Protocol of the Session on April 10, 2014

bis auf Herrn Schwarz, zu dessen Begründung ich an anderer Stelle komme, und dennoch nicht den Mut aufgebracht haben, unseren gemeinsamen Antrag zu unterschreiben. Aber, meine Damen und Herren von der SPD, eigentlich passt Ihr Verhalten zu dem Agieren Ihrer Fraktion in den letzten Jahren.

(Stefan Köster, NPD: Sind halt totalitär.)

Kurz nachdem bekannt wurde, dass ein Abgeordneter der CDU, Herr Waldmüller, sich getraut hat, den Antrag mit zu unterstützen, zeigte Ihr Fraktionsvorsitzender, Herr Dr. Nieszery, sein wahres Demokratieverständnis. Unter der Überschrift, ich zitiere: „Mit Hasenfüßigkeit kann man keine gute Politik machen“, Zitatende,

(Zuruf aus dem Plenum: Da hat er doch recht.)

warf Herr Dr. Nieszery in seiner Pressemittelung dem Abgeordneten Herrn Waldmüller vor,

(Vincent Kokert, CDU: Ich dachte, wir reden über die Südbahn.)

kommunalen Wahlkampf zu machen. Er sei ein Angst- hase, hätte keine landespolitische Verantwortung, mache Wahlkampf auf dem Rücken der Kollegen der Regierungskoalition.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Dazu stehe ich, Frau Borchardt.)

Starker Tobak, wie ich finde, nur eben nicht glaubhaft.

Zunächst muss man feststellen, dass jeder und jede Abgeordnete das Recht hat, einen Antrag in den Landtag einzubringen.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das bestreite ich auch nicht.)

Darüber hinaus haben von dieser Möglichkeit bereits einige Abgeordnete des Landtages in den letzten Jahren Gebrauch gemacht. Ich erinnere mich noch an einen Antrag der Abgeordneten Caffier, Körner, Borchardt

(Heinz Müller, SPD: Begründen Sie jetzt eigentlich den Antrag, oder was passiert hier?)

und anderer zur friedlichen Nutzung der Kyritz-Ruppiner Heide, der damals in diesem Hohen Hause eine Mehrheit fand, obwohl er sehr konträr diskutiert wurde. Und wenn man sich die Vorwürfe ganz genau ansieht, muss man sich erst recht wundern.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Aber niemals gegen die eigene Regierung gerichtet.)

Wer bitte schön ist in der aktuellen Situation ein Angsthase?

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

Derjenige, der sich hinterm Baum versteckt, in Deckung geht, oder derjenige, der aus der Deckung kommt, zu seiner Position steht?

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ich kann meine Rede auch noch halten. Das mache ich gerne, Frau Borchardt.)

Oder wer macht Wahlkampf? Mal abgesehen davon, dass Sie mit Ihrer Pressemitteilung den besten Wahlkampf für Herrn Waldmüller gemacht haben, oder die SPD des Kreisverbandes Ludwigslust-Parchim, die in letzter Minute nun noch schnell auf dem Kreisparteitag den Erhalt der Südbahn beschlossen hat, sich aber bislang, bis auf einzelne Personen, eben auch im Kreistag zurückgehalten hat. Offensichtlich nehmen Sie nicht zur Kenntnis, dass der Kampf um die Südbahn parteiübergreifend läuft – Bürgerinitiativen gemeinsam mit kommunalen Verantwortungsträgern im interkommunalen Arbeitskreis, die Landräte der betroffenen Kreise und viele andere mehr.

Was heißt denn eigentlich „Landesinteressen“? Ist es nicht erklärter Wille der Landesregierung, die ländlichen Räume zu stärken, und ist nicht gerade die Entscheidung gegen die Südbahn genau das Gegenteil? Wie bitte schön muss ich den ersten Entwurf der Landesentwicklungsplanung denn auslegen, wenn dort festgeschrieben ist, dass die Metropolregion Hamburg weiter gestärkt werden soll?

Und, Herr Dr. Nieszery, warum eigentlich diese Hektik?

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Was für eine Hektik?)

Sie und Ihre Kollegen haben doch hier im Landtag deutlich gemacht, dass Sie die Entscheidung richtig finden. Sie werden doch wohl Ihre Kolleginnen und Kollegen von der Richtigkeit dieser Entscheidung mit sachlichen Argumenten überzeugt haben.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Haben wir auch, ja.)

Oder etwa nicht?

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Haben wir, ja.)

Herr Dr. Nieszery, sagen Sie es doch den Bürgerinnen und Bürgern ins Gesicht:

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: 44 Abgeordnete der Koalition stehen dazu und sind damit einverstanden.)

Sie wollen eine Leuchtturmpolitik,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Das ist doch Blödsinn!)

Sie wollen den ländlichen Raum schwächen!

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Erzählen Sie doch so was nicht!)

Denn eines hat sich in den letzten Wochen bestätigt,...

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ich lebe da, Frau Borchardt!)

Ach, wissen Sie, Herr Dr. Nieszery, es ist schade, dass die Bürgerinnen und Bürger nicht Ihre Zwischenrufe hier hören können,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Hauptsache, Sie hören die.)

dann würden sie mal mitnehmen, was Sie hier von sich geben.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Hauptsache, Sie hören die.)

Lassen Sie doch einfach mal die Rednerin ausreden

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Hauptsache, Sie hören die. – Heinz Müller, SPD: Ist das jetzt die Einbringung eines Antrages, oder was?!)

und hören Sie zu!

(Zuruf von Dr. Norbert Nieszery, SPD)

… der Ballungsraum Rostock und die Hauptstrecken sollen gestärkt werden. Die notwendigen finanziellen Mittel werden durch die Ausdünnung des SPNV in der Fläche dafür bereitgestellt.

Meine Damen und Herren, und auch das zeigt sich wieder sehr deutlich, und ich wiederhole mich gern: Wie ernst meinen Sie Ihre vollmundige Ankündigung, die Bürgerinnen und Bürger sehr frühzeitig in die Entscheidungen einzubeziehen, wie im Koalitionsvertrag festgeschrieben? Vor Jahren sprachen Sie noch vollmundig von einer Politik des Dialoges.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Ja.)

Seit Bekanntwerden der Zerschlagung der Südbahn engagieren sich Bürgerinnen und Bürger entlang der betroffenen Strecke ehrenamtlich. Dieses Engagement ist nicht selbstverständlich und ich verstehe es als ein deutliches und klares Zeichen an die Landespolitik. Die Menschen zwischen Hagenow und Neustrelitz wollen ihre Südbahn erhalten.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Mit der niemand fährt.)

Sie wollen sie erhalten als durchgehende Schienenverbindung,

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Mit der niemand fährt, Frau Borchardt.)

als Zubringer zum Fernverkehr Richtung Berlin und Hamburg, als gute Möglichkeit, um Menschen mit Mobilitätseinschränkungen die Möglichkeit zu geben, mobil zu bleiben und am gesellschaftlichen Leben teilzuhaben.