Die Schulen waren stolz, wenn einer ihrer Schülerinnen und Schüler zur Ehrung eingeladen wurde, weil es für die nachkommenden Jahrgänge ein sichtbarer Anreiz war, sich anzustrengen.
Es war aber auch eine Anerkennung der Arbeit der Eltern. Denn auf der Erziehungsarbeit zu Hause kann Schule fruchtbar aufbauen.
Darüber hinaus war es eine Auszeichnung für die Lehrkräfte, wenn ihre Schülerinnen und Schüler zu den Besten im Lande gehörten.
Insofern war das eine positive Bestärkung an die Praktiker und Praktikerinnen vor Ort. Denn die bekommen ja wirklich nicht immer positive und zahlreiche Rückmeldungen auf ihre Arbeit.
Was kann man nun gegen eine solche Gelegenheit der Ehrung der Besten haben? Stört es, dass es die Besten sind? Wir haben nie gesagt, dass nur derjenige etwas gilt, der eine bestimmte Höchstleistung bringt. Das ist nicht unser Denken, weil wir jeden Menschen so annehmen, wie er ist. Wir stehen auf dem christlichen Fundament. Alle Menschen sind gleich an Würde, aber vielfältig an Interessen, Talenten und Fähigkeiten. Jeder Mensch soll gemäß dieser Fähigkeiten gefördert werden.
Damit, meine lieben Kollegen und Kolleginnen, ist der Gedanke der individuellen Förderung, der auch der Leitgedanke der Schulpolitik der Jahre 2005 bis 2010 war, der richtige.
Warum wollen Sie keine Bestenehrungen? Glauben Sie, dass die Schülerinnen und Schüler diese nicht wollen? Man könnte ja annehmen, von dieser Seite
Das war aber nicht so. Vielmehr hat es bei der letzten realisierten Ehrung im Jahr 2009 eine Rede einer Vertreterin der Landesschülerinnenvertretung gegeben. Das ist ja eigentlich schon ein Indiz dafür, dass von der Seite durchaus Anerkennung auch spürbar wird.
Aber ich möchte Ihnen einen Satz auch nicht verschweigen, den sie gesagt hat: Wir als Landesschülerinnenvertretung freuen uns, zu sehen, dass es Schüler und Schülerinnen gibt, die sich stark machen für ihre Bildung, die sie erlangen möchten.
Meine Herren und Damen in den Koalitionsfraktionen, warum haben Sie Angst, in einer Bestenehrung gute Leistungen nach außen zu dokumentieren?
Hängt das vielleicht mit der ideologischen Grundausrichtung in der Schulpolitik zusammen? Seit Monaten erleben wir den Versuch, die Gemeinschaftsschule als weitere Schulform in unserem Land zu etablieren. Beides, die Einführung der Gemeinschaftsschule und die versagte Bestenehrung, passen zusammen. Sie wollen keinen Wettbewerb unter den Schülerinnen und Schülern. Sie wollen eine Schule, die alle Schüler gleich macht.
Meine Herren und Damen, Sie führen die Wörter „Anerkennung“ und „Wertschätzung“ gerne im Munde. Wir haben sie heute Morgen auch noch von Minister Schneider gehört. Geht es aber konkret darum, eine Kultur der Anerkennung zu etablieren, dann kommt bei Ihnen nichts anderes heraus als ein Standardschreiben der Ministerpräsidentin. Eine angemessene Würdigung von Leistungen und der Aufbau von Motivation sehen anders aus.
Ich bin gespannt auf den Austausch im Ausschuss und hoffe auf Ihre Unterstützung bei diesem Antrag. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin Birkhahn. – Als nächste Rednerin hat für die Fraktion der SPD Frau Abgeordnete PreußBuchholz das Wort. Bitte schön, Frau Kollegin.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Sie müssen sich keine Sorgen machen, dass unsere Landesregierung den besten Schülerinnen und Schülern des Landes die Anerkennung verweigert. Selbstverständlich hat die Ministerpräsidentin die
sen Schülerinnen und Schülern auch 2010 für ihre besonderen Leistungen und ihre Einsatzbereitschaft gratuliert.
Jedem Leistungsträger – so wie Sie es ja gerne sagen – hat die Ministerpräsidentin geschrieben, und zwar mit einem persönlichen Anschreiben und einem anerkennenden Gutschein, den die jungen Leute sicherlich gerne angenommen haben.
Liebe Kolleginnen und Kollegen der Opposition, Sie sind es doch, die uns bei jeder Gelegenheit vorwerfen, das Geld mit beiden Händen hinauszuwerfen. Jetzt haben wir Geld eingespart. Nun ist es auch wieder nicht richtig.
Ich weiß, die frühere Landesregierung hat sich gerne im eigenen Lichtstrahl der Hochglanzveranstaltungen gesonnt, vor allen Dingen vor den Wahlen. So wurde diese Veranstaltung für die besten Schülerinnen und Schüler zu einem Schaulaufen der schwarz-gelben Vorgängerregierung.
Hören Sie doch erst einmal die Zahlen. 2009 haben Sie schon 550 Schülerinnen und Schüler geehrt, nachdem in den Vorjahren ja nur die wirklich Besten, 44 oder 43, geehrt wurden. Für 2010 – im Jahr der Landtagswahl – war sogar die Grugahalle vorgesehen.
Selbstverständlich wird das Land auch in 2011 wieder eine zentrale Veranstaltung ausrichten, bei der die Ministerpräsidentin den Besten persönlich gratulieren wird.
Sie müssen sich also wirklich keine Sorgen machen. Bei uns ist es um den Bildungsnachwuchs gut bestellt, nicht nur um die Eliten, um die Sie sich ja so gerne kümmern.
Wir schlagen die neuen Wege ein, die die Wählerinnen und Wähler gefordert haben. Dabei bleiben wir aber bescheiden und auf dem Boden der Realität. Deshalb wird es mit uns keinen übergroßen Event in irgendwelchen Großhallen geben.
Wir konzentrieren uns auf die Besten und bescheiden uns bei der Ehrung. Leistungsbereitschaft und die Wahrnehmung von Eigenverantwortung erkennen wir gerne an – auch dort, wo sie nicht nur der Elitenbildung dient. Wenn wir in die große Menge der Schülerinnen und Schüler, die sich täglich anstrengen, um ihr Bestes zu geben, investieren,
wenn wir auf Bildungsprävention setzen, und wenn wir dafür sorgen, dass die bisherigen Schulabbrecher bei der Stange bleiben und ihren Abschluss erzielen, sind wir auf dem richtigen Weg für das Bildungsland NRW. Uns wird belegt, dass wir mit diesen Investitionen in die Zukunft auch sparen können.
Liebe Kolleginnen und Kollegen, wir sollten das eine tun, ohne das andere zu lassen. Wir werden den besten Schülerinnen und Schülern ihre verdiente Anerkennung geben, ohne dabei all die zu vergessen, die sich ebenso anstrengen, auch wenn sie nicht zu absoluten Höchstleistungen fähig sind. Auch diese Kinder und Jugendlichen sind uns gleich viel wert. Deshalb stecken wir das knappe Landesgeld doch lieber in den Unterricht oder auch in die Sozialarbeit in den Schulen als in ein Riesenevent in der Grugahalle. Damit haben wir für alle einen besseren Return of Invest. – Vielen Dank.
Vielen Dank, Frau Kollegin Preuß-Buchholz. – Als nächster Redner hat für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen der Abgeordnete Rüße das Wort. Bitte schön.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ganz passend hatte gestern jeder von uns eine Einladung zu einem Landespolitischen Abend der Kolpingjugend – Kolpingwerk, Landesverband NRW – bekommen. Dort sind das Ehrenamt und das ehrenamtliche Engagement Thema – es geht um die Anerkennung des Ehrenamts –, und man findet ein Zitat von Adolph Kolping:
„Tue Gutes, wo du kannst ohne Ansehen der Person, und wer der Hilfe bedarf, wo du sie leisten kannst, der ist dein Nächster.“
Wenn ich auf unsere Debatte blicke, finde ich es schon interessant, mit wie viel Demut man sich den Menschen nähern kann, wie es Adolph Kolping getan hat, und wie man auch anders herangehen kann. Dieses Zitat von Adolph Kolping macht für mich deutlich, wo die Defizite in Ihrem Antrag liegen und dass Sie sich sehr einseitig auf Noten und Spitzenleistungen konzentrieren, aber dabei eine ganze Menge anderer Dinge vergessen.
Doch, ich habe sehr wohl zugehört, Herr Witzel. Ich höre Ihnen immer ganz aufmerksam zu. Das bringt zwar meistens nichts, aber ich habe zugehört.
Sie möchten mit Ihrem Antrag suggerieren, dass schulische Spitzenleistungen durch die neue Landesregierung nicht mehr ausreichend anerkannt werden. Da muss man vorab klar feststellen – das ist gerade deutlich gemacht worden –: Das ist nicht der Fall. Gute schulische Leistungen werden auch
weiterhin ausreichend und angemessen gewürdigt. „Angemessen“ ist an dieser Stelle ein sehr wichtiges Wort.
Wenn Sie von der FDP von Anerkennungskultur sprechen, bitte ich Sie, diese Diskussion etwas weiter und nicht so begrenzt zu fassen: immer nur Noten, 1,0, und dann ist es gut, und es reicht. Das ist zu wenig. Schulische Leistungen anzuerkennen, ist uns allen wichtig. Aber dabei darf man sich nicht nur auf das Ende der Schullaufbahn beziehen, damit kann man schon viel früher anfangen. Lob- und Anerkennungskultur in der Schule sollte permanente Begleitung eines Schülerlebens sein.
Vielleicht kann man das sogar weiterziehen, um in der gesamten Gesellschaft mehr Anerkennungskultur stattfinden zu lassen. Ein Lob, ein Dankeschön wäre insgesamt häufig angebracht und würde oft viele Menschen mehr motivieren.
Aber Ihre Form von Anerkennungskultur kommt ein wenig seltsam daher. Man hat schon den Eindruck, dass es Ihnen mit Ihren Veranstaltungen gar nicht um Schülerinnen und Schüler ging, sondern nur darum, sich selbst darzustellen.
Herr Witzel, dort ist Selbstinszenierung betrieben worden. Sie mahnen uns immer zur Sparsamkeit – das hat meine Vorgängerin schon erwähnt –, aber Ihre Veranstaltungen waren alles andere als sparsam, sondern richtig teuer. Von daher ist es gut, wieder das rechte Maß zu finden.