In dem Antrag der Fraktion Die Linke wird zunächst festgestellt, dass die haus- und fachärztliche Versorgung inhaltlich und kurzfristig sicherzustellen ist.
Meine Damen und Herren! Ich bitte Sie um etwas mehr Ruhe, sowohl im Plenum als auch auf der Regierungsbank. Denn sonst ist es für die Rednerin ausgesprochen schwierig, hier ihren Redebeitrag zu halten.
Die Versorgung kurzfristig sicherstellen: Wenn Sie dafür eine Formel haben, dann ist man Ihnen, glaube ich, in Havelberg für eine solche wirklich sehr dankbar. Dass es dieser kurzfristigen Maßnahmen aber bedarf, dem muss man zweifelsfrei zustimmen.
Modellprojekte wie das sogenannte Medimobil sind laut Antrag zu entwickeln. Hierbei geht es wirklich darum, dass man schauen muss, mehrere alternative Versorgungsleistungen zusammenzufassen. Wir hatten eine Anhörung; Frau Gensecke hat darauf hingewiesen. Es geht darum, dass wir schauen: Was passt in eine Region, was ist vielleicht bereits vorhanden? Es muss zur Region und dazu passen, welche Protagonisten dort sind. Das eine oder andere
passt. Vielleicht passen auch das Medimobil oder der Versorgungskiosk oder was auch immer. Das sind zumindest Möglichkeiten.
Sie haben in Ihrem Antrag zudem aufgeführt, dass es lange Wartezeiten auf Termine gibt, dass Arztpraxen zunehmend schwerer erreichbar sind. Aber wenn wir die Ärzte demnächst im Medimobil durch das Land fahren lassen, dann sind sie noch seltener in den Arztpraxen. Die Argumentation war mir nicht ganz schlüssig. Wenn Ärzte demnächst im Auto sitzen, dann stehen sie mit ihrer Kapazität für die Versorgung in Praxen auch nicht zur Verfügung.
Zu dem Änderungsantrag der BÜNDNIS 90/DIE GRÜNEN. Sie haben erwähnt, dass es Ansätze für Prävention und Pflegeberatung geben muss. - Ja, das kann man tun. Aber in einem Punkt muss ich Herrn Siegmund zustimmen: Das ist nicht das Kernthema. Wir haben eine wirklich umfangreiche Anhörung durchgeführt. Wir müssen uns vergegenwärtigen: 90 % der Fläche in Sachsen-Anhalt sind ländliche Fläche, 75 % unserer Bevölkerung leben in diesen ländlichen Gebieten. Wir reden nicht von einer Randerscheinung. Wir müssen uns um diese Menschen kümmern.
Das ist die Mehrzahl der Bevölkerung. Deshalb bitte auch ich um Zustimmung zu der Be- schlussempfehlung des Sozialausschusses.
Wir müssen geeignete Versorgungsmodelle erproben und diese installieren. Wir müssen zunächst - das ist sehr wichtig; denn die Erprobung einzelner kleiner Punkte ist der zweite Schritt - den ersten Schritt unternehmen. Das ist die Sicherung der Rahmenbedingungen, das ist das Voranbringen der Krankenhausreform, der Pflegereform, der sektorenübergreifenden Versorgung.
Mein Gott, darüber reden wir seit mehr als 15 Jahren und es passiert nichts. Deswegen möchten wir als CDU-Fraktion unsere Gesundheitsministerin ausdrücklich noch einmal auffordern, sich im Bund für diese Themen einzusetzen
Frau Dr. Schneider, es gibt zwei Fragen, wenn Sie diese zulassen, und zwar zunächst von Herrn Siegmund und dann von Frau Anger.
Vielen Dank, Frau Präsidentin! - Vielen Dank, Frau Dr. Schneider, für die Möglichkeit der Fragestellung. Sie bzw. Ihre Partei regieren in der Koalition dieses Land mit. Sie haben soeben zu Recht das Beispiel Havelberg angebracht. Ich meine, die Menschen dort vor Ort sind bis heute sehr verzweifelt.
Bei uns in Stendal ist die Situation jetzt so, dass wir die neue ZASt bekommen haben. Die Antwort auf meine Kleine Anfrage hat ergeben, dass dort auf dem Gelände der ZASt mit einem permanent vorhandenen RTW eine Rundumversorgung für kleinere medizinische Behandlungen sichergestellt wurde. Kostenpunkt: mehr als 400 000 € im Jahr mit einem gemeinsamen Auftrag.
Ich frage Sie - Sie regieren dieses Land wie gesagt indirekt mit -: Warum ist so etwas für Havelberg nicht möglich?
Ich kenne mich mit dem Thema der ZASt jetzt nicht aus. Die Fragestellung wäre natürlich auch in kostenmäßiger Hinsicht, was, sagen wir einmal, günstiger oder ungünstiger ist: eine Praxis in der ZASt oder dort bei Bedarf eine medizinische Versorgung einzurichten. Dazu fehlen mir leider die Zahlen, Herr Siegmund. Das kann ich Ihnen nicht beantworten.
Vielen Dank, Frau Präsidentin. - Liebe Anja Schneider, Sie sagten gerade, dass Hausärzt*innen in Pkw nicht die Lösung seien. In der Beschlussempfehlung steht aber: mobile Teams mit hausärztlich tätigen Personen. Was ist denn dabei Ihr Ansatz: Ja oder nein?
Man muss sich das natürlich angucken. Es kann nicht eine generelle Lösung sein, dass wir Medimobile einrichten für die - -
- Dann müssen Sie noch einmal genau sagen, was Sie gefragt haben. Sie meinen, dass darin nicht Ärzte fahren, sondern z. B. Pflegekräfte? Oder wie war die genaue Frage?
Sie sprachen von Ärzt*innen in Pkw, nicht vom Medimobil. Also, was ist denn nun Ihr Anliegen? Ärzt*innen, die im Pkw unterwegs sind - oder eben nicht? Denn das war in Ihrer Rede widersprüchlich zu der eigenen Beschlussempfehlung.
Wenn Sie ein Medimobil haben und eine ärzt- liche Versorgung vor Ort haben wollen, dann gehe ich davon aus, dass auch ein Mediziner im Medimobil sitzt. Wenn kein Mediziner im Medimobil sitzt, sondern eine qualifizierte
Kraft - mittleres medizinisches Personal, um es einmal so zu sagen -, dann muss es auch die Entwicklung von Telemedizin geben.
halt hat im Quartal locker 1 200, 1 500 Versorgungsscheine. Wenn Sie eine so volle Praxis haben - mit welcher Begründung soll sich dann der Mediziner hinsetzen und sagen: Ich mache noch eine telemedizinische Sprechstunde? Das
Auch ein Medimobil passt vielleicht in schwierigen Situationen, bis eine Praxis neu besetzt ist, bis neue Strukturen geschaffen worden sind in der Region. Oder es sagen vielleicht fünf, sechs Hausärzte: Fünf Tage in der Woche Blutdruck messen ist nicht mein Ding, ich fahre einmal in der Woche Medimobil. Dann passt das vielleicht in die Region.
Vielen Dank, Frau Dr. Schneider. - Jetzt kommt Frau Anger für die Fraktion Die Linke nach vorn. Dann können Sie mit vertauschten Rollen fortfahren. - Frau Anger, bitte schön.
Thema vor, das für viele Menschen im länd- lichen Raum - Sachsen-Anhalt besteht zu großen Teilen aus ländlichem Raum - von großer Bedeutung ist: die unterstützende medizinische Versorgung durch ein Medimobil.
In Zeiten des Hausärzt*innenmangels ist es besonders für Menschen mit chronischen Erkrankungen, aber eben nicht nur für diese, unerlässlich, dass sie regelmäßig ärztliche Hilfe in Anspruch nehmen können. Leider müssen wir aber feststellen, dass die vorliegende Beschlussempfehlung weit hinter dem zurückbleibt, was notwendig wäre und was von unserer Fraktion gefordert wurde. Aus dem ursprünglichen Medimobil-Konzept, das wir vorgeschlagen haben, sind jetzt mobile Hausärzt*innen geworden. Aber das reicht bei Weitem nicht aus. Wir brauchen keine halben Lösungen, die nur zu einer weiteren Überlastung der Ärzt*innen führen. Wir brauchen vor allem für die Menschen im ländlichen Raum volle Unterstützung.
Das, was uns vorschwebte und was in Hessen bereits erfolgreich umgesetzt wird, ist ein voll ausgestattetes, technisch hochmodernes Medimobil, ein Fahrzeug, das über alle nötigen medizinischen Geräte verfügt, um Diagnosen und Behandlungen direkt vor Ort zu ermöglichen. Doch davon sind wir hier weit entfernt. Ein solches Fahrzeug wird es nicht geben. Stattdessen sollen sich mobile Teams bilden - darüber reden wir gleich noch separat -, ohne ein Medimobil. Wie soll die Mobilität hergestellt werden? Mit dem eigenen Pkw? Mit dem ÖPNV? Mit dem Fahrrad?
Und was heißt „mobile Teams“? Sind nicht schon viele Hausärzt*innen, gerade im länd- lichen Raum, mobil unterwegs? Stichwort: Hausbesuche. Ich glaube, dass das keine Neuerung und keine neue Erfindung der Koalition ist.
Die Lücken in der medizinischen Versorgung im ländlichen Raum bleiben. Wenn wir ehrlich sind, dann müssen wir sogar davon ausgehen, dass diese Lücken noch größer werden. Entschlossen handeln sieht anders aus. Ein mobiler Hausarzt ohne die nötige Ausstattung - -