Protocol of the Session on February 2, 2012

Gegenstand der dortigen Umtriebe war der Bau von Kriegsgerät.

(Stefan Köster, NPD: Und so was muss man sich vom Spitzel anhören. – Peter Ritter, DIE LINKE: Hören Sie mal zu! Da können Sie noch was lernen, Herr Köster. – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Da kann der Schläger mal zuhören, ja.)

Die sogenannten Wunderwaffen sollten helfen, die sich mehr und mehr abzeichnende Kriegsniederlage doch noch abzuwenden.

Selbstverständlich weiß die NPD von alldem. Sie weiß, dass es in Peenemünde allein um Vernichtungswaffen ging und nicht um das Stillen menschlichen Wissensdurstes über ferne Gestirne. Das zuzugeben passt nur nicht so recht in ihr Konzept der Glorifizierung ihrer braunen Vorbilder,

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

der sentimentalen Deutschtümelei und der kruden Heldenverehrung. Helden waren sie ganz bestimmt nicht, die naziverseuchten Wissenschaftler um Wernher von Braun. Sie gehen ein in die Geschichte als Erbauer von Terrorwaffen und damit als Mitschuldige am Tod unzähliger Menschen,

(Zurufe von Stefan Köster, NPD, und Udo Pastörs, NPD)

denn Terrorwaffen waren es, die sie schufen.

Die Herren der NPD betonen häufig mit inbrünstiger Bewunderung und künstlichem Pathos, wie hoch die Raketen doch hätten fliegen können – wir haben vorhin hier einiges dazu gehört –, nichts aber sagen sie über deren Reichweite. Das wiederum wäre zu entlarvend, denn die erreichte Höhe der Rakete aus Peenemünde war lediglich eine Voraussetzung für das eigentlich Beabsichtigte,

(Peter Ritter, DIE LINKE: Sehr richtig.)

nämlich die zu erzielende Reichweite, die die Terrorwaffen zurücklegen sollten, denn 80 Kilometer Gipfelhöhe waren notwendig, um eine Strecke von 190 Kilometern zurückzulegen.

(Michael Andrejewski, NPD: Die Luftflotten der Alliierten waren keine Terrorwaffen, oder was? – Dr. Norbert Nieszery, SPD: Doch.)

Bedenkt man, Herr Andrejewski, dass bei diesen Geschossen eine Seitenabweichung von 18 Kilometern zu kalkulieren war,

(Unruhe vonseiten der Fraktion der NPD)

wird klar, hier ging es nicht um Punktziele, sondern um einen Bombenterror in der Fläche.

(Michael Andrejewski, NPD: In Dresden nicht?)

Am 8. September 1944 notierte ein leitender Ingenieur Peenemündes, ich zitiere: „Als die erste V2 in London einschlug, stießen wir mit Sekt an.“ Zitatende. Im Übrigen war das ein Prost auf den Tod von drei Menschen und zehn Verletzten.

(Michael Andrejewski, NPD: Das haben sie im Weißen Haus bei Hiroshima auch so gemacht. – Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

All das wissen die Herren der NPD, verschweigen es jedoch absichtsvoll. Mehr noch, Sie verdrehen und manipulieren die Tatsachen und Fakten, um aus Opfern Täter und aus Tätern Opfer zu machen. Wie perfide!

Ich halte es mit Brecht, der seinen Galilei sagen lässt:

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

„Wer die Wahrheit nicht kennt“, Herr Köster, „ist nur ein Dummkopf. Wer sie aber kennt, und sie eine Lüge nennt, ist ein Verbrecher.“

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Udo Pastörs, NPD: Ich gehe mal davon aus zu Ihren Gunsten, dass Sie nicht wissen, was geschehen ist.)

Dieses harte Urteil gilt umso mehr, Herr Pastörs, als dass die Nationalisten dieses Hauses kein Wort darüber verlieren, welches menschliche Leid im Zusammenhang mit dem Raketenbau den Zwangsarbeitern und KZHäftlingen angetan wurde.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Wer, in welchen Zusammenhängen auch immer, über Peenemünde redet, muss zugleich über Dora-Mittelbau, über Buchenwald, über Nordhausen und über Ebensee sprechen.

(Stefan Köster, NPD: Und über die Staatssicherheit.)

In das Außenlager des KZ Buchenwald verlagerte man im August 1943 die Produktion der Raketenwaffen. Ich zitiere: „Die Belegschaft“,

(Udo Pastörs, NPD: Die friedensliebende Sowjetunion in den 30er-Jahren.)

so schrieb von Brauns Stellvertreter Rees nach einer Besprechung am 28. August 1943 in die Niederschrift derselben, Zitat: „könnte aus dem Häftlingslager F1 gestellt werden.“ Zitatende. „Standort“, so hieß es weiter, könne eine „Untertagefabrik“ in „Kohnstein bei Nordhausen“, dem späteren KZ Mittelbau sein.

Wie man mit der „Belegschaft“ umging – die Umdeutung von Begriffen ist im Übrigen den alten und neuen Nazis eigen –, schilderten US-Soldaten nach der Befreiung des KZ Mittelbau einer US-Militärzeitung. Ich zitiere: „Hunderte von Leichen lagen über das Lagerareal verstreut. Die Baracken waren mit weiteren Hunderten vollgestopft. Sie bildeten verkrümmte Haufen, bloße Fetzen am Leib, die Münder aufgerissen in Schmutz und Stroh; oder man hatte sie nackt, wie Stapelholz, in Ecken und unter Treppen aufgetürmt. Allerorten lagen zwischen den Toten die Lebenden – ausgezehrte Gestalten, deren fiebrig glänzende Augen passiv auf die Erlösung des Todes war- teten.“

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

„Ein gräßlicher Gestank nach Verwesung hing in der Luft und wie ein hoffnungsloses Klagelied erschollen, anschwellend und verklingend, die schwachen Rufe der Unglücklichen.“

(Udo Pastörs, NPD: Das alles haben Ihre Vorfahren angerichtet.)

Ihr Antrag von der NPD verliert hierzu keine Silbe. Somit verweigern Sie auch an dieser Stelle den Opfern des Nationalsozialismus jeglichen Respekt.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Das Unfassbare geschah im Namen einer menschenverachtenden Rassentheorie, die wiederum selbst nur Mittel zum Zweck war.

(Präsidentin Sylvia Bretschneider übernimmt den Vorsitz.)

Schließlich und endlich ging es dem deutschen Großkapital um Ausdehnung der Märkte, um Macht und Einfluss. Das wurde nicht zuletzt in den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen nachgewiesen.

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

Sie, Herr Köster von der NPD, gehen unwürdig mit dem Thema Peenemünde um. Es gibt für uns nicht den geringsten Grund, mit Ihnen über ein Für oder Wider eines Weltkulturerbes Peenemünde zu debattieren.

(Stefan Köster, NPD: Dann setzen Sie sich doch wieder! – Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Was die NPD auch mit ihrem Antrag versucht, ist, über die Verherrlichung von technischen und wissenschaftlichen Leistungen Geschichte umzudeuten. Und eben das lassen wir Ihnen nicht durchgehen,

(Udo Pastörs, NPD: Aha!)

nicht heute und nicht in Zukunft. – Schönen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Vielen Dank, Herr Koplin.

Das Wort hat jetzt noch einmal der Abgeordnete Müller für die Fraktion der NPD.

Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! An dieser Stelle darf ich noch einmal aus dem bereits erwähnten Buch „Alliierte Jagd auf deutsche Wissenschaftler“ zitieren:

(Peter Ritter, DIE LINKE: Fällt Ihnen noch was Eigenes ein, außer aus Büchern vorzulesen?)

„Am 22. Juli 1969 setzten Edwin Aldrin und Neil Armstrong als erste Menschen der Erde den Fuß auf den Mond. Männer wie Dr. Kurt Debus und Professor Dr. von Braun haben als ehemalige deutsche Raketenspezialis