Protocol of the Session on December 14, 2006

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der SPD – Abg. Brigitte Lösch GRÜNE: Aha!)

Deswegen frage ich den Wissenschaftsminister: Wann ist Ihnen denn diese Erkenntnis gekommen? Schon 2002 oder erst jetzt? Darauf hätten wir gern eine Antwort.

Hinzu kommt, dass Sie als zuständiger Minister keinen Widerstand gegen dieses seltsame Konstrukt geleistet haben – 300 Millionen gegen 70 Millionen €, wobei wir bis heute noch nicht wissen, ob tatsächlich 10 Millionen € davon als Provision an Graf Douglas gegangen wären. Sie wissen ja: In erster Linie vertritt er wirtschaftliche Interessen.

Deshalb, Herr Minister: Das Versagen in dieser Frage trägt auch Ihren, sogar ganz besonders Ihren Namen. Ich fordere Sie im Namen meiner Fraktion auf: Sorgen Sie dafür, dass der Platz, den Graf Douglas innehat, schnellstmöglich mit einem Vertreter aus Ihrem Ministerium besetzt wird.

(Beifall bei Abgeordneten der Grünen und der SPD)

Aber auch der Ministerpräsident hat sich nicht mit Ruhm bekleckert. Am 11. Oktober 2006 – das ist noch nicht sehr lange her – weiß Herr Oettinger schon ganz genau, was dem Haus Baden, was der Zähringer-Stiftung – aber die gab es bei ihm, glaube ich, gar nicht – und was dem Land BadenWürttemberg gehört. Kurze Zeit später wird ihm in der FAZ erklärt, dies alles würde gar nicht stimmen, und dann wurde schnell zurückgerudert.

Erst danach hat er eine Arbeitsgruppe eingesetzt. Trotzdem erklärt er sechs Wochen später: „Wir haben keine Fehler

gemacht.“ Warum hat er dann noch eine Arbeitsgruppe einsetzen müssen? Ich finde, es ist schon dreist, zu sagen: Wir machen hier keine Fehler.

(Zuruf des Abg. Dr. Bernhard Lasotta CDU)

Dabei hätte doch eigentlich gar nichts schiefgehen müssen. Der Ministerpräsident hat am 11. Oktober gesagt – bei dem, was er alles gesagt hat, hat man allmählich das Gefühl: das geht irgendwann einmal als „Günthers Märchenstunde“ in die Geschichte des Landtags ein;

(Heiterkeit der Abg. Brigitte Lösch GRÜNE – Zu- ruf der Abg. Ute Vogt SPD)

ich zitiere eine Aussage des Ministerpräsidenten vom 11. Oktober –:

Die letzten zwei Jahre waren von gründlicher Rechtsprüfung und Verhandlungen geprägt.

Das muss man zweimal vorlesen: Die letzten zwei Jahre waren von gründlicher Rechtsprüfung und Verhandlungen geprägt.

(Zuruf des Abg. Stefan Mappus CDU)

Ich frage Sie: Was haben Sie denn gelesen? Haben Sie beispielsweise gelesen, was der Markgraf schon bei der Einsetzung der Stiftung gesagt hat? Er hat gesagt: „All das, was uns gehört hat, ist dem Haus Zähringer verloren gegangen, weil es jetzt in der Stiftung ist. Darüber sind wir jetzt sehr traurig.“ Wenn ich das als Landesregierung in meinen eigenen Akten gelesen hätte, könnte ich doch nicht sagen, das sei alles im Besitz des Hauses Baden.

Herr Siebenmorgen erklärte 1995: „für Baden gerettet“. All das haben Sie anscheinend nicht gelesen.

(Abg. Ute Vogt SPD: Abgesehen von den Geset- zestexten von 1930!)

Ich frage Sie: Wo wurde denn gründlich geprüft? Haben Sie darüber mit Graf Douglas verhandelt? Oder mit wem haben Sie eigentlich verhandelt?

(Abg. Stefan Mappus CDU: Was wollen Sie jetzt eigentlich? Sie haben doch selbst gesagt, Sie woll- ten keinen Untersuchungsausschuss! – Gegenruf der Abg. Brigitte Lösch GRÜNE: Zuhören, Herr Mappus! – Abg. Marianne Wonnay SPD: Jetzt wird es unangenehmer!)

Herr Mappus, ich will Aufklärung. Die haben Sie bisher nicht geleistet.

(Zuruf des Abg. Stefan Mappus CDU)

Jetzt stellt sich die Frage, meine Damen und Herren: Wie regieren Sie eigentlich, wenn Sie nicht zwei Jahre lang Zeit zur Prüfung haben? Das wird dann ja eine Katastrophe.

(Beifall bei den Grünen und der SPD)

Herr Kollege Mappus, die CDU erweckt immer mehr den Eindruck, sie habe das Regieren verlernt.

(Lachen des Abg. Stefan Mappus CDU – Zuruf der Abg. Marianne Wonnay SPD)

Sie bringen ja nicht einmal mehr das Tagesgeschäft routiniert über die Bühne,

(Abg. Stefan Mappus CDU: Ah ja!)

siehe Ladenschlussgesetz oder Gesetz über die Ladenöffnung, wie es jetzt, glaube ich, heißt.

(Abg. Ute Vogt SPD: Studentenwerksgesetz! – Abg. Brigitte Lösch GRÜNE: Das tut weh, gell?)

Die CDU kann sich selten noch – vielleicht war das auch in diesem Fall so – zwischen den Positionen des Fraktionsvorsitzenden und des Ministerpräsidenten entscheiden.

(Abg. Stefan Mappus CDU: Jetzt kommt die Num- mer wieder! Lassen Sie sich doch einmal etwas Neues einfallen! – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: Das ist unwürdig!)

Meine Damen und Herren, der Ministerpräsident hat vor Kurzem erklärt, er könne sich gut vorstellen, unter einem aufgeklärten Monarchen zu regieren.

(Zurufe von der SPD)

Jetzt hat sich das aber alles gedreht. Der Ministerpräsident fährt als Monarch durchs Land, verspricht dieses und jenes, und zu Hause regiert Herr Mappus. Das ist die Realität.

(Heiterkeit und Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Reinhold Gall SPD: Umgekehrt!)

Im Land spricht man schon von der Regierung Mappus/ Oettinger.

(Abg. Stefan Mappus CDU: Sie sind gerade auf der falschen Baustelle tätig! – Zuruf der Abg. Brigitte Lösch GRÜNE)

Nein, ich bin auf der richtigen Baustelle. Ich will zu diesem Scharmützel jetzt nichts mehr sagen.

Ich sage Ihnen: Sie erinnern mich an Thomas Manns Werk „Buddenbrooks“.

(Zuruf des Abg. Stefan Mappus CDU)

Jetzt hören Sie einmal zu.

(Abg. Karl-Wilhelm Röhm CDU: Das ist ein langes Buch!)

Das ist ein langes Buch. Ich bin bis zur vierten Generation gekommen.

(Lachen des Abg. Stefan Mappus CDU)

Deswegen denke ich an die CDU, wenn ich den Teil über die vierte Generation lese. Der Untertitel heißt ja auch „Verfall einer Familie“.

(Heiterkeit bei den Grünen und der SPD – Abg. Dr. Ulrich Noll FDP/DVP: So viel zur Rechtsstaats- partei!)

Dabei räume ich eines ein, Herr Kollege: Im Gegensatz zu Hanno Buddenbrook stehen Sie nicht in der Gefahr, dass Sie an zu viel Sensibilität scheitern werden.

(Heiterkeit und Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Stefan Mappus CDU: Sie müssen nur weiterlesen! Das ändert sich noch!)

Meine Damen und Herren, wir erleben jetzt eine Art gefühlte Große Koalition in Baden-Württemberg.

(Zuruf des Abg. Alfred Winkler SPD)