Protocol of the Session on April 14, 2011

Vielen Dank, Herr Zimmermann. – Für die Fraktion der CDU spricht der Abgeordnete Preuß.

Herr Präsident! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Herr Minister, so ist das mit den Wahlversprechen: Die holen einen immer wieder ein.

(Minister Guntram Schneider: Ich habe nichts versprochen, Herr Preuß! Blödsinn!)

Nein? Okay, das können Sie ja gleich klarstellen.

Es gibt Praktika, die keine sind. Das betrifft meist junge Menschen, die in Erwartung eines festen Jobs von Praktikum zu Praktikum vertröstet werden,

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Generation Prakti- kum! Ihre Politik!)

ohne für die erbrachte Arbeitsleistung eine Vergütung zu erhalten. Demgegenüber steht natürlich ein Rechtsanspruch auf Vergütung. Wer eine Arbeitsleistung erbringt, hat Anspruch auf angemessene Vergütung seiner Leistungen.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: Sagen Sie das mal Herrn Merz! Der bringt auch keine Leistung!)

Es gibt auch nicht wenige Fälle, in denen ehemalige Praktikanten ihren Anspruch erfolgreich einklagen. Das ist auch gut so – der Missbrauch von Praktikumsplätzen natürlich nicht.

Nun kann man Praktika selbstverständlich gesetzlich regeln und von regulären Arbeitsverhältnissen genau abgrenzen. Aber klar ist doch, dass Praktika einen Beitrag zur beruflichen Bildung oder Orientierung leisten sollen. Zielgruppen sind insbesondere Schüler und Studenten oder auch solche, die sich zwischen Abschlüssen beruflich orientieren oder weiterqualifizieren wollen.

Es ist hier an keiner Stelle vorgetragen worden, dass mit Praktika in Landesministerien Missbrauch betrieben wird. Auch die dienen zur beruflichen Ori

entierung: um den jungen Menschen die Möglichkeit zu geben, in das Berufsleben hineinzuschnuppern.

Die Lösung liegt nun nicht darin – die Welt ist eben nicht so einfach, Herr Zimmermann, wie Sie das hier dargestellt haben –, jedem Praktikanten, ob Schüler oder Student, eine Vergütung in Höhe von 300 € oder mehr oder weniger zu zahlen.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: 300 €!)

Das würde dem Missbrauch doch gerade Tür und Tor öffnen und damit jedem Arbeitgeber das Risiko nehmen, für Arbeitsleistung zahlen zu müssen.

(Bärbel Beuermann [LINKE]: Hä? Das muss ich jetzt nicht verstehen! Tut mir leid!)

Die ausschließlich berufsbildende Funktion der Praktika muss dabei erhalten bleiben.

(Michael Aggelidis [LINKE]: Das ist Ausbeu- tung!)

Wieso ist das Ausbeutung? Was ist denn mit denen, die sich hier bei uns, bei Abgeordneten melden und ein Praktikum machen wollen, die mal ins Büro schnuppern wollen? Die kommen von Schulen und fragen bei Arbeitgebern nach, ob sie mal für eine Woche hospitieren dürfen.

(Ralf Michalowsky [LINKE]: Bei uns kriegen die 300 €!)

Sie können sich ohne Weiteres ausrechnen, dass es, wenn das alles bezahlt werden muss, keine Praktikumsplätze mehr geben wird. Das kann doch nicht im Sinne der Sache sein.

Meine Damen und Herren, das, was hier beantragt worden ist, ist unausgegoren. Wir lehnen den Antrag ab.

(Beifall von der CDU und von der FDP)

Vielen Dank, Herr Abgeordneter. – Für die SPD-Fraktion spricht der Abgeordnete Bischoff.

Sehr geehrter Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Nach meiner Einschätzung ist das Antragsbegehren, der Antragsinhalt, nämlich die Forderung, Praktika zu vergüten und gegen das Praktikantenunwesen vorzugehen, zu begrüßen. Das begrüßen wir als Sozialdemokraten.

(Beifall von der LINKEN)

Da unterscheide ich mich auch deutlich von Herrn Preuß. Ich habe auch richtigerweise mitbekommen, wie Sie Herrn Schneider zitiert haben. Das Problem ist aber, Herr Zimmermann, dass Sie fordern, alle Praktikanten müssten 300 € bekommen. Damit sind aber nicht nur alle Praktikanten der Landesregierung gemeint, sondern alle Praktikanten auf dem

Arbeitsmarkt. Das heißt, wir müssten das Problem für den gesamten Arbeitsmarkt anpacken, wir müssten beginnen, es gesamtgesellschaftlich zu lösen.

(Wolfgang Zimmermann [LINKE]: Ich habe von den Ministerien gesprochen!)

Ja, von den Ministerien der Landesregierung! Da sind wir gar nicht weit auseinander. Ihr Antrag erweckt aber den Eindruck, als wollten Sie die Landesregierung vorführen, als wollten Sie hier ein Symbol schaffen, aber nicht eine Lösung.

(Beifall von der SPD – Rüdiger Sagel [LINKE]: Nicht vorführen! Wir wollen was durchsetzen!)

Wenn wir eine gesamtgesellschaftliche Lösung wollten, würde es Sinn machen, im Ausschuss intensiv miteinander darüber zu diskutieren. Ich gestehe ja zu, dass ein Ministerium auch Vorbild sein muss.

(Gunhild Böth [LINKE]: Bravo, bravo!)

Das müssen wir intern auch noch mal bereden; das ist nicht die Frage. Aber so zu tun, als wenn das Problem der Vergütung von Praktikanten gelöst wäre, wenn nur die Landesministerien die Vergütungsregelung ändern würden, ist Unsinn.

(Widerspruch von der LINKEN)

Deswegen ist die Frage „Inhalte oder parteitaktische Spielchen?“ durchaus zu beantworten – aus meiner Sicht anders als aus Ihrer Sicht. Das will ich Ihnen deutlich sagen.

(Rüdiger Sagel [LINKE]: In welcher Kurve sind Sie denn?)

Das ist hier ein Spielchen, um ein Symbol zu schaffen. Dem schließen wir uns natürlich nicht an.

(Vorsitz: Vizepräsidentin Carina Gödecke)

Deswegen lehnen wir Ihren Antrag ab. – Danke schön für die Aufmerksamkeit.

(Beifall von der SPD und von den GRÜNEN – Lachen von der LINKEN – Ralf Michalowsky [LINKE]: Schwache Dialektik war das! – Rüdiger Sagel [LINKE]: Unglaublich!)

Vielen Dank, Herr Kollege Bischoff. – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen Frau Kollegin Hanses.

Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Liebe Linke, gut „geguttenbergt“! Die drei Forderungen Ihres Antrags finden sich unter anderem bereits in einem Antrag der grünen Bundestagsfraktion von 2006.

(Zurufe von der LINKEN: Dann können Sie ja zustimmen!)

Alle mal runterkommen! – Mein jugendpolitischer Kollege im Bundestag, Kai Gehring, hat dies noch viel umfassender und sehr viel differenzierter formuliert.

(Ralf Michalowsky [LINKE]: Den Atomaus- stieg habt ihr nicht gemacht! Peinlich! Eure Programme sind nichts wert!)

Kommen wir mal wieder runter! – Deshalb möchte ich Ihnen inhaltlich, theoretisch erst mal zustimmen. Da ist ja was dran.

(Ralf Michalowsky [LINKE]: Aha!)

So, jetzt müssen wir mal gucken, wie wir in der Sache weiterkommen.

Ja, Praktikantinnen und Praktikanten sollen in unseren Ministerien eine Anerkennung erhalten. Ja, Praktika sollen den Qualifizierungs- und Bildungsauftrag in den Vordergrund stellen. Ja, bei Praktika kann eine zeitliche Begrenzung sinnvoll sein, damit dieses Instrument nicht genutzt wird, um Arbeitsleistung abzurufen, sondern damit wirklich der Aspekt der Qualifizierung in den Vordergrund gestellt wird.

Nun haben Sie, Herr Zimmermann, gerade am Rande gehört, dass es auch unter der alten Landesregierung schon sehr unterschiedliche Handhabungen gab. Umso bedauerlicher ist es, dass Sie hier stur dieses Verfahren wählen und auf direkter Abstimmung bestehen – schade, schade, schade!