hören Sie doch erst einmal zu! –, dass die Frage G8/G9 am Parlament vorbeigeht. Ich habe hier das Beschlussprotokoll der Sitzung vom 16.09. Am 16.09. hat die Fraktion Die Linke den Antrag Drucksache 15/134 eingebracht, und zwar im Zusammenhang mit dem Gesetzentwurf Drucksache 15/135 „Gesetz zur Änderung des Schulgesetzes – Rückgabe des sogenannten „Turbo-Abiturs“ G8 in der Sekundarstufe I“. Das ist mit Ihren Stimmen und den Stimmen aller Fraktionen in diesem Hause in den Ausschuss verschoben worden, um da erst die Sachverständigen zu hören, um da die Debatte zu führen und es anschließend hier im Plenum zu debattieren. Ja, wo waren Sie denn eigentlich, als das beschlossen worden ist? Der 16.09 ist noch nicht so schrecklich lange her. Sie sollten sich noch daran erinnern können, dass Sie das beschlossen haben.
Insofern ist es blühender Unsinn zu sagen, das geht am Parlament vorbei, weil wir genau das demnächst Schulausschuss diskutieren werden.
Herr Weiß, Sie haben erläutert, wie das aussehen soll. Dazu muss ich aber auch sagen, tendenziell kann ich verstehen, was die CDU hier beantragt hat. Es wäre nämlich schön gewesen, wenn das Parlament das zuerst erfährt, statt dass man das alles aus der Presse erfahren muss.
Dass es am 07.10. eine Zusammenkunft mit allen Schulleitungen der Gymnasien geben wird, ohne dass das Parlament es erfährt, halte ich zumindest für einen schlechten Stil. Dennoch zielt Ihre Aktuelle Stunde am Problem vorbei. Wir haben das Problem, dass das G8, so wie Sie es eingeführt haben, eine Katastrophe ist.
Ich will Ihnen gerne noch einmal, insbesondere da wir heute so viel Publikum haben, das sich wahrscheinlich in den Details nicht so gut auskennt, Folgendes erläutern: Das G8 musste den Nachmittagsunterricht nach sich ziehen, denn wenn man die gleiche Stundentafel von Klasse 5 bis 10 auf Klasse 5 bis 9 zusammenschiebt, musste das Nachmittagsunterricht bringen. Damit folgte der sogenannte Ganztag. Dass es da an den meisten
Ich will aber noch auf etwas anderes hinweisen. Ich war 32 Jahre Gymnasiallehrerin, bevor ich in dieses Parlament gewählt wurde. Der Ganztag zieht nach sich, dass es keine Hausaufgaben gibt. Ich kenne kein einziges Gymnasium, an dem dieser Erlass eingehalten wird. Die Kinder haben nachmittags Unterricht, gleichzeitig werden Sie nach Hause geschickt und müssen Hausaufgaben machen. Das ist ein Skandal.
Der zweite Punkt: Nach der Klasse 10 am Gymnasium konnte man im G9 selbstverständlich ins Berufskolleg übertreten, das Berufskollegs hat ja immer eine Oberstufe. Das bedeutete – im Volksmund sagt man zum Beispiel Höhere Handelsschule –, dass man einen Vollzeitbildungsgang absolviert, der einen in ganz vielen wirtschaftlichen Angelegenheiten qualifiziert und in dem man gleichzeitig das Abitur macht. Das ist mit dem G8 nach CDU/FDP-Manier nicht mehr möglich;
denn nach der Klasse 9 können Sie nicht ins Berufskolleg wechseln, sondern Sie müssen erst die Klasse 10 des Gymnasiums machen, was schon der erste Jahrgang der gymnasialen Oberstufe ist, um dann noch einmal in die Klasse 11 und dann für drei Jahre oder vier Jahre ins Berufskolleg überzusteigen. Von der Schulzeitverkürzung, von dem ganzen Stress, den die Kinder vorher hatten, haben sie nichts, weil das nicht geht.
Und dann gibt es noch eine andere Variante: Bisher war es möglich, dass die, die am Ende der Klasse 10 den Eindruck hatten, die gymnasiale Bildung ist jetzt doch nicht das, was sie wollen, sondern sie wollen lieber einen ordentlichen Beruf erlernen, nach der Klasse 10 mit einem sehr qualifizierten Abschluss, nämlich der Fachoberschulreife – auch mit der Qualifikation zum Besuch der gymnasialen Oberstufe hat es solche gegeben –, sich einen Ausbildungsplatz gesucht haben, weil sie der Meinung waren, das sei jetzt ihr Ding. Auch das geht nicht mehr nach der Klasse 9 des Gymnasiums, weil wir nämlich in Nordrhein-Westfalen zehn Jahre Vollzeitschulpflicht haben. Das heißt, sie dürfen gar nicht in den Ausbildungsplatz gehen, sondern sie werden noch ein Jahr ins Gymnasium, in die Oberstufe gedrängt, weil sie ja dann erst am Ende der Klasse 10 sind. Was ist das denn bitte für ein hirnrissiges Verfahren?
Das Problem ist jetzt: Das, was die CDU jetzt macht, ist ein ziemlich vergiftetes Angebot, denn die CDU will nichts anderes, als G8 zu stabilisieren. Davon ist ja auch immer wieder die Rede. Dieser ganze Murks, den ich aufgezählt habe, soll offensichtlich beibehalten werden. Die Linke steht jedenfalls dafür ein, dass wir diesen Murks ändern. Wir haben gleichzeitig einen Antrag eingebracht, dass man sehr wohl die Schulzeit verkürzen kann, indem nämlich das Ministerium ein Baukastenmodell entwickelt, so ähnlich wie in Finnland, wo man in zwei bis vier Jahren die Oberstufe absolvieren kann. All das werden wir im Schulausschuss diskutieren.
Noch eine Bemerkung zu den Kindern unserer Landessprecherin. Frau Schwabedissen hat zwei Kinder, ja. Die besuchen eine Schule, und das ist eine Waldorfschule. Bisher waren Sie doch immer die großen Verfechter dieser Schule.
Schönen Dank. – Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Herr Kaiser, erlauben Sie mir eine Vorbemerkung. Es wäre ein Beitrag zur politischen Kultur gewesen, Herr Kaiser, wenn Sie eingeräumt hätten, dass der Unmut, der in den Gymnasien entstanden ist, etwas mit Ihrer Politik zu tun hat.
Das wäre ein Beitrag zur politischen Kultur gewesen. Statt wirklich ernsthaft daran mitzuwirken, dass wir im G8 optimieren – und das ist mein Hauptziel –, wittern Sie hier die Chance, irgendwie Rot-Grün vorzuführen. Das ist doch das, dem Sie hier erliegen, statt das ernsthaft zu tun, was Sie von mir verlangen und was ich auch gerne in Angriff nehme.
Meine Damen und Herren, kaum ein Schulthema hat in der letzten Zeit so viele Emotionen hervorgerufen wie das Thema Schulzeitverkürzung am Gymnasium. Hier hat die Vorgängerregierung durch eine überhastete, unvorbereitete Vorgehensweise eine Situation geschaffen, die bis heute nachwirkt.
Ich wundere mich, dass Sie nicht auch Mails von Eltern bekommen, die sagen: Wir finden das so nicht gut, wie das ist; wir finden es nicht gut, wenn unsere Kinder 34 Stunden haben, wenn sie elf Jahre alt sind und ihnen am Nachmittag keine Familienzeit mehr zur Verfügung steht.
Ich finde es komisch, dass Sie solche Mails nicht bekommen. Zwei Drittel der Rückmeldungen und der Anfragen zu Diskussionen, die ich erhalte, beziehen sich auf die Unzufriedenheit der Eltern im bestehenden G8. Ich wundere mich, dass die sich bei Ihnen nicht mehr melden.
Lehrerinnen und Lehrer, Eltern, Schülerinnen und Schüler beklagen die extreme Belastung, die mit der Verdichtung der Unterrichtszeit in der Sekundarstufe I verbunden ist. Zudem fehlen an vielen Gymnasien die Voraussetzungen für regelmäßigen Nachmittagsunterricht. Hier besteht Handlungsbedarf. Diesem Handlungsbedarf werden wir auch nachgehen. Nicht zu letzt wegen dieser Lage, die Sie geschaffen haben, sind Sie am 9. Mai auch abgewählt worden, meine Damen und Herren von CDU und FDP!
Ich mache keinen Hehl daraus und erinnere auch noch einmal daran: Ich halte ein Modell „sechs plus zwei“ – so wie es die rot-grüne Landesregierung 2005 beschlossen hatte – für wesentlich besser. Das wäre wesentlich besser gewesen.
Deswegen sind Ihre Vergleiche, dass wir das ja eingeführt hätten, unredlich. Das ist unredlich, was Sie hier betreiben!
Aber weil Sie andere Entscheidungen getroffen haben, kann es ein „Zurück auf Los“ ebenso wenig geben wie ein „Basta“ oder „Augen zu und durch“. Das ist die missliche Lage, in der sich die jetzige Landesregierung befindet, weil Sie diesen Murks angerichtet haben.
Herr Kaiser, ich finde die Einseitigkeit, mit der Sie an die Sache herangehen, unverantwortlich. Das wird den unterschiedlichen Stimmungslagen in den Gymnasien nicht gerecht. Es gibt nicht nur die Eltern, die wie die Landeselternschaft Gymnasien sagen, das solle jetzt so bleiben und dürfe nicht infrage gestellt werden. Es gibt auch die Eltern, die genau diese Wahlmöglichkeit zwischen G8 und G9 wollen, die wir ihnen jetzt einräumen wollen.
Es gibt also auch die Eltern, die das anders wollen. Es gibt sogar die Eltern, die es am liebsten sähen, ich würde das Ganze mit einem Federstrich rückgängig machen. Ich sage in aller Offenheit: Diesen Anspruch kann ich nicht erfüllen; denn dann würde ich am Gesetz vorbeihandeln. Das tue ich natürlich nicht. Diesen Anspruch der Eltern, deren Kinder im real existierenden G8 sind, kann ich nicht entsprechen, weil man einem Kind, das einmal in einem Bildungsgang unter bestimmten Bedingungen eingetreten ist – Herr Laschet, vielleicht hören Sie einmal zu –,
nicht zumuten kann, im laufenden Bildungsgang sozusagen diesen Bildungsgang zu ändern. Das ist die Krux, mit der wir es zu tun haben.
Es gibt auch nicht die Haltung der entsprechenden Verbände. Zwar plädieren sowohl der Philologenverband als auch die Direktorenvereinigung der Gymnasien für ein striktes Festhalten am Status quo. Die GEW hingegen wünscht sich das rotgrüne Modell zurück. Der VBE plädiert auch mit Verweis auf das Vorgehen der CDU/FDPRegierung in Schleswig-Holstein für die Wahlfreiheit.
Meine Damen und Herren, Sie sehen, es gibt keinen Königsweg. Ich habe die undankbare Aufgabe, sozusagen die Uhr zu reparieren, während sie tickt.
Angesichts dieser Situation, die Sie zu verantworten und verursacht haben, hat sich die Landesregierung zu zwei Maßnahmen entschlossen.
Erstens – und das ist die Hauptmaßnahme –: Wir wollen für Schülerinnen und Schüler, die sich jetzt bereits im G8 befinden oder künftig darin lernen wollen, die Bedingungen optimieren. Ich habe Vertreterinnen und Vertreter von Schulleitungen, von Eltern- und Lehrerverbänden, von der LandeschülerInnenvertretung sowie von Elterninitiativen, die dem verkürzten achtjährigen Bildungsgang zum Abitur kritisch gegenüberstehen, zu einem in Kürze anstehenden Arbeitsgespräch eingeladen, um die Lage beim bestehenden G8 zu erörtern.
Frau Böth, Sie haben die Debatte vor einigen Wochen angesprochen. Ich hatte vor, erst das Parlament zu informieren und dann die Pressemitteilung herauszugeben. Aber die Debatte ist gestrichen worden, weil Ihr Antrag ohne Debatte direkt überwiesen worden ist. Deswegen konnte ich das an dieser Stelle nicht tun. Sonst hätte ich es gerne genauso gemacht.