Protocol of the Session on December 9, 2002

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive – Bernd Reinert CDU: Sehr richtig!)

Nun möchte ich etwas zu den GAL-Ausführungen sagen. Es ist wunderbar, Frau Goetsch, dass Sie sich auch Sorgen um die Bildung in dieser Stadt machen.

(Lachen bei der GAL – Christa Goetsch GAL: Schon ein bisschen länger als Sie!)

Aber das läuft bei Ihnen nach dem Motto ab: Haltet den Dieb. So wollen Sie von Ihren eigenen Fehlern in der vergangenen Legislaturperiode ablenken.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Hätten Sie sich doch in Ihrer Regierungszeit darum gekümmert, da haben Sie doch wirklich vier Jahre Zeit gehabt. Aber was haben Sie gemacht? Sie haben die Schulen weiter verkommen lassen. Immer weniger Hauptschüler schafften hier in Hamburg einen Abschluss und konnten anschließend eine Lehrstelle bekommen. Sie haben Lehrerstellen nicht ausfinanziert und die Finanzierung irgendwo im Haushalt versteckt und das Hamburger Schulsystem liegt im deutschen Ländervergleich so gut wie am Ende und das ist das, was Sie hinterlassen haben. Das sind die Konsequenzen Ihrer ach so wichtigen Bildungspolitik.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Sie sollten sich lieber in beschämtes Schweigen hüllen. Das stünde Ihnen besser zu Gesicht, als sich hier als die Mutter Courage der Hamburger Schulpolitik aufzuspielen.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Wenn ich mir den SPD-Leitantrag zu den Haushaltsberatungen ansehe, dann liest sich der wie eine Mängelliste von 40 Jahren sozialdemokratischer Politik. Sie beklagen alles das, was in 40 Jahren hier in Hamburg schief gelaufen ist, und meinen nun, mit Ihrem Antrag könnten Sie alles richten und besser machen.

(Unruhe im Hause – Glocke)

(Rose-Felicitas Pauly FDP)

A C

B D

Einen Augenblick. Es ist mir etwas zu laut. Die Rednerin hat wirklich Mühe rüberzukommen. Geben Sie ihr eine Chance, dass Sie verstanden wird.

(Ingo Egloff SPD: Das liegt an den Inhalten, Herr Präsident!)

Frau Abgeordnete, Sie haben das Wort.

Vielen Dank, Herr Präsident! Sie fordern nachhaltiges Sparen, aber wie soll es denn gemacht werden? Dazu kommt überhaupt kein Wort. Das nennen Sie dann alles zusammen konstruktive Oppositionspolitik. Ich stelle mir unter konstruktiver Politik etwas anderes vor, als zu sagen, ja, ja, das müssen wir alles machen, aber wie wir es machen wollen, wollen wir euch nicht erzählen.

Verwaltungsmodernisierung, das nächste Thema in Ihrem Antrag. Sie fordern Einsparungen durch Verwaltungsmodernisierung und Abbau von Hierarchien. Aber gleichgerichtete Maßnahmen, die dieser Senat jetzt in Angriff nimmt, die kritisieren Sie. Da sagen Sie, das seien Willkürakte. Meine Damen und Herren von der Opposition, so geht es nicht.

Dann sprechen Sie von einem Roulette des Hamburger Senats mit dem Vermögen der Stadt, das Sie beenden wollen. Was haben Sie denn in der Vergangenheit gemacht? Sie haben für 5 Milliarden Euro Vermögen verscherbelt oder verdittscht, wie Frau Goetsch das zu benennen beliebt. Sie haben doch diese großen Vermögensbrocken versilbert. Es ist heute kaum noch etwas da. Das ist völlig richtig, aber das liegt an Ihrer Politik der vergangenen Jahre. Sie haben damit laufende Haushaltslöcher gestopft. Die Einnahmen wollen Sie durch Steuererhöhungen, durch neue Steuern, Vermögensteuer, durch Erhöhung der Erbschaftsteuer verbessern. Dieses alles kommt für uns nicht infrage und das zeichnet den Senat aus. Wir wollen nur dann höhere Steuereinnahmen, wenn durch eine bessere Wirtschaftspolitik insgesamt mehr Steuereinnahmen fließen, aber bei gleichbleibenden oder möglichst niedrigeren Steuersätzen als bisher.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Was mich bei der SPD und gerade bei einem haushaltspolitischen Sprecher, der gleichzeitig Vorsitzender des Haushaltsausschusses ist, besonders wundert, ist, dass es Ihnen immer noch durchgeht, dass so viele Anträge von Ihnen gestellt werden, ohne eine Deckung aufzuzeigen. Herr Zuckerer, da müssen Sie mit Ihren Kollegen einmal reden. Das macht kein gutes Bild.

Lassen Sie mich noch zu unserem Hauptanliegen aus FDP-Sicht kommen. Wir haben zusammen mit unseren Koalitionspartnern einen Antrag eingebracht, um das Rechnungswesen der Stadt umzustellen, nämlich weg von der kameralistischen Buchführung, hin zu einer Art doppelten Buchführung, zu einer Art kaufmännischen Buchführung.

(Beifall bei der FDP, bei Bernd Reinert CDU und Norbert Frühauf Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Ich will Ihnen auch sagen, warum wir das gemacht haben. Seit Jahren werden Investitionen ausschließlich mit Krediten finanziert, die allerdings immer wieder revolviert und niemals getilgt werden. Ob Feuerwehr- und Polizeiautos, die längst verschrottet, oder Hafenbecken, die mal mit

Krediten einst ausgebaggert und heute bereits wieder zugeschüttet sind, für alle längst vergangenen Anschaffungen tragen wir noch heute die Zinslast. Andererseits stehen für einen großen Teil der Schulden auch geschaffene Werte, die den nachfolgenden Generationen zugute kommen. Um Belastungen und Vorteile des Wirkens der aktuellen Politik auf die uns nachfolgenden Generationen aufzuzeigen, müssen wir weg von der Kameralistik und hin zur Doppik, das heißt zu einer nach kaufmännischen Gesichtspunkten geführten Rechnungslegung des Staates gegenüber seinen Bürgern. Investitionen müssen aktiviert und über die Lebensdauer abgeschrieben werden und am Ende der Laufzeit muss auch der ihnen zugrunde liegende Kredit getilgt sein. Dieses wollen wir mit einer doppelten Buchführung erreichen. Das wird eine große Arbeit sein, weil man das vorhandene Vermögen der Stadt zunächst einmal auflisten und dann auch bewerten muss, um es abschreiben zu können. Aber, ich glaube, wir sind verpflichtet, diese Arbeit in Angriff zu nehmen,

(Dr. Willfried Maier GAL: Das wird von Jahr zu Jahr leichter!)

ja, besonders durch Ihre Politik, wo Sie so viel verkauft haben, völlig richtig, Herr Dr. Maier –, denn wir müssen auch Rechenschaft gegenüber den uns nachfolgenden Generationen ablegen, wie wir gewirtschaftet haben. Das können wir nur, wenn man da eine klare Rechnung hat.

Wir haben dann noch weitere Anträge zur Tourismuswerbung und Förderung von Existenzgründungen.

Für mich ist aber die Behandlung der so genannten Mittel aus Gewinnabschöpfung wichtig: Die wurden früher immer für beliebte Spielchen der Fraktionen verwendet. Da wurde gerne auch mal Klientel bedient und, und, und.

(Michael Neumann SPD: Für die Polizei!)

Da haben wir uns beim letzten Haushalt 2002 noch nicht durchgesetzt, da gebe ich Ihnen Recht. Aber beim Haushalt 2003 werden diese Mittel abkassiert, sie fließen dem Finanzhaushalt zu.

(Ingo Egloff SPD: In die Bezirke!)

Nein, nicht in die Bezirke, sie werden eben nicht verbraucht und verplempert, sondern sie werden zur Haushaltskonsolidierung genutzt, das ist mir besonders wichtig.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Wir haben zum ersten Mal einen Zuwendungsbericht. Eines der zentralen Themen, mit denen wir uns im kommenden Jahr zu befassen haben, wird sein, wie gehen wir daran, wie prüfen wir die Effizienz der Zuwendungen in den einzelnen Organisationen. Weitere Themen der nächsten Periode sind die Reorganisation der Beteiligungsverwaltung und natürlich das Thema Privatisierung.

Meine Stimme ist am Ende, ich bin auch am Ende und danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit.

(Beifall bei der FDP, der CDU und der Partei Rechtsstaatlicher Offensive)

Liegen weitere Wortmeldungen vor, die ich hier oben möglicherweise nicht gesehen habe? – Es liegen keine weiteren vor. Ich schließe jetzt die Generaldebatte.

(Rose-Felicitas Pauly FDP)

Ich darf Sie jetzt für 45 Minuten zum Abendessen in den Ratsweinkeller einladen. Um 19.45 Uhr setzen wir die Sitzung in alter Frische fort. Ich unterbreche die Sitzung.

Unterbrechung: 19.00 Uhr

Wiederbeginn: 19.50 Uhr

Meine Damen, meine Herren! Ich eröffne die Sitzung wieder und die Debatte zum Senatsamt für die Gleichstellung.

Einzelplan 1.1: hier: Senatsamt für die Gleichstellung

Wer wünscht das Wort? – Frau Mandel hatte sich bereits gemeldet und erhält jetzt das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin, meine Damen und Herren! Angesichts des altbackenen Frauenbildes, das dieser Senat ja hegt und pflegt,

(Dirk Nockemann Partei Rechtsstaatlicher Offen- sive: Üble Unterstellung!)

fragte ich mich vor einem knappen halben Jahr, wie lange es das Senatsamt für die Gleichstellung überhaupt noch geben wird. Wider Erwarten ist es immer noch da.

(Beifall bei Karen Koop CDU)

Viel bekam man von diesem Senatsamt im vergangenen Jahr allerdings nicht mit. Vielleicht hält das Senatsamt es für sinnvoller, bei diesem Senat nicht zu sehr aufzufallen. Das Senatsamt für die Gleichstellung hat, wie in den vergangenen Jahren auch, die „digitelle“ durchgeführt. Zur „digitelle“ kann man dem Senatsamt nur gratulieren. Sie ist die einzige Kongressmesse für Informationstechnologie und Multimedia, die sich ausschließlich an Frauen richtet. Diese Messe war schon zu rotgrünen Zeiten ein Erfolg und ist es immer noch. So gute Ideen sind eben nicht so schnell kleinzukriegen, auch nicht von diesem Senat.