Schauen wir uns die Sachverhalte also einmal an. Außerdem ist natürlich das Umgehen mit solchen Vorkommnissen im Abitur entscheidend.
Das Erste ist – der Antrag war ja auf die Sozialwissenschaftsklausuren bezogen –, dass sich die Ministerin tatsächlich dafür entschuldigt hat; denn es ist in der Tat ein ärgerlicher Vorgang,
dass nicht alle Schulen gleich miteinander informiert worden sind. Das hat die Ministerin aber ausdrücklich eingeräumt. Es wird auch entsprechend abgestellt.
Das Zweite ist: Die Ministerin hat jetzt auch klargestellt, dass die Klausuren alle noch einmal durchgeprüft worden sind. Wir hatten in diesem Jahr ein außerordentlich sorgfältiges Verfahren mit Praxischecks von Kollegen und Kolleginnen, die selbst in der Oberstufe arbeiten, aktuell nicht mit in das Abitur einbezogen sind und diese Aufgaben gegengerechnet haben.
In diesem Zusammenhang ist natürlich auch die Frage des Zugangs zu einer Mathematikaufgabe Thema gewesen. Deswegen bin ich der Ministerin außerordentlich dankbar dafür, dass sie auf die gängigen Vorschriften hingewiesen hat – die auch nichts Neues sind, sondern im Land schon seit langen Jahren die Regel –, was die Bewertungskriterien von Abiturarbeiten angeht. Dabei ist nämlich die Ausgangslage, also die Frage, was wie vorbereitet worden ist, noch einmal entsprechend zu bewerten. Daher haben die fachkundigen Kollegen und Kolleginnen, in die ich mein volles Vertrauen setze, genau die gleichen Bewertungskriterien an der Hand und genau die gleichen Möglichkeiten wie in allen anderen Jahren zuvor.
Ich bin der Ministerin dankbar dafür, dass sie sehr transparent – das ist auch ein Gegensatz zu dem, was wir unter Schwarz-Gelb und der damaligen Bildungsministerin erlebt haben – das gesamte Verfahren offengelegt hat, deutlich gemacht hat, wie viele Leute über die Aufgaben geschaut haben, und ausgeschlossen hat, dass diese Aufgaben nicht lösbar waren. Sie waren in der Tat lösbar. Es ist richtig, dass sie unterschiedliche Reaktionen ausgelöst haben. Wir müssen da aber auch eine Klarheit und Transparenz im Verfahren haben, finde ich. Das hat die Ministerin vorgelegt. Dafür bin ich ihr auch dankbar.
Zum dritten und letzten Mal am heutigen Tage: Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Gestern ist die Entscheidung des Ministeriums zur Mathematikklausur gefallen. Grundsätzlich gilt, dass das Niveau von Prüfungen selbstverständlich nicht abgesenkt werden darf. Es handelt sich dabei nämlich um den Erwerb einer Hochschulzugangsberechtigung. Das muss man ganz klar und deutlich sagen.
In der Bewertung, ob diese Aufgaben verständlich und dem zu erwartenden Anspruch eines Grundkurses angemessen waren, gehen die Meinungen bei Fachleuten – wie so oft, ist das auch hier der Fall – merklich auseinander. Daher war die Überprüfung der Aufgabenstellung richtig. Die Kommission hat nun erklärt, sie sei aus ihrer Sicht angemessen, verständlich und lösbar. Jetzt kann man noch darüber sprechen, ob hier eine unabhängige Überprüfung angebracht wäre. Das werden wir sicherlich an anderer Stelle tun. Die Entscheidung des Ministeriums steht aber fest.
Allerdings – das sage ich an dieser Stelle auch – müssen wir meines Erachtens im Ausschuss noch über eine Frage intensiver diskutieren, die vom Ministerium abschlägig beschieden wurde. Vielfach wurde nämlich ein unterschiedlicher Schweregrad zwischen den einzelnen Jahrgängen kritisiert. Im Sinne einer Gleichbehandlung muss sichergestellt sein, dass jedes Jahr anspruchsvolle, angemessene, aber auch zwischen den Jahrgängen vergleichbare Anforderungen gestellt werden.
Bei der Frage der Sozialwissenschaften handelt es sich jedoch offensichtlich um ein klares Missmanagement des Ministeriums. Frau Ministerin Löhrmann, Sie haben noch am 8. April 2013 erklärt – ich darf an dieser Stelle zitieren –:
„Die Schüler in NRW können zuversichtlich ins Abitur gehen, weil alle Beteiligten alles nach besten Kräften vorbereitet haben.“
Ich möchte hier nicht wiederholen – das wurde schon in den Äußerungen meiner Vorredner deutlich –, wie besonders die Grünen geschimpft haben, als zu Beginn des Zentralabiturs zweifellos deutliche Probleme aufgetreten sind. Das kann man an dieser Stelle sagen.
Mir geht es um die Schlüsse, die Sie, Frau Ministerin Löhrmann, für Ihr Handeln daraus gezogen haben. Bereits 2011 sind Probleme aufgetreten, die dann noch um weitere Fehler des Ministeriums bei der Wiederholungsklausur ergänzt wurden.
Damals haben Sie im Ausschuss erklärt, natürlich gehöre zum Vorgehen des Ministeriums, dass beim Auftauchen von Problemen mit den Betroffenen sehr zeitnah gesprochen werde. Das haben Sie als Ihren Anspruch formuliert.
Ich sage aber auch, dass ich es als pure Selbstverständlichkeit erachte, unmittelbar mit den Schulen zu kommunizieren, wenn man Probleme sichtet. Dann klingt es an dieser Stelle doch etwas befremdlich, wenn Ihre Sprecherin äußert – ich darf zitieren –: Künftig werden wir alle Schulen sofort informieren.
Meine Damen und Herren, ich halte es – wie schon erwähnt – für selbstverständlich, dass bei einer so wichtigen Prüfung wie der Abiturprüfung keine Zeitverzögerung eintritt.
Die Vorgänge in den Sozialwissenschaftsklausuren sind keine Petitesse, nur weil hier nicht so viele Schulen betroffen sind wie das im Bereich der Mathematik der Fall ist und offenbar nur 18 Schüler nachschreiben. Eine Wiederholungsprüfung – das wissen wir – ist, ob jetzt Doppelabiturjahrgang oder nicht, für die Jugendlichen immer eine zusätzliche Belastung. Das muss man an dieser Stelle klar und deutlich sagen. Auch für Lehrerinnen und Lehrer ist dies immer schwierig. Ich glaube, an der Stelle sind wir uns einig.
Frau Ministerin Löhrmann, das hätte vermieden werden müssen, das wäre zu vermeiden gewesen, und das gilt es in Zukunft mit allen Mitteln zu vermeiden. Insofern hat die CDU Recht, wenn sie sagt, Sie können sich bei dem Fehler, der hier entstanden ist, nicht mit einem kleinen Team herausreden. Denn es ist Ihre Aufgabe als Hausspitze eines Ministeriums, für eine solche wichtige Aufgabe an dieser Stelle das benötigte Personal einzuplanen. Das Abitur – auch das ist schon angesprochen – und die dazugehörigen Prüfungen kommen nicht über Nacht, sondern dieser Termin und die entsprechenden Prüfungsaufgaben stehen schon länger fest.
Frau Löhrmann, Sie haben in der Plenardebatte 2011 zu den damaligen Fehlern des Ministeriums erklärt – ich darf zitieren –:
Manchmal geht es eben um schnelles und effektives Reagieren und insbesondere darum, sicherzustellen, dass die Schülerinnen und Schüler eine korrekte Abituraufgabe vorgelegt bekommen.
In diesem Jahr ist das in Ihrem Haus nicht gelungen. Hoffen wir, dass es 2014 nicht wieder Probleme gibt und Ihre Sprecherin Recht behält, die erklärte – ein letztes Zitat –: Wir werden das sicherlich beim nächsten Mal anders machen.
Sehr geehrter Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Werte Zuschauerinnen und Zuschauer! In Bezug auf den vorliegenden Antrag der CDU-Fraktion sind wir der Meinung, dass selbstverständlich die Ministerin für die korrekte Durchführung aller Vorgänge in ihrem Haus sorgen muss, glauben jedoch auch, dass der im Antrag formulierte Vorschlag der CDU ein Schnellschuss ist und inhaltlich zu kurz greift.
Was ist passiert? Wir haben gehört, dass es zwei Fälle gegeben hat, einmal den Fall der Sozialwissenschaftsklausur, wo der falsche Schwerpunkt bereitgestellt worden ist; der Schwerpunkt „Wirtschaft“ fehlte. Nach Angaben des Ministeriums wurde am Dienstag um 12 Uhr der Download zur Verfügung gestellt, um 12:55 Uhr sei der Fehler behoben worden.
Der Presse kann man weiterhin entnehmen, dass das Ministerium bestätigt habe – ich zitiere aus dem Artikel von „Der Westen“ –, dass „an die betroffenen Schulen keine Rundmail geschrieben, sondern den Mitarbeitern der Info-Hotline dieser Hinweis gegeben“ wurde. Mit anderen Worten: Die betroffenen Schulen scheinen, obwohl möglicherweise bekannt, nicht aktiv auf den Fehler hingewiesen worden zu sein.
Im zweiten Fall, im Fall der Mathematikaufgaben, beklagen zahlreiche Schülerinnen und Schüler, die entsprechenden Aufgaben seien zu schwierig oder unverständlich gewesen. Bei Facebook traten binnen zwei Tagen mehr als 7.000 junge Menschen einer entsprechenden Protestgruppe bei, und eine Online-Petition ans Ministerium fand bereits mehr als 5.000 Unterstützerinnen.
muss bedenken, das machen diese Schülerinnen und Schüler während der laufenden Abiturprüfungen. Das heißt, für die Schülerinnen und Schüler „brennt“ es. Jugendliche sind heute sehr ehrgeizig, und gerade im doppelten Abiturjahrgang verstehe ich die Angst vor der Konkurrenzsituation um Studien- und Ausbildungsplätze. So viel zum Sachverhalt.
Was nun? Unser allererstes Interesse gilt natürlich in beiden Fällen der Zukunft der betroffenen Schülerinnen und Schüler. Im ersten Fall, der falschen Aufgaben im Bereich „Sozialwissenschaft und Wirtschaft“, dürfen die betroffenen Schülerinnen und Schüler die Klausur nachschreiben. Das ist dann zwar eine Mehrbelastung für die Schülerinnen und Schüler, aber eine schnelle und unbürokratische Lösung, bei der die Interessen der Schülerinnen und Schüler gewahrt werden und die wir deshalb gutheißen.
In Bezug auf den Schwierigkeitsgrad der diesjährigen Grundkurs-Matheklausur ist eine Beurteilung der Situation deutlich schwieriger. Nicht alle Schülerinnen und Schüler haben die Aufgaben als unlösbar empfunden. Es waren sogar vereinzelte Stimmen zu hören, die Klausur sei leichter als im Vorjahr gewesen. In den Online-Protestforen allerdings tun sich diese Stimmen eher schwer oder werden freundlich gebeten, ihre anderslautende Meinung doch bitte nicht vorzutragen. Der Gesamteindruck in den Online-Foren ist also eher negativ. Doch selbst, wenn die Klausur schwerer als im Jahr zuvor gewesen sein sollte, ist eine gewisse Schwankungsbreite im Schwierigkeitsgrad grundsätzlich wohl nicht zu vermeiden.
Mein Mathe-Leistungskurs ist sehr lange her. Ich maße mir deshalb nicht an, den Schwierigkeitsgrad beurteilen zu können. Das würde mir auch nicht gelingen. Denn wir haben gehört, es gibt das Problem, dass die Aufgaben überhaupt noch nicht veröffentlicht worden sind. Von Klarheit und Transparenz zu sprechen, finde ich an dieser Stelle übertrieben.
Insofern ist eine Überprüfung des Kurzberichts, der gestern vom Schulministerium veröffentlicht wurde, daher für mich nicht möglich. Der Öffentlichkeit wird es ähnlich gehen. Das empfinde ich als frustrierend.
Die Frage ist auch: Würde eine Kommission, die zuvor die Aufgaben als angemessen ausgewählt hat, jetzt sagen, dass sie doch nicht angemessen sind? Es ist zu prüfen, ob nicht für solche Fälle bei Streitfragen oder Unstimmigkeiten eine unabhängige Kommission eingesetzt werden muss.
Wir plädieren deshalb dafür, dass das Ministerium die gemachten Fehler zum Anlass nimmt, das Verfahren grundsätzlich auf denkbare Fehler zu prüfen. So dürfte es technisch möglich sein, festzuhalten, welche Schule welche Abiturklausuren heruntergeladen hat. Auf diese Weise könnten entsprechend im Falle der fehlerhaften Bereitstellung einer Klausur ganz gezielt die Schulen angesprochen werden, die von diesem Fehler betroffen sind.
Es ist weiterhin zu prüfen, ob die Expertise der Fachlehrerinnen nicht früher genutzt werden kann als Kontrollmechanismus. Dafür müssten den Kolleginnen und Kollegen die Prüfungen früh genug vorliegen. Als Lehrerin kann ich mich daran erinnern, dass ich die Prüfungsklausuren erst 30 Minuten vor der Prüfung gesehen habe. Wenn ich dann feststelle, dass zum Beispiel eine falsche Aufgabe heruntergeladen wurde, habe ich keinerlei Chance mehr, das zu korrigieren.
Beide Anregungen würden einen ebenso einfachen wie effektiven zusätzlichen Kontroll- und Korrekturmechanismus schaffen, der im zweitgenannten Fall sogar völlig kostenlos umsetzbar ist.
Wir würden uns deshalb freuen, wenn alle Beteiligten gemeinsam diese oder andere konstruktive Lösungen erarbeiten, zum Beispiel im Schulausschuss. Aus diesem Grund stimmen wir natürlich einer Überweisung zu. – Vielen Dank.