Das Bauhaus steht für kreatives Lernen, für interdisziplinären Austausch. Die Bauhausschule stand für Innovation, Offenheit und Experimentierfreude. Hierbei sind Handwerk und Kultur auf einzigartige Weise miteinander verbunden worden.
Die Art der Architektur und der Gestaltung folgte der Funktion. Das ist gewiss nicht jedermanns Geschmack, aber die Kunst des Bau- hauses muss unbedingt in den zeitgeschichtlichen Kontext eingeordnet werden. Das tun wir auch in anderen kulturellen Bereichen, wie in der Betrachtung klassischer Musik. Wer hier den heutigen Blickwinkel oder gar den eigenen Geschmack als Maßstab anlegt, der geht am Thema vorbei.
Das Bauhaus hatte damals eine Berechtigung und Bedeutung. Das ist heute für unser Bundesland kulturgeschichtlich von großem Belang. Der puristisch schlichte Ansatz, den die Bauhausschule verfolgte, wäre auch der AfD in ihrer Vorgehensweise anzuraten. Manchmal ist weniger einfach mehr.
Vielen Dank, Herr Schumann. - Der letzte Redner in der Debatte ist Herr Dr. Tillschneider von der AfD-Fraktion.
Erst einmal zur Ministerin. Man könnte in Dessau natürlich auch den Gegenbewegungen zum Bauhaus etwas mehr Raum geben - im Rahmen einer ausgewogenen Würdigung. Das ist unser Anliegen. Dann wollen wir natürlich, dass die Berufung auf das Bauhaus im Rahmen der Modern-denken-Kampagne aufhört. Denn wir sagen, in einer solchen Zeit, die von Verunsicherung geprägt ist, in der die Menschen unter Globalisierung leiden, brauchen wir nicht den Traditionsbruch, sondern wir brauchen die Rückbesinnung auf die Tradition und auf die Verwurzelung in der Region und in der Heimat.
Zu Herrn Gebhardt. Ich frage mich, woher diese Angst vor Kritik kommt; denn Sie haben sinn- gemäß gesagt: Wir lassen uns von Ihnen unser Bauhaus nicht nehmen. Ihre Bauhausverehrung scheint ja sehr fragil zu sein, wenn Sie Angst davor haben, dass so ein kleiner, unscheinbarer AfD-Antrag, der ein bisschen mehr Kritik einfordert, Ihnen Ihr Bauhaus nehmen könnte.
Dann haben Sie irgendetwas mit dem Judentum angefangen. Sie haben mir, wenn ich Sie recht verstanden habe - das sehen wir dann im Protokoll - unterstellt, dass ich irgendwie
das Bauhaus mit dem Judentum in Verbindung gebracht hätte. Ich frage mich: Woher nehmen Sie das? Wir können nachher das Redemanuskript durchgehen. Ich habe in keinem Nebensatz irgendwie vom Judentum angefangen. Das ist alles nur in Ihrem Kopf. Das sind Ihre Halluzinationen.
(Dr. Katja Pähle, SPD: Natürlich! - Holger Hövelmann, SPD: Nein, Sie denken sich gar nichts aus! Sie schreiben aus Büchern ab, die 100 Jahre alt sind!)
Denn dieser Schultze-Naumburg, wissen Sie, war zwar auch in den Nationalsozialismus verstrickt, aber er hat 1904 den Deutschen Bund Heimatschutz gegründet, der immer noch als CDU-Verein existiert. Im Übrigen war das, was Sie hier vorgetragen haben, lächerlich. Sie haben um Superlative gerungen und wussten nicht mehr weiter. Nichts war schlimm genug, um uns zu verurteilen.
Ich frage mich: Können Sie überhaupt noch in anderen Kategorien leben? Können Sie in einer anderen Zeit denken?
Man hat den Eindruck, dass man es hierbei mit Nazi-Zombies zu tun hat, die bei allem, was sie reden und tun, immer Vergleiche zu der NS-Zeit ziehen.
Ich fasse zusammen. Wir wollten das Bauhaus nicht verbieten. Wir wollen die Stiftung nicht einstampfen. Wir wollen die Häuser nicht sprengen. Alles das, was wir gefordert haben, war ein kritischer Umgang.
(Guido Kosmehl, FDP: Niemand hat die Ab- sicht, eine Mauer zu bauen! - Oliver Kirchner, AfD: Das waren die dort drüben!)
Ich komme zum Fazit. Dass Sie darauf so gereizt reagiert haben und dass Sie - das hat fast jeder Redner gemacht - das Bauhaus so offensiv für Ihre Politik vereinnahmt haben, zeigt uns, dass unsere Kritik berechtigt war.
(Beifall bei der AfD - Andreas Silbersack, FDP: Sie haben sich demaskiert! - Zuruf von Guido Kosmehl, FDP)
Das war der Redebeitrag von Herrn Dr. Tillschneider. Herr Dr. Schmidt hat sich für eine Intervention gemeldet. Deswegen bekommt Herr Dr. Schmidt das Wort. - Herr Dr. Schmidt, bitte.