Was ist beispielsweise mit der Beweidung von Deichen durch Schafe, die im Sinne des Hochwasserschutzes unumgänglich ist? Hier handelt es sich um so große Flächen, dass eine entsprechende Einzäunung utopisch ist.
Auch der mögliche Einsatz von Herdenschutzhunden, der ohnehin nur in Verbindung mit einem Zaun möglich ist, stellt sich problematisch dar.
(Norwich Rüße [GRÜNE]: Das ist doch nur eine Zustandsbeschreibung, die Sie abliefern! Das hilft doch alles nicht!)
Denn ein Herdenschutzhund schützt seine Herde nicht nur vor dem Wolf, sondern im Zweifel auch vor dem Hund eines auf dem Deich spazierengehenden Erholungssuchenden oder vor dem Menschen selbst.
Was machen wir, wenn ein Wolf in eine Herde größerer Tiere – beispielsweise Rinder oder Pferde – eindringt und diese so in Panik versetzt, dass sie durch den Zaun gehen und unkontrolliert ins Laufen kommen?
Pferde sind Fluchttiere und, einmal in Panik, kaum wieder unter Kontrolle zu bekommen. Wenn ich daran denke, dass eine derart aufgebrachte Herde in Panik auf die A3 rennt, die das Wolfsgebiet durchschneidet, möchte ich mir die Auswirkungen weder für die Tiere noch für die beteiligten Autofahrer vorstellen.
Frau Kollegin, entschuldigen Sie, wenn ich Sie unterbreche. Es gibt den Wunsch nach einer Zwischenfrage seitens des Abgeordneten Mostofizadeh.
Frau Kollegin, Sie haben jetzt sehr lange beschrieben, warum der Wolf ein – offensichtlich aus Ihrer Sicht – schlimmes Raubtier ist, das viele schlimme Dinge anrichtet.
Was ist denn Ihr Lösungsvorschlag? Muss ich damit rechnen, dass Sie dafür sind, dass alle Wölfe geschossen werden?
(Beifall von der CDU und der FDP – Norwich Rüße [GRÜNE]: Wir hatten keine Hoffnung mehr! – Minister Karl-Josef Laumann: Das war schon bei Hänsel und Gretel so! – Gegenruf von Frank Müller [SPD]: Da waren aber auch noch andere Dinge anders, Herr Laumann!)
Ich bin überzeugte Christdemokratin. Das „C" in unserem Parteinamen steht für mich auch ganz dezidiert für die Bewahrung der Schöpfung. Das gilt aus meiner Sicht aber nicht nur für den Wolf, sondern auch für alle anderen Tiere.
Wenn die Tierhalter mir berichten, dass ihre Herden nicht mehr in Ruhe auf der Weide stehen und fressen, sondern in permanenter Alarmbereitschaft sind, und ich von den Jägern in der Umgebung höre, dass sich das Verhalten des Wildes mit dem Auftauchen der Wölfe massiv verändert hat, dann stelle ich mir die Frage, wie wir hier zu einer vernünftigen Abwägung kommen können.
(Beifall von der CDU – Norwich Rüße [GRÜNE]: Die Lösung! Sie sollen nicht Fragen stellen, sondern Antworten geben!)
Vor allem gilt es, die Sicherheit des Menschen in diesem Zusammenhang nicht aus den Augen zu verlieren. Die Ängste der Menschen in Schermbeck und Umgebung sind nicht zuletzt in sehr emotionalen Bürgerversammlungen zum Thema „Wolf“ sehr deutlich geworden.
Auch wenn es sicherlich unstreitig ist, dass die mögliche Begegnung mit einem Wolf nicht direkt mit Lebensgefahr für die Menschen verbunden sein muss, habe ich Verständnis für jeden, der im Wolfsgebiet nur noch mit Unbehagen im Wald spazieren geht, oder für die Eltern, die sich Sorgen machen, dass der Wolf in der Nähe vom Spielplatz oder vom Kindergarten auftaucht.
Aus Niedersachsen gibt es Bilder, wie der Wolf am helllichten Tag durchs Dorf trabt. Das brauche ich bei uns nicht.
In diesem Zusammenhang müssen wir uns eine Frage stellen, die es ehrlich zu beantworten gilt. Glauben wir wirklich, dass eine friedliche Koexistenz von Menschen, Nutztieren und einem großen Beutegreifer wie dem Wolf in einer so dicht besiedelten Region wie der unseren langfristig möglich sein wird?
Allein ein Blick in unser Nachbarland Niedersachen zeigt, wie schnell die Wolfspopulation ansteigt. Sollten wir solche Zustände in Nordrhein-Westfalen erreichen, wage ich die Prognose, dass das nicht umsetzbar sein wird. Spätestens wenn es zu einem Schaden an einem Kind kommt, werden Sie alle, wie Sie hier sitzen, definitiv meiner Meinung sein.
Insofern bin ich den regierungstragenden Fraktionen im Namen meiner Heimat sehr dankbar für den Antrag, der hier auf den Weg gebracht wird. Die konsequente Umsetzung der „Handlungsstrategie Wolf“ der NRW-Koalition wird eine Verbesserung der Situation für Mensch und Tier im Wolfsgebiet Schermbeck mit sich bringen und hoffentlich auch dafür sorgen, dass die hochemotionale Debatte, die um den Wolf geführt wird, versachlicht wird.
Auch die CDU/CSU-Fraktion im Deutschen Bundestag hat sich der zunehmenden Wolfsproblematik in Deutschland mit dem Positionspapier „Wölfe in Deutschland: Sorgen ernst nehmen, Sicherheit schaffen, Bestände regulieren“ angenommen. Auch dafür bin ich sehr dankbar. Ich bin sicher, dass wir auf Landes- und Bundesebene gut zusammenarbeiten, damit sich die Situation in Sachen Wolf auch in meiner Heimat wieder entspannen kann. – Herzlichen Dank.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Frau Quik, Sie haben von Hoffnung gesprochen. Leider ist sie bei dem Redebeitrag, den Sie hier gerade abgeliefert haben, bei mir gestorben,
nämlich die Hoffnung darauf, Frau Kollegin, dass wir hier entsprechend den Aussagen der Ministerin …
Ich bin sehr interessiert, wie die Debatte im Ausschuss laufen wird. Stimmen Sie Ihrer Ministerin bei den Maßnahmen, die wir auch als Sozialdemokraten für vernünftig halten, zu? Ja oder nein? Oder geht es Ihnen darum, dass Sie zu Hause in der Zeitung Panikmache schüren und hier für Schlagzeilen sorgen?
Wollen Sie das, was Ihre Ministerin hier aufgezeigt hat und unsere Kollegin auch unterstützt, kaputt machen? Ja oder nein?
An Ihrer Rede stelle ich fest: Nein, es geht Ihnen nicht darum, sinnvoll mit dem Tier umzugehen und die Ministerin in dieser Aufgabe zu unterstützen. Sie wollen hier – das war Ihre Rede – nur einen Keil treiben. Das ist Ihnen gelungen. Aber wir lassen Ihnen das nicht durchgehen. Wir stehen an der Seite Ihrer Ministerin.
Und wir werden im Ausschuss – dem Ausschuss gehören Sie nicht einmal an – sehen, wie Sie da die Argumente vorbringen und die Debatte führen wollen. Wir freuen uns drauf. – Danke schön.