Protocol of the Session on April 22, 2009

Es ist auch nicht so, dass ich nicht mit Vertretern solcher Initiativen gesprochen hätte. Lange bevor sie den Antrag gestellt haben, haben wir uns im Neckar-Odenwald-Kreis bei einem Termin getroffen und darüber gesprochen.

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Aber geholfen hat es nichts!)

Ich habe schon damals deutlich gemacht, dass für uns ein Schulversuch, der auf irgendeinem Weg zu G 9 zurückführt, kein zukunftweisender Schulversuch ist. Deswegen haben wir auch sehr schnell entschieden, als trotzdem ein solcher Antrag gestellt wurde.

Wir wollen mit der Qualitätsoffensive Gymnasium 2008 eine allgemeine pädagogische Weiterentwicklung des Gymnasiums unterstützen. Wir wollen die neuen Freiräume und Verantwortlichkeiten der Schulen weder eingrenzen noch aufheben. Wir wollen die Schülerinnen und Schüler bestmöglich fördern sowie Belastungen, wo sie als Überforderungen empfunden wurden, spürbar verringern. Dabei wollen wir die hohe fachliche und pädagogische Qualität des Gymnasiums wahren und weiterentwickeln.

Wenn ein Gymnasium unserer Empfehlung folgen will und nur die Hälfte der Poolstunden für eine fachspezifische individuelle Förderung in geteilten Klassen einsetzt, dann wird der Stundenplan eines Gymnasiasten deutlich entlastet, und dies bei einem besonders hohen pädagogischen Gewinn.

Diese individuelle Förderung, das Üben und Vertiefen, wird im neuen G-8-Programm der Hausaufgabenbetreuung fortgesetzt. Dazu bedarf es nur weniger zusätzlicher Deputate. Es bedarf vor allem einer Schulgemeinschaft, in der Schülerinnen und Schüler für Schüler Verantwortung übernehmen und Lehrer dieses Angebot organisieren und koordinieren. Es ist ein finanzierbares und pädagogisch sinnvolles Programm.

Sie haben uns gegenüber den Vorwurf erhoben, es sei eine „Lebenslüge“, dass das G 8 keine Ganztagsschule sei.

(Abg. Renate Rastätter GRÜNE: Ja, genau!)

Nein, es ist vielmehr eine Lebenslüge oder, besser gesagt, eine traurige Verkennung der Realität, zu glauben, dass alle Eltern ihr Kind in einer Ganztagsschule wünschen.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: So ist es! – Abg. Renate Rastätter GRÜNE: So eine nicht! Eine Be- treuungsschule wollen sie nicht!)

Das ist nicht so. Deshalb haben wir in der Qualitätsoffensive Gymnasium Wege aufgezeigt, wie G 8 als Regelschule oder als Ganztagsschule umgesetzt werden kann. Wir dekretieren den Schulen keine Organisationsform. Wir haben ihnen jeden Weg eröffnet, aber wir bestimmen ihn nicht.

Zur zweiten uns unterstellten – ich zitiere wieder – „Lebenslüge“, wir hätten den Stoff im neuen Bildungsplan nicht gekürzt: Immerhin wird erkannt, dass wir die flächendeckende Einführung des achtjährigen Gymnasiums bereits mit der Einführung neuer Bildungspläne gekoppelt haben.

(Beifall des Abg. Dieter Kleinmann FDP/DVP – Abg. Dieter Kleinmann FDP/DVP: Sehr richtig!)

Natürlich wurde dabei die Stofffülle der alten Lehrpläne deutlich reduziert.

Wir unterscheiden zwischen Kerncurriculum und Schulcurriculum, und wir haben auch zahlreiche unterstützende Materialien für die Erarbeitung von Schulcurricula zur Verfügung gestellt. Das bestätigen auch die runden Tische, die zwischen Februar und Mai 2008 Fach für Fach die Bildungspläne auf den Prüfstand gestellt haben.

Weitere Abstriche wären nur noch auf Kosten der hohen Qualität des gymnasialen Bildungsgangs oder gar des Abiturs möglich. Diesen Weg wollen wir ganz sicher nicht einschlagen.

Gleichwohl sehen wir auch Realitäten, die unseren Annahmen entgegenlaufen, pragmatisch ein und lernen daraus. So haben wir – Frau Rastätter, Sie haben es erwähnt – im Herbst 2008 entschieden, dass Vergleichsarbeiten in den weiterführenden Schulen ebenso wie die Diagnosearbeiten in der Grundschule künftig nicht mehr benotet werden. Die ursprüngliche Benotung der Vergleichsarbeiten sollte der Ernsthaftigkeit der Bearbeitung dienen.

Das war eine richtige Absicht. Aus der beabsichtigten Ernsthaftigkeit wurde jedoch wegen einer falschen Aufnahme vor Ort, vielleicht auch wegen einer Diskussion, die in der Elternschaft mit zu großer Verbissenheit geführt wurde, eine eher ängstliche und angstbesetzte Veranstaltung.

(Abg. Renate Rastätter GRÜNE: Ja, genau! Prü- fungsstress!)

Das dient nicht der Erkenntnis, die wir für die Evaluation brauchen. Deswegen haben wir gesagt: Wir verändern dieses Konzept. Wir wollen der Lernstandserhebung gerecht werden und haben den Termin verlegt und die Benotung aufgehoben.

Zwei Punkte möchte ich an dieser Stelle zusammenfassend betonen. Zum Ersten: Das G 8 ist kein „Gymnasium light“. Es kann nicht sein, dass wir an der Qualität des gymnasialen Bildungsgangs und unseres Abiturs Abstriche machen, wenn gleichzeitig Exzellenz an den Universitäten gewollt und gefördert wird.

Zum Zweiten: Die pädagogische Verfassung des achtjährigen Gymnasiums muss in ihrer Komplexität verstanden werden. Sie ist modern, offen, pädagogisch anspruchsvoll, und sie wird vor allem an ganz vielen Orten sehr erfolgreich umgesetzt. Seit seiner Gründung steht das Gymnasium für den Aufbruch in die Moderne, für Emanzipation, für Erziehung junger Menschen zu mündigen Staatsbürgern. Das Gymnasium hält Kritik aus, weil es die Kritikfähigkeit will. Insofern werte ich Ihre Kritik auch als einen Erfolg dieses Bildungsgangs.

Ich danke Ihnen.

(Beifall bei der CDU und der FDP/DVP)

Meine Damen und Herren, es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Wir kommen zur geschäftsordnungsmäßigen Behandlung der Initiativen.

Die Große Anfrage der Fraktion der SPD ist durch die Aussprache erledigt.

(Zuruf von der SPD: Ja!)

Der Antrag der Fraktion GRÜNE, Drucksache 14/2390, erfordert eine Abstimmung. Können wir en bloc abstimmen? –

(Zustimmung der Abg. Renate Rastätter GRÜNE)

Wer diesem Antrag zustimmt, den bitte ich um das Handzeichen. – Gegenprobe! – Enthaltungen? – Der Antrag ist mehrheitlich abgelehnt.

Damit ist Punkt 9 der Tagesordnung erledigt.

Meine Damen und Herren, wir sind am Ende der heutigen Tagesordnung angelangt.

Die nächste Sitzung findet morgen, Donnerstag, 23. April, um 9:30 Uhr statt.

Ich danke Ihnen und schließe die Sitzung.

Schluss: 18:22 Uhr

Anlage 1

Vorschlag

der Fraktion der SPD

Umbesetzungen in verschiedenen Ausschüssen

Ausschuss Funktion scheidet aus tritt ein

Ständiger Ausschuss ordentliches Mitglied Vogt Stoch

Innenausschuss stellvertretendes Mitglied Staiger Stoch

Ausschuss für Schule, stellvertretendes Mitglied Staiger Stoch

Jugend und Sport

Umweltausschuss stellvertretendes Mitglied Staiger Stoch

Sozialausschuss ordentliches Mitglied Staiger Vogt

Ausschuss für Wissenschaft, stellvertretendes Mitglied Vogt Stickelberger

Forschung und Kunst

22. 04. 2009

Claus Schmiedel und Fraktion

Anlage 2