das aber auch jetzt passieren.

(Armin Laschet, Ministerpräsident: Tut es!)

Sie können nicht länger auf die Bundesregierung und auf RWE warten.

(Zuruf von Josef Hovenjürgen [CDU])

Sie müssen Tatsachen schaffen.

(Armin Laschet, Ministerpräsident: Wie denn?)

Im Rheinischen Revier werden aktuell von RWE & Co. Tatsachen geschaffen.

(Zuruf von Armin Laschet, Ministerpräsident)

Natürlich. Da werden weiterhin Bäume gefällt, da werden Häuser abgerissen, da werden Kirchen entweiht.

(Beifall von den GRÜNEN – Weitere Zurufe von CDU und FDP)

Entschuldigung; aber wir könnten jetzt doch einfach mal ganz ruhig hinschauen.

(Weitere Zurufe von CDU und FDP)

Liebe Kolleginnen und Kollegen! Wenn alle so durcheinanderrufen, bedeutet es für den Stenografischen Dienst unseres Hauses eine nicht mehr zu erfüllende Herausforderung, allen Zwischenrufen gerecht zu werden. Insofern bitte ich Sie, dies dem Stenografischen Dienst zu ermöglichen. – Frau Kollegin Brems, Sie haben das Wort.

Es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage. Dass ich Sie unterbrochen habe, hat Herr Kollege Rock direkt genutzt und fragt, ob Sie die Zwischenfrage zulassen.

Ja, bitte.

Bitte sehr.

Frau Brems, vielen Dank, dass Sie die Frage zulassen. Ich bin der Abgeordnete aus dem Rhein-Erft-Kreis mit dem Hambacher Forst.

Aus der Presse und auch den Rufen der Leute hat man entnommen, dass viele Bäume gefällt worden sind. Wissen Sie, wer die Bäume gefällt hat? Die letzten vielen Bäume sind nicht von RWE oder von den Unternehmen gefällt worden, sondern von anderen Menschen. Wissen Sie, wer die gefällt hat? Kann es sein, dass es vielleicht die Leute vor Ort selber waren, die Demonstranten und Terroristen?

(Beifall von der CDU und der FDP)

Sehr geehrter Herr Rock! Erstens wäre ich an Ihrer Stelle ein bisschen vorsichtig mit irgendwelchen Terrorismusvergleichen; ich finde das sehr schwierig.

(Beifall von den GRÜNEN – Zuruf von Dietmar Brockes [FDP] – Henning Rehbaum [CDU]: Die nennen sich doch immer so!)

Wir haben uns klar dazu geäußert.

(Dietmar Brockes [FDP]: Dann wiederholen Sie noch mal!)

Dass Sie nicht alle unsere Sachen lesen, ist ja okay; aber dann müssen Sie uns nicht vorwerfen, dass wir das nicht getan haben. Das stimmt einfach nicht.

(Beifall von den GRÜNEN)

Es ist natürlich nicht in Ordnung, wenn einfach irgendwo Bäume gefällt werden, egal von wem.

(Zuruf von Matthi Bolte-Richter [GRÜNE])

Wir müssen uns noch mal ansehen, was in den letzten Tagen passiert ist. Bei uns sind Informationen angekommen, dass außerhalb des Zeitraums, in dem Bäume eigentlich gefällt werden dürfen, Bäume gefällt wurden.

(Dietmar Brockes [FDP]: Von wem denn?)

Das ist zum Beispiel eine der Fragen, die man sich ansehen muss. Genau darum ging es doch gerade, als Sie mich alle unterbrochen haben. Es geht darum, jetzt zu schauen.

(Dietmar Brockes [FDP]: Sie haben nur das Unternehmen angeklagt!)

Es ist klar, dass es eine Veränderung geben wird. Es wird eine Veränderung geben. Die Tagebaue, die Tagebaugrenzen – all das wird sich verändern. Dann ist

es absoluter Wahnsinn, wenn man einfach so weitermacht wie bisher

(Josef Hovenjürgen [CDU]: Macht doch nie- mand!)