Protocol of the Session on June 15, 2023

(Präsidentin Cornelia Seibeld)

regung schlug mein Herz bis zum Hals. Ich sah, daß die Arbeiter sich gegenseitig untergehakt hatten. Ein jeder zog und schob jeden. … Vor der schwarzen Menschenmasse ging ein einzelner Mann: Paul Othma.

Als Paul Othma sich schließlich auf dem zentralen Platz von Bitterfeld als erster Redner über eine Lautsprecheranlage an die Menge, die mittlerweile auf 50 000 bis 70 000 Personen angewachsen war, wandte, sagte er die denkwürdigen Worte – ich zitiere wieder –:

Liebe Freunde! Wenn ich heute eure strahlenden Gesichter sehe, dann möchte ich euch am liebsten umarmen und an mein Herz drücken. Der Tag der Befreiung ist da, die Regierung ist weg, die Tyrannei hat ein Ende.

Dieser Auftritt Paul Othmas, mit dem er die damalige Stimmung auf den Punkt brachte, sollte sein Leben bereits wenige Stunden später auf den Kopf stellen. Noch am Nachmittag erfuhren die Aufständischen, dass sowjetische Panzer auf Bitterfeld zurollten. Paul Othma kehrte an diesem Abend nicht zu seiner Frau zurück, sondern versteckte sich, um nach Bayern fliehen zu können. Er wurde allerdings verraten und nach monatelangen Verhören im November 1953 wegen Boykotthetze als „Feind unserer demokratischen Ordnung“ zu zwölf Jahren Zuchthaus verurteilt. Da er seiner Überzeugung treu blieb und auf dem Standpunkt stand, nur seine Pflicht für sein Volk und sein Vaterland getan zu haben, galt er als unbelehrbar. Er wurde immer wieder von der Gefängnisleitung vorgeladen, um ihm eine vorzeitige Haftentlassung in Aussicht zu stellen, wenn er nur seine Schuld eingestehen würde. Aber er blieb standhaft. Auf ein Gnadengesuch seiner Frau wurde noch im Sommer 1964 geantwortet, dass in seinem Fall die volle Strafverbüßung erforderlich wäre, da, wie es hieß, der Umerziehungsprozess noch nicht abgeschlossen sei. Schließlich befiel die Staatsorgane kurze Zeit später die Angst, Paul Othma könne als Märtyrer in Haft versterben, nachdem er an einer Leberzirrhose erkrankt war, und man verfiel auf die Lüge, das Erziehungsziel wäre als erreicht anzusehen, um ihn vom Westen freikaufen lassen zu können. Paul Othma wurde nach Bitterfeld entlassen und starb 1969, ohne jemals zu erfahren, dass er freigekauft worden war.

Das Schicksal Paul Othmas und vieler anderer mutiger Frauen und Männer des 17. Juni 1953 führt uns vor Augen, dass ein Leben in Freiheit keine Selbstverständlichkeit ist. Ihre persönlichen Geschichten geben dem Aufstand ein Gesicht. Ihr Mut, ihre Standfestigkeit und ihr zum Teil verblüffendes Urteilsvermögen nötigen uns noch heute Respekt ab und sind ein Vorbild auch für unsere Zeit. Deshalb ist es jetzt an uns, ihr Schicksal und die Geschehnisse des 17. Juni dem Vergessen zu entreißen und zu einem positiven Bezugspunkt unserer Geschichte zu machen.

Umso alarmierender sind die Zahlen einer aktuellen Forsa-Umfrage im Auftrag der Bundesstiftung zur Aufarbeitung der SED-Diktatur. Sie zeigen eine beklagenswerte Wissenslücke zum 17. Juni gerade bei jungen Menschen. Nur jeder siebte Befragte im Alter von 14 bis 29 Jahren kann mit dem Datum überhaupt etwas anfangen. Deshalb ist es gut und richtig, dass in beiden vorliegenden Entschließungsanträgen gefordert wird, den 17. Juni wieder stärker im Schulunterricht zu verankern. – Liebe Frau Günther-Wünsch, Sie haben also die Unterstützung des gesamten Hauses, wenn Sie darauf hinwirken, den 17. Juni wieder in den Berliner Rahmenlehrplan aufzunehmen.

[Beifall bei der AfD – Beifall von Kurt Wansner (CDU)]

Ein weiterer wichtiger Punkt, um den 17. Juni wieder präsenter zu machen, ist die Pflege der Gedenkkultur im öffentlichen Raum. Gerade das Denkmal mit dem noch aus dem Juni 1953 stammenden Holzkreuz in Nikolassee ist in einem beklagenswerten Zustand, nicht zuletzt als Folge des langjährigen Behördenwirrwarrs dort. Deshalb ist es sehr zu begrüßen, dass beide Entschließungsanträge den Senat auffordern, den Ort dauerhaft zu pflegen und nötigenfalls instand zu setzen. Bislang war es nicht zuletzt der Vereinigung 17. Juni 1953 e. V. und dem ehrenamtlichen Engagement ihrer Mitglieder zu verdanken, dass der Gedenkort am Autobahnkreuz Kleeblatt überhaupt noch gepflegt wurde. Herzlichen Dank dafür an die Vereinigung 17. Juni!

[Beifall bei der AfD]

Umso befremdlicher erscheint es vor diesem Hintergrund, dass die grüne Bezirksbürgermeisterin von SteglitzZehlendorf, Frau Schellenberg, nun versucht, der Vereinigung 17. Juni eine angemessene Beteiligung am bezirklichen Gedenken zu verweigern. Dabei wusste Frau Schellenberg bis vor Kurzem noch gar nicht, dass es diese Gedenkstätte überhaupt gibt. Eine solche Missachtung der Vereinigung 17. Juni ausgerechnet am 70. Jahrestag des Volksaufstands ist nicht nur ein Mangel an Fingerspitzengefühl, sondern auch eine bodenlose Unverschämtheit gegenüber den ehrenamtlich Engagierten und ein Schlag ins Gesicht der Opfer des SED-Unrechts.

[Beifall bei der AfD – Gunnar Lindemann (AfD): Richtig!]

Die Vereinigung 17. Juni 1953 e. V., deren Beirat Persönlichkeiten wie Eberhard Diepgen und Karl Wilhelm Fricke angehören, hat mehr für das Gedenken an den 17. Juni getan als jede grüne Bezirksbürgermeisterin.

[Beifall bei der AfD]

Ich gehe deshalb davon aus, dass sich das Bezirksamt an dieser Stelle korrigieren und die Vereinigung 17. Juni auch in Zukunft angemessen am Gedenken beteiligen wird. Denn, damit komme ich zum Schluss, die Erinnerung an den 17. Juni darf nicht in Vergessenheit geraten. Das sind wir den Opfern der kommunistischen Diktatur,

das sind wir aber auch uns selbst und den Nachgeborenen schuldig. Ohne eine lebendige Erinnerung an die mutigen Frauen und Männer des 17. Juni bleibt unser nationales Erbe unvollständig. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

[Beifall bei der AfD]

Für die CDU-Fraktion hat jetzt der Kollege Dr. Juhnke das Wort.

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Kolleginnen und Kollegen! Ost-Berlin war als Zentrum der DDR der Kristallisationspunkt der Ereignisse rund um den

17. Juni 1953. In Aufruhr war allerdings der ganze sowjetisch besetzte Teil Deutschlands, gerade auch viele ländliche Gemeinden. Die von der DDR-Regierung beschlossenen Arbeitsnormerhöhungen trafen auf eine bestehende Unzufriedenheit vieler mit den Lebensbedingungen in der DDR. Die SED-Machthaber hatten vorher bereits erheblich an Autorität eingebüßt. Der Generalstreik wurde von Berlin aus ausgerufen. Das Ergebnis war nichts Geringeres als ein Volksaufstand. Insbesondere in der Provinz, wo die Panzer ferner waren, kam es zur regelrechten Machtübernahme durch die Aufständischen. Nur die sowjetische Besatzungsmacht war schließlich in der Lage, den Protest niederzuschlagen und den Status quo ante wiederherzustellen. Doch dieser versprach nur eine scheinbare Ruhe. Der Geist, den die tapferen Männer und Frauen des 17. Juni in die Welt gesetzt hatten, sollte sich nie mehr vollständig durch die Obrigkeit in die Flasche zurückdrängen lassen. Die Angst der DDR-Führung vor dem eigenen Volk, die in Stasi-Überwachung und Mauerbau gipfelte, ist ohne den 17. Juni nicht zu verstehen. Und auch, wenn das Ergebnis des Aufstands die Restitution der alten Herrschaft war, sind insbesondere der Mut der Handelnden und die Tragweite der Ereignisse bemerkenswert. Für mindestens einige teilweise mit Tränen der Freude gefeierte Stunden hatte das SED-Regime die Kontrolle über sein Territorium eingebüßt.

Nicht von ungefähr wurde daher der 17. Juni als nationaler Feiertag im freien Teil Deutschlands bis zur Wiedervereinigung begangen. Nicht umsonst diskutieren wir heute die Ereignisse von damals in einer Aktuellen Stunde und legen dazu eine Entschließung vor. Und aus gutem Grund gab es vor dem Beginn unserer heutigen Plenarsitzung eine Feierstunde aus diesem Anlass. Ich möchte noch einmal Herrn Bundespräsident a. D. Gauck für seine sehr bewegenden und tiefgehenden Ausführungen danken!

[Beifall bei der CDU und der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN]

Gestatten Sie mir auch eine Bemerkung zu meinem Vorredner. Die Einstellung Ihrer Partei und Ihr Verhalten in der Feierstunde mit Bezug auf die um ihre Freiheit kämpfenden Menschen in der Ukraine entwertet alle Ihre Bemühungen um das Erlangen der Deutungshoheit der SED-Aufarbeitung und macht Ihre Ausführungen zur Makulatur.

[Beifall bei der CDU, der SPD, den GRÜNEN und der LINKEN]

Vermutlich hätte niemand eine günstigere Prognose abgegeben, aber nun haben wir es auch durch eine Umfrage schwarz auf weiß, dass das Wissen um den 17. Juni bei vielen, insbesondere Jüngeren, nur noch gering ausgeprägt ist. Das darf uns nicht egal sein. Um dem entgegenzuwirken, haben wir in unserer Entschließung verschiedene Erwartungen an den Senat formuliert. So soll der Jahrestag weiterhin jährlich angemessen gewürdigt und die öffentliche Wahrnehmung für diesen Tag in der Bevölkerung wachgehalten werden. Die historischen Orte und Denkmale werden dauerhaft gepflegt und bei Bedarf instand gesetzt. Der 75. Jahrestag am 17. Juni 2028 wird als einmaliger gesetzlicher Feiertag für Berlin in diesem Sinne begangen und mit einem Maßnahmen- und Veranstaltungskonzept begleitet. Vielleicht noch wichtiger: Der Volksaufstand muss in den Schulen systematischer vermittelt und besprochen werden. Mittelfristig sehe ich auch das Forum für Opposition und Widerstand als einen ganz wichtigen Akteur.

Doch was ist die Erinnerung ohne die Kraft, daraus Erkenntnisse für die Gegenwart und Zukunft zu ziehen? Welche Bedeutung haben die Ereignisse von vor 70 Jahren für uns heute? – Eine Gemeinschaft kann nur erfolgreich bestehen, wenn sie einen ausreichend großen Anteil in Übereinstimmung in Grundfragen besitzt. Das war 1953 im Osten Deutschlands nicht mehr der Fall. Es mangelte an Vielem. Woran es aber nicht mangelte, waren wachsende Erkenntnisse, dass in der DDR die Obrigkeit Privilegien besaß, die mit dem Ideal einer klassenlosen Gesellschaft nicht in Einklang zu bringen waren. Dies bezog sich auf materielle Privilegien, aber auch auf das Privileg, als einzige eine Meinung haben zu dürfen. Dieser Mangel führte somit zu der Situation, wo die DDRGesellschaft mit ihrer Übereinstimmung in Grundfragen an Grenzen gelangt war. Die Reaktion im Unrechtsstaat DDR war der Ruf nach militärischer Gewalt durch die Besatzungsmacht. Es war die Ultima Ratio gefordert, um den puren Machterhalt der SED und einer sozialistischen Gesellschaftsordnung zu sichern – so viel zu den Mechanismen einer Diktatur, zur Reaktion eines Unrechtsstaates.

Doch welche Spielräume hat eine Demokratie? Wie reagiert ein Rechtsstaat auf ein Auseinanderdriften in Grundfragen? Was sind seine Handlungsmöglichkeiten, um gesellschaftliche Konflikte gar nicht erst auf ein Niveau eskalieren zu lassen, wo Menschen bereit sind, einen

(Martin Trefzer)

Aufstand zu erwägen? Diese Frage muss allen wichtig sein, die die Demokratie als ein kostbares Gut erachten. Diese Frage muss allen wichtig sein, die um die Fragilität der Demokratie wissen. Was unsere Gesellschaft resilient macht, ist vor allem Pluralismus, Meinungsfreiheit und der demokratische Diskurs.

[Beifall bei der CDU und der SPD – Vereinzelter Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN]

Das zu schützen und zu leben, ist die vornehmste Aufgabe von uns als Parlamentarier, aber die gesamte staatliche Ordnung, vor allem die Rechtsordnung, hat sich dem zu unterwerfen. Deshalb bin ich stolz darauf, dass in meinem Land jeder seine Meinung sagen kann, solange er es nicht beleidigend oder mit Unwahrheiten unternimmt. Es gibt einen wichtigen Garanten dieser Kundgebungs- und Meinungsfreiheit in Deutschland. Das ist unsere Polizei. Sie schützt das Recht zu demonstrieren und sich öffentlich zu artikulieren. Im Umkehrschluss muss von jedem, der Veränderung und Debatten in unserer Gesellschaft anstoßen will, erwartet werden, dass er sich an die für alle geltenden Spielregeln hält, niemand darf seine Meinung für so überlegen halten, dass er für deren Durchsetzung bereit ist, die Rechte anderer zu verletzen.

[Frank-Christian Hansel (AfD): Das machen Sie permanent!]

Wer mutwillig den Straßenverkehr blockiert, andere nötigt oder Sachen beschädigt, wer das Hausrecht oder die Bannmeile des Deutschen Bundestages verletzt, ja, wer nicht davor zurückschreckt, staatliche Vertreter oder politisch Andersdenkende mit physischer Gewalt anzugreifen, nimmt aktiv an der Delegitimierung unserer Gesellschaftsordnung teil. Er setzt sich außerhalb des demokratischen Konsenses und muss deshalb auch mit den Mitteln des Rechtsstaats zur Verantwortung gezogen werden.

[Beifall bei der CDU – Zuruf von Vasili Franco (GRÜNE)]

Einen weiteren wesentlichen Beitrag zur demokratischen Resilienz durch Pluralismus leisten auch die Medien und die veröffentlichte Meinung in den sozialen Netzwerken oder anderswo. Auch hier gibt es bei allen professionellen Akteuren eine hohe Verantwortung, vor allem in der Frage des Wahrheitsgehaltes und der Trennung von Bericht und eigener Meinung. Die Anforderung an den öffentlich-rechtlichen Rundfunk sind dabei noch höher. Hier tritt neben die Wahrheit und der Trennung von Bericht und Meinung auch noch die Anforderung der politischen Ausgewogenheit. Ein so aufgestellter und ausgewogen agierender öffentlich-rechtlicher Rundfunk ist wesentlicher Bestandteil und ein Erfolgsfaktor für die pluralistische Demokratie.

[Ronald Gläser (AfD): Wo gibt es den denn? – Frank-Christian Hansel (AfD): Wenn es so wäre, Herr Kollege!]

Ihre Ausführungen zeigen, dass Sie das Grundverständnis für eine Demokratie offensichtlich nicht mitbringen,

[Zurufe von Frank-Christian Hansel (AfD) und Carsten Ubbelohde (AfD)]

dass Sie auch nicht verstehen, wie Sie sich einbringen können, und dass wir gemeinsam an dem Werk weiterarbeiten möchten, dass wir hier auch eine pluralistische Gesellschaft erhalten und aufbauen. Sie tun dafür immer nur das Gegenteil.

[Beifall bei der CDU, der SPD und den GRÜNEN – Vereinzelter Beifall bei der LINKEN]

Neben Schlussfolgerungen für den Volkswillen in einer Demokratie erlaubt uns der Volksaufstand aber auch Erkenntnisse aus dem Spezialfall DDR zu ziehen. Ein wesentlicher Konfliktpunkt war damals die angemaßte Allwissenheit der SED-Führung um das vermeintlich wahre Wohl des Volkes. Wenn kollektivistische Ideen davon ausgehen, dass die ganz große Mehrzahl, beziehungsweise im Idealfall alle, homogene Interessen und Bedürfnisse hat, hat das keinen Bezug zum realen Leben. Anders formuliert: Sozialismus und Kommunismus sind mit individueller Freiheit nicht vereinbar – das nur als Hinweis für alle diejenigen, die angesichts großer Herausforderungen der Menschheit die einzige Lösung in kollektiven Mechanismen sehen.

[Katalin Gennburg (LINKE): Oh Gott!]

Das gilt übrigens auch für alle, die sich als die einzigen Vertreter und wahren Kenner des eigentlichen Volkswillens gerieren. In einer wehrhaften Demokratie spielt daher auch der Verfassungsschutz eine wichtige Rolle, um totalitäre Bestrebungen aufzudecken und bekämpfen zu können.

[Zuruf von Gunnar Lindemann (AfD)]

Es gibt also viele Themen, bei denen uns der 17. Juni auch 70 Jahre später noch wertvolle Hinweise geben kann. Gedenken wir der mutigen Männer und Frauen von damals mit Respekt und Ehrfurcht! Gedenken wir der Toten, gedenken wir der physisch oder psychisch lebenslang Gezeichneten mit unserer tiefen Anteilnahme! Gedenken wir, dass 1953 durch die Forderung nach Recht und Freiheit ein Pfad begründet wurde, der knapp vier Jahrzehnte später mit dem Ruf nach Einigkeit und Recht und Freiheit endete. – Ich danke Ihnen für Ihre Aufmerksamkeit!

[Beifall bei der CDU und der SPD]

Vielen Dank, Herr Kollege! – Für die Fraktion Bündnis 90/Die Grünen hat der Kollege Otto das Wort.

(Dr. Robbin Juhnke)

Sehr geehrte Frau Präsidentin! Sehr geehrte Damen und Herren! Ich habe im Vorfeld dieses Tages, dieser Debatte, ein paar Leute gefragt – ein paar jüngere, ein paar ältere –: Was wisst ihr über den 17. Juni? Was bedeutet euch der? – Die Antworten waren sehr unterschiedlich. Es gibt Menschen, die wissen gar nichts darüber, und es gibt andere, die hatten das in der Schule, haben es in der Familie besprochen oder wissen etwas darüber. Die Allerwenigsten von uns verbindet mit dem ehemaligen Bundespräsidenten Gauck, der das als Zeitzeuge erlebt hat, eine Zeitzeugenschaft. Die Allermeisten sind später geboren und kennen das aus Büchern und Erzählungen. Wir müssen uns da heranarbeiten.

Jetzt ist die Frage, wie schlimm es eigentlich ist, wenn Wissen über Gedenktage in unserer Gesellschaft nicht präsent ist. Wie schlimm ist das, wenn man nicht genau weiß, wo der 1. Mai herkommt oder warum wir Pfingstmontag nicht arbeiten müssen? – Ich glaube, beim 17. Juni ist das schlimm. Beim 17. Juni, gerade hier in Berlin, haben wir es mit einem Tag zu tun, der zur Geschichte der Demokratie gehört, zur Geschichte der Demokratie in Berlin und in Deutschland. Wir können eigentlich – ich bin froh, dass das heute schon vom Regierenden Bürgermeister gesagt wurde – nicht genug tun, und wir müssen noch viel mehr tun, damit solches Demokratietun in unserer Gesellschaft präsent ist. Demokratie ist nicht selbstverständlich. Das merken wir jeden Tag.

[Beifall bei den GRÜNEN und der LINKEN – Vereinzelter Beifall bei der CDU und der SPD]