Protocol of the Session on May 15, 2020

(Beifall AfD)

Das Gleiche mit der Forderung nach Zulagen für Lehrer in ländlichen Regionen oder das geforderte Zulagensystem, um Leistungsanreize zu schaffen und Engagement zu belohnen. Auch dies hatten wir in unserem Antrag 2017, den Sie abgelehnt haben, bereits drin. Ich freue mich aber, dass Sie nun endlich zur Vernunft gekommen sind und unsere Forderung auch mittragen.

(Beifall AfD)

In Ihrem vorgelegten Antrag sind aber einige Vorschläge, die ich nicht so ohne Weiteres teilen kann, einiges davon halte ich sogar für sehr bedenklich bzw. wenigstens diskussionswürdig. Insbesondere ist das der Punkt 14 Ihres Forderungskatalogs, in dem Sie Lehrern ermöglichen wollen, freiwillig den Beschäftigungsumfang über das Stundendeputat hinaus zu erhöhen. Wir haben an nahezu allen Schulen einen Lehrermangel. Das heißt, der Passus, den Sie angehängt haben, „wenn dies aus dienstlichen Gründen erforderlich ist“, greift nahezu überall. Wenn das Stundendeputat aber geöffnet wird, kann es dazu führen, dass Lehrer sich gezwungen oder genötigt sehen, mehr Stunden zu geben, sei es aufgrund von Dienstbeflissenheit oder aber auch Verantwortungsgefühl gegenüber den Schülern. Ich kann das Ansinnen durchaus verstehen, sehe hier aber die Gefahr des Missbrauchs und dass Gutmütigkeit ausgenutzt wird. Ziel, liebe CDU, muss doch aber sein, dass die Personalsituation wieder so wird, dass Lehrer mit ihrem Stundendeputat gefälligst auch auskommen.

(Beifall AfD)

Eine weitere Forderung Ihres Antrags, die wir nicht teilen, ist der Punkt 2, dass zukünftige Lehrkräfte aller Schularten eingangs die Entgeltgruppe E13 bekommen sollen. Wir sind prinzipiell dafür, dass Lehrer angemessen bezahlt werden und auch die entsprechende finanzielle Wertschätzung erfahren. Wir sind auch dafür, dass Grundschullehrer besser verdienen sollen. Dann müssen wir aber über eine generelle Erhöhung aller Eingangsbesoldungen der Lehrämter diskutieren und nicht über eine fehlgeleitete Gleichmacherei.

(Beifall AfD)

Es gibt nicht nur in der Ausbildung, sondern auch bei den Tätigkeiten der Verantwortung gewaltige

Unterschiede zwischen Grundschullehrern und Gymnasiallehrern. Die Einschätzung teilt nicht nur das bisherige Besoldungsrecht, sondern auch die Bundesvorsitzende des Deutschen Philologenverbandes Frau Prof. Dr. Lin-Klitzing. Im August 2019 erklärte sie in einer Pressemitteilung – ich darf zitieren –: „Eine Höherstufung der Eingangsbesoldung für die Grundschullehrkräfte ist nur dann akzeptabel, wenn gleichzeitig eine Höherstufung der Eingangsbesoldung für die Gymnasiallehrkräfte erfolgt!“

(Zwischenruf Abg. Wolf, DIE LINKE: Grund- schullehrer organisieren die null – null!)

Dem ist nichts hinzuzufügen und darüber werden wir im Ausschuss diskutieren müssen.

Nichtsdestotrotz geht der Antrag in die richtige Richtung und enthält viele gute Forderungen. Deswegen werden wir einer Ausschussüberweisung auch zustimmen.

Doch eine Frage, liebe CDU, muss an dieser Stelle noch gestattet werden. Wie wollen Sie das Ganze denn umsetzen? Mit Rot-Rot-Grün werden Sie viele der vorgelegten Forderungen nicht erreichen können und das ist Ihnen auch ganz klar. Sie haben sich in eine Rolle begeben, die man als Kuschelopposition bezeichnen kann oder nach dem Postengeschacher heute Morgen, was wir beim MDRStaatsvertrag mitbekommen haben, nennt man es vielleicht besser Opposition mit gewissen Vorzügen.

(Beifall AfD)

(Zwischenruf Abg. Blechschmidt, DIE LINKE: Was ist denn da Postenschacherei?)

Eine Scheinopposition sind Sie geworden, die alles, was von der Regierung kommt, fröhlich abnickt. In diesem Hause gebe es aber sehr wohl auch Mehrheiten, mit denen Sie einen Großteil der hier geforderten Forderungen auch umsetzen können, die müssten Sie nur nutzen. Sie haben sich aber mit Ihrem sogenannten Stabilitätsmechanismus nur selbst kastriert – herzlichen Glückwunsch!

(Beifall AfD)

Als nächster Redner erhält Abgeordneter Wolf von den Linken das Wort.

Sehr geehrter Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen hier im Hohen Haus, ja, es ist so, bei der Thüringer Bildungspolitik ist viel zu lange viel zu viel liegen geblieben. Aber ja, es ist eben

(Abg. Jankowski)

auch so, die Herausforderungen stellen sich auch immer wieder neu, wie wir gerade in den jetzigen Tagen sehen. Denen müssen sich auch immer wieder die verantwortlichen Politikerinnen und Politiker stellen. Da ist es gut, wenn eine große Fraktion hier im Haus wie die CDU mit ihrem bildungspolitischen Sprecher durchaus anerkennt, dass das, was da über Jahre gelaufen ist, nicht unbedingt immer richtig war, und jetzt Vorschläge unterbreitet, wie man es richtiger machen kann. Denn ehrlich gesagt – ich weiß nicht, wie es Ihnen geht –, habe ich jetzt eben von dem Vertreter der rechts außen sitzenden und auch agierenden Fraktion null Vorschläge gehört, außer dass alles so bleiben soll, wie es ist. Wer das will, dass es so bleibt, wie es ist, der will eigentlich nicht, dass es erhalten bleibt. Denn gerade in der Bildung wissen wir, dass in der stetigen Veränderung der eigentliche Kern liegt. Und deswegen ist es richtig, dass wir intensiv in den demokratischen Fraktionen diskutieren, wie es weitergeht. Denn die Herausforderungen sind doch jedem klar: Wir haben Stundenausfall, wir haben Lehrermangel, wir haben viele Schülerinnen und Schüler, die aus ihren unterschiedlichen Hintergründen heraus Probleme haben, dem Schulalltag zu folgen, Probleme haben, den Anforderungen zu genügen, etc. Vor allen Dingen haben wir natürlich auch immer wieder den Blick dafür, was insgesamt mit dem Schulsystem wird.

Da ist es so, dass wir in der sechsten Legislaturperiode als rot-rot-grüne Regierung sehr viel vorgelegt haben. Ich will hier nur einiges benennen: Wir haben unter anderem das Personalabbaukonzept der CDU abgeschafft. 4.200 Stellen konnten so im Schulbereich erhalten bleiben. Wir haben ein Schulbauinvestprogramm initiiert und wollen das auch weiter fortführen – allein 350 Millionen Euro für die Sanierung und den Neubau von Schulen, da sind wir mitten auf dem Weg und da ist jeder Euro gut investiertes Geld.

Wir haben eine deutlich bessere Bezahlung von Lehrerinnen und Lehrern erreicht, unter anderem, Kollegin Rothe-Beinlich hat es schon gesagt, die A13/E13 für die Regelschullehrer und ja, auch die Kolleginnen und Kollegen zum Beispiel mit der Grundschullehrbefähigung, mit Lehramt an den Förderzentren haben wir alle in die A13 gehoben.

Wir haben die Horte zurückgeholt und haben dort die Beschäftigungsumfänge deutlich erhöht. Wir haben ein Schulbudget von 30 Euro pro Schülerin und Schüler geschaffen: Immerhin 6 Millionen Euro. Wir haben damit auch die Eigenverantwortung der Schulen gestärkt. Wir haben mit einer Lehrergewinnungskampagne in Höhe von jeweils 600.000 Euro im Jahr deutlich gemacht, worum es uns vor allen

Dingen geht, nämlich nach außen zu sagen: Wir sind mit unseren mehr als 800 staatlichen Schulen ein attraktiver Arbeitgeber, bewerbt euch bei uns, studiert auf Lehramt. Es lohnt sich.

Und nicht zuletzt: Wir haben 300 zusätzliche Stellen für den Vorbereitungsdienst geschaffen. Das ist eine Verdopplung von dem, was die CDU gefordert hat. Natürlich gab es auch die Verbeamtung, die nicht jeder Fraktion leicht gefallen ist, auch meiner Fraktion nicht. Die haben wir wieder eingeführt. Die Einstellungsrichtlinie wurde mehrfach überarbeitet und verbessert. Schulscharfe Einstellungsverfahren sind möglich. Und die Einstellungstermine sind freigegeben worden. Wir hatten sonst zwei Einstellungstermine, jetzt wird jede Stelle neu besetzt, wenn sie frei wird.

Wir haben jetzt auch von zwei auf vier Einstellungstermine für den Vorbereitungsdienst erhöht. Auch dort haben wir reagiert, damit junge Menschen, die vom Studium kommen, auch in Thüringen ihren Vorbereitungsdienst machen können. In CoronaZeiten haben wir damit nicht aufgehört. Allein in den ersten drei Monaten – Sie konnten es auch der Presse entnehmen – wurden 274 neue Lehrerinnen und Lehrer in Thüringen eingestellt. Das war unter diesen Voraussetzungen mit Videoeinstellungsverfahren – das ganze rechtssicher zu machen, etc. – ein großer Kraftakt und ich danke allen, die daran teilhatten, dass uns das möglich geworden ist,

(Beifall DIE LINKE)

dass wir auch in dieser Zeit junge Lehrerinnen und Lehrer in den Schuldienst bringen konnten. Warum sage ich das? Es ist eben ein ständiger Prozess, in dem wir stehen, und dieser Prozess muss transparent und auf breitester Basis geführt werden. Herr Tischner und die CDU-Fraktion waren dabei immer eingeladen – und zwar von der ersten Reformkommission „Schule“ beim Ministerpräsidenten bis heute –, an diesem Prozess teilzuhaben. Zuerst haben sich Kollege Tischner und die CDU-Fraktion etwas geziert, mittlerweile ist es so, dass das Ministerium einlädt zur nächsten Runde in dem Dialogprozess und der Dialoggruppe „Dialog Schule 2030“ mit Kollegen Tischner, Kollegin Baum, aber auch Vertreterinnen und Vertretern der Regierungsfraktionen im Bildungsbereich zu einem breiten Prozess in sieben Arbeitsgruppen – ich lese es Ihnen gern mal vor, damit Sie mal wissen, worum es geht –:

(Zwischenruf Abg. Höcke, AfD: Nein!)

Aus- und Fortbildung, besserer Unterricht, Schulentwicklung, Aufgaben Schule, da geht es natürlich auch um Bürokratieabbau, Planungsabstimmung, wo sind Probleme, die wir angehen müssen, und

natürlich auch Ganztag, das heißt Hortbetreuung. Das sind die sieben Werkstattgruppen.

In diesem Prozess arbeiten nicht nur das ThILLM und die Schulämter und die Universitäten und die Verbände und Gewerkschaften, sondern es ist noch breiter angelegt, so arbeiten Schulleiterinnen und Schulleiter mit. Und aus diesem Prozess heraus sollen Vorschläge kommen, die uns in die Lage versetzen, schnell und umfassend weitere Maßnahmen zu ergreifen, damit das, was Kollege Tischner in seinem Antrag benannt hat, nicht weiter Raum greift, damit wir weiterhin Lösungsansätze erarbeiten auf breitester fachwissenschaftlicher, gesellschaftlicher, politischer Basis.

Damit werden wir uns beschäftigen, sowohl im Ausschuss als auch, denke ich mir, hier im Plenum, denn vieles von dem wird Gesetze – das Haushaltsgesetz, aber auch das Schulgesetz –, aber auch Verordnungen etc. beinhalten. Da ist es natürlich richtig, wenn die CDU schon vorher sagt, was ihre Vorstellungen sind. Es ist zumindest verständlich, deswegen ist es auch gut, wenn wir diesen Antrag von der CDU jetzt an den Ausschuss überweisen, damit wir mit diesen Ergebnissen aus dem „Dialog Schule 2030“ von den vielen Fachleuten, die dort sitzen, das noch einmal gegenspiegeln und sagen: Hier haben wir vielleicht noch etwas, was wir von der CDU mit übernehmen können oder von der FDP oder von den Grünen, von den Linken, von der SPD, was sozusagen aus dem Programm kommt und wo wir gemeinsam auf einer breiten gesellschaftlichen, fachwissenschaftlichen und politischen Ebene miteinander das Beste für die Schulen und damit das Beste für die Schülerinnen und Schüler erreichen. Denn darauf kommt es an. Das muss auch die Verlässlichkeit dabei sein, dass wir hier nicht nur in Zwist gehen. Auseinandersetzungen gibt es immer. Es ist schon viel gesagt worden, deswegen will ich jetzt gar nicht weiter darauf eingehen, ob ein gegliedertes Schulsystem oder stufenbezogen oder schulartbezogen etc. Da wird uns noch genügend Stoff zur Diskussion und zur Auseinandersetzung bleiben. Aber daran, wo es wirklich darum geht, was uns diejenigen, die jeden Tag im System stehen, für Empfehlungen geben, sollten wir uns orientieren. Und das werden wir auch machen.

Deswegen bin ich auch dankbar für diesen ganzen Prozess, der vom Ministerpräsidenten initiiert worden ist und der jetzt sehr verantwortungsvoll und sehr gut vom Bildungsminister weitergeführt wird,

(Beifall DIE LINKE)

sodass wir dort auch wirklich die Maßnahmen haben ergreifen und umsetzen können, damit jeder

Schüler und jede Schülerin, damit alle Eltern wissen: Diese Landesregierung und die demokratischen Fraktionen im Thüringer Landtag sind ernsthaft dabei, die besten Bedingungen für die Schulen zu erhalten und zu erarbeiten. Vielen Dank, meine Damen und Herren.

(Beifall DIE LINKE, BÜNDNIS 90/DIE GRÜ- NEN)

Als nächste Rednerin erhält Abgeordnete Baum von der Fraktion der FDP das Wort.

Herr Präsident, sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen Abgeordnete! Mit motivierten und gut ausgebildeten Lehrkräften steht und fällt der Alltag von Tausenden Schülerinnen und Schülern in Thüringen

(Beifall FDP)

und mit ihnen steht und fällt das Thüringer Schulsystem. Dass wir in Thüringen unglaublich motivierte und engagierte Lehrerinnen und Lehrer haben, das haben wir – ich glaube, da sind wir uns alle einig – in den letzten Wochen deutlicher gesehen als zuvor, zumindest sehr deutlich gesehen.

(Beifall FDP)

Das Problem ist, es sind nicht genug, um alle Stunden zu halten, alle Fächer zu geben und in allen Fächern Noten auf dem Zeugnis zu haben. Und es sind nicht genug, um Erkrankte zu ersetzen und all die Zusatzaufgaben zu erfüllen, die sich gerade jetzt auch in der Krise gezeigt haben, zum Beispiel Medienkonzepte für den Digitalpakt, Schulwebseiten, dann sich gleichzeitig fortbilden und Anwärter oder Seiteneinsteiger anlernen. Da hat die Politik in den letzten Jahren keine zufriedenstellenden Lösungen gefunden. Insofern begrüße ich den vorliegenden Antrag der Kollegen von der CDU grundsätzlich sehr. Im Gegensatz zu Herrn Jankowski kann ich gut damit leben, wenn die Probleme jetzt angegangen werden, denn für das Gewesene gibt einem bekanntlich keiner etwas.

(Beifall CDU, FDP)

Auch wenn ich sagen muss, dass es sich hier um einen ziemlichen Rundumschlag handelt, liebe Kollegen, und ich auch nicht mit allen Punkten mitgehen kann, aber als interessante Diskussionsgrundlage für den Bildungsausschuss eignet er sich allemal, und daran beteiligen wir uns sehr gern.

Es ist auf viele der Punkte bereits eingegangen worden. Lassen Sie mich bitte ein Thema aufgreifen, das mir am Herzen liegt, weil ich dazu in den

(Abg. Wolf)

letzten Wochen viele persönliche Gespräche hatte und wozu leider immer gesagt wird: Ja, das läuft schon, das haben wir schon im Griff und da geht es voran. Menschen, die Thüringen als Lehrkraft bereichern können – junge Lehrer – müssen auch spüren, dass sie hier gewollt, gebraucht und geschätzt werden.

(Beifall FDP)