Protocol of the Session on September 11, 2009

Auch im Entwurf des Haushaltsbegleitgesetzes, meine Damen und Herren, sind wir auf einige interessante Sachverhalte gestoßen und einen möchte ich Ihnen wirklich nicht ersparen. Wie wir ja schon der Presse entnehmen konnten, soll im Bildungsministerium eine neue Stelle eines B2-dotierten Landesschulrates eingeführt werden. Begründet wird das mit höherer Verantwortung und einem Mehraufwand an Steuerung und Koordinierung in der oberen Schulbehörde.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Die Selbstständige Schule.)

Die Arbeitsaufgaben für die neue Stelle: sehr spannend, nämlich die Gewährleistung der schwierigen Aufgabe der Qualitätsentwicklung und Sicherung an der Selbstständigen Schule.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Für die Selbstständige Schule.)

Und es soll dafür Sorge getragen werden, dass die Arbeit der Schulämter dem Zweck des Gesetzes entsprechend durchgeführt wird.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Schön.)

Aha! Wir halten diese Stelle schlicht für einen Witz.

(Zuruf von Udo Pastörs, NPD)

Selbstständige Schule, meine Damen und Herren, bedeutet doch wohl die Verlagerung von Aufgaben aus dem Ministerium und den staatlichen Schulämtern an die Schulen.

(Zuruf von Irene Müller, DIE LINKE)

Die Konsequenz daraus wäre nach meinem Verständnis eine Stellenreduzierung in der oberen Schulbehörde.

(Michael Roolf, FDP: Genau so.)

Hier passiert aber offensichtlich genau Gegensätzliches.

(Michael Roolf, FDP: Genau so.)

Es wird eine neue Kontrollinstanz eingeführt. Oder soll hier etwa ein neuer Versorgungsposten eingerichtet werden?

(Zuruf von Dr. Wolfgang Methling, DIE LINKE)

Ob so oder so, diese Stelle ist völlig überflüssig.

(Barbara Borchardt, DIE LINKE: Schauen wir mal!)

Das Geld gehört an die Schulen und nicht in das Ministerium.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE – Helmut Holter, DIE LINKE: Richtig.)

Verlassen wir jetzt den Bereich der Ankündigungen, meine Damen und Herren, und kommen zu den wirklichen Herausforderungen des Lebens, zum Beispiel die Auswirkungen durch den demografischen Wandel, der auch vor unserem Land nicht haltmacht und der eigentlich ein praktisches Umsteuern in den unterschiedlichsten Politikfeldern geradezu herausfordert. Was also plant die Landesregierung in diesem Doppelhaushalt, um dem aktiv zu begegnen? Nachdem Regierung und Koalition bereits das Landesblindengeld gekürzt haben – und, in Klammern, die daraus folgenden finanziellen Belastungen klammheimlich an die Kommunen weitergereicht haben –,

(Gabriele Měšťan, DIE LINKE: Na, das wollten sie ja gar nicht hören. Das ist ja alles nicht wahr.)

werden jetzt mit dem Haushaltsentwurf die Zuschüsse für Einrichtungen der Altenhilfe und für Menschen mit Behinderungen um 310.000 Euro abgesenkt. So viel zum Gegensteuern.

Eine weitere Herausforderung, der sich die Koalitionsfraktionen angenommen haben, meine Damen und Herren, ist die Sportförderung. Auf der hat sich ja gestern auch Herr Glawe getummelt – zumindest pressemäßig.

(Heiterkeit bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE – Barbara Borchardt, DIE LINKE: Böse, böse.)

Denn hier wird gekürzt, ohne Frage. Ich zitiere Herrn Glawe:

(Heinz Müller, SPD: So kenne ich Sie ja gar nicht, Frau Schwebs.)

„Die Frage ist nicht nur, ob man spart, sondern man muss auch Zukunft gestalten“, gestern im „Nordkurier“.

(Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)

Wohl wahr, Herr Glawe. Genau deshalb hatten wir in den letzten Haushaltsberatungen beantragt, die Fördersumme im Sportfördergesetz zu erhöhen,

(Helmut Holter, DIE LINKE: Sehr richtig. – Irene Müller, DIE LINKE: Das ist ein sehr verstecktes Talent.)

um dem Sport finanzielle Planungssicherheit zu gewährleisten. Das hatten die Koalitionsfraktionen damals abgelehnt.

(Helmut Holter, DIE LINKE: Ja, hört, hört! So ist das. – Regine Lück, DIE LINKE: So ist das.)

So viel, meine Damen und Herren, zum klaren Kurs von Regierung und Koalition.

(Beifall bei Abgeordneten der Fraktion DIE LINKE – Zuruf von Gabriele Měšťan, DIE LINKE)

Meine Damen und Herren, lassen Sie mich noch einmal etwas Generelles zur angekündigten Personalentwicklung sagen. Mein Kollege Helmut Holter hat bereits deutlich gemacht, dass wir zusätzliche pauschale Stellenstreichungen ablehnen, erst recht, wenn dem keine Aufgabenkritik vorangeht. Jede weitere Stellenkürzung im Bereich der Polizei halten wir beispielsweise für unverantwortlich.

(Zuruf von Barbara Borchardt, DIE LINKE)

Unangemessen und kontraproduktiv sind Personalkürzungen in den Nationalparken,

(Zuruf von Dr. Armin Jäger, CDU)

denn bereits jetzt arbeiten die Mitarbeiter am Limit bei der Umweltbildung und leisten damit einen großen Beitrag zur Förderung des Tourismus.

Problematisch sind auch die Stellenkürzungen im mittleren Dienst im Justizvollzug. So reicht nicht mal die Verstärkung durch Personalabordnung bei den Sozialgerichten aus, um die Aufgabenfülle zu erledigen. Und, meine Damen und Herren, wo bleibt das Vertrauen in das Handeln von Polizei und Justiz, wenn an den Gerichten zwar Urteile gesprochen werden, aber nicht zeitnah schriftlich ausgefertigt werden können, weil kein Personal da ist?

Und selbst bei der neuen Verbraucherzentrale wird gespart. Eine halbe Stelle steht derzeit für die Beratung bei Finanzfragen für das ganze Land zur Verfügung –

(Regine Lück, DIE LINKE: Traurig, traurig.)

trotz gestiegener Verunsicherungen, trotz Finanz- und Wirtschaftskrise und obwohl Verbraucherinnen und Verbraucher nicht wissen, wo sie ihr Geld sicher anlegen können, damit sie privat für ihre Rente vorsorgen können und auch noch etwas davon haben, wenn sie denn das Geld benötigen.

(Zuruf von Raimund Frank Borrmann, NPD)

Das zu finanzierende Personal für Beratungen von derzeit gerade mal 10,2 Stellen soll auf 8,5 Stellen abgesenkt werden,

(Zuruf von Raimund Frank Borrmann, NPD)

und dies angesichts der deutlich gestiegenen Anforderungen an Verbraucherberatungen und Verbraucherschutz. Ich denke da nur an Fragen des Klimaschutzes und der Energieeffizienz.

Und damit, meine Damen und Herren, komme ich zu einem weiteren Tiefpunkt des Haushaltsentwurfes, nämlich zu Klimaschutz und Energieeffizienz. Denn nichts ist im Haushaltsentwurf zu finden von der Priorität der erneuerbaren Energien, wie der Ministerpräsident vorhin angeführt hat, im Gegenteil.

(Irene Müller, DIE LINKE: Warum auch? Wir haben ja dieses Steinkohlekraftwerk.)

Wegen der zigfachen Überzeichnung des Programms