Wie gesagt, ich finde es sehr bedenklich, wenn Sie ein Gesetz verabschieden wollen, von dem wir heute schon erkennen, dass es mit groĂer Wahrscheinlichkeit â â.
Ich halte es fĂŒr sehr bedenklich, dass Sie heute ein Gesetz verabschieden wollen, dass mit groĂer Wahrscheinlichkeit verfassungswidrig ist, und die Diskussion um die Abschiebepraxis in diesem Bundesland, das sehr vom Durchschnitt der anderen BundeslĂ€nder abweicht â â.
Wenn diese Abschiebungspraxis hier in Bremen sehr vom Bundesdurchschnitt abweicht und wir sicherstellen, beschlagnahmen, enteignen wollen, wie auch immer wir es nennen wollen, dann haben Sie es vorhin gehört: Es ist das letzte Mittel, wir mĂŒssen die VerhĂ€ltnismĂ€Ăigkeit des Eingriffs wahren! Aus diesem Grund ist es wichtig, die Debatte zu fĂŒhren, ob das Land Bremen alle notwendigen Voraussetzungen geschaffen hat, ĂŒberhaupt ein solches Gesetz anwenden zu können, und das werden Sie sicher auch verstehen, Herr Tschöpe und Frau Dr. Schaefer! â Vielen Dank!
Sehr geehrter Herr PrĂ€sident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Ich bin jetzt dieser Debatte fast zwei Stunden lang gefolgt und habe zur Kenntnis genommen, dass es ganz unterschiedliche Erwartungshaltungen an dieses Gesetz gibt. Meine persönliche EinschĂ€tzung ist, sie werden sich alle nicht erfĂŒllen. Weder wird es zur
flĂ€chendeckenden Enteignung von Privateigentum in Bremen kommen, nur weil dieses Gesetz beschlossen ist, noch, glaube ich, wĂŒrden ALFA und BĂŒrger in Wut die notwendige Mehrheit zusammenbekommen, um den Staatsgerichtshof anzurufen,
was aus meiner Sicht auch nicht unbedingt erforderlich ist, denn wenn das Gesetz zur Anwendung kommt, steht jedem, der davon betroffen ist, die Möglichkeit offen, die ordentlichen Gerichte anzurufen, noch â das ist jetzt eine Prognose â wird es ĂŒberhaupt nur einen einzigen Anwendungsfall fĂŒr dieses Gesetz in naher Zukunft geben. Die von den Sozialdemokraten und den GrĂŒnen an dieser Stelle geweckte Hoffnung, man könne das Unterbringungsproblem vielleicht jetzt nur aktuell durch den Winter, aber generell auf Sicht durch dieses Gesetz regeln, wird eben auch enttĂ€uscht werden. Ich will auch ergĂ€nzend sagen, sehr geehrte Frau Bernhard, dass eine polizeirechtliche MaĂnahme auch kein kommunales Wohnungsbauprogramm ersetzen wird.
Ich kann mich noch erinnern, dass wir, Frau Senatorin, vor drei Wochen von Ihnen fĂŒr morgens um 8 Uhr vor der Sitzung der Bremischen BĂŒrgerschaft eingeladen worden sind, um ĂŒber die Frage zu reden, wie wir diesen Zustrom von Menschen auch in Anbetracht der Ănderung der WitterungsverhĂ€ltnisse in Bremen unterbringen. Wenn ich mich richtig erinnere â ansonsten widersprechen Sie mir bitte! â haben wir alle Möglichkeiten miteinander besprochen, wie wir Liegenschaften finden können, die fĂŒr die Unterbringung von FlĂŒchtlingen geeignet sind. Deswegen gibt es unter anderem auch diese Liste fĂŒr den Haushalts- und Finanzausschuss. Deswegen gibt es PrioritĂ€tenlisten bei der Frage, in welcher Reihenfolge und mit welchen Kriterien wir eigentlich öffentliche GebĂ€ude wie Turnhallen fĂŒr die Nutzung von FlĂŒchtlingen in Gebrauch nehmen.
Sehr geehrte Frau Senatorin, ich erinnere mich aber auch, dass Ihr Abteilungsleiter auf die Frage, ob leer stehende Gewerbeimmobilien von Nutzen wĂ€ren, gesagt hat, erstens hat er keine KapazitĂ€ten fĂŒr die damit zusammenhĂ€ngenden umfangreichen juristischen Auseinandersetzungen, und zweitens hĂ€lt er leer stehende Gewerbeimmobilien auch deswegen fĂŒr nicht geeignet, weil es in diesen Immobilien an den notwendigen sanitĂ€ren Einrichtungen fehlt. Das heiĂt, Ihre Behörde selbst hat den Vorschlag, dass wir ĂŒbergangsweise Privateigentum, leer stehende Immobilien fĂŒr die Unterbringung von FlĂŒchtlingen nutzen, fĂŒr nicht praktikabel gehalten, Frau Senatorin.
Mich wĂŒrde jetzt einmal interessieren, was sich mit Ausnahme der öffentlichen Auseinandersetzung eigentlich an dieser inhaltlichen Positionierung Ihrer Behörde geĂ€ndert hat.
Ich kann ĂŒbrigens anders als Herr Leidreiter nicht prognostizieren, wie das die Gerichte am Ende entscheiden werden. Ich bin mir nicht einmal zweifelsfrei sicher oder unsicher, ob das Gesetz verfassungswidrig ist oder nicht. Das hat der Kollege Hinners auch nicht gesagt. Ich weiĂ nur, die Schwelle, um einen Eingriff des Staates in das Eigentum privater Menschen zu rechtfertigen, ist in Deutschland zum GlĂŒck sehr, sehr hoch.
Deswegen gibt es eine Vielzahl von Voraussetzungen, die erfĂŒllt sein mĂŒssen, um ĂŒberhaupt auf dieses Instrument zurĂŒckgreifen zu können.
Es muss nĂ€mlich nachgewiesen werden, dass sĂ€mtliche anderen MaĂnahmen und die eigenen Immobilien geprĂŒft und fĂŒr nicht geeignet gehalten worden sind. Das wissen wir seit der Entscheidung aus LĂŒneburg. Es muss weiterhin geprĂŒft worden sein, dass vor einer Inanspruchnahme eines enteignungsgleichen Eingriffs, also einer BeschlagnahmungsmaĂnahme, die Anmietung von leer stehenden GebĂ€uden, von Hotels und anderen Unterbringungsmöglichkeiten vollstĂ€ndig ausgeschöpft worden ist.
Erst dann und auch nur dann findet dieses Gesetz ĂŒberhaupt einen Millimeter Anwendung. Meine sehr verehrten Damen und Herren, deswegen werbe ich sehr dafĂŒr, diese Debatte jetzt nicht zu nutzen, um Fundamentalpositionen miteinander auszutauschen. Der Stellenwert dieses Gesetzes liegt fernab der Debatte und der Signale.
NatĂŒrlich will man den Menschen sagen, wenn wir in Turnhallen gehen, mĂŒssen wir auch leer stehende Gewerbeimmobilien prĂŒfen. Wenn wir leer stehende stĂ€dtische Immobilien nutzen, muss man auch drohen können, vielleicht Gewerbeimmobilien in Beschlag zu nehmen. Aber das ist alles etwas fĂŒr das Herz, fĂŒr die Seele der Stadtteilpolitiker, die sich teilweise mit dieser Situation ĂŒberfordert fĂŒhlen, was ich gut nachvollziehen kann. Die Situation vor Ort ist noch ein bisschen anders als wir das hier in der Bremischen BĂŒrgerschaft diskutieren.
Ich bitte Sie, nicht den Eindruck zu vermitteln, als ob wir mit diesem Gesetz und seiner möglichen eingeschrĂ€nkten Anwendung das Unterbringungsproblem der FlĂŒchtlinge in Bremen und Bremerhaven kurzfristig oder langfristig lösen! Bitte vermitteln Sie diesen
Eindruck wegen der dadurch eintretenden enttĂ€uschten Erwartungen nicht! Dieses Gesetz wird das Unterbringungsproblem in Bremen nicht lösen, meine Damen und Herren, das ist die Wahrheit in dieser Debatte! â Vielen Dank!
Herr PrÀsident, meine Damen und Herren! Auch ich habe lange zugehört, und mir sind viele Gedanken durch den Kopf gegangen. Ich war beeindruckt. Heute ist das Parlament alles andere als langweilig. Das war einer meiner Gedanken, den ich eben zu den Kolleginnen und Kollegen gesagt habe, die neben mir sitzen.
Ganz schlicht: Warum dieses Gesetz? Wir bewahren im Augenblick Tag fĂŒr Tag Menschen vor Obdachlosigkeit in Bremen. Mit âwirâ meine ich die Kolleginnen und Kollegen im Sozialressort, die Kolleginnen und Kollegen in den WohlfahrtsverbĂ€nden und die Kolleginnen und Kollegen bei der Bundeswehr. Alle hier im Raum mögen sich einmal vorstellen, tĂ€glich kommen 100 Menschen, 110 Menschen, mal auch 130 oder 99 Menschen nach Bremen! Jeden Tag! Wir haben hier im Raum 83 Abgeordnete. Alle PlĂ€tze hier unten wĂ€ren gefĂŒllt.
Alle Ressorts machen bei der Zusammenarbeit mit. Vorhin kamen ĂuĂerungen oder Fragen, ob alle mitmachen. Ich habe wirklich den Eindruck, alle Senatsressorts haben die Aufgabe verstanden und wissen, dass das keine Soloveranstaltung einer Sozialsenatorin ist,
Tag fĂŒr Tag wird eine wirklich groĂe Menge Menschen von uns vor Obdachlosigkeit bewahrt. Sie werden untergebracht. Sie bekommen Essen. Wir organisieren die Aufnahme. Wir sorgen dafĂŒr, dass helfende HĂ€nde da sind, und das im Augenblick bei immer schlechter werdenden Standards, das ist auch die bittere Wahrheit. Wir bekommen kaum noch Betten. Wir legen in Turnhallen Matratzen auf den Boden. Turnhallen sind auch nicht besonders gut heizbar. In der Kategorie, ob ein Zelt gut oder schlecht heizbar ist, sortiere ich es als schlecht heizbar ein.
Wir sind in einer Notsituation. So muss der Staat alle möglichen Instrumente ausschöpfen. Wir haben in den vergangenen Monaten und Jahren ein ums andere Mal bewiesen, dass wir auch sehr findig sind.
Mir ist es wichtig, dass wir die SolidaritĂ€t und die UnterstĂŒtzung in der Bevölkerung hochhalten. Das ist auch ein Gedanke, der hier vorgetragen wurde. Wir
Da ist es mir egal, ob es ein Unternehmer, eine Zivilperson oder Oma und Opa von nebenan sind. Wir nehmen die Angebote der Bremer Bevölkerung gern an. Das ist auch gut so.