Herr Vizepräsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! Herr Kollege Fischbach, ich hatte gehofft, dass bereits im federführenden Ausschuss die Argumente entsprechend ausgetauscht wurden und Sie erkennen durften, dass der Antrag gut gemeint ist, aber keine Neuerungen bringt. Aber gerne versuche ich es ein weiteres Mal. Ich stelle fest:
Erstens. Der Schulgemeinschaft stehen bereits jetzt vielfältige und hochqualitative, auch digitale Bildungsmedien zur Verfügung, die zentral über Online-Plattformen bereitgestellt werden und aus denen Lehrkräfte sowie Schülerinnen und Schüler eine passgenaue Auswahl treffen können. – Im konkreten Fall geht es um die Lehrkräfte. Diese haben vollumfänglichen Zugang.
Zweitens ist hierbei besonders die mebis-Mediathek zu nennen, mit derzeit rund 75.000 Beiträgen, die im Unterricht – und das ist jetzt wichtig – urheber- und lizenzrechtlich gesichert verwendet werden können. Zudem können die Lehrkräfte selbst erstellte Erklärvideos bei mebis Tube einstellen, die dann unter einer auch
im vorliegenden Antrag von Ihnen und Ihren Kollegen, Herr Kollege Fischbach, genannten sogenannten Creative Commons Licence veröffentlicht und somit flexibel und passgenau in verschiedenen Lern- und Unterrichtsszenarien eingesetzt werden können, also zu 100 % lehrplankonform.
Drittens. Mit teachSHARE steht den bayerischen Lehrkräften darüber hinaus eine stetig wachsende Auswahl an mebis-Kursen unter der CC-Lizenz zur Verfügung, die von Lehrkräften aus ganz Bayern entwickelt wurden. Diese lehrplankonformen Kurse können in wenigen Schritten kopiert und im Anschluss individuell an den eigenen Unterricht angepasst werden. Genau da, Herr Kollege Fischbach – ich sage es noch mal ganz deutlich –, wäre das individuelle digitale Schulbuch, das die Lehrkraft erstellt hat, schon auf den Unterricht abgestellt.
Viertens. Der LehrplanPLUS verfügt mit seinem digitalen Serviceteil bereits seit dem Schuljahr 2015/2016 über die technischen und rechtlichen Voraussetzungen, digitale Inhalte aus mebis – Landesmedienzentrum Bayern – didaktisch reflektiert mit den Kompetenzerwartungen in den Fachlehrplänen zu verknüpfen. Da besteht also wieder ein vollständiger Lehrplan- und Unterrichtsbezug.
Fünftens. Die Lernmedien sind – wie auch ganz allgemein die Lern- und Leistungsaufgaben im Serviceteil des LehrplanPLUS – grundsätzlich exemplarisch anzusehen und müssen immer den pädagogischen Spielraum der einzelnen Lehrkraft bei der jeweiligen Anwendung im Unterricht berücksichtigen. Dieses genau auf den Unterricht Zugeschnittene ist ja entscheidend.
Sechstens. Gemäß der Verordnung über die Zulassung von Lernmitteln, abgekürzt ZLV, vom 17. November 2008, zuletzt geändert – und das ist ja das Entscheidende, Herr Kollege Fischbach – durch Verordnung vom 11. März 2016, sind in Bayern Schulbücher, Arbeitshefte und Arbeitsblätter zulassungspflichtig und können dann auch als digitale Lernmittel die Zulassung bekommen, wenn sie entsprechend eingereicht werden.
Siebtens. Gemäß Artikel 51 Absatz 3 des Bayerischen Gesetzes über das Erziehungs- und Unterrichtswesen entscheidet über die Einführung zugelassener Lernmittel an der Schule die Lehrerkonferenz oder der zuständige Ausschuss in Abstimmung mit dem Elternbeirat. Die Schulfamilie ist hier also massiv involviert. Darüber hinaus steht es den Lehrkräften selbstverständlich frei, zur Erfüllung des Lehrplans weitere selbst erstellte, analoge oder digitale Lernmittel für den Unterricht zu verwenden, um den eigenen Unterricht zu optimieren. Besser geht es wirklich nicht.
Das Fazit lautet: Der Antrag bringt keinen Fortschritt. Er ist gut gemeint, aber weil die Dinge hier eben positiv im Fluss sind, werden wir den Antrag auch hier im Plenum, genauso wie im federführenden Ausschuss, ablehnen.
Herzlichen Dank, Herr Kollege. – Nächste Rednerin ist die Abgeordnete Anna Schwamberger für die Fraktion BÜNDNIS 90/ DIE GRÜNEN.
Ich nutze die kurze Zwischenzeit, um das Ergebnis der namentlichen Abstimmung zum Antrag der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN betreffend "Vorranggebiete für die Landwirtschaft in der Regionalplanung ermöglichen", Drucksache 18/11287,
bekannt zu geben. Mit Ja haben 29 Abgeordnete gestimmt, mit Nein haben 72 Abgeordnete gestimmt. Stimmenthaltung gab es eine. Damit ist der Antrag abgelehnt.
Liebe Kolleginnen und Kollegen! "Faust" – modern oder klassisch –, "ein Klick" und schon kann ich mir als Lehrkraft das für meine Klasse und mich passende Lehrmaterial herunterladen. Das sollte Normalität bei der Vorbereitung für unsere Lehrkräfte sein. Stattdessen ist es immer noch ein mühsames Zusammensuchen von Inhalten. Am Ende basteln sich viele Lehrkräfte doch wieder ihr eigenes, sehr gutes Lehrmaterial zusammen. Das allerdings verschwindet dann oftmals wieder nur in der eigenen Schublade. Der Gedanke, in mebis oder in der "BayernCloud Schule" passendes Material zur Verfügung zu stellen, ist richtig. Viele Themen werden bisher aber noch nicht bespielt. So laufen viele Suchanfragen von Lehrkräften bei mebis dann doch ins Leere.
Die Frage ist doch auch: Warum soll ich als Lehrkraft meine selbst erarbeiteten Lehrmaterialien anderen kostenlos zur Verfügung stellen? Ich bin der Meinung, dass der richtige Anreiz für Lehrkräfte wäre, wenn sie ihre Materialien durch das ISB zertifizieren lassen könnten und für diese Arbeit auch einen kleinen Obolus bekommen würden, wenn ihre Materialien den Qualitätsstempel tragen und dann auch online gestellt würden. Die Motivation, sich zu engagieren und auch Materialien zu teilen, würde dadurch deutlich steigen.
Nun, die Realität an Bayerns Schulen sieht aber doch ein bisschen anders aus. Dank der schlafenden Staatsregierung sind wir beim Thema "digitale Schule" alles andere als Vorreiter – wohl eher lahme Ente. Lassen Sie mich ein paar Beispiele nennen, die das Versagen der Söder-Regierung deutlich machen: das Desaster um mebis im vergangenen Jahr, der vernichtende ORH-Bericht zu ASV/ASD oder die Sicherheitsprobleme bei Visavid. All das spricht nicht gerade für die digitale Kompetenz der Regierenden. Ganz ehrlich: Ich habe große Befürchtungen, dass auch die "BayernCloud Schule" floppt und zum nächsten Millionengrab wird.
Alles in allem kann man auch die Digitalisierung unserer Schulen in die Schublade der Ankündigungspolitik des Ministerpräsidenten Söder stecken. Öffentlichkeitswirksam wird der Schuldigitalisierungsgipfel veranstaltet, und Söder verkündet großspurig den Digitalturbo. Aber damit war es das auch schon. Es gibt nur dicke Überschriften, aber wenig dahinter:
Schnelles Internet an unseren Schulen: Das ist immer noch Wunschdenken, aber die absolute Grundvoraussetzung für zukunftsfähigen Unterricht.
IT-Betreuung an Schulen: Bis heute gibt es keine Förderrichtlinie. Die Kommunen bleiben verunsichert, und die Leidtragenden sind am Ende wieder die Lehrkräfte.
"BayernCloud Schule": Bis heute sind kaum Komponenten umgesetzt, auch nicht das groß von Söder angekündigte Schul-YouTube. Das ist das nächste Millionengrab im Schulbereich.
Lehrerdienstgeräte: Da brauchen unsere Lehrkräfte noch viel Geduld, bis endlich jede Einzelne ausgestattet ist. Ich habe einen schlichten, aber dennoch effektiven Tipp für die schwarz-orange Koalition: Wie wäre es denn mal mit Machen, statt nur zu reden?
Nächster Redner ist für die FREIEN WÄHLER der Abgeordnete Tobias Gotthardt. Herr Kollege, Sie haben das Wort.
Sehr geehrter Herr Präsident, verehrte Kolleginnen und Kollegen! "Digitale Schulbücher – aber richtig!" Kollege Fischbach, so sehr ich dem Titel zustimme, so wenig zufrieden bin ich mit dem, was im Antrag folgt. Ich habe schon im Ausschuss gesagt: Ich habe mich intensiv mit der gesamten Thematik befasst, weil ich davon überzeugt bin, dass wir bei den digitalen Lerninhalten nach dem, was wir in der Corona-Pandemie an unseren Schulen gelernt haben und was auch die Schulfamilie erlebt und sich erarbeitet hat, weitere Schritte gehen können.
Wenn ich an die Projekte zurückdenke, die ich kennengelernt habe, wie zum Beispiel BRAINIX, ein Projekt an einem Gymnasium in der Oberpfalz, mBook, ein Projekt an der Uni Eichstätt, oder auch das Jesuit Worldwide Learning, muss ich sagen:
Das sind viele Dinge, die gute Ansätze bringen. Wenn ich mir anschaue, was in Ihrem Antrag steht, muss ich sagen: Wir müssen ein bisschen mit den Begriffen aufpassen. Ich glaube, Sie hängen noch zu sehr am Schulbuch. Was die Lehrkräfte in naher Zukunft haben werden und was wir jetzt schon ausbauen, ist der Schulbaukasten. Wir gehen von dem Festgebundenen weg hin zu Bausteinen. Auch die Lehrkräfte spiegeln mir bei meinen Schulbesuchen wider, dass sie das brauchen und gut in ihrem Unterricht einsetzen können.
Sie haben selbst gesagt, dass bislang nur 50 % der Lehrkräfte digitale Schulbücher eingesetzt haben, und nur 16 % haben sie oft eingesetzt. Das zeigt doch, dass in dem, was Sie mir erzählen, irgendwo ein Problem steckt, weil die Lehrkräfte der Schulfamilie einen anderen Bedarf haben. Wir haben bei den Bausteinen in den letzten Jahren unglaublich viel getan, vor allem auch in der Corona-Zeit; Kollege Waschler hat es schon ausgeführt: mebis-Mediathek, mebis-Tube usw. Es ist vieles entstanden, übrigens – das finde ich sehr wichtig – gemeinsam mit den Lehrkräften; denn ohne Akzeptanz bringt der beste digitale Baustein in der Schule nichts.
Ich sage es noch einmal: Selbstverständlich sind die digitalen Lerninhalte für uns Teil des digitalen Schulhauses, an dem wir mit Nachdruck bauen. Allerdings ist das Ganze nicht trivial; denn man muss sich schon einmal klarmachen, dass wir in Bayern 13 Schularten haben. Allein im Gymnasium haben wir 27 Schulfächer. All das müssen Sie abdecken, wenn Sie heute von digitalen Lerninhalten sprechen.
Wir haben die Prüfung der digitalen Lerninhalte; wir wollen doch gute Lerninhalte haben. Alles, was eingestellt wird, muss auch geprüft werden. Wir haben dafür die entsprechenden Verordnungen und auch die entsprechenden Prüfeinheiten. Wir tun das und gehen voran, aber eben mit einem anderen Ansatz. Ich bin davon überzeugt, dass wir mit den Bausteinen den richtigen Weg gehen.
An dem, was in den letzten zwei Jahren passiert ist, können wir auch nachweisen, dass wir – auch angetrieben durch Corona – unglaubliche Fortschritte in diesem Bereich gemacht haben. Frau Kollegin Schwamberger, Sie haben von einer lahmen Ente gesprochen.
Schauen Sie sich mal Ihre Partei in den Ländern an, in denen Sie verantwortlich sind. Wir laufen weit voraus und sind in Bayern mit an der Spitze, was die Umset
zung digitaler Einheiten betrifft. Sie haben in Ihrer Rede tausend Sachen durcheinandergeschmissen, sodass ich fast bezweifeln muss, dass Sie Ahnung von digitaler Ausbildung, Fortbildung und dem digitalen Schulhaus in Bayern haben.
Nichtsdestoweniger bin ich immer bereit, Herr Kollege Fischbach, dafür Dinge aufzunehmen. Selbstverständlich werden wir vorangehen. Wir werden uns weiterentwickeln. Wir arbeiten mit Hochdruck auch an den digitalen Lerninhalten. Ich bin überzeugt davon, dass dieser Bereich bei uns – ich schaue zur Staatssekretärin Anna Stolz hinüber – Chefsache ist.
Wir gehen die Sache aber mit der Schulfamilie, mit den Lehrkräften an. Deswegen ist es auch so wichtig, dass wir uns nach den Erfahrungen und den sehr guten Beiträgen der Lehrkräfte, die aus der Not heraus kamen, jetzt die Zeit nehmen, alles ganz genau anzuschauen, auszuwerten und dann den Baukasten mit den Lehrkräften zusammenzustellen, damit unsere Kinder und die Schülerinnen und Schüler an den bayerischen Schulen in naher Zukunft von dem profitieren, was sie erlebt und in den letzten Monaten gemacht haben, nämlich von einem wirklich tollen Baukasten der digitalen Lerninhalte. Ich bin sicher, dass wir in den nächsten Monaten noch einige große und wichtige Schritte erleben werden.
Bitte bleiben Sie noch am Mikrofon, Herr Kollege Gotthardt. – Es gibt eine Zwischenbemerkung von Herrn Kollegen Matthias Fischbach von der FDP-Fraktion.
Sehr geehrter Herr Kollege Gotthardt, Sie haben gerade erwähnt, Bayern läge bei digitalen Lernmedien an der Spitze. Als ein Beispiel haben Sie das mBook genannt, das in der Uni Eichstätt-Ingolstadt unter anderem von einem Professor für Geschichte als erstes digitales Schulbuch entwickelt worden ist. Dieses Schulbuch wurde aber nicht zuerst in Bayern, sondern in NRW zugelassen.
Woran liegt das Ganze? – Wenn Sie mit den Gründern sprechen, finden Sie heraus, dass es an der Kultusbürokratie in Bayern gescheitert ist, weil bei einem multimedialen Schulbuch unter anderem gefordert worden ist, das Ganze in Papierform haben zu können. Der Gründer hat sich gefragt, wie er denn ein Video in Papierform ausdrucken soll, ob also jeder Frame einzeln ausgedruckt werden soll. Das ist nur ein Beispiel.
Ich weiß, seit 2014 hat sich das etwas geändert; allerdings muss man schon sagen, dass wir immer noch hinterher und noch weit von der Spitze entfernt sind, lieber Herr Kollege.
Nein, sind wir nicht. Sie haben ein Projekt herausgegriffen, auf das ich gar nicht mehr eingehe, weil ich nicht eines besser– oder schlechterreden möchte als das andere. Wichtig ist, dass wir erkannt haben, dass sich der digitale Fortschritt bei den Lerninhalten nicht an einem Schulbuchverlag und einem Schulbuch festmachen lässt, sondern dass es sich dabei um eine riesige Aufgabe handelt, die wir angehen müssen.
Ich sage ganz ehrlich: Wir konnten uns vor zwei Jahren noch nicht vorstellen, was in dem Bereich möglich ist. Sie haben doch sicher auch bei Ihren Schulbesuchen gesagt bekommen und gelernt, dass wir einen Quantensprung erlebt haben. Dieser Quantensprung, den jetzt auch die Lehrkräfte erleben, spüren und voller Tatendrang fortsetzen wollen, ist Grundlage für die weitere Entwicklung. Es ist doch
genau der richtige Ansatz, nicht am grünen Tisch irgendetwas zu entwickeln, sondern gemeinsam mit den Lehrkräften zu schauen, wie digitale Lerninhalte an unseren Schulen vorkommen können. Ich bin davon überzeugt, dass wir in Bayern unabhängig von allen vorherigen Projekten, die sehr gute Impulse gegeben haben, den richtigen Weg gehen.