und sagt deutlich: Wir brauchen für ältere Arbeitnehmer, etwa für ältere Ingenieure, mehr Chancen. Wir haben einen Atlas für Ältere,
wir haben Veranstaltungen, Kongresse gemacht – die Firma Fahrion war hier beispielgebend –, weil wir hier große Probleme insofern haben – da hat Herr Schmiedel recht –, als manche der Großunternehmen in Personalfragen nicht gerade zukunftweisend verfahren sind. Man hat die Leute manchmal etwas unüberlegt vor die Tür gesetzt, man hat 5 000, 10 000 Leute entlassen, und wenn Sie heute auf den Golfplätzen dieser Welt unterwegs sind, dann finden Sie viele Ingenieure, viele Akademiker und viele Naturwissenschaftler, die freigesetzt wurden.
Ich bin der Meinung, wir müssen den Unternehmen ganz klar sagen, dass dies zukünftig vielleicht anders gestaltet werden muss, meine Damen und Herren.
Darüber hinaus ist es ganz klar so, dass wir seit Jahren runde Tische haben, Diskussionen veranstalten. Jedes Jahr versuchen wir, neue Ausbildungsplätze zu finden. Wenn Sie sich einmal die Pressemitteilungen des Wirtschaftsministeriums anschauen würden, wüssten Sie, was wir hier alles unternehmen.
Jetzt muss ich auf die Aussage von Herrn Lehmann zu sprechen kommen. Er sagte, es sei eine Schande, dass nur 30 % der Betriebe ausbilden. Meine Damen und Herren, Sie wissen alle, dass der Anteil der Kleinst- und Kleinbetriebe in Deutschland horrend hoch ist. Es ist einfach so, dass ca. 50 % dieser Betriebe maximal zwei oder drei Mitarbeiter haben. Ich kann als Einmannbetrieb bei den Ansprüchen, die heute an eine Ausbildung gestellt werden, überhaupt nicht ausbilden! Die Grünen sollten sich also vielleicht einmal die Mühe machen, genau zu analysieren, was für Betriebe das sind, was sie herstellen und womit diese Firmen handeln.
Aber, Herr Lehmann, Ihre Internetseite hat mir sehr gut gefallen. Ich finde sie gut. Da schreiben Sie ja:
Eine stärker an der Erwerbstätigkeit ausgerichtete schulische Bildung und Ausbildung ist eine Voraussetzung für die Zukunftsfähigkeit unseres Landes.
Das unterschreibe ich. Da haben Sie völlig recht. Wenn mir aber heute Lehrerinnen und Lehrer sagen: „Wissen Sie, Frau Fauser, Rechtschreibung ist überhaupt nicht wichtig; die Kinder können dafür etwas anderes“, mir andererseits jedoch jeder Meister beim Rundgang durch den Betrieb sagt: „Frau Fauser, die können keinen Dreisatz, kein kleines Einmaleins und können überhaupt nichts mehr schreiben“ – –
Wir sollten daher versuchen – es ist schade, dass der Herr Wissenschaftsminister gerade nicht da ist –,
die Ausbildung an den PHs neu zu orientieren. Wir brauchen ein anderes Denken bezüglich dieser Grundfertigkeiten und in sozialen Fertigkeiten, die die jungen Leute benötigen, damit wir, wie Sie richtig sagen, erreichen können, dass die jungen Menschen für die Zukunft ausgebildet werden.
Ich möchte ein Weiteres sagen: Wir sind gerade dabei, unseren Meister auf europäischer Ebene völlig unter Wert zu verkaufen. Unsere Meister werden so eingestuft, wie das in anderen europäischen Ländern bei angelernten Arbeitern der Fall ist. Unsere Meister können aber etwas, unsere Meister haben eine hervorragende Ausbildung. Unsere Meister sind mindes tens Bachelor Professional.
(Beifall bei der FDP/DVP – Abg. Wolfgang Drexler SPD: Bachelor Professional! Das ist ja unglaublich! – Abg. Thomas Knapp SPD: Wie schreibt man denn das?)
Lieber Herr Kollege Drexler, ich bedanke mich wie stets für Ihre Unterstützung, möchte Ihnen aber sagen: Hier ist dringend ein Umdenken erforderlich. Der Anschlag von Rot-Grün in den letzten Jahren auf die Meisterausbildung lässt im Grunde Schlimmes befürchten. „Meister“ ist ein qualifizierter Ausbildungsabschluss – ähnlich wie das auch bei einer Krankenschwester oder einem Juristen gilt. Wenn ich heute sage: „Ich brauche die Leute nicht mehr“, rationalisiere ich die Plätze für diese Ausbildung, die gute Facharbeiter hervorbringt, für die Zukunft weg.
Ich höre immer, wichtig sei vor allem das Abitur und ein Studium, egal welches, egal, ob ich es brauche oder nicht. Ich habe heute 30 % Architekten
in Baden-Württemberg –, die als Selbstständige im Durchschnitt nur 30 000 € verdienen. Ich kann Ihnen heute jede Menge an Journalisten nennen, die dringend einen Arbeitsplatz suchen. Es gibt in den verschiedensten akademischen Bereichen viele junge Leute, die verzweifelt nach einem Arbeitsplatz suchen. In dieser Hinsicht müssen wir in den Schulen und in den Universitäten vielleicht einmal ansetzen. Der Mensch fängt nicht erst nach dem Abitur und nach einem Studium an, meine Damen und Herren. Wichtig ist vielmehr, welche innere Haltung, welche innere Einstellung der Einzelne hat.
(Beifall bei Abgeordneten der FDP/DVP – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Genau! – Glocke des Präsi- denten)
Ich hoffe, dass wir über dieses Thema in Zukunft weiter diskutieren können. Denn Frauenförderung, Bildung, Ausschöpfung aller Fähigkeiten und Motivation sind für unsere Zukunft wichtig.
Herr Präsident, meine sehr verehrten Damen und Herren! Der Wirtschaftsminister hat jede Unterstützung der CDU-Fraktion, wenn es darum geht, Weiterbildungsoffensiven auch und gerade in Bezug auf die Zielgruppe derjenigen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in unseren Betrieben auf den Weg zu bringen, die 50 Jahre und älter sind. Es muss darum gehen, in unseren Betrieben Lebenserfahrung, Berufserfahrung und soziale Kompetenz nutzbar zu machen. Deswegen, Herr Wirtschaftsminister, sind wir auf diesem Weg an Ihrer Seite.
Herr Schmiedel, mit Verlaub: Bei Ihrem Beitrag wähnte man sich zeitweise in einer anderen Welt. Es überrascht schon, wenn Vertreter der CDU-Fraktion und der FDP/DVP hier unter der Überschrift „Gezielte Zuwanderung“ auf den vehementen Widerstand der SPD stoßen. Bei genauem Zuhören hätten Sie ja die Schwerpunkte dessen, was wir hier gesagt haben, erkennen müssen.
Erste Priorität hat eine breite Qualifizierung. Das haben Sie völlig ausgeblendet. Die zweite Priorität gebührt der gezielten Zuwanderung. Sie sind ausschließlich auf diese Zuwanderungsthematik wie eine „Henne auf den Apfelbutzen“ zugestochen,
weil dies für Sie das vorrangige Thema war. Aber, mit Verlaub, Herr Schmiedel, dazu kann ich nur sagen: „Thema verfehlt.“
Es muss angesichts eines Fachkräftemangels doch erlaubt sein, über eine gezielte Zuwanderung von solchen Personen zu reden,
die hier ausgebildet worden sind und die wir auch einmal befristet in unseren Betrieben einstellen möchten.
Ich finde, wir sollten uns – vielleicht gibt es da einen Schulterschluss – über eine Zuwanderungspolitik unterhalten, die unter dem Motto steht: „Mehr, die uns nützen, und weniger, die uns ausnützen.“ Das muss doch die Devise sein, meine Damen und Herren.