erstens im Bereich des Unterrichts, hier liegt der Unterrichtsausfall um drei Prozent über dem an allgemein- bildenden Schulen, und zweitens im Bereich der Bildungsausgaben an beruflichen Schulen. Mecklenburg-Vor- pommern teilte sich im Jahr 2012 mit 2.400 Euro pro Berufsschüler den letzten Platz mit Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen.
Krank machen auch die Arbeitszeit sowie die Arbeitsbelastung. Denn auch hier bildet Mecklenburg-Vorpommern das Schlusslicht. Die wöchentliche Unterrichtsverpflichtung von 27 beziehungsweise 30 Stunden wird von keinem anderen Bundesland erreicht. In keinem anderen Bundesland arbeiten Lehrkräfte an beruflichen Schulen mehr als bei uns.
Die Gesamtdiagnose: Ein Drittel der Lehrlinge bricht die Ausbildung ab, die Lehrkräfte sind überlastet, der Unterrichtsausfall ist enorm und 20 Prozent der Azubis fallen jährlich durch die Gesellenprüfung.
Sehr geehrte Damen und Herren, um hier zu heilen, benötigt Mecklenburg-Vorpommern eine Offensive „Erst- ausbildung – kompetent, vor Ort und erfolgssicher“. Um die Krankheit zu überwinden, um die Unterrichtsbedingungen, die Arbeitsbedingungen zu verbessern, hat meine Fraktion den heutigen Antrag eingebracht. Wir fordern die Landesregierung auf zu prüfen, welche Maßnahmen für eine bedarfsorientierte und umfassende Berufsausbildung in Mecklenburg-Vorpommern notwendig sind, um tatsächlich hoch qualifizierte Fachkräfte in und auch für Mecklenburg-Vorpommern auszubilden. Wir fordern ein Schritthalten mit den Notwendigkeiten und ein Schritthalten mit den Besonderheiten des Flächenlandes Mecklenburg-Vorpommern.
Wir sind der Meinung, dass zur Genesung die Schülermindestzahlen für Berufsschulklassen an die tatsächlichen Gegebenheiten angepasst werden müssen. Die Landesregierung unterstellt realitätsfremd in ihrer Stundenzuweisung, dass immer noch 22 Jugendliche in jeder Berufsschulklasse sein würden. Nur dann erhält die Schule die notwendigen Unterrichtsstunden. Weniger Schüler, weniger Unterrichtsstunden, aber von über 1.000 Berufsschulklassen hatten im vergangenen Schuljahr mehr als zwei Drittel dieser Klassen weniger als die geforderten 22 Schüler. In zwei Drittel der Klassen kann demnach der Unterricht nur erfolgen, wenn die Schule Stunden erwirtschaftet, indem sie Berufsgruppenklassen bildet, in denen dann mehr als 30, teilweise auch 34 Schülerinnen und Schüler berufsübergreifend und mit den unterschiedlichsten Voraussetzungen gemeinsam unterrichtet werden.
Durch das derzeitige System werden die Berufsschulen gezwungen, ihre komplette Stundenzuweisung zum Ausgleich von Defiziten aufzuwenden. Somit haben sie keinerlei Gestaltungsspielraum mehr, um große Klassen im Fachpraxisunterricht zu teilen, keinen Gestaltungsspielraum mehr, um tatsächlich individuell und gezielt den sehr verschiedenen Jugendlichen zu entsprechen, und keinen Gestaltungsspielraum, um bei Krankheit der Lehrkräfte schulintern zu reagieren.
Die Landesregierung hält seit Jahren trotz dieser Krankheitssymptome an der Legende eines gesunden Berufsschulsystems fest. Meine Fraktion möchte aber eine wirksame Behandlung, und dazu zählen wir die Verringerung der Schülermindestzahl auf 18 beziehungsweise 20 Jugendliche pro Berufsschulklasse sowie eine Senkung der Schülerzahl im Berufsvorbereitungsjahr von 18 auf 15.
Für bessere Ausbildungsbedingungen ist es auch notwendig, die Schülerbeförderung zur örtlich zuständigen Berufsschule, zu den Landesfachklassen sowie zu den überregionalen Berufsgruppenklassen kostenfrei zu gestalten.
Sehr geehrte Damen und Herren, um wirksam die Zahl der vorzeitigen Vertragsauflösungen zu senken, muss auch das derzeitige Übergangssystem Schule-Beruf so organisiert werden, dass zentral verbindliche Vorgaben landesweit gelten. Hier benötigen wir neue Strukturen, die Rahmenvereinbarungen und einheitliche Festlegungen beinhalten.
Das Landeskonzept ist ein erster wichtiger Schritt, endlich Licht ins Dickicht der verschiedensten Maßnahmen zu bringen, aber diesem Konzept fehlt es an Verbindlichkeit. Dadurch entstehen derzeit die unterschiedlichsten Jugendberufsagenturen oder Jugendservicestellen, die gar nicht verbindlich agieren können, weil es die Regierung versäumt hat, mit den Vereinbarungspartnern verbindliche Regeln für die in diesem Bereich notwendige rechtskreisübergreifende Zusammenarbeit aufzustellen. Als Ergebnis haben wir einen enormen Koordinierungsaufwand statt eines gemeinsamen landeseinheitlichen Vorgehens. So wird weder die Berufsorientierung effektiver und zielführender, noch werden die Lehrkräfte an den beruflichen Schulen in ihrer Arbeit unterstützt, denn genau diese Lehrkräfte müssen sich einerseits auf die unterschiedlichsten Voraussetzungen der Jugendlichen einstellen und andererseits die Mängel der Berufsvorbereitung ausbügeln.
Das kann schon allein deshalb nicht funktionieren, da eine Klassenlehrerin an der beruflichen Schule gleichzeitig für drei oder vier Klassen verantwortlich ist. Das bedeutet, dass diese Lehrkraft mindestens für 50 bis 60 Jugendliche die Ansprechpartnerin ist und damit mindestens mit 50 bis 60 Ausbildungsbetrieben in Kontakt steht. So kann es nicht bleiben, und deshalb regen wir an, dass die Berufsschullehrerinnen und Berufsschullehrer eine Klassenleiterstunde erhalten und ihre Unterrichtsverpflichtung schrittweise auf 25 Stunden gesenkt wird,
nämlich auf genau die 25 Stunden, die die Berufsschullehrkräfte bis 2004 unterrichtet haben, bevor ihre Unterrichtsverpflichtung auf 27 Stunden erhöht worden ist.
Sehr geehrte Damen und Herren, meine Fraktion hat bereits vor zweieinhalb Jahren einen Antrag zur Verbesserung der Situation an den beruflichen Schulen gestellt. Vor zweieinhalb Jahren sagte Herr Reinhardt, ich zitiere: „und wir müssen natürlich die Belastungen für die bereits tätigen Lehrkräfte deutlich reduzieren“.
„Ich lade Sie gern ein, uns auf diesem Weg zu begleiten. Sie sehen aber, dass wir bereits auf dem Weg sind.“ Ende des Zitats.
An den Unterrichtsbedingungen hat sich auf Ihrem Weg bisher nichts geändert. An der Anzahl der Ausbildungsabbrecher hat sich auf Ihrem Weg bisher nichts geändert. Deshalb lade ich Sie heute ein, uns auf unserem Weg zu begleiten, damit Sie sich nicht verlaufen.
Im Ältestenrat ist vereinbart worden, eine Aussprache mit einer Dauer von bis zu 90 Minuten vorzusehen. Ich sehe und höre keinen Widerspruch, dann ist das so beschlossen. Ich eröffne die Aussprache.
Sehr geehrte Frau Präsidentin! Meine Damen und Herren! Wie Sie sicherlich vor ein paar Wochen bemerkt haben dürften, war eine neue Bildungsstudie erschienen, der Bildungsmonitor. Bei diesem Bildungsmonitor der Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft belegte Mecklenburg-Vorpommerns Bildungswesen den 8. Platz und das berufliche Bildungswesen, man höre und staune, den Platz 4, und zwar nicht von hinten, sondern von vorne. Allerdings, meine Damen und Herren, muss ich sagen, auch in der Vergangenheit hat sich schon herausgestellt, Herr Kokert – jetzt versuche ich gerade, den Platz 4 zu relativieren –, dass die Studien einer Initiative Neue Soziale Marktwirtschaft häufig nicht die besten sind.
werden beispielsweise Indikatoren gemessen wie: Wie ist das Verhältnis von jungen Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen, und Unternehmen, die einen Ausbildungsplatz anbieten? Und jeder, der die demografische Entwicklung von Mecklenburg-Vorpommern kennt, weiß, dass es inzwischen mehr junge Menschen gibt, die …, nein, umgekehrt, mehr Ausbildungsplätze gibt als junge Menschen, die einen Ausbildungsplatz suchen. Folglich steigen wir in diesem Indikator plötzlich ganz weit nach oben, obwohl ich befürchte, dass die Regulierung der Reproduktionsbefähigung oder der Reproduktionstätigkeit der Bevölkerung Anfang der 90er-Jahre nicht unmittelbar politischen Beschlüssen des Landtages gefolgt ist. Insofern sind das einfach demografische Effekte. Ich glaube also, dass diese Studie uns nicht viel darüber sagen kann, wo unser berufliches Bildungssystem steht.
Ich würde ausdrücklich sagen, dass es richtig ist, dass die beruflichen Schulen sich in einer ganz besonderen Situation befinden hier in Mecklenburg-Vorpommern und dass die Schwierigkeiten dort häufig größer sind als an allgemeinbildenden Schulen. Das ist unbestritten. Das hat aber ganz wesentlich damit zu tun, dass wir etwa 150 Ausbildungsberufe in Mecklenburg-Vorpommern ausbilden –
etwa 150, kann etwas mehr, etwas weniger sein, auf die genaue Zahl kommt es mir jetzt nicht an, Frau Oldenburg, es geht um die Dimension – auf einer relativ begrenzten Anzahl von Standorten, und dass es sehr, sehr schwer ist, das zu organisieren. Also wir haben durch die Fläche des Landes, die wenigen Einwohner, die demografische Entwicklung enorme Herausforderungen. Das war das eine Problem.
Das zweite Problem: Ja, Frau Oldenburg, Sie haben recht, die Schüler-Lehrer-Relation über das Gesamtsystem ist sehr weit hinten in der Bundesrepublik Deutschland. Ich hoffe, bald gewesen, denn wie Sie wissen, gibt es im Koalitionsvertrag einen Passus, in dem steht sinngemäß, dass die Koalition die Finanzausstattung der beruflichen Schulen überprüfen und gegebenenfalls anpassen möchte.
(Vincent Kokert, CDU: Also wird es die CDU hineingeschrieben haben, wenn Sie nicht sagen, dass es die SPD war.)
Herr Kokert, ich weiß das gar nicht mehr und ich wollte jetzt einfach bescheiden sein uns sagen, beide. Vielleicht waren wir es auch, aber das ist egal. Es steht im Koalitionsvertrag
Ich habe nach der Amtsübernahme – die SPD-Fraktion hat auch mit den beruflichen Schulen in diesem Zusammenhang viel Kontakt gehabt – aus verschiedenen Punkten einen Maßnahmenplan zur Verbesserung der Situation an den beruflichen Schulen entwickelt. Jetzt würde ich gerne mal Bilanz ziehen, weil mit dem Antrag, den Sie gestellt haben, Frau Oldenburg, der Eindruck erweckt werden könnte, dass sich an dieser Stelle nichts getan hätte.