Protocol of the Session on October 24, 2024

Das Bauhaus war eine Erfolgsgeschichte, war d i e Erfolgsgeschichte in Architektur, Kunst und Design, ist für das Möbelhandwerk noch heute prägend und wird auch in den nächsten 100 Jahren noch prägend sein. Zum Glück wird Ihre Geschichte nicht so lange geschrieben. - Vielen Dank, meine Damen und Herren.

(Beifall bei der FDP, bei der CDU, bei der Lin- ken, bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Die nächste Rednerin ist Frau Lüddemann von der Fraktion BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. - Frau Lüddemann, bitte.

Danke, Frau Präsidentin. - Sehr geehrte Damen und Herren Abgeordnete! Ich bin stolz, dass Dessau durch das Weltkulturerbe Bauhaus weltweit positiv angesehen ist. Sonst bliebe aus dieser Zeit Anfang des letzten Jahrhunderts aus Dessau vielleicht nur die Erinnerung an das todbringende Zyklon B.

Das Bauhaus ist identitätsstiftend und Tourismusmagnet. Das Bauhaus hat enorme historische kulturelle und gesellschaftliche Bedeutung. Das in den Jahren von 1925 bis 1926 von Walter Gropius entworfene Bauhausgebäude in Dessau war der Beginn einer neuen Architektursprache der Zwischenkriegsmo

derne und ist eines der bekanntesten Beispiele moderner Architektur.

Mit dem Bauhaus wurde Dessau zu dem Zentrum der künstlerischen und gestalterischen Avantgarde. Bis heute trägt diese gesellschaftliche Vision: Erneuerung durch Gestaltung, die Form folgt der Funktion. Das war und ist revolutionär.

(Zustimmung von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Das Bauhaus war weit mehr als eine Kunstschule, es war Ausdruck einer umfassenden Vision der Moderne, die Kunst, Gestaltung und Gesellschaft grundlegend verändern wollte und bis heute nachwirkt. Mit dem Bauhaus- design sollten gute und erschwingliche Wohnungen für alle Bevölkerungsschichten geschaffen werden. Das Bauhaus steht für Egalität und globale Solidarität in einer Zeit zunehmender Individualisierung. Es sollten Kunst, Kunsthandwerk und Malerei zusammengeführt werden, um neue Synergien zu schaffen.

Mit dem Bauhaus ist ein Freiheitsgedanke verbunden. Es wurden Freiräume und Schaffensräume im wahrsten Sinne des Wortes entwickelt. Das Bauhaus steht aber auch für Freiheit und Offenheit im Geiste.

(Zustimmung von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Natürlich ist das Bauhaus deswegen ein Dorn im Auge der AfD-Fraktion. Alles, wofür freie

Kunst und das Bauhaus stehen, wird von Ihnen bekämpft.

(Zustimmung von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Unbemäntelt zeigt Ihr Antrag: Sie wollen Geschichte wiederholen. Bei den Landtags- wahlen am 24. April 1932 wurde die NSDAP stärkste Fraktion im Freistaat Anhalt. Dessau wurde damit Sitz der ersten NSDAP-Landes- regierung in Deutschland. Die allererste Amtshandlung war die Schließung des Bauhauses zum 1. Oktober 1932; denn die Nationalsozialisten sahen die moderne Kunsthochschule als Symbol für alles, was sie ablehnen.

Ganz im Stil ihrer geistigen Vordenker will die AfD-Fraktion genau dort weitermachen, wo die Nazis Gott sei Dank aufhören mussten.

(Zustimmung von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Der wirkliche Irrweg der Moderne sind die rechtsextremistischen Mitglieder dieses Landtages, die hier ganz rechts sitzen. Eigentlich sind sie auch kein Irrweg der Moderne, sondern ein Irrweg der Vergangenheit, der versucht, wieder aufzustehen.

Der Antrag hat keineswegs den Zweck, sich kritisch und konstruktiv mit dem Bauhausjubiläum auseinanderzusetzen; denn die Stiftung verfolgt seit jeher den Anspruch, das Bauhaus nicht zu glorifizieren. Dieser Anspruch wird sich auch bei der Ausgestaltung des Bauhausjubiläums wiederfinden.

Der einzige Zweck dieses Antrages ist der Angriff auf eine moderne, progressive und weltoffene Gesellschaft; denn genau dafür steht das Bau-

haus: Kultur und Kulturen, die weltoffen gemeinsam Neues schaffen.

Diesen beschämenden Antrag werden wir selbstverständlich ablehnen.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und bei der SPD)

Frau Lüddemann, es gibt eine Intervention von Frau Dr. Richter-Airijoki. - Frau Dr. Richter-Airijoki, bitte.

Frau Lüddemann, danke für das Zitat „Form folgt Funktion“. Das ist wohl das bekannteste Zitat im Zusammenhang mit dem Bauhaus. Ich möchte das auch deshalb noch einmal würdigen, weil es in weiteren Zusammen- hängen viel gebraucht wird: in der Planung. Mir ist das erstmals begegnet in der internationalen Zusammenarbeit, bei der es um eine gemeinsame Planung ging, um z. B. das Gesundheitssystem in einem Partnerland zu unter- stützen. Die Frage war, wie wir das gemeinsam machen.

Dann hörte man öfter das Motto „Form folgt Funktion“, und zwar noch nicht einmal von deutschen Teilnehmerinnen und Teilnehmern, sondern z. B. von Teilnehmern aus den USA oder Vertretern der Weltbank. Es ist einfach ein international bekanntes Prinzip für eine zielorientierte Planung. Das ist etwas, worauf ich auch stolz bin, wenn ich irgendwo unterwegs bin und sage, dass ich aus Sachsen-Anhalt komme. - Danke.

(Zustimmung von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE)

Frau Lüddemann, wollen Sie darauf noch kurz reagieren?

Ja. - Vielen Dank für diese Perspektive. Wir haben darüber schon häufiger unterhalten. Ich habe eine Schwester, die auch in interna- tionalen Zusammenhängen arbeitet. Ich war immer genauso stolz, wie Sie das berichten. Wenn ich in Äthiopien oder in Indonesien oder in wirklich fernen, fremden Ländern unterwegs war und darüber gesprochen habe, dann war Dessau bekannt. Am Bekanntheitsgrad von Sachsen-Anhalt müssen wir noch ein wenig arbeiten. Aber Dessau und das Bauhaus waren bekannt.

Man trifft in der ganzen Welt Siedlungen, die sich auf dieses Prinzip beziehen, bei dem man sich überlegt: Was brauchen unsere Menschen und wie kann ich ihnen das möglichst kostengünstig zur Verfügung stellen? Ob das jetzt das Geschirr ist, ob das Wohnungen oder andere Dinge sind. Das beruht alles auf diesem Prinzip „Form follows function“. Ich kann das nach- vollziehen. Wir sollten alle daran arbeiten, dass das der Geist ist, den das Jubiläum im nächsten Jahr ausstrahlt.

(Zustimmung von Susan Sziborra-Seidlitz, GRÜNE - Ulrich Siegmund, AfD, steht am Mikrofon)

Vielen Dank, Frau Lüdemann. Die Redezeit war schon beendet. Sie haben hier Stellung genommen und auf die Ausführungen von Frau Dr. Richter-Airijoki reagiert.

Jetzt möchte als Fraktionsvorsitzender - -

(Ulrich Siegmund, AfD: Nein, ich möchte eine Frage stellen!)

- Nein, das geht nicht.

(Ulrich Siegmund, AfD: Wie sind Sie nach In- donesien gekommen, will ich wissen! - Un- ruhe)

- Das geht nun nicht mehr, weil das die Reaktion auf eine Intervention war. Es geht nicht, dass man danach noch eine Frage dazu stellt. Ich habe gedacht, Sie wollten als Fraktionsvorsitzender sprechen.

(Zurufe von der AfD)

Das haben Sie nicht. Deswegen kommt jetzt Herr Schumann an das Rednerpult. Er spricht für die CDU-Fraktion.

Meine Damen und Herren! Sehr geehrte Frau Präsidentin! Liebe Abgeordnete! Kritische Auseinandersetzung mit dem Bauhaus - als ob das Bauhaus den Antrag der AfD nötig hätte, um sich kritisch auseinanderzusetzen. Solange es existiert, muss es sich kritisch aus-

einandersetzen. Es setzt sich von selbst kritisch mit der Welt um sich herum auseinander.

Die AfD hat vorhin den Satz von Rosa Luxemburg

(Dr. Katja Pähle, SPD: Ja! - Zuruf von der AfD: Genau!)

aus dem Jahr 1918 zitiert: „Freiheit ist immer Freiheit der Andersdenkenden“. In der Kunst gilt das wohl nicht?

(Oliver Kirchner, AfD: Doch, gilt es! Doch!)

Ich frage mich, ob das dort nicht gelten soll.

Wir müssen einmal feststellen: Das Bauhaus war die bedeutendste Hochschule für Gestaltung und Architektur des 20. Jahrhunderts. Diese Tatsache öffnet dem Land Sachsen-Anhalt heute enorme kulturelle und touristische Chancen - Chancen, die wir nutzen wollen.

Aufgrund seiner großen Bedeutung für die Kulturgeschichte Sachsen-Anhalts wird es

anlässlich des Jubiläums - 100 Jahre Bauhaus Dessau - ein Festprogramm geben. Es soll von September 2025 bis Dezember 2026 andauern. Die Stiftung Bauhaus und zahlreiche weitere Akteure und Partner des Bauhauses bereiten dafür unzählige Programmpunkte vor.

Die Mitglieder des Kulturausschusses konnten sich unlängst vor Ort in Dessau persönlich über die Vorbereitungen zu diesem Jubiläum informieren. Ich weiß nicht, ob die AfD dort anwesend war. Ich kann mich nicht daran erinnern. Ich kann nur sagen: Interessierte werden im Rahmen des Festprogramms viele Gelegenheiten dazu haben, sich mit dem Anliegen, den Werken, der Architektur und den Ideen des Bauhauses auseinanderzusetzen.

(Unruhe)