Und das, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete gerade von den rot-rot-grünen Fraktionen, sehr geehrte Kollegin Marx, übersteigt bei Weitem das, was Sie
Ich möchte diese beiden Ursachen kurz beleuchten, erstens die Ursache der Unachtsamkeit. Die deutsche Nachkriegslinguistik, sehr geehrte Kollegen, vollzog unter dem Eindruck der funktionalistischen und strukturalistischen amerikanischen Linguistik die Abkehr von ihrer bisherigen Sprachbetrachtung, die historisch und durchaus sprachloyal an- und ausgelegt war. Jetzt lag die Aufmerksamkeit darauf, ob die Sprache für die Sprachteilnehmer nützlich sei. Sprache musste von nun an kommunikativ funktional und effizient sein. Die Sprache als Spiegel der Nation, wie sie Friedrich Schiller mal beschrieben hat, oder sogar als Haus des Seins, wie sie von Martin Heidegger mal eingeordnet worden ist, geriet immer mehr aus dem Blickfeld. Dazu kam der sanfte amerikanische Kulturimperialismus. Die Westdeutschen ließen sich bereitwillig disneyfizieren, cocakolonisieren und mcdonaldalisieren.
Mediale Sprachverhunzer, effekthaschende Reklamefuzzis und globalisierungsversessene Unternehmer griffen immer häufiger auf ein meist erbärmliches Englisch zurück, anstatt auf ein viel naheliegenderes Wunderwerk an Rhythmus, Reichtum der Ausdrücklichkeit und messerscharfer Präzision zu setzen – der deutschen Sprache.
Sprachkraft und Sprachloyalität, die in unserer alten Kulturnation über Jahrhunderte lang ausgeprägt waren, verloren sich immer mehr und sind heute kaum noch zu erkennen. Man kann das sehr gut an der Tendenz zum Verzicht auf die Lehnübersetzung erkennen. In den 50er-Jahren wurde aus einem Pocketbook noch ein Taschenbuch, heute bleibt das E-Book ein E-Book. Der Verein Deutsche Sprache zählt in seinem Anglizismenindex 8.000 Anglizismen auf. Nur 20 Prozent der in dieser Liste enthaltenen Einträge werden als ergänzend oder sprachdifferenzierend eingestuft wie beispielsweise Dumpingpreis, leasen und Rowdy. Sale, cash und Casting gehören zu den 80 Prozent der überflüssigen, weil gut übersetzbaren Anglizismen. Der Verein Deutsche Sprache hat übrigens einen Aufruf gegen den Genderunfug gestartet, der sehr erfolgreich angelaufen ist. Mittlerweile haben 36.000 Menschen diesen Aufruf unterschrieben. Im Namen der AfDFraktion möchte ich auch weiterhin dafür Werbung machen und dazu aufrufen, diesen Aufruf kräftig zu unterstützen.
Jetzt bin ich beim Gendern, also bei der zweiten Ursache, die das verbindende Band – die deutsche Sprache – zerstört, nämlich die Sprachmanipulation durch Ideologen. An der Stelle muss ich etwas tun, von dem ich eigentlich nicht gedacht hätte, dass ich es einmal tun müsste. Ich muss den ehemaligen Bundestagspräsidenten Wolfgang Thierse loben. Ja, der Wolfgang Thierse. Wolfgang Thierse hat vor einigen Wochen einen klugen Beitrag in der FAZ geschrieben, indem er die linke identitätspolitische Sprachmanipulation via Gendern scharf kritisierte. Er führt aus: Wenn Vielfalt friedlich gelebt werden solle, dann müsse diese Pluralität mehr sein als das bloße Nebeneinander von sich nicht nur unterscheidenden, sondern auch abgrenzenden Minderheiten und Identitäten. Dann bedürfe es grundlegender Gemeinsamkeiten, zu denen selbstverständlich die gemeinsame Sprache gehöre, Diversitätsbeauftragte – so der gute Vorschlag von Wolfgang Thierse – sollten gleichzeitig Gemeinschaftsbeauftragte sein. So führte er aus. Gratulation, Herr Thierse.
Nach dieser Backpfeife von Herrn Thierse gab es dann noch einen kräftigen Tritt gegen das Schienbein für die linken Identitätspolitiker. Thierse wörtlich, ich zitiere: „In ihrer Entschiedenheit ist sie in der Gefahr, nicht akzeptieren zu können“ – ich spreche von der linken Identitätspolitik –, „dass nicht nur Minderheiten, sondern auch Mehrheiten berechtigte kulturelle Ansprüche haben und diese nicht als bloß konservativ oder reaktionär oder gar als rassistisch denunziert werden [dürfen].“ Wolfgang Thierse.
Natürlich, muss man sagen, geriet Wolfgang Thierse sofort ins Kreuzverhör der bekannten Gutmenschen, der Genderaktivisten und anderer Extremisten aus den eigenen Reihen und in der eigenen Partei. Wir wissen nicht, ob Wolfgang Thierse auch den Thilo Sarrazin machen muss. Ich wünsche es ihm persönlich nicht. Was wir aber wissen, sehr geehrte Damen und Herren: Eine sehr deutliche Mehrheit der Deutschen lehnt das sogenannte Gendern in der Sprache ab. Dieser Tage erst bestätigte eine Infratest-dimap-Umfrage, dass 65 Prozent der Bevölkerung nichts von einer stärkeren Berücksichtigung unterschiedlicher Geschlechter in der Sprache halten. Der Umfrage zufolge stellt sich sogar eine Mehrheit unter den Anhängern der Grünen – hört, hört – gegen das Gender-Blabla. In unserem Nachbarland Frankreich ist man schon einen Schritt weiter. Dort ist das Gendern an der Schule jüngst
explizit untersagt worden. Zudem liegt der Nationalversammlung ein Gesetzentwurf der Macron-Regierung vor, mit dem das Gendern in öffentlichen Einrichtungen verboten werden soll.
Sehr geehrte Damen und Herren, noch mal: Ja, Sprache wandelt sich ständig. Das kann und das will und das wird kein vernünftiger Mensch in Abrede stellen. Was man aber aufhalten muss und was man auch aufhalten kann, wenn man den politischen Willen besitzt – wir besitzen ihn als AfDFraktion –, ist die Sprachmanipulation durch Ideologen und die Zerstörung der Sprache durch Unachtsamkeit. Das zeigt sich übrigens auch in der Corona-Krise, die auch eine Sprachkrise geworden ist – leider, muss ich sagen und das abschließend betonen. Wenn sich die verantwortlichen Politiker in Deutschland nicht schämen, von Shutdown, Lockdown, social Distancing, Superspreader, Homeoffice, Homeschooling, Click and Meet usw. zu sprechen, dann muss dieser Ignoranz ein Riegel vorgeschoben werden.
Ja, sehr geehrte Kollegen Abgeordnete, wir als AfD sind der Meinung, dass die Angehörigen einer Sprachgemeinschaft das Recht haben, von den regierenden Politikern, von den verantwortlichen Politikern in ihrer Muttersprache angeredet zu werden. Punkt und Ausrufezeichen!
Und wenn sich ein Virus auch dadurch verbreitet, dass Millionen nicht von Verhaltensaufrufen in der Landessprache erreicht werden können – über 50 Prozent der Corona-Intensivpatienten haben einen Migrationshintergrund, wie wir wissen –, dann muss die Politik unmissverständlich klarmachen, Deutsch lernen ist eine Bringpflicht für diejenigen, die hier mit uns zusammenleben wollen. Damit unser Staat funktioniert und weil wir es uns wert sind, gehört Deutsch in die Landesverfassung. Deswegen bitte ich um die Zustimmung für die Überweisung an den Ausschuss. Herzlichen Dank für Ihre Aufmerksamkeit.
Vielen Dank. Ich weise hier noch mal auf die Pflicht zum Tragen einer Maske hin. Gibt es weitere Wortmeldungen? Abgeordnete Baum von der Fraktion der FDP, bitte.
Danke, Herr Präsident. Es ist eigentlich nur ganz kurz für die Zuschauerinnen und Zuschauer am Livestream, die dieser Sache hier folgen und die nicht mehr nachvollziehen können, worum es jetzt hier eigentlich geht. Die AfD-Fraktion möchte in die Verfassung schreiben: Die Sprache des Freistaats Thüringen ist Deutsch. Alles das, was Herr Höcke hier gerade ausgeführt hat, wird dieser Satz in der Verfassung nicht ändern. Danke.
Wenn es keine Wortmeldungen mehr gibt, dann kommen wir zur Abstimmung. Ausschussüberweisung an den Verfassungsausschuss – oder? Ja. Dann stimmen wir darüber ab, ob dieser Antrag an den Verfassungsausschuss überwiesen wird. Wer ist für die Überweisung? Das ist die Fraktion der AfD. Wer ist dagegen?
Das sind die Fraktionen Die Linke, Bündnis 90/Die Grünen, SPD, FDP und CDU. Gibt es Enthaltungen? Das sehe ich nicht. Damit ist der Antrag nicht an den Ausschuss überwiesen.
Dann schließe ich diesen Tagesordnungspunkt und damit auch die Sitzung für heute. Ich wünsche Ihnen allen einen guten Heimweg und kommen Sie frisch erholt morgen um 9.00 Uhr wieder hier in den Plenarsaal. Danke.