Keine Schonzeit für den Waschbären – ganzjährige Bejagung dieser invasiven Art ermöglichen – Drucks. 21/1537 –
Renaissance der Realpolitik im Jagdbereich endlich umsetzen – Jagdzeiten an wildbiologischen Erkenntnissen ausrichten, moderne Fangjagd fördern – Drucks. 21/1624 –
Herr Präsident, meine Damen und Herren! Am 11. April 2024 hieß es in der „hessenschau“: „Wie der Waschbär in Nordhessen zu einer Plage wurde“. Diesem Bericht können Sie die Geschichte dieser hier nicht heimischen Art entnehmen. Heute, über 90 Jahre später, schauen wir auf eine konsequente und überaus erfolgreiche Ausbreitung dieser invasiven Art zurück.
Natürlich müssen wir auch die Entwicklung bei Nutria, Marderhund, Mink, Fuchs und anderen weiter beobachten und diese waidgerecht bejagen. Wir fokussieren uns hier aber auf den Waschbären, der eine ganz besondere Problematik aufweist. So viel zum FDP-Antrag, der sich mit allen möglichen Dingen beschäftigt.
Die Problemlage beim Waschbären ist nicht trivial, sondern das hat eine sehr große Auswirkung. Nicht nur die Kasseler können ein Lied davon singen, wie Mülltonnen durchwühlt werden, wie Gärten, Dachstühle und andere Dinge beschädigt werden. Das ist eine unerträgliche Plage für die Bevölkerung, die davon betroffen ist.
Der Waschbär hat hierzulande keine natürlichen Feinde. Seine hohe Vermehrungsrate stört das Gleichgewicht der Arten folglich in erheblichem Ausmaß. Insofern ist es höchste Zeit, dem entgegenzusteuern.
Man muss von einer Population in Deutschland von 3 Millionen bis 4 Millionen ausgehen. Man muss sich das einmal vorstellen. Das sind riesige Ausmaße. Das ist jedenfalls nicht ganz konkret geklärt. Jedenfalls haben wir 2021/2022 eine Strecke von 202.000 Tieren hier gehabt.
Natürlich können Sie unserem Antrag schon einiges entnehmen. Der Waschbär ernährt sich vorrangig als Beutegreifer und Nesträuber von Kleintieren und deren Nachwuchs und bedroht damit zahlreiche Vogelarten, Amphibien, Reptilien und darunter auch ganz seltene Arten. Dies gilt für Grasfrösche, Erdkröten, Gelbbauchunken, die zu seiner Beute gehören, ebenso wie Molche, Kröten und Feuersalamander. Kurz: Die rote Liste steht auf dem Speiseplan.
Auch vor heimischen Schlangen und anderen tierischen Einwanderern macht er keinerlei Halt. Ein Forschungsteam fand Ringelnattern im Waschbärmagen und auch eine ganz seltene Askulapnatter.
Waschbären sind häufig auch Überträger von verschiedenen Parasiten und Infektionskrankheiten. Da geht es um Tollwut, Räude, die Staupe und die Vogelgrippe. Außerdem geht es um den Waschbärspülwurm. Der wird nicht nur auf andere Tiere übertragen, sondern auch auf Hunde und Menschen. Das ist hier also schon eine große Infektionsgefahr.
Weiter schreiben wir in unserer Begründung, dass der Waschbär natürlich auch in der Landwirtschaft und in Siedlungsgebieten sehr große Schäden anrichtet, was ich vorhin schon beschrieben habe. Daher ist eine Bejagung dringend geboten. Etwas anderes kann man hier im Grunde genommen nicht machen.
Es geht hier um die ganzjährige Bejagung. Da sollte man sich nicht zu sehr hinter dem Europarecht verstecken. Die Jäger und Förster wissen, wie so etwas zu machen ist. Die machen das auch im Rahmen des Tierschutzes. Auch was Elterntierschutz angeht, wissen die Bescheid. Dafür sind sie ja jagdrechtlich ausgebildet.
Zahlreiche Bundesländer verzichten zu Recht auf eine Schonzeit bei den Waschbären. In Hessen, dem Ursprungsland, ist deswegen auch ganz dringend Handlung geboten. Deswegen sollte man hier auch unbedingt etwas unternehmen.
Für die Jäger ist das auch keine ungefährliche Angelegenheit. Wie Sie wissen, werden Jagdhunde sehr oft von die
„Wir werden zum besseren Schutz von Bodenbrütern und Singvögeln die Schonzeit für Fuchs und Waschbär unter Berücksichtigung des Elterntierschutzes aufheben und angemessene Jagdzeiten für Prädatoren … sowie den Dachs vorsehen.“
Unser Antrag unterstützt diesen Koalitionsvertrag ausdrücklich. Unser Ansinnen war es, dies hier noch einmal in Ansprache zu bringen. Insofern war es dringend geboten, dass wir das heute einmal besprechen.
Sehr geehrte Frau Präsidentin, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Die AfD möchte heute über den Waschbären in Hessen diskutieren. Das ist bemerkenswert; denn in der Vergangenheit sind Sie hier im Haus nicht gerade mit jagdpolitischer Expertise aufgefallen. Herr Schenk hat das soeben noch einmal unter Beweis gestellt. Wir Freie Demokraten in Hessen helfen da gerne aus und rufen deshalb einen Antrag von uns zu den Schonzeiten des Raubwildes und zur Fangjagd mit auf.
Die CDU wird uns gleich erklären, dass das ohnehin alles im Koalitionsvertrag steht. Einige Punkte stehen tatsächlich darin, aber mit den Punkten, die wir ergänzt haben, machen wir das Ganze noch besser.
Meine Damen und Herren, es gibt nämlich überhaupt keinen Grund, sich nur singulär mit dem Waschbären zu beschäftigen, wie die AfD das gemacht hat. Wir haben weitere invasive Arten in Hessen. Das sind Marderhund, Mink, Nutria. Besonders Letztere sind wirklich ein großes Problem für unsere Ökosysteme. Und es gibt nicht nur invasive Arten. Auch beim heimischen Raubwild wie dem Fuchs gibt es Anpassungsbedarf bei den Jagd- und Schonzeiten.
Meine Damen und Herren, die Probleme mit der Ausbreitung des Waschbären sind ja bekannt: der Waschbär auf dem Dachboden, die ausgeräumte Mülltonne. Jeder in Nordhessen kennt das. Das mag zwar lästig sein, aber das ist bei Weitem nicht das größte Problem.
Der Waschbär frisst alles und hat keine natürlichen Feinde. Er frisst zum Beispiel Erdkröten, Teichmolche, Grasfrösche, Ringelnattern und Sumpfschildkröten. Es gibt hierzu ein ganz interessantes Projekt. Das Wildtierforschungsprojekt ZOWIAC hat gezeigt, dass Waschbären erhebliche Schäden bei unseren heimischen Amphibien- und Reptilienarten anrichten. Es gibt Untersuchungen im Spessart – ich habe mir das vor Ort angeschaut –, da wurden in einziger Stunde über 400 gehäutete Kröten gefunden. Eben habe ich von einigen von Ihnen gehört, der Waschbär sei doch niedlich. Ich will Ihnen etwas erzählen. Waschbären sind schlau. Um die Giftdrüsen ihrer Beute zu umgehen,
schlitzen sie die Tiere bei lebendigem Leib auf, stülpen das Innere nach außen und fressen das Muskelfleisch. Die Häute findet man dann rund um die Teiche liegend. Das klingt vielleicht nicht mehr ganz so niedlich, wie es sich der eine oder andere Waschbärfreund vielleicht vorstellt. Es ist vor allem ein deutlicher Beweis für die gravierenden ökologischen Schäden, die diese invasiven Räuber anrichten.
Die Auswirkungen gehen aber weit über die auf Amphibien und Reptilien hinaus. Denken Sie an Bodenbrüter, wie Kiebitze, oder auch an Kleinnager. Der geliebte Feldhamster ist vor Waschbären nicht gefeit.
Da hört der Spaß wirklich auf, hoffentlich auch für die GRÜNEN. – Ein weiteres Problem: Marderhunde sind gebietsfremde Allesfresser. Auf ihrem Speiseplan stehen Vögel und deren Eier sowie Amphibien, Schnecken, Insekten, Fische und Kleinsäuger. Deswegen muss auch die Ausbreitung des Marderhundes dringend unterbunden werden.
Weiter geht es mit den Nutrias, auch Biberratte genannt. Das Problem kennt man vor allem in Frankfurt. Die Probleme mit Nutrias sind enorm, weil viele Städter meinen, diese Tiere füttern zu müssen, und damit zu ihrer Ausbreitung beitragen. Deswegen werden Nutrias in anderen Bundesländern ganzjährig bejagt.
Wir Freie Demokraten sagen, dass die Schonzeiten von Waschbär, Nutria, Marderhund und Mink ganz gestrichen werden müssen. Wir müssen alles unternehmen, die Bestände dieser Arten zu reduzieren. Dazu zählt eben auch eine intensive Bejagung. Der Elterntierschutz ist bereits durch das Bundesjadgesetz sichergestellt. Deswegen sehen wir keinen Anlass, in Hessen darüber hinausgehende Schonzeiten festzusetzen.
Meine Damen und Herren, es wird nicht reichen, nur die Schonzeitbestimmungen aufzuheben. Wir müssen auch die Jagd mit Lebendfallen in Hessen verstärken. Die Fangjagd ist oftmals wirklich die einzige Möglichkeit, diese Arten, vor allem Waschbär und Nutria, aber auch den Fuchs, effektiv zu bejagen.
Deshalb haben wir Ihnen eine Reihe weiterer Vorschläge mitgebracht. Herr Minister, wir fordern Sie auf, den Einsatz von Kofferfallen explizit zu erlauben. Die Jagd mit Kofferfallen ist tierschutzgerecht, sie ist kostengünstig, aber sie wird in der Hessischen Jagdverordnung nicht erwähnt. Das muss sich ändern. Wenn Sie die Jagdverordnung ohnehin überarbeiten, was Sie angekündigt haben, dann sollten Sie auch die verpflichtenden Kontrollen der Lebendfallen streichen, zumindest für den Fall, dass elektronische Fangmelder eingesetzt werden. Aktuell müssen diese Fallen selbst dann, wenn sie mit einem elektronischen Fangmelder ausgestattet sind, täglich zwischen 5 und 9 Uhr kontrolliert werden. Das ist für Berufstätige mit normalen Arbeitszeiten nicht leistbar. Diese Regelung ist sinnlos und gehört abgeschafft.
Elektronische Fangmelder verbessern die Effizienz der Fangjagd. Deswegen fordern wir auch, dass ihre Anschaffung gefördert wird, zum Beispiel aus Mitteln der Jagdabgabe.
Wenn wir es mit der Eindämmung invasiver Arten wirklich ernst meinen, dann müssen wir, glaube ich, noch einen Schritt weitergehen. Wir brauchen eine Erlegerprämie in Hessen. Das ist kein absurder Vorschlag, sondern eine Realität in den Ländern, wo Waschbär und Nutria bereits noch größere Probleme verursachen. In Niedersachsen und in Brandenburg gibt es in vielen Landkreisen Prämien für jeden erlegten Waschbären. Ich glaube, die brauchen wir auch in Hessen, damit die Probleme nicht immer größer werden. Unsere Ökosysteme werden es uns jedenfalls danken.