dass sie schon lange gehandelt hat, dass sie sehr intensiv gearbeitet und sehr viel bewegt hat. Und das wird sie auch weiterhin tun, meine Damen und Herren, beim Hochwasserschutz ganz besonders.
Vor dem Hintergrund ist es auch abwegig, der Landesregierung, wie es die CDU gemacht hat, ZustĂ€ndigkeitswirrwarr und ideologisch begrĂŒndete VerzögerungsmaĂnahmen vorzuwerfen. Das ist dann doch wohl eher eine ideologisch begrĂŒndete, aber dafĂŒr unglaublich substanzlose Unterstellung.
Ein gemeinsames starkes Zeichen fĂŒr einen wirkungsvollen Hochwasserschutz fĂŒr die Menschen in Niedersachsen - das wĂ€re hier der wesentlich bessere Weg gewesen.
Ausgangspunkt - auch das hat Herr BÀumer schon dargestellt - waren das Elbehochwasser 2013 und die entstandenen SchÀden bzw. deren Beseitigung.
Ich habe eben schon formuliert, dass die CDU in einigen Punkten durchaus recht hat. Das haben wir anerkannt, auch in den Beratungen. Einige der Forderungen sind zwischenzeitlich erledigt worden. Das haben wir im Rahmen der Unterrichtung durch die Landesregierung gehört. Dann haben wir die offen gebliebenen Forderungen in unseren Antrag mit einflieĂen lassen. Wir sind davon ausgegangen, dass wir damit wieder auf dem ĂŒblichen Weg eines gemeinsamen Antrages sind. Wir haben es gerade so schön aufgenommen - diesen Eindruck hatten wir -, geradezu ein umarmender Vorgang. Aber die CDU hat sich dann doch verweigert.
Meine Damen und Herren, ich möchte noch einige MaĂnahme aufzĂ€hlen, die erfolgt sind, nur damit Sie einen Eindruck bekommen, was alles passiert ist.
Es gibt das Programm âHochwasserschutz im Binnenlandâ. Daraus konnten Defizite an der Elbe und an ihren NebenflĂŒssen abgearbeitet werden.
Im Rahmen des Nationalen Hochwasserschutzprogrammes sind zweistellige MillionenbetrĂ€ge fĂŒr den âRahmenplan Elbeâ veranschlagt und ausgegeben worden. Dieser Rahmenplan ist wirklich unter der Beteiligung von Kommunen, Behörden, Deich- und UmweltverbĂ€nden und dem NLWKN erstellt worden. Es sind also letzten Endes alle einbezogen worden, die dort mitreden können und mĂŒssen.
Niedersachsen stimmt sich seit vielen Jahren in der Internationalen Kommission zum Schutz der Elbe und in der Flussgebietsgemeinschaft Elbe ab.
Niedersachsen unterstĂŒtzt die Kommunale InfoBörse Hochwasserschutz mit dem Ziel der UnterstĂŒtzung interkommunaler einzugsgebietsbezogener Hochwasserpartnerschaften, also das, was wir immer unter dem Harzvorland-Projekt verstehen.
Meine Damen und Herren, Sie sehen, es ist ganz viel passiert, und das wird sicherlich auch so weitergehen.
Zwischenzeitlich ist auch das Hochwasserschutzgesetz verabschiedet worden und hat den Bundesrat passiert. Es wird sich bei Verfahren fĂŒr Planung und Genehmigung sowie beim Bau von Hochwasserschutzanlagen förderlich auswirken. Auch das hatte die CDU eingefordert. Das ist aber damit schon ĂŒberwiegend erledigt.
Meine Damen und Herren, was wir aber noch nicht diskutiert haben, sind Hochwasserereignisse, die durch plötzlich auftretenden Starkregen entstehen. Das Hochwasser, das den Kreis Hildesheim ereilt hat, hatte es noch nicht gegeben, als wir unsere Beratungen hatten. Ansonsten hĂ€tten wir wahrscheinlich auch dazu Stellung bezogen und ĂŒberlegt, wie wir das noch mit einbeziehen können.
Angesichts der Ereignisse in Hildesheim wird sich wohl noch allen Kommunen die Frage stellen, ob und wie man Vorsorge treffen kann, gerade bei solchen plötzlichen Ereignissen. Das betrifft dann nicht nur die 10 % Ăberschwemmungs- und Risikogebiete, sondern das betrifft letztlich uns alle. Man kann wirklich nur hoffen, dass Lösungen erarbeitet werden. Die Jade Hochschule ist ja derzeit dabei, AnpassungsmaĂnahmen zu erarbeiten. Dieser Exkurs soll damit beendet sein.
Ich möchte noch einmal darauf eingehen, dass wir mit den kommunalen SpitzenverbĂ€nden gesprochen haben und uns einig geworden sind, dass der Hochwasserschutz vorangetrieben werden sollte. Wir sind uns einig, dass die Auswirkungen des Klimawandels spĂŒrbar sind und man dies einbeziehen muss. Wir sind uns auch einig, dass ein ausreichender Wasserabfluss gewĂ€hrleistet sein muss und dass das SpannungsverhĂ€ltnis gegenĂŒber dem Artenschutz gelöst werden muss. Wir werden dafĂŒr schon Lösungen finden mĂŒssen.
Meine Damen und Herren, das alles macht aber keine Sorgen; denn auch hier ist das Umweltministerium bereits aktiv. Ein Leitfaden wird derzeit im MU erarbeitet.
Wir wollen uns aber gar nicht auf den erworbenen Lorbeeren ausruhen, meine Damen und Herren. Darum haben wir in unseren Antrag noch einige WĂŒnsche aufgenommen. Sie haben den Antrag vorliegen. Wir haben ihn eben auch zitiert bekommen. Insofern muss ich gar nicht im Detail darauf eingehen.
Einige Stichworte vielleicht: Das Bemessungshochwasser soll aktualisiert werden, Machbarkeitsstudien fĂŒr den Umfluter um Radegast und Barförde, Anpassung der Kriterien fĂŒr die FörderfĂ€higkeit von Projekten, Erleichterung der Arbeit von Deich- und UnterhaltungsverbĂ€nden. Alles das wollen wir gerne einbeziehen, und es wird auch aufgegriffen werden.
Eine Sache möchte ich zum Schluss noch erwĂ€hnen: Es gibt etwas ganz Wesentliches in unserem Antrag, was viele ĂŒbersehen, weil es so weit vorne steht, meine Damen und Herren. Ich möchte - wie im Antrag ausgefĂŒhrt - hier noch einmal ganz explizit den benachbarten BundeslĂ€ndern Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern meinen Dank dafĂŒr aussprechen, dass sie FlĂ€chen zur VerfĂŒgung stellen. Das ist etwas, was in Niedersachsen unglaublich schwer zu erreichen ist.
Sie stellen FlĂ€chen fĂŒr einen Polder zur VerfĂŒgung, von dem auch die Menschen in Niedersachsen profitieren. DafĂŒr können wir gar nicht dankbar genug sein. So werden wir gemeinsam mit den benachbarten BundeslĂ€ndern sehr viel fĂŒr den Hochwasserschutz in Niedersachsen tun können.
Verehrte Frau PrĂ€sidentin! Meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin der festen Ăberzeugung, dass die Menschen hinter den Deichen ĂŒberhaupt kein VerstĂ€ndnis dafĂŒr haben, dass wir uns in diesem Hohen Hause heute nicht auf einen gemeinsamen Beschlussvorschlag einigen können und dass Sie heute um 13.50 Uhr, verehrte Frau Kollegin Rakow, mit Ihrem Kompromissvorschlag um die Ecke kommen. Sie können nicht ernsthaft erwarten, dass man sich in der KĂŒrze der Zeit tatsĂ€chlich ĂŒber so etwas abstimmen kann. Wir hatten im Vorfeld genug Zeit, und es wĂ€re Ihre Aufgabe gewesen, ein konsensuales Papier vorzulegen.
Dies gilt gerade - darĂŒber sind wir uns seit Jahrzehnten in Niedersachsen einig - bei einer so elementaren Aufgabe der Landespolitik, nĂ€mlich beim KĂŒstenschutz und beim Hochwasserschutz.
Traditionell - das wissen Sie alle - nehmen diese MaĂnahmen in unserem Umwelthaushalt - im Einzelplan 15 - den Löwenanteil ein. Das ist richtig so. Das ist gut so. Das ist in diesem Hohen Hause und im Lande Niedersachsen eigentlich Konsens seit sieben Jahrzehnten.
Deswegen hĂ€tte ich eigentlich erwartet, dass man sich dem Antrag der Union anschlieĂt, der in seiner Grundausrichtung eigentlich nichts anderes fordert, als dass die Probleme - also die DeichlĂŒcken und SchĂ€den, die 2013 durch die Hochwasserereignisse entstanden sind - endlich schnell und unkompliziert behoben werden und die letzten Deichabschnitte wieder ertĂŒchtigt werden. Ich bin erstaunt und enttĂ€uscht darĂŒber, dass es nicht gelingt, hier einen konsensualen Antrag zu beschlieĂen, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Ich glaube, dass das der Bruch einer jahrzehntelangen Tradition ist, die wir in diesem Hohen Hause immer fraktionsĂŒbergreifend und parteiĂŒbergreifend gepflegt haben, nĂ€mlich dass der Schutz der Menschen hinter den Deichen zentrales SelbstverstĂ€ndnis dieses Hohen Hauses sein muss, meine Damen und Herren.
Stattdessen drĂ€ngt sich mir ein ganz anderer Verdacht auf, nĂ€mlich der Verdacht, dass Sie beim Hochwasserschutz ganz bewusst so zurĂŒckhaltend sind, damit Sie beim nĂ€chsten Hochwasser begrĂŒnden können, warum Sie zusĂ€tzliche Mittel bei den von Ihnen so geschĂ€tzten Klimaschutzagenturen bereitstellen wollen, sehr verehrte Frau Kollegin Staudte.
In Ihren Klimaschutzagenturen beschÀftigen Sie - und die Kolleginnen und Kollegen von der SPD - verdiente oder auch nicht verdiente Parteigenossinnen und Parteigenossen und ermöglichen ihnen einen sicheren Job bis zur Rente. 2 Millionen Euro kostet das per anno, meine sehr verehrten Damen und Herren.
Ich sage Ihnen: Da sitzen Leute, die den Menschen da drauĂen erklĂ€ren wollen, dass sie öfter mal die Stand-by-Taste am Fernseher drĂŒcken sollen, dass sie sich öfter mal einen energieeffizienten KĂŒhlschrank kaufen sollen. Sie glauben, dass deshalb das nĂ€chste Hochwasserereignis niedriger ausfĂ€llt.
Wenn ich die finanziellen Mittel hochrechne, die Sie in den letzten vier Jahren in Ihre Klimaschutzagenturen investiert haben, komme ich auf den stattlichen Betrag von 8 Millionen Euro. FĂŒr 8 Millionen Euro hĂ€tte man Pi mal Daumen 8 km KĂŒstenschutz auf den Weg bringen und bezahlen können. Sie haben aber andere PrioritĂ€ten gesetzt.
Ich sage Ihnen eines, meine sehr verehrten Damen und Herren, verehrte Kolleginnen und Kollegen: Das nÀchste Hochwasser wird wegen Ihrer Klimaschutzagenturen nicht auch nur einen einzigen Millimeter niedriger ausfallen. Deswegen rate ich Ihnen: Machen Sie die Menschen hinter den Deichen nicht zum Spielball ihrer politischen Spielchen! Hier geht es um das Eigentum, hier geht es um die Gesundheit von Menschen und von Tieren. Und das, meine sehr verehrten Damen und Herren, sind höhere Werte als die Versorgung Ihrer Parteifreunde mit tollen Pöstchen in Klimaschutzagenturen.
(Beifall bei der FDP und bei der CDU - Meta Janssen-Kucz [GRĂNE]: Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Ich fĂŒhle mich echt verarscht als Mensch, der hinterm Deich lebt!)