Protocol of the Session on August 25, 2004

Das gibt es doch gar nicht.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Wir müssen doch danach fragen, was denn nun tatsächlich passiert ist. Und da finde ich zwei Sachen, die vorgeschlagen werden, vernünftig. Einerseits finde ich es vernünftig zu sagen, wir machen diese Pilotschulen.

Herr Maier, gestatten Sie eine Zwischenfrage?

Na gut.

Herr Maier, natürlich haben Sie Recht, wenn es darum geht, dass hier alle dafür sind, aber das Entscheidende zu dem, was Sie hier sagen, und zu der Zeit, als Sie die Verantwortung trugen …

(Glocke)

Eine Frage, Herr Drews.

Meine Frage, Frau Präsidentin. Herr Maier, stimmen Sie mir zu, dass man es auch umsetzen muss, denn der Titel ist im Haushalt verankert.

Genau darauf verwies ich ja, dass man das auch machen muss. Darum brachte ich mein Beispiel, dass das gar nicht so einfach ist, dieses auch real zu machen und das Eingehen auf diese Wünsche.

Von den Plänen, die jetzt vorgelegt werden sind eigentlich nur zwei neu, nämlich diese Pilotschule "Kultur" zu schaffen, Ganztagsschulen. Da sind drei nicht gerade überwältigend viel, aber immerhin sind es schon drei. Neu ist auch zu sagen, im freiwilligen sozialen Jahr soll der Versuch gemacht werden, Leute dafür zu gewinnen, das auch in Kultureinrichtungen leisten zu können. Das andere sind Sachen, die im Großen und Ganzen auch jetzt schon laufen und nun ein bisschen verstärkt werden. Wenn Sie zum Beispiel "Ausweitung von Theater und Schule" lesen, ist das nichts Neues. Mehr vom Guten, das kann man immer sagen. Mehr vom Guten ist okay.

Was mich ein bisschen stört und dann auch eher abschreckend wirkt, wenn man solche Sachen diskutiert, ist, wenn mit solchen dicken Vokabeln geredet wird: "Modellregion Kinder- und Jugendkultur". Oder wenn Sie sagen, "die Kinder- und Jugendkultur ist im Aufwind". Diese Ankündigungsgebläsepolitik ist, glaube ich, im Grunde eher schädlich für das, was da real zu passieren hat.

(Hans-Detlef Roock CDU: Zu einer vernünftigen Klimaanlage hört ein Gebläse!)

Das ist mir bekannt, dass das Ihre Regierungsmaxime ist, man muss viel Wind machen –

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Ich glaube nur, viel Wind hilft bei Kindern und Jugendlichen am allerwenigsten. Die wollen nämlich nicht viel Wind haben,

(Hans-Detlef Roock CDU: Die wollen frischen Zug im Kamin!)

sondern gucken, ob sich tatsächlich in diesem oder jenem Bereich etwas verändert und ob sie zum Beispiel einen freundlichen Lehrer dafür finden. – Danke schön.

(Beifall bei der GAL und der SPD)

Frau Senatorin von Welck wünscht das Wort und sie bekommt es.

Frau Präsidentin, sehr geehrte Damen und Herren! Ich freue mich, dass ich heute die Gelegenheit habe, noch ein paar Worte zu dem Rahmenkonzept Kinder- und Jugendkulturarbeit in Hamburg in der Bürgerschaft sagen zu können, und dass die SPD und die Grünen im Prinzip auch der Meinung sind, dass dieses Thema bearbeitenswert ist. Ich bin sicher, es geht wirklich nicht um Gebläse, sondern darum, etwas zu tun. Aus meiner Sicht ist das Rahmenkonzept die Grundlage, auf der wir Hamburg zu einer Modellregion für Kinder- und Jugendkultur ausbauen können, und ein Vorhaben, das im Übrigen – Sie werden sich wundern, aber das ist so – schon jetzt überregionale Aufmerksamkeit auf sich gezogen hat. Das Problem ist, dass viele davon reden, wie wichtig Kinder- und Jugendkulturarbeit ist, aber dass solche Programme nur sehr punktuell umgesetzt werden. Das soll sich in Hamburg entscheidend ändern.

(Beifall bei der CDU)

Herr Drews hat es schon richtig gesagt, Kinder und Jugendliche sind die Zukunftsressource für unsere Gesellschaft. Es gehört natürlich zu einer lebenswerten, wachsenden Stadt, den Standort gerade für Familien mit Kindern besonders attraktiv auszugestalten. Insofern sind wir mit unserem Konzept zur richtigen Zeit an der richtigen Stelle.

Sie wissen, die ästhetische Bildung und die Auseinandersetzung mit Kunst und Kultur stärken die für die Entwicklung junger Menschen wichtigen Schlüsselkompetenzen. Sie entfalten die Sinne und befördern Kreativität ebenso wie die Gewissheit über die eigenen Stärken und das Vertrauen in eigene Gestaltungskräfte, Kommunikationsfähigkeit, Flexibilität, soziale Kompetenzen und Toleranz.

Es ist richtig, dass diese Erkenntnis nicht neu ist. Aber ich glaube, wir müssen sie jetzt wirklich umsetzen. Ich habe immer den Eindruck, dass es gerade in dieser Zeit unendlich notwendig ist. Wenn Sie sich angucken, dass Kinder heute in den Schulen nicht genügend Kunst- und Musikunterricht bekommen, dann sind das Kinder von Eltern, die ebenfalls nicht genügend Musik- und Kunstunterricht gehabt haben.

(Unruhe im Hause – Glocke)

Entschuldigen Sie die Unterbrechung, aber mir ist es hier zu laut. Ich möchte für etwas mehr Ruhe sorgen, damit die Kolleginnen und Kollegen Sie auch gut verstehen und Ihnen gut zuhören können. Ich bitte Sie, die Gespräche draußen fortzusetzen. Danke. – Bitte fahren Sie fort.

Vielen Dank. Frühzeitiges Heranführen an kulturelle Bildungsinhalte macht aus Kindern und Jugendlichen gefestigte, kreative und innovationsfreudige Menschen, die in der Lage sind, die Werte unseres kulturellen Erbes als Bereicherung ihres Lebens zu erkennen. Kinder und Jugendliche von heute wachsen so in ihre Rolle als Verantwortungsträger für Kultur von morgen hinein. Sie werden die kulturellen Werte unserer Gesellschaft bewahren und für künftige Generationen weiterentwickeln.

Das nun vorliegende Rahmenkonzept Kinder- und Jugendkulturarbeit in Hamburg wird uns helfen, Kräfte der verschiedenen Arbeitsbereiche zu bündeln und Synergien zu schaffen, neue Zusammenarbeitsformen zu fördern und zu entwickeln, die öffentliche Aufmerksamkeit auf Kinder- und Jugendkultur zu lenken, den Zugang zu Kunst und Kultur für Kinder und Jugendliche zu erleichtern, die Vielfalt der Angebote und Trägerstrukturen zu pflegen und die Qualität der Angebote zu sichern.

(Beifall bei der CDU)

Ich möchte Ihnen im Folgenden kurz einige Projekte nennen, die uns ganz besonders wichtig sind. Herr Maier und Frau Stapelfeldt haben schon darauf hingewiesen, dass es natürlich sehr wichtig ist, die Erhöhung der Angebotstransparenz im Kooperationsfeld Schule und außerschulische Kultureinrichtungen und Projekte zu verbessern. Es ist erstaunlich – das hat auch das Fachkonzept erwiesen –, dass die jetzt schon bestehende Vielfalt des Angebots im Kinder- und Jugendkulturbereich den verschiedenen Trägern oft selber gar nicht bewusst ist. Es leben alle ein bisschen nebeneinander her und genau das soll sich ändern.

Zur Stärkung zukünftiger Kooperationsbeziehungen ist es unerlässlich, leicht zugängliche und aufeinander bezogene Basisinformationen zu Anbietern und potenziellen Nachfragern zu entwickeln. Dafür müssen, das wissen wir, die Daten systematisch in einer Datenbank erfasst und allen Interessierten in zeitgemäßer, Internet gestützter Form zugänglich gemacht werden.

Ein zweites wichtiges Projekt bezieht sich auf die Ganztagsschulen; Herr Drews hat es erwähnt, ich brauche nicht weiter darauf einzugehen. Drei Pilotprojekte sind sicherlich nicht viel, aber wir müssen anfangen, ausprobieren und die guten Erfahrungen dann möglichst schnell und, wie ich hoffe, möglichst flächendeckend in Hamburg umsetzen. Das gilt nicht nur für Ganztagsschulen, sondern auch alle anderen Schulen sind aufgefordert, sich in dieser Jugend- und Kulturinitiative zu bewerben, Projekte zu entwickeln, die dann gefördert werden können.

(Beifall bei der CDU)

Die dritte Maßnahme, die Ausweitung von TuSch, "Theater und Schule", ist ganz sicher, wie Sie sagen, ein Mehr von etwas sehr Gutem. Aber, ich glaube, gerade das muss man wirklich machen. Man darf jetzt nicht stehen bleiben und sagen, das haben wir, sondern wir müssen gucken, wie wir gerade in Schulen, die aufgrund ihrer Sozialstruktur noch nicht an Kultur interessiert sind, solche wunderbaren Projekte integrieren können. Das werden wir schaffen und ich bin sicher, dass uns Stiftungen über die Körber-Stiftung hinaus weiter unterstützen werden.

Die vierte Maßnahme ist neu für Hamburg, und zwar die Etablierung des Projekts "Orchestermusiker an Schulen".

A C

B D

In Anlehnung an TuSch sollen Orchestermusiker in unterschiedlichen Besetzungen mit Kindern und Jugendlichen im Rahmen von Projekten der musikalischen Grundbildung an Schulen arbeiten. Maßgeblich ist dabei, dass die Orchestermusiker in die Schulen gehen und – zusätzlich zu den bisher schon erfolgreichen Konzerten für Kinder, die weiterhin bestehen bleiben sollen – vor Ort Kinder und Jugendliche neugierig auf klassische Musik und Konzertangebote in Hamburg machen sollen.

In Kooperation mit dem Landesmusikrat haben wir ein Konzept entwickelt, nach dem Schulen Kooperationen mit Musikern eingehen können, die dann kontinuierlich in den Unterricht einbezogen werden. Dabei wird der Unterricht nicht allein in der Schule stattfinden, sondern durchaus auch an außerschulischen Lernorten. Die Kooperation kann dabei zum Beispiel in der Besichtigung des Backstage-Bereichs der Oper münden – ein gemeinsamer Konzertbesuch der Schüler mit ihrem Musiker macht das natürlich alles viel spannender – oder in die Einstudierung eines kleinen Opernprojekts.

Vergleichbare Kooperationen können und sollen im Rahmen unserer Initiative aber zum Beispiel auch mit Museen, Geschichtswerkstätten oder Bibliotheken eingegangen werden. Der Phantasie und Kreativität der Beteiligten sind keine Grenzen gesetzt.

Die fünfte Maßnahme ist die Gründung eines Impulsfonds zum freiwilligen sozialen Jahr in der Kultur. Sicherlich wissen viele Abgeordnete der Bürgerschaft gar nicht, dass es überhaupt eine solche Möglichkeit gibt, das freiwillige soziale Jahr auch im kulturellen Bereich abzuleisten. Das wollen wir in Hamburg durch Öffentlichkeitsarbeit und durch Unterstützung von Einsatzstellen in den Kulturinstitutionen unterstützen. Ich glaube, das ist eine gute Idee, Jugendliche auch an Kultur heranzuführen.

Meine Damen und Herren, ich könnte Ihnen noch viele weitere Beispiele aufführen, mit denen wir in den nächsten Wochen und Monaten und – wie ich hoffe – Jahren das nun vorliegende Rahmenkonzept "Kinder und Jugendkulturarbeit" mit Leben erfüllen werden. Da meine Redezeit begrenzt ist, bitte ich Sie, das Rahmenkonzept und das beigefügte Fachkonzept als einen Appell auch an Sie ganz persönlich als Mutter, Vater, Tante, Onkel zu begreifen, sich mit den Chancen, die intensive Kinder- und Jugendkulturarbeit für unsere wachsende Stadt beinhaltet, auseinander zu setzen. Es lohnt sich wirklich, in dem Fachkonzept ausführlich zu lesen.

Ich hoffe, dass mit dem Rahmen- und Fachkonzept der Dialog über die Bedeutung der Kinder- und Jugendkulturarbeit in Hamburg mit eigenen Akzenten fortgesetzt wird, und bin sehr gespannt zu erleben, welche neuen Anregungen und Ideen die kommenden Debatten beisteuern werden. Ich finde es gut, dass wir im Kulturausschuss weiter darüber reden werden und dann gemeinsam weitere Handlungsentschließungen fassen können. Ich bin jedenfalls sicher, dass es uns auf der Grundlage des Rahmen- und Fachkonzepts gemeinsam gelingen wird, Hamburg auf dem Wege zu einer Modellregion für Kinder- und Jugendkultur ein ganzes Stück voranzubringen, und freue mich selbst sehr darauf. – Vielen Dank.

(Beifall bei der CDU)

Es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Wir kommen zur Abstimmung.

Wer stimmt einer Überweisung der Drucksache 18/649 federführend an den Kulturausschuss und mitberatend an den Familien-, Kinder- und Jugendausschuss zu? – Damit ist diese Überweisung erfolgt.

Ich rufe auf Tagesordnungspunkt 26, Drucksache 18/533, Mitteilung des Senats an die Bürgerschaft: E-Government – Moderne Verwaltung für Hamburg.

[Senatsmitteilung: E-Government – Moderne Verwaltung für Hamburg – Drucksache 18/533 –]

Diese Drucksache möchte die SPD-Fraktion an den Haushaltsausschuss überweisen. Wer wünscht das Wort? – Herr Niedmers, Sie haben es.

Sehr verehrte Frau Präsidentin, meine Damen, meine Herren! E-Government ist zweifelsfrei eine der größten Herausforderungen an die Reformfähigkeit der gesamten Verwaltung, der wir uns als Parlamentarier stellen müssen.