Protocol of the Session on May 30, 2013

Meine Freundin, die mit mir die Kita Stolpersteinchen besucht“,

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

„kann von einem einfachen Schnupfen so krank werden, dass dieser lebensbedrohlich ist. Und da ist es gut, dass sie nur mit 6 Kindern in einer Gruppe ist und nicht mit 20, die alle die unterschiedlichsten Viren mit sich herumtragen.

Meine andere Freundin kann nicht sprechen, aber weißt du, wie ich sie verstehe? Sie hat einen Computer, auf dem sie sagen kann, was sie heute mit mir spielen möchte. Und dann, mein bester Kumpel, der zu wenig Sauerstoff bei der Geburt abbekommen hat, rate mal, was er kann. Er kann laufen, und nein, er hat das nicht mal so eben gemacht, sondern er hat für das Laufenlernen Zeit bekommen und konduktive Förderung.

Meine Freunde und ich brauchen die Frühförderung“

(Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

„und es wird solche besonderen Kinder, wie wir es sind, immer geben. Mama sagt, es ist nicht Aufgabe von irgendjemandem“,

(Michael Andrejewski, NPD: Donnerwetter!)

„uns zu betreuen, sondern es ist die Gesellschaft, die diese Aufgabe übernehmen sollte.“ Ende des Zitats.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Sehr geehrte Damen und Herren, Jonathan ist heute exakt 303 Tage älter als an jenem Tag, an dem seine Eltern für ihn diesen Brief geschrieben haben, der nicht nur mich, sondern auch die Sozialministerin und den Ministerpräsidenten erreicht hat. Jonathan ist ein kleiner Autist, ein „Rain Man“, aber ein „Rain Man“ mitten im Leben.

(Udo Pastörs, NPD: Rain Man!)

Nach seinen Krankheiten schien sein Lebensweg vorgezeichnet:

(Udo Pastörs, NPD: Ich dachte, Brain Man.)

Sonderkindertagesstätte, Förderschule mit dem Schwerpunkt geistige Entwicklung beziehungsweise Lernen, eine Rundumbetreuung durch die gesamte Familie. Durch einen zähen und beschwerlichen Weg erstritten sich seine Eltern eine umfangreiche und gezielte inklusive Förderung und Jonathan forderte sie sich ein.

Seine mathematische Begabung wurde erkannt und bildete von nun an das Zentrum seiner Betreuung – ein erster kleiner Erfolg der beginnenden Inklusion in Deutschland, einem demokratischen Rechtsstaat, der die UN-Behindertenrechtskonvention unterzeichnet hat.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU und DIE LINKE)

Aus dieser Verpflichtung heraus ist es auch für Deutschland geltendes Recht, eine inklusive Gesellschaft zu entwickeln. Aber dieser Antrag beweist, dass für die NPD Recht und Gesetz in keiner Weise eine Rolle spielen.

(Gelächter Udo Pastörs, NPD – Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Sehr geehrte Damen und Herren,

(Stefan Köster, NPD: Wir wollen das Beste für die Kinder.)

Jonathan ist nicht flink wie ein Windhund, nicht zäh wie Leder und nicht hart wie Kruppstahl,

(Udo Pastörs, NPD: Ach, wissen Sie!)

und das ist so unbeschreiblich gut für ihn

(Zuruf von Stefan Köster, NPD)

und für die demokratische Gesellschaft, in der er lebt. Nicht Härte und Stärke sind Gradmesser, sondern Individualität in der Vielfalt, respektiert und wertgeschätzt.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Körperliche und geistige Verfassung dürfen nie wieder über das Leben oder den Tod entscheiden,

(Udo Pastörs, NPD: Och, wer spricht denn davon?)

sondern sie sind Herausforderungen, denen wir uns in der gesamten Gesellschaft und somit auch in der schulischen Bildung stellen.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN – Zuruf von Michael Andrejewski, NPD)

Kein Makel, kein Mitleid,

(Stefan Köster, NPD: Wissen Sie eigentlich, was Sie den Kindern mit dieser Inklusion antun?)

sondern eine gleichberechtigte Teilhabe jedes Kindes, jedes Jugendlichen und jedes Erwachsenen ist der Garant für eine demokratische, mitmenschliche und

(Zurufe von Michael Andrejewski, NPD, und Udo Pastörs, NPD)

menschenwürdige Gesellschaft.

(Dr. Norbert Nieszery, SPD: Sehr richtig.)

Und diese Umgestaltung,

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD und DIE LINKE)

diesen Weg zur Selbstverständlichkeit beschreiten die vier demokratischen Fraktionen im Landtag, denn gemeinsam wollen wir

(Udo Pastörs, NPD: Fragen Sie mal die Eltern, ob die das auch wollen!)

das Konzept zur inklusiven Bildung in MecklenburgVorpommern erarbeiten und umsetzen. Die Entwicklung eines Konzepts für das gemeinsame Lernen von begabten Kindern und Kindern, die in den Bereichen Lernen sowie sozial-emotionale Entwicklung Begleitung und Unterstützung benötigen, das ist die Herausforderung, der sich die demokratischen Vereine, Institutionen und Parteien stellen,

(Udo Pastörs, NPD: Das warten wir erst mal ab!)

und auch deshalb ist der Antrag der NPD abzulehnen.

(Beifall vonseiten der Fraktionen der SPD, CDU, DIE LINKE und BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Sehr geehrte Damen und Herren, Inklusion ist nicht nur ein Thema für Experten, sondern ein Thema, das alle Menschen betrifft. Das eigentliche Ziel liegt nicht darin, die Menschen gleichzumachen und aus einem missverstandenen Anspruch keine Unterschiede mehr zu sehen, sondern das Ziel liegt gerade darin, die Vielfalt endlich als selbstverständlich anzunehmen und aus dieser Akzeptanz heraus die gleichberechtigte und vollständige Teilhabe an Bildung, Kultur, eben am Leben, für jede und jeden zu ermöglichen.

(Udo Pastörs, NPD: Weltweit.)

Deshalb ist Inklusion das Gegenteil eines gleichmachenden, absoluten Anspruchs, der überfordernd oder einengend wirken könnte. Inklusion ist gerade die Einsicht in die Notwendigkeit, der Gesellschaft ein menschliches Gesicht zu geben. Nicht die Menschen müssen sich anpassen, sondern die Gesellschaft muss sich für alle Menschen öffnen und ihnen die Chance geben, mitzumachen, mitzulernen

(Stefan Köster, NPD: Dann müssen sich Menschen auch anpassen.)

und mitzuleben,

(Michael Andrejewski, NPD: Die Gesellschaft besteht aus Menschen.)