Protocol of the Session on October 24, 2001

Herr Präsident, ich danke Ihnen dafür. – Herr Oettinger, Sie haben mir in Ihrem Beitrag vorgeworfen, ich hätte Geheimnisse aus der Ausschusssitzung des Umweltausschusses vom 11. Oktober dieses Jahres ausgeplaudert. Dazu darf ich feststellen: Erstens: In dieser Sitzung des Umweltausschusses

(Abg. Oettinger CDU: Herr Präsident!)

wurden keinerlei Beschlüsse gefasst. Deshalb konnte ich davon auch nichts ausplaudern.

(Zuruf von der CDU: Das ist unglaublich!)

Zweitens wurde in dieser Sitzung des Umweltausschusses ein Bericht des Umweltministers vorgelegt. Ich hatte in der Debatte gefragt, inwieweit dieser Bericht öffentlich sei. Mir wurde nach einigem Zögern seitens des Umweltministers dargelegt, diese Aussagen des Berichts könnten auch öffentlich zitiert werden.

(Abg. Drexler SPD: So ist es!)

Als ich aus der Sitzung kam und danach gefragt wurde, habe ich von diesem Recht, das mir im Ausschuss eingeräumt worden war, Gebrauch gemacht.

(Beifall bei den Grünen und der SPD – Abg. Drex- ler SPD: So ist es!)

Ihr Vorwurf, ich hätte mich entgegen parlamentarischen Gewohnheiten verhalten, trifft deshalb schlicht und einfach nicht zu.

(Lebhafte Unruhe bei der CDU)

Punkt 2 – jetzt hören Sie bitte gut zu –, Herr Oettinger: Sie haben behauptet, ich hätte fälschlicherweise gesagt, Herr Müller sei bereits am 28. August informiert worden. Fakt ist: Am 28. August ging der erste Telefonanruf über das Ereignis in Philippsburg im Ministerium ein.

(Anhaltende Unruhe bei der CDU)

Ich räume ein, Herr Oettinger, dass ich in dem Interview im Anschluss an diese Ausschusssitzung nicht genügend zwischen den Begriffen „Minister“ und „Ministerium“ differenziert habe.

(Anhaltende Unruhe – Abg. Oettinger CDU meldet sich zu Wort. – Abg. Oettinger CDU: Herr Präsi- dent! – Zurufe von der CDU, u. a. Abg. Fleischer: Unverschämt! – Glocke des Präsidenten)

Meine Damen und Herren, erstens: Während ein Abgeordneter das Wort hat, gibt es keine zulässigen Wortmeldungen zur Geschäftsordnung.

(Abg. Drexler SPD: So ist es! – Abg. Oettinger CDU: Wie bitte?)

Das sollten alle Mitglieder, insbesondere diejenigen, die schon länger Mitglied dieses Hauses sind, bei dem Bemühen, sofort das Wort zu erhalten, berücksichtigen.

Zweitens: Wenn Sie mich daran hindern, zuzuhören, was der Kollege Witzel sagt, wie soll ich dann beurteilen können,

(Lebhafte Zurufe von der CDU)

ob der Kollege Witzel sich an die Geschäftsordnung hält?

Drittens: Der Präsident bewertet nicht den Inhalt. Herr Abg. Witzel hat einen persönlichen Angriff zurückgewiesen. Er hat aus seiner Sicht die Fakten dargestellt. Ich kann

nicht beurteilen, was im Ausschuss gesagt wurde, was davon richtig ist und was nicht. Es ist auch nicht Aufgabe des Präsidenten, dies zu beurteilen.

(Abg. Drexler SPD: So ist es!)

Bitte schön, Herr Abg. Dr. Witzel, fahren Sie fort.

(Beifall bei Abgeordneten der SPD und der Grü- nen)

Herr Oettinger, da Sie es vielleicht eben im Trubel nicht verstanden haben, darf ich diesen Satz noch einmal wiederholen: Ich räume ein, dass ich in dem Interview im Anschluss an die Ausschusssitzung nicht genügend zwischen den Begriffen „Minister“ und „Ministerium“ differenziert habe.

(Abg. Heiderose Berroth FDP/DVP: Nicht diffe- renziert!)

Das habe ich aber nicht geheim gehalten, sondern das habe ich auch schon der Presse gegenüber geäußert, und in der „Badischen Zeitung“ vom 13. Oktober dieses Jahres ist das auch schriftlich nachzulesen.

(Abg. Alfred Haas CDU: Und jetzt?)

Punkt 3: Herr Müller hat mir vorgeworfen, ich hätte in unzulässiger Weise die Ereignisse im Kernkraftwerk Philippsburg II und in der Wiederaufarbeitungsanlage Karlsruhe in eine Reihe gestellt. Auch das muss ich zurückweisen. Es ist schließlich das Ziel des Atomgesetzes, Leib und Leben vor schädlichen Auswirkungen der Kernenergie zu schützen. Dazu gibt es eine Atomaufsicht, damit dieses Ziel umgesetzt wird. Die ungenügende Atomaufsicht des Landes führte in der WAK Karlsruhe immerhin dazu, dass Personen verstrahlt wurden. Ich sehe da durchaus einen Zusammenhang.

Viertens: Frau Berroth hat mich angegriffen und gesagt, ich hätte aus der Ausschusssitzung etwas anderes erzählt, als sie im Ausschuss erlebt habe. Frau Berroth, mein Fazit im Interview war: Unsere Zweifel an der Atomaufsicht wurden in dieser Ausschusssitzung vom 11. Oktober nicht ausgeräumt. Sie mögen das anders sehen, aber ich sehe das nach wie vor so.

(Beifall bei den Grünen und Abgeordneten der SPD)

Das Wort hat Herr Minister Müller.

Herr Präsident, meine sehr geehrten Damen und Herren! In aller Kürze: Herr Kollege Witzel, wenn Sie darauf verweisen, dass ich den Bericht für die Öffentlichkeit freigegeben habe, dann stimmt das. Aber in dem Bericht steht nicht das, was Sie daraus gemacht haben. Könnten Sie mir die Stelle zeigen, wo in dem Bericht steht, ich hätte zugegeben, am 28. August Bescheid gewusst zu haben? Dann würde das stimmen.

(Abg. Dr. Salomon GRÜNE: Das hat er doch gera- de aufgeklärt!)

(Minister Müller)

Ja, ja. Es ist schon interessant: Da kommen solche Schlagzeilen über dpa „Müller wusste...“, und dann kommt vielleicht in der „Badischen Zeitung“ irgendwo ein paar Tage später eine kleine Berichtigung.

(Zuruf des Abg. Walter GRÜNE)

Ich stelle nur fest: Es war objektiv die Unwahrheit. Sie sollten nicht versuchen, die Diskussion zu verlängern, indem Sie sich jetzt auch noch auf meine Freigabe berufen.

(Lebhafter Beifall bei der CDU und der FDP/DVP)

Im Übrigen würde ich nie meine Freigabe zu einer Unwahrheit erteilen.

(Beifall bei der CDU)

Herr Abg. Oettinger, Sie erhalten das Wort. Sie haben auch noch 1:48 Minuten Redezeit.

(Heiterkeit – Zuruf von der CDU: Das reicht!)

Herr Präsident, meine Damen und Herren! Ich will erstens festhalten: Die Wortmeldung des Kollegen Witzel mag ja interessant und wichtig gewesen sein,

(Abg. Bebber SPD: Das ist sein parlamentarisches Recht!)

und wenn das der Fall gewesen wäre, dann hätte die Redezeit des Kollegen Salomon ausgereicht, diese Wortmeldung darin unterzubringen, wenn Kollege Salomon etwas kürzer gesprochen hätte.

(Abg. Dr. Salomon GRÜNE: Er hat ja nicht mich angegriffen, sondern ihn! – Unruhe)

Nur: Eine persönliche Erklärung war es von vorn bis hinten nicht.

(Beifall bei der CDU und Abgeordneten der FDP/ DVP – Abg. Fleischer CDU: So ist es! – Zuruf des Abg. Dr. Salomon GRÜNE)

Wer in der Sachdebatte als Sozialdemokrat oder Grüner formale Regeln im Atomrecht millimetergenau eingehalten haben will, kann nicht im Parlament Parlamentsregeln missachten, wie er es gerade braucht.