Protocol of the Session on October 16, 2003

(Beifall bei der CDU – Zuruf des Abg. Günter Ru- dolph (SPD))

Hier ist auf Vorschlag des Architekten ein Ausschreibungsverfahren über das Staatsbauamt und über die bei der OFD zuständige Stelle auf den Weg gebracht worden. Schon als die ersten Zweifel aufkamen, dass es nicht VOL-konform sein könnte, hat der Finanzminister umgehend gehandelt, die Frist verlängert und den Rechnungshof mit der sofortigen Prüfung beauftragt.

(Tarek Al-Wazir (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN): Aber es war alles in Ordnung! – Zuruf des Abg. Gerhard Bökel (SPD))

Ministerpräsident und Finanzminister haben unisono erklärt, dass sie das Ergebnis der Prüfung abwarten und sich der Empfehlung anschließen wollen. Damit wären wir am

heutigen Tag schon am Ende der Diskussion. Meine Damen und Herren von der antragstellenden Fraktion, Ihnen geht es nicht um Aufklärung, Ihnen geht es um Krawall,

(Beifall bei der CDU)

weil Sie der soliden und konsequenten Finanzpolitik der Hessischen Landesregierung, die nationale und internationale Anerkennung findet,

(Beifall bei der CDU – Lachen bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

und die von anderen Bundesländern kopiert wird, schaden wollen. Meine Damen und Herren, da brauchen Sie mir gar nicht mit Rating zu kommen. Wir haben Ihnen im Haushaltsausschuss erläutert, dass der Verlust des Triple-A andere Gründe hat, die nicht in Hessen zu suchen sind. Die Konsequenzen für die Kreditbeschaffung sind marginal.Wenn Sie von Rating sprechen, sage ich Ihnen an dieser Stelle nur so viel, weil alles andere bei fünf Minuten Redezeit zu weit führt:Wir können alle froh sein, dass die Qualität der rot-grünen Opposition nicht bei dem Rating mit einfließt,denn dann wären wir auf dem Niveau eines Wanderzirkus.

(Heiterkeit und Beifall bei der CDU – Zuruf des Abg. Marco Pighetti (SPD))

Was wird hier gemacht? – Die schwache, orientierungslose Führung einer stark dezimierten SPD-Fraktion schickt den Skandalsuchtrupp ins Unterholz. Weil es keine Skandale gibt, werden Skandale kreiert.

(Zuruf des Abg. Gerhard Bökel (SPD))

Dabei bilden sich ganz merkwürdige Bündnisse heraus. Nur weil der Möbelhersteller mit Geweih Ihrem Bündnis beigetreten ist,hat sich vielleicht die öffentliche Aufmerksamkeit erhöht, aber nicht die Glaubwürdigkeit.

(Allgemeine Heiterkeit)

An dieser Stelle geht es um Glaubwürdigkeit. Ministerpräsident und Finanzminister zeigen glaubwürdiges Verhalten,indem sie sagen,dass sie abwarten,zu welchem Ergebnis der Rechnungshof kommt.

(Zurufe der Abg. Michael Siebel und Gerhard Bö- kel (SPD))

Unglaubwürdig ist es, im laufenden Verfahren einen solchen Antrag zu stellen und hier einen derartigen Krawall zu veranstalten.

Lassen Sie mich noch einiges in der Debatte klarstellen. Niemand hier, einschließlich des Ministerpräsidenten – das hat er deutlich gesagt –, will eine Luxusmöblierung, wie Sie behaupten. Ich sage Ihnen aber auch ganz klar: Wir wollen keine Java-Möbel für die Staatskanzlei,

(Gerhard Bökel (SPD):Was für Dinger?)

sondern wir wollen eine solide Ausstattung, wie sie in anderen Landesdienststellen üblich ist.

(Beifall bei der CDU – Zuruf der Abg. Priska Hinz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN))

Damit dieses Ziel verfolgt wird, muss zwangsläufig ein Qualitätsstandard vorgegeben werden, der der Funktion der zukünftigen Räumlichkeiten angemessen ist.

(Jürgen Frömmrich (BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN): So wie im Hessischen Landtag!)

Herr Frömmrich, wir halten eine adäquate Ausstattung der Staatskanzlei, wie in anderen Bundesländern üblich, mit einem gewissen Niveau von repräsentativem Anspruch für notwendig.

(Zuruf des Abg. Norbert Schmitt (SPD))

Wir werden den Ministerpräsidenten nicht auf eine Apfelsinenkiste setzen.

(Allgemeine Heiterkeit – Beifall bei der CDU)

Investitionen müssen auch in Zeiten eines Sparprogramms weiter getätigt werden, das ist eine wirtschaftliche Notwendigkeit. Um unserem Land eine Perspektive im internationalen Wettbewerb zu bieten,sind wir das den Bürgerinnen und Bürgern schuldig.

(Zurufe von der SPD)

Wir sind den Bürgerinnen und Bürgern dieses Landes schuldig,bei Anschaffungen auch auf Qualität und Kosten zu achten. Lassen Sie mich abschließend zu Ihrer Beruhigung – ich hatte vorher schon Bedenken um den Gesundheitszustand des Kollegen Schmitt – in Richtung der Opposition sagen: Auch wenn es die CDU-Fraktion ausdrücklich nicht wünscht,besteht in einem demokratischen System ein gewisses Restrisiko, dass eines fernen Tages, in 30 oder 40 Jahren, einmal ein nicht christdemokratischer Ministerpräsident dieses Land regiert.

(Lachen bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Dann werden Sie dankbar sein,

(Priska Hinz (BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN):Völlig größenwahnsinnig!)

diejenigen von Ihnen, die dann noch mit dabei sind – so viele sind das nicht, wenn ich durch die Reihen schaue –, dass wir heute sowohl bei der Finanzpolitik als auch bei den Möbeln der Staatskanzlei auf Qualität gesetzt haben.

(Zuruf des Abg. Gerhard Bökel (SPD))

Herr Williges, darf ich Sie fragen, ob Sie noch eine Zwischenfrage von Frau Fuhrmann beantworten möchten?

Nein, ich möchte zum Schluss kommen

(Günter Rudolph (SPD): Jetzt hat er Angst!)

und dieser Seite des Hauses für ihre Aufmerksamkeit danken und ihr sagen, dass ich die Turbulenzen als eine Anerkennung und als ein Zeichen des Respekts bewerte.

(Beifall bei der CDU und des Abg. Michael Denzin (FDP) – Lachen bei der SPD und dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN)

Meine Damen und Herren, ich habe die Aussage des Kollegen Williges zur Kenntnis genommen. Auch ich bin in 30 bis 40 Jahren nicht mehr da

(Zuruf des Abg. Gerhard Bökel (SPD))

und freue mich unglaublich, wenn ich unter den Graswurzeln die „Rose“ erblühen sehe.

(Allgemeine Heiterkeit)

Liebe Kolleginnen und Kollegen, dies war eine Rede – wenn ich das einmal abweichend von meiner Neutralität sagen darf –, die allen Vorurteilen widerspricht, Kasseler seien unhumoristisch.

Als nächster Redner hat Herr Kaufmann für BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN das Wort.

Frau Präsidentin, meine sehr verehrten Damen und Herren! Glückwunsch, Herr Kollege Williges, die fünfte Jahreszeit steht unmittelbar bevor.

(Heiterkeit bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD – Zuruf des Abg.Michael Boddenberg (CDU))

Wir haben zwei Dinge gelernt: Erstens benötigt die Staatskanzlei Edelstahlpapierkörbe, um darin das TripleA zu versenken.

(Heiterkeit und Beifall bei dem BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN und der SPD)

Zweitens. Aus der Freude heraus, einmal wieder Herrn Staatsminister Riebel in diesen Mauern zu sehen – es kommt ja nicht so häufig vor –, haben Sie gleichzeitig aus dem Landtag einen Wanderzirkus gemacht.