Protocol of the Session on September 17, 2020

Zweitens. Quantität sollte nach unserer Auffassung in der Schule niemals vor Qualität gehen.

Drittens. Die Lehrerinnenbesoldung ist ein leidiges Thema.

Zum ersten Punkt: Es steht außer Frage, dass der Lehrkräftemangel real ist. Das ist er schon seit Langem. Die Zeit drängt; denn wir alle wollen, dass Kinder die bestmögliche Ausbildung erhalten.

Wie wichtig qualifizierte Lehrerinnen und Lehrer sind, haben wir einmal mehr in den letzten Monaten der Pandemie gemerkt, als es gerade von der Tatkraft

der Lehrkraft abhängen konnte, ob der Bildungserfolg noch gegeben ist.

Die Zeit drängt also. Deshalb frage ich mich schon, warum Sie als regierungstragende Fraktionen hier lediglich Prüfaufträge erteilen. Wir wissen doch alle, wo der Schuh drückt.

Zum zweiten Punkt, Qualität statt Quantität: Das Referendariat wird unter Lehrkräften auch schon mal als der ultimative Stresstest bezeichnet. Der Druck auf die angehenden Lehrerinnen und Lehrer ist immens. Die Anforderungen sind es auch. Sie müssen es auch sein; denn Lehrerinnen und Lehrer tragen eine große Verantwortung für junge Menschen, die ihnen vertrauen und deren Bildungserfolg nicht unerheblich davon abhängt, wie der Unterricht gestaltet ist.

Das fachliche Wissen von Lehrerinnen und Lehrern muss exzellent sein. Lehrkräfte müssen außerdem ein gewisses Maß an Stress und Druck aushalten können. Studierende für das Lehramt sind aber junge Menschen, deren Wohlergehen Sie als Landesregierung auch im Blick behalten müssen.

Quantität darf in der Schule niemals vor Qualität gehen. Einen erhöhten Leistungsdruck damit zu legitimieren, dass dies dem Wunsch und Willen von einzelnen Studierenden entspreche, halten wir als Sozialdemokraten für grundfalsch.

Natürlich wird es vermutlich einzelne Studierende geben, die gerne verkürzen möchten und dies vielleicht auch könnten. Aber wo bleibt da der Qualitätsanspruch der Landesregierung an die Lehrerinnenausbildung?

Ja, auch wir haben in unserer Regierungsverantwortung den Vorbereitungsdienst zeitlich geschliffen. Mit der inzwischen gewonnenen Erfahrung kann man aber nicht sagen, dass dies der Qualität der Lehrerausbildung gutgetan hätte. Deshalb bin ich an diesem Punkt sehr vorsichtig.

Für mich stellt sich schon die Frage, ob Sie ebenso ungeniert die Fachausbildung angehender Ärzte zusammenstreichen wollten. Würde man dort die Ausbildungsinhalte und Kompetenzen ebenso reduzieren wollen? Was für Ärzte, Chirurginnen, Virologen oder Diagnostikerinnen würde man damit am Ende erhalten?

Schon jetzt berichten Fachausbilderinnen davon, dass junge Menschen nach dem Abschluss der universitären Ausbildung nicht gut auf das Referendariat vorbereitet sind. Die Schülerinnen und Schüler in unserem Land sind es aber wert, von den besten Lehrerinnen und Lehrern unterrichtet zu werden.

(Beifall von der SPD und Sigrid Beer [GRÜNE])

Auch die angehenden Lehrkräfte haben ein Anrecht darauf, bestmöglich ausgebildet zu werden, weil eine Vielzahl von Aufgaben auf sie zukommt.

Ich habe nicht den Eindruck, dass Sie das tatsächlich bedacht haben. Für uns ist eines klar: Eine weitere Verkürzung der Ausbildung zulasten der Qualität ist der falsche Weg.

(Beifall von der SPD)

Zum dritten Punkt, der gerechten Besoldung: Mir läuft etwas die Zeit weg; aber das Thema ist hier mehrfach besprochen worden. Wenn wir es nicht endlich schaffen, hier eine für alle Schulformen gleiche Besoldung hinzubekommen, werden Sie es auch nicht schaffen, gerade für die Bereiche „Grundschule“ und „Sekundarstufe I“ mehr junge Menschen zu überzeugen, in diese Studiengänge zu kommen.

(Beifall von der SPD)

Insofern werden wir der Überweisung natürlich zustimmen. Ich freue mich auch schon auf die weitere fachliche Befassung mit diesem Antrag. – Vielen Dank.

(Beifall von der SPD)

Vielen Dank, Frau Kollegin Stotz. – Für Bündnis 90/Die Grünen spricht Frau Kollegin Beer.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Der vorliegende Antrag befasst sich in der Tat mit einer zentralen Frage: Wie gewinnen wir Lehrkräfte? Da stimme ich Ihnen zu, Frau Beihl. Das müssen wir uns wirklich zentral vornehmen, und wir müssen nach vielen Wegen suchen.

Aber ich kann mir nur wünschen, dass es für diesen Antrag – das schien noch nicht entschieden gewesen zu sein, als wir in der Obleuterunde darüber gesprochen haben – eine Anhörung geben wird. Denn daran sind sehr viele Fragezeichen zu machen.

Ich will vor allen Dingen einen Punkt herausgreifen, nämlich die Frage, ob und an welcher Stelle Praxisphasen weiter verkürzt werden können. Gerade das Referat zu verkürzen, halte ich für äußerst schwierig und nicht gangbar.

In Bezug auf andere Vorbildungen ist es in der Lehrerausbildung schon jetzt der Fall, dass diese in den universitären Praxisphasen anerkannt werden – etwa, wenn Leute aus der Jugendarbeit kommen oder wenn sie in anderen fachlichen Bereichen Erfahrungen haben.

Wir stellen hier doch gemeinsam fest, dass die Anforderungen im Lehrerberuf immer komplexer werden. Deshalb darf an dieser Stelle Ausbildung nicht zurückgeschnitten werden.

Ich will noch einmal auf die Geschichte des Lehrerausbildungsgesetzes eingehen. Wir haben damals

hier gemeinsam abgewehrt, dass das Referendariat auf 12 Monate begrenzt wurde. Es war ein Kampf, dass wir das hingekriegt haben. Die 18 Monate sind wirklich mit Schmerzen eingegangen worden.

Wenn wir hier für Einzelne das Tor öffnen, weiß ich nicht, ob daraus nicht die Büchse der Pandora wird und dann plötzlich die Debatte über eine grundsätzliche Kürzung des Referendariats wieder aufgemacht wird.

Das hat – ein Schelm, wer Böses dabei denkt! – natürlich auch etwas mit besoldungsrechtlichen Fragen zu tun; etwa, wenn darüber nachgedacht wird, ob in Bezug auf das Grundschullehramt vielleicht Praxisphasen verkürzt werden. Will man so vielleicht der A13-Debatte entkommen? Was bedeutet das für die Sekundarstufe I?

Das müsste als erster Schritt erst einmal festgezurrt werden, und wir müssten die Umsetzung von A13 für das Grundschullehramt und für die Sekundarstufe I haben. Trotzdem würde ich dann immer noch sagen: Dieses Unterfangen, das Sie da vorgelegt haben, geht so nicht.

(Vereinzelt Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

In diesem Antrag fehlt mir außerdem die tatsächliche Unterstützung für die Schulen, die jetzt Ausbildungsunterstützung leisten, gerade im Bereich des Seiteneinstiegs. Diese Schulen brauchen Entlastungsstunden. Sie machen das jetzt, wenn Lehrkräfte mit anderem Lehramt in die Schulen kommen und dort eingearbeitet werden müssen, also auf die spezielle Schulform und Schulstufe vorbereitet werden müssen, wenn sie ins Team geholt werden. Davon steht bei Ihnen nichts.

Ich unterstütze die weitere Qualifizierung des Seiteneinstiegs. Aber das muss substanziell entsprechend ausformuliert werden. Es ist mir zu schwach, wenn Sie mit Prüfaufträgen um die Ecke kommen. Ich dachte, Sie regieren hier und wissen, was Sie wollen.

Offensichtlich ist das noch nicht festgelegt. Deswegen sollten wir den Sachverstand der Hochschulen – einschließlich der Praxisphasen, aber vor allen Dingen auch der Lehrerausbildung in der zweiten Phase – und der Schulen mit einbeziehen, um diesen Antrag zu diskutieren.

Denn darin stecken zu viele Gefahren und Unwägbarkeiten, die die Qualität von Unterricht und Ausbildung beeinträchtigen können. Qualität und Quantität darf man in der Tat nicht gegeneinander ausspielen.

(Beifall von den GRÜNEN und der SPD)

Vielen Dank, Frau Kollegin Beer. – Für die AfD-Fraktion spricht Herr Kollege Seifen.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Der vorliegende Antrag ist ein Beleg dafür, dass sich fehlerhafte Entscheidungen von einst im Heute und Morgen bitter rächen.

Das gilt für den privaten Bereich ebenso wie für den politischen Bereich, nur sind im letzteren Fall manchmal Millionen von Menschen und dazu noch mehrere Generationen betroffen, welche die Rache zu spüren bekommen.

Den Lehrermangel, den wir heute alle beklagen, könnte man als solch eine Rache von Fehlentscheidungen bezeichnen, denn er ist das Ergebnis von völlig falschen Entscheidungen in der Schulpolitik und in der Lehrerausbildung.

Aber das einzusehen, bedeutete ja auch, zugeben zu müssen, dass man in den letzten 20 Jahren einen falschen Weg in der Schulpolitik eingeschlagen hat, und daran waren alle hier sitzenden Altparteien beteiligt.

Was der Öffentlichkeit immer als Reform verkauft worden ist, war ja niemals eine Reform, sondern die Deformation eines bewährten, durchdachten und komplexen Systems.

Da Sie Ihre gemeinsamen schwerwiegenden Fehler weder einsehen noch zugeben wollen, legen Sie dem Parlament einen Antrag vor, der eher als Notfallplan daherkommt. Was Sie vorschlagen, ist wie der Versuch, aus einem trockenen Schwamm noch Wasser herauszuquetschen.

Da soll also die Landesregierung beauftragt werden, über Verkürzungen der Studien- und Referendarzeit nachzudenken, Lenkungsinstrumente zur Absicherung der regionalen Versorgung zu entwickeln und eben auch die Qualifizierung von Seiteneinsteigern abzusichern.

So weit, so gut. Das kann man alles mittragen. Ich kann Ihnen nur sagen: Das wird alles nicht reichen, um die Schulen ausreichend mit Lehrkräften zu versorgen.

Über die Qualität der Ausbildung ist schon gesprochen worden. Ich kenne Ähnliches aus den 70er-Jahren: Damals gab es auch eine verkürzte Referendarzeit. Damals waren die Lehrkräfte an der Universität allerdings ganz anders ausgebildet. Neue Absolventen für eine Lehrerausbildung werden Sie so nicht in genügender Zahl finden.

Auch die in Ihrem Antrag erwähnte Lehrerwerbe- und -informationskampagne wird Ihnen nicht viel dabei helfen, vor allem dann nicht, wenn sie so kindisch angelegt ist wie vor zwei Jahre. Auf Postkärtchen stand damals – ich zitiere –: „Denken ist wie googeln nur krasser“ oder „Ständige Follower kriegst du locker“ und ähnlich dumme blöde Sprüche.

Man könnte einfach darüber lachen, aber das Lachen vergeht einem, weil diese primitive Werbekampagne offenbart, mit welcher Herabwürdigung – „Sie“ will ich nicht sagen – diejenigen, die die Kampagne losgetreten und darüber entschieden haben, dass sie in die Öffentlichkeit soll, junge Menschen betrachten, die den Beruf des Lehrers ergreifen wollen oder sollen. Nicht ohne Grund haben die Lehrkräfte in den Schulen wegen dieser primitiven Kampagne getobt.

Brigitte Balbach von lehrer nrw hat bei der Anhörung zur Lehrerversorgung das Nötige zur letzten Werbekampagne gesagt. Ich zitiere mit Erlaubnis der Präsidentin aus der Anhörung: