Protocol of the Session on November 10, 2010

(Ministerpräsident David McAllister: Europäische Union!)

Trotzdem gibt es solche Fälle auch mit anderen Ländern. Sie machen da sehr genaue Unterschiede. Frau Polat z. B. hat einen Doppelpass. Es gibt auch Doppelpässe mit Israel und anderen Ländern.

(Hans-Christian Biallas [CDU]: Wel- che denn? - Zuruf von der CDU: Wo denn? - Weitere Zurufe - Unruhe)

- Ich weiß gar nicht, warum jetzt eine solche Aufregung herrscht.

Alle Menschen sind vor dem Gesetz gleich. Das ist doch wohl ein fundamentaler Grundsatz.

(Beifall bei der LINKEN - Zuruf von Ulf Thiele [CDU])

- Ich weiß gar nicht, warum man sich da so aufregen muss, Herr Thiele.

Die Frage ist, ob wir uns auf der Grundlage der Verfassung für solche Fragen interessieren und darüber diskutieren oder nicht.

So, wie Herr Oetjen hier stammelt und

(Zurufe von der CDU)

nicht ordentlich erklären kann, warum die Liberalen in dieser Frage - - -

Herr Kollege, ich darf Sie unterbrechen. Ich bitte Sie, Ihre Aussage zu korrigieren. Ich halte „stammeln“ für unangemessen und bitte Sie, das zu korrigieren.

Herr Präsident, ich ziehe diese Formulierung zurück und sage: Herr Oetjen hatte Schwierigkeiten, deutlich auszudrücken, warum die Liberalen nicht ganz klar auf dem Boden des Grundgesetzes stehen und eindeutig dafür eintreten, dass in diesen Fragen alle Menschen gleichbehandelt werden, egal ob sie Ministerpräsident sind oder irgendeine andere Funktion ausüben.

(Beifall bei den GRÜNEN und Zu- stimmung von Kreszentia Flauger [LINKE] - Ulf Thiele [CDU]: Dass Sie immer persönlich werden müssen! Fürchterlich!)

Möchte die FDP-Fraktion Stellung nehmen? - Ja, der Kollege Oetjen, bitte!

Herr Präsident! Verehrte Kolleginnen und Kollegen! Die FDP steht mit beiden Beinen auf dem Boden des Grundgesetzes. Ich finde es eine Unverschämtheit, dass Sie es hier so darstellen, als sei das nicht der Fall. Das möchte ich einmal ganz ehrlich sagen.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Ansonsten möchte ich noch zum Ausdruck bringen, dass ich nicht erkennen konnte, dass sich Herr Wenzel auf meinen Wortbeitrag bezogen hat.

(Beifall bei der FDP und bei der CDU)

Ich erteile dem Herrn Ministerpräsidenten das Wort.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Ich hatte nicht vor, mich in dieser Debatte zu Wort zu melden, aber der Anlass für meine

Wortmeldung war der Redebeitrag des Kollegen Wenzel.

Herr Wenzel, damit Sie das einmal in Ruhe nachvollziehen können - jetzt bezogen auf mein Beispiel der doppelten Staatsbürgerschaft -: Der Unterschied ist, dass Großbritannien Mitglied der Europäischen Union ist wie Frankreich, Österreich oder Italien. Andere Staaten sind nicht Mitglied der Europäischen Union.

Nun fordern Sie, dass andere Staaten genauso behandelt werden wie Staaten der Europäischen Union. Ich sage Ihnen, dass es hier einen Unterschied gibt:

Die Europäische Union verfolgt den Unionsgedanken. Staatsbürger anderer EU-Staaten haben in anderen Staaten der Europäischen Union andere Rechte als Staatsbürger von Staaten, die nicht Mitglied der Europäischen Union sind. Deshalb gibt es beispielsweise das Kommunalwahlrecht für EU-Ausländer. Ich finde es richtig, dass es das gibt, weil es Ausdruck des Unionsgedankens ist.

(Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Herr Ministerpräsident, gestatten Sie eine Zwischenfrage?

Nein.

Die Europäische Union ist mehr als nur eine beliebige Aneinanderreihung von Staaten; das sagt schon der Name. Es ist schon erstaunlich, dass die Grünen in dieser Frage so wenig differenziert argumentieren. Das wollte ich einmal persönlich sagen.

(Miriam Staudte [GRÜNE]: Das hat doch mit der Integration des Einzel- nen nichts zu tun!)

Ein Zweites.

(Filiz Polat [GRÜNE]: Warum spre- chen Sie anderen die Mehrstaatlich- keit ab?)

- Frau Polat, da sind Sie genauso gemeint wie Herr Wenzel; ich habe mir das heute Morgen alles angehört; ich habe mir die Debatte gestern und heute angehört.

(Filiz Polat [GRÜNE]: Auch ich habe die doppelte Staatsbürgerschaft!)

Völlig unabhängig von diesem Thema: Der Anspruch moralischer Überlegenheit, mit dem die Grünen hier heute, gestern und auch anderswo aufgetreten sind, ist mittlerweile unerträglich. Herr Wenzel, akzeptieren Sie, dass es unterschiedliche Auffassungen gibt! Hören Sie auf, politisch Andersdenkenden mit der moralischen Rechtfertigungskeule zu begegnen.

(Starker, anhaltender Beifall bei der CDU und bei der FDP)

Bevor ich der Kollegin Zimmermann das Wort erteile, folgender Hinweis: Herr Kollege Biallas, nach Auffassung des Präsidiums haben Sie während der Rede des Kollegen Wenzel eine eindeutige Handbewegung gemacht. Dafür erteile ich Ihnen einen Ordnungsruf.

Jetzt hat Frau Kollegin Zimmermann von der Fraktion DIE LINKE das Wort.

Herr Präsident! Meine Damen und Herren! Herr McAllister, erst einmal zu Ihnen. Ich glaube, ob man sich in zwei Ländern zu Hause fühlt, ist nicht abhängig davon, ob es EU-Länder sind.

(Zustimmung von Kreszentia Flauger [LINKE] - Unruhe - Glocke des Präsi- denten)

Herr Oetjen hat das auch ganz schön dargestellt. Er hat darüber geredet, dass Menschen, die hier geboren werden, hier zur Schule gehen, hier aufwachsen und sich hier integrieren, Menschen sind, die sich in Deutschland zu Hause, die sich in Deutschland verhaftet fühlen. Wenn wir uns darauf einigen können, dass diese Kinder und dann später Jugendliche mit ihren Familien nicht mehr abgeschoben werden, dann sind wir schon ein ganzes Stück weiter.

(Zustimmung bei der LINKEN)

Zum heutigen Thema. Ich will noch einmal auf die Integrationskommission kommen. Frau Polat hatte sie schon erwähnt.

(Anhaltende Unruhe)

Frau Kollegin, ich darf Sie kurz unterbrechen. - Jetzt fahren Sie bitte fort.

Wenn Sie bei der heutigen Abstimmung des Antrages endlich einmal das Wirken und das große mehrheitliche Votum der Integrationskommission ernst nehmen, dann bleibt Ihnen gar nichts anderes übrig, als dem SPD-Antrag Ihre Zustimmung zu geben und die Empfehlung des Ausschusses abzulehnen.

(Zustimmung von Kreszentia Flauger [LINKE])

Wir werden aber - so wird es sein - einmal mehr dokumentiert bekommen, was Sie von der Kommission und was Sie von der Arbeit der Kommission halten, nämlich gar nichts, obwohl Sie selber diese Kommission mit Initiativen und Verbänden zusammengestellt haben.

(Editha Lorberg [CDU]: Eine unver- schämte Unterstellung!)

Diese Kommission ist in ihrer Arbeit praktisch eine Farce, weil, wenn alle zustimmen, nur eine Person nicht, alles abgelehnt ist.