Protocol of the Session on June 25, 2008

(Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Nicht auf uns!)

Sie stellen heraus, wie wichtig die ehrenamtliche Beratung und Begleitung letztendlich ist. Aber das, was Pflegestützpunkte leisten sollen, was das wirklich Neue und Innovative ist, ist ja, dass es weiter gehende Angebote geben soll.

(Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Ja, klar!)

Das bedeutet z. B., dass es, bevor Menschen überhaupt pflegebedürftig werden, die sogenannten aufsuchenden Hilfen gibt – die Ministerin nannte sie „zugehend“. Das heißt, es muss eine professionelle Struktur geben, die natürlich durch Ehrenamtlichkeit ergänzt wird.

Aber Sie können nicht nur immer und immer wieder erzählen: „Es gibt ehrenamtliche Strukturen; die machen eine ganz tolle Arbeit; wunderbar.“ Sie brauchen auch die professionellen Leute und die professionellen Stellen, die den Hintergrund sichern. Das ist mir ein ganz wichtiges Anliegen.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen – Glocke der Präsidentin)

Abschließend möchte ich sagen: Unser Antrag enthält einen Beschlussteil, in dem wir fordern, dem Landtag ein Konzept zur Umsetzung vorzulegen. Das Konzept werden wir gleich noch zur Abstimmung stellen.

Schönen Dank.

(Beifall bei den Grünen – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/ DVP: In den Ausschuss! )

Das Wort erteile ich Frau Abg. Altpeter.

Frau Präsidentin, liebe Kolleginnen, liebe Kollegen! Ich möchte zunächst die Gelegenheit nutzen und einige Dinge richtigstellen, die in einem Sprachgewirr, in einem Begriffsgewirr und auch in einem Kompetenzgewirr untergegangen zu sein scheinen.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD)

Zunächst ist es zwar richtig, dass die Pflegekassen die Pflegestützpunkte einrichten sollen. Dennoch ist die Errichtung von Pflegestützpunkten durch die Pflege- und Krankenkassen nur dann möglich, wenn die oberste Landesbehörde dieses bestimmt.

(Abg. Ursula Haußmann SPD: So ist es!)

Da die oberste Landesbehörde in diesem Punkt gleichzeitig die oberste Kontrollbehörde der Kassen ist, ist es eigentlich ein Armutszeugnis, wenn dann das Land sagt: Wir nehmen hier nur eine moderierende Funktion ein.

(Beifall bei der SPD und der Abg. Bärbl Mielich GRÜNE – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Warum?)

Im Grunde genommen wird damit die Möglichkeit verweigert, das Beratungsangebot für die Menschen im Land zu gestalten.

(Beifall bei der SPD und Abgeordneten der Grünen – Abg. Claus Schmiedel SPD: Sehr richtig!)

Jetzt zu der Aussage, andere Bundesländer hätten nichts getan, Baden-Württemberg sei wie immer vornedran.

(Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Spitze! – Abg. Diet- mar Bachmann FDP/DVP: So ist es!)

Auch dies ist ganz einfach nicht richtig.

(Abg. Claus Schmiedel SPD: So ist es!)

In Rheinland-Pfalz wurden mit finanzieller Förderung des Landes bereits seit 1995 135 Beratungs- und Koordinierungsstellen eingeführt und wurde damit ein niedrigschwelliges, flächendeckendes Beratungs- und Unterstützungsangebot für pflegebedürftige Menschen eingerichtet. Gleichzeitig gibt es dort ein Informations- und Beschwerdetelefon zum Thema Pflege.

Der Freistaat Bayern fördert seit 1. Januar 2007 im Rahmen des „Bayerischen Netzwerks Pflege“ Fachstellen für pflegende Angehörige mit 17 000 € je Kraft. Dabei kommt eine Kraft auf 100 000 Einwohner. Das ist vielleicht weniger, als wir uns wünschen, aber es ist ein Schritt in die richtige Richtung.

(Beifall bei der SPD – Zuruf von der SPD: So ist es!)

Sich hier hinzustellen und zu sagen, man moderiere, ansons ten bleibe aber alles wie immer, die Kassen würden das schon machen, die gesetzlichen Vorgaben kämen ja von Frau Schmidt,

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Das ist unglaublich!)

ist, finde ich, auch aus Ländersicht schon ein bisschen schwach.

(Beifall der Abg. Ursula Haußmann SPD – Abg. Karl Zimmermann CDU: Wer klatscht?)

Auch andere Bundesländer haben bereits die Einführung von Pflegestützpunkten angekündigt und erklärt, sie wollten sich sowohl bei der Gestaltung als auch bei der Finanzierung beteiligen.

Jetzt möchte ich noch etwas ansprechen, was mir in der Diskussion in den letzten Monaten manchmal etwas sauer aufgestoßen ist. Herr Teufel, Sie stehen heute hier für die CDUFraktion und sagen ebenso wie Sie, Frau Sozialministerin, Sie wollten sich für eine sinnvolle, bedarfsgerechte Umsetzung des Pflege-Weiterentwicklungsgesetzes einsetzen.

(Abg. Dieter Hillebrand CDU: Machen wir!)

Sie, Herr Teufel, haben gesagt, der Ausbau der Pflegestützpunkte habe dabei eine besondere Bedeutung, und erklärt: „Wir wollen Doppelstrukturen vermeiden.“ Da haben Sie recht; das möchte ich ausdrücklich sagen.

(Abg. Dieter Hillebrand CDU: Eben! Da sind wir ei- ner Meinung!)

Ich wundere mich nur, weshalb die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU-Bundestagsfraktion, die aus BadenWürttemberg kommt,

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Oje!)

noch bis vor wenigen Wochen hier durch die Lande gerannt ist und jedem, ob er es hören wollte oder nicht, erzählt hat: „Wir brauchen in Baden-Württemberg keine Pflegestützpunkte; denn bei uns ist alles super.“

(Abg. Ursula Haußmann SPD: Keine Ahnung, die Frau! – Abg. Wolfgang Drexler SPD: Das ist un- glaublich! – Abg. Dieter Hillebrand CDU: Sie hören doch sonst nicht auf die CDU-Bundestagsfraktion!)

Dazu muss ich sagen: Gut, dass Sie jetzt erkannt haben, dass ein Bedarf besteht, und von solchen Aussagen Abstand nehmen. Schade nur, dass sich auch viele Träger davon haben beeinflussen lassen.

(Beifall bei der SPD und der Abg. Bärbl Mielich GRÜNE)

Ein sinnvolles Beratungsangebot bedarf einer neutralen Trägerschaft und einer neutralen Beratung, unabhängig von den Kostenträgern und den Leistungsanbietern. Ich finde, hier liegt auch für die Landesregierung die große Herausforderung, dies in Zusammenarbeit mit den Kassen und den anderen Beteilig ten, mit den Trägern der Wohlfahrtspflege, aber auch mit den kommunalen Landesverbänden, gemeinsam zu entwickeln, um für die Menschen im Land eine gute Beratung anzubieten.

(Beifall bei der SPD und der Abg. Bärbl Mielich GRÜNE – Abg. Wolfgang Drexler SPD: Sehr gut!)

Meine Damen und Herren, es liegen keine weiteren Wortmeldungen vor. Wir müssen nun noch über die beiden Anträge befinden.

(Abg. Bärbl Mielich GRÜNE: Beide an den Aus- schuss überweisen!)

Abschnitt I des Antrags der Fraktion GRÜNE, Drucksache 14/1992, ist als Berichtsteil erledigt. Soll über Abschnitt II dieses Antrags abgestimmt werden?

(Abg. Bärbl Mielich GRÜNE: Nein! Überweisung an den Ausschuss! – Abg. Claus Schmiedel SPD: Über- weisen!)

Es wurde die Überweisung an den Sozialausschuss zur weiteren Beratung gewünscht. – Sie stimmen dem zu. Es ist so beschlossen.

Abschnitt I des Antrags der Fraktion der SPD, Drucksache 14/2476, ist als Berichtsteil ebenfalls erledigt. Wie soll mit Abschnitt II verfahren werden?

(Zurufe von der SPD: Ausschussüberweisung!)

Es wurde ebenfalls Überweisung an den Sozialausschuss beantragt. – Sie stimmen dem zu. Es ist so beschlossen.

Tagesordnungspunkt 7 ist damit erledigt.