Protocol of the Session on October 30, 2018

mich schon rein fachlich gesehen falsch. Rein rechtlich gesehen werden Sie es aber gar nicht durchgesetzt bekommen.

Das ist auch das Problem Ihres Antrags. Sie offerieren mit diesem Antrag Lösungen – ein paar Sachen sind natürlich gut – wie die Änderung des Schutzstatus, die Sie überhaupt nicht durchgesetzt bekommen, weil die Hürden dafür so hoch sind, dass es gar nicht geht. Das ist doch das Kernproblem.

Nun komme ich noch einmal zu der Frage, was den Schafhalterinnen und Schafhaltern wirklich helfen würde. Das ist nämlich das Kernproblem Ihres Antrags. Sie machen eine Riesenblase auf. Wenn man dann mit der Nadel hineinsticht, fällt das Soufflé in sich zusammen, und alle sehen wieder, dass das gar nichts bringt.

(Beifall von den GRÜNEN)

Wenn Sie wirklich der Weidetierhaltung in NordrheinWestfalen einen Schub geben wollen, dann setzen Sie sich doch mit uns gemeinsam für eine wirksame Weidetierprämie ein.

(Beifall von den GRÜNEN – Zurufe von der CDU)

Machen Sie das doch!

Dann sage ich Ihnen noch etwas: Meine größte Befürchtung als Weidetierhalter wäre in dem Moment, in dem der Wolf da ist, etwas ganz anderes als die Risse von einzelnen Tieren. Meine größte Befürchtung wäre, dass meine Herde in Panik versetzt wird, auf die A1 läuft und es dort wegen meiner Schafe zu einer Massenkarambolage kommt. – Dazu lese ich in Ihrem Antrag nichts.

(Daniel Sieveke [CDU]: Aber wir reden doch nicht über die Schafe, sondern über den Wolf! – Weitere Zurufe von der CDU)

Sorgen wir doch dafür, dass der Staat zu 100 % die Haftung für den Wolf übernimmt! Da hätten Sie uns an Ihrer Seite.

(Beifall von den GRÜNEN)

Aber nur ein Fütterungsverbot, das ja richtig ist, ist ein bisschen zu wenig.

Insofern freue ich mich darüber, dass ich Ihnen wieder viel zum Nachdenken mitgeben konnte.

(Heinrich Frieling [CDU]: Nein!)

Ich freue mich auf die gemeinsame Debatte mit Ihnen im Ausschuss. Vielleicht bekommen wir dann gemeinsam etwas hin – einen Antrag, der wirklich nach vorne weist und nicht hinter dem zurückbleibt, was längst im LANUV und im Ministerium erarbeitet wurde. – Vielen Dank.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Rüße. – Als nächster Redner hat für die Fraktion der AfD der Abgeordnete Tritschler das Wort. Bitte schön, Herr Kollege.

Vielen Dank. – Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Im 19. Jahrhundert, als Wölfe noch Schädlinge waren und die Kinderbücher noch nicht politisch korrekt, schrieben die Gebrüder Grimm das schöne Mädchen „Rotkäppchen“ auf. Die Älteren werden sich vielleicht erinnern.

Der Plot ist schnell erzählt: Die juvenile Protagonistin will ihre Großmutter besuchen und folgt dabei nicht den Sicherheitsinstruktionen ihrer Mutter. Infolgedessen fallen sie und ihre Großmutter dem Prädatoren Canis lupus – gemeinhin bekannt als Wolf – zum Opfer. Glücklicherweise steht ein Jäger als Ersthelfer zur Verfügung und beseitigt den Wolf durch letale Entnahme. Großmutter und Enkelin kommen mit dem Schrecken davon.

Nun ist es mit Märchen ja so eine Sache. Die Charaktere sind eher holzschnittartig; es fehlt die charakterliche Tiefe. Das gilt allerdings auch für die modernen Märchen, wie sie von den Grünen – vorhin auch von Herrn Rüße – verbreitet werden.

Da haben sich die Rollen ins Gegenteil verkehrt: Der Wolf ist heute eine arme, edle und grundfriedliche Kreatur, die einen großen Bogen um Menschen macht, wohingegen der Jäger mordlustig, schießwütig und auf Ausrottung aus ist.

Darüber hinaus könne sich, so heißt es, die Natur – gemeint ist unsere Kulturlandschaft – selbst regulieren, und menschliche Eingriffe seien unnötig. Wo Menschen selbst oder menschliche Interessen gefährdet sind, namentlich diejenigen von Haus- und Nutztierhaltern, sei dies mit Herdeschutzmaßnahmen zu regeln – beispielsweise mit Zäunen oder speziellen Hunden.

Leider scheitert auch dieses Märchen an der Realität. Das zeigen die Erfahrungen der Bundesländer, in denen es schon länger Wölfe gibt. Noch vor wenigen Tagen erreichte uns die Nachricht, dass erstmals auch ein Mensch, ein ausgewachsener Mann, in Niedersachsen Opfer einer Wolfsattacke wurde. Schon seit Jahren häufen sich die Berichte über Wolfsrisse an Nutztieren, insbesondere im Norden und im Osten der Republik.

Ich habe die Landesregierung vor über einem Jahr gefragt, wie sie damit umgehen will. Die Antwort war eher ernüchternd. Wirklicher Handlungsbedarf

wurde nicht gesehen, und man legte sich offenbar in den Dämmerschlaf.

Nun stellen die Regierungsfraktionen diesen Antrag, der immerhin auch viele richtige Punkte enthält. Aber

so richtig trauen sie sich dann doch nicht. Die Aufnahme des Wolfes in den Katalog der jagdbaren Arten – von der FDP zu Oppositionszeiten noch gefordert – fehlt.

Dabei ist das in unserem dicht besiedelten Bundesland geradezu fahrlässig. Man muss sich das einmal vorstellen: Während weite Teile unseres Landes für Rotwild, also für Hirsche, gesperrt sind und das Wild dort gegebenenfalls scharf bejagt wird, soll der Wolf sich völlig unbeschränkt verbreiten dürfen. Sie setzen damit das Leben von Mensch und Tier aufs Spiel.

Stimmen Sie für unseren Antrag, und sorgen Sie dafür, dass bei Bedarf schnell und unkompliziert in den Bestand eingegriffen werden kann. Wir reden hier nicht über Ausrottung, sondern über Regulierung, und zwar durch diejenigen, die das Handwerk verstehen, nämlich unsere Jäger. Ansonsten laufen wir Gefahr, dass das Märchen vom bösen Wolf womöglich bald Realität wird.

(Beifall von der AfD)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Tritschler. – Als nächster Redner hat der fraktionslose Abgeordnete Pretzell das Wort. Bitte schön, Herr Kollege.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine sehr geehrten Damen und Herren Kollegen! Deutschland ist dicht besiedelt. Deutschland ist Kulturlandschaft. So etwas wie Wildnis gibt es de facto in Deutschland nicht mehr. Das gilt in ganz besonderem Maße für Nordrhein-Westfalen.

Die ersten Wölfe, die in Deutschland wieder aufgetaucht sind, sind in Sachsen aufgetaucht. Es handelt sich um die sogenannten Lausitz-Wölfe. Diese Wölfe sind relativ gut dokumentiert. Es gibt dort einen ersten Wurf Welpen, bei dem vor allem eines ins Auge fällt – sogar dem Laien –, nämlich ein sogenannter schwarzer Sattelfleck. Das ist ein typisches Merkmal von Hunden und eben nicht von Wölfen, das zusätzlich auch noch rezessiv vererbt wird.

Wer bei Mendel aufgepasst hat, weiß, dass dann, wenn bei Hundewelpen ein rezessives Merkmal vorhanden ist, beide Elternteile dieses Hundegen in sich tragen. Mit anderen Worten: Wir sprechen hier über Scheinwölfe und nicht über reinrassige, genetisch echte Wölfe, und zwar schon bei der Erstpopulation, den Lausitz-Wölfen.

Es gibt noch weitere Merkmale, die ich nicht alle aufzählen will. Der Verein Sicherheit und Artenschutz hat sie in Sachsen relativ gut dokumentiert, und zwar in Zusammenarbeit mit Herrn Professor Geist aus Kanada, Herrn Granlund aus Finnland und Herrn Granqvist, ebenfalls aus Finnland. Diese Experten

haben in Kanada und Finnland tatsächlich noch Kontakt zu echten Wölfen. Daher können sie auch wissenschaftlich beurteilen, was Wölfe und was Scheinwölfe sind.

(Ministerin Ursula Heinen-Esser: Also haben wir Scheinwölfe!)

Dagegen wird immer wieder das Senckenberg Institut zitiert, das in der CEwolf organisiert ist. Die CEwolf erhält eine ganze Reihe staatlicher Hilfsmittel; ihr werden auch eine ganze Reihe Forschungsmittel zugewiesen. Es handelt sich um eine Vereinigung, die sich aus Instituten aus Deutschland, Polen, den Niederlanden und Dänemark zusammengesetzt hat. Vielleicht wäre es gut gewesen, dort auch Institute aus Russland, Skandinavien oder Kanada einzubeziehen. Dann wüsste man möglicherweise mehr. Glaubwürdiger wäre es auch, wenn man nicht auf staatliche Fördermittel aus solchen Pro-Wolf-Töpfen angewiesen wäre.

Meine Damen und Herren, ich darf Ihnen in Erinnerung rufen, dass die Artenschutz-Konvention von Rio de Janeiro aus dem Jahr 1992 unter anderem den Schutz des Genpools von Wildtieren zum Ziel hat – und damit auch den Schutz des Genpools von Wölfen.

In Deutschland haben wir Scheinwölfe. Wir haben Wolf-Hund-Hybride. Es wird Rückwanderungen von Deutschland nach Polen und weiter in den Osten geben, wo tatsächliche Wolfspopulationen existieren. Dann wird auch dort eine Hybridisierung stattfinden.

Was wir hier in Deutschland mit dem sogenannten Wolf versuchen, ist kein Wolfsschutz, sondern eine Gefährdung der genetisch nach wie vor echten Wolfspopulationen, die es in Osteuropa noch gibt. Hören Sie auf, in einer Kulturlandschaft wie Deutschland einen solchen Versuch zu unternehmen.

Sie versuchen, mit einem Fütterungsverbot, Informationsveranstaltungen und sogenannten effektiven Schutzmaßnahmen den Wolf in NRW heimisch zu machen. Dabei haben Sie selbst gesagt, dass Zäune und Hunde als Schutzmaßnahmen nicht ausreichen. Was gibt es denn dann für Schutzmaßnahmen? Außer Hunden und Zäunen gibt es überhaupt keine effektiven Schutzmaßnahmen.

(Das Ende der Redezeit wird signalisiert.)

Es gibt sie einfach nicht. Sie werden also am Ende lediglich mit Steuergeld Schäden begleichen. Das ist alles, was Ihnen dann noch bleibt. – Herzlichen Dank, meine Damen und Herren.

(Beifall von Alexander Langguth [fraktionslos] und Frank Neppe [fraktionslos])

Vielen Dank, Herr Abgeordneter Pretzell. – Als nächste Rednerin

hat für die Landesregierung Frau Ministerin HeinenEsser das Wort.

Meine sehr geehrten Damen und Herren! Frau Präsidentin! Nach Auswertung mehrerer genetischer Proben im Zusammenhang mit den Tierrissen am Niederrhein hat das Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz eine standorttreue Wölfin mit der Kennung „GW954f“ für das Gebiet um Schermbeck bestätigt.

(Frank Sundermann [SPD]: Aha!)

Damit haben wir zum 1. Oktober 2018 zum ersten Mal ein Wolfsgebiet in Nordrhein-Westfalen ausgewiesen. Zeitgleich haben wir die Abgeordneten des Landtags durch einen schriftlichen Bericht umfassend darüber informiert.

Ohne Zweifel stellt die Rückkehr des Wolfes wegen der damit verbundenen Sorgen und Ängste in der Bevölkerung sowie des damit verbundenen Konfliktpotenzials eine sehr große Herausforderung dar.