Protocol of the Session on August 23, 2024

Ich möchte ein Thema ansprechen, das mich persönlich geärgert hat, das in meinem Umfeld viele geärgert hat und das auch unsere Athletinnen und Athleten geärgert hat, wenn man der Presseberichterstattung gefolgt ist. Das ist das Thema Doping. Ich finde, das IOC muss sich für die nächsten Olympischen Spiele - ich möchte auch unsere Vertreterinnen und Vertreter aus Deutschland im IOC aufrufen, sich dafür einzusetzen - mit dem Thema Chancengleichheit bei Dopingvergehen auseinandersetzen.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Es kann nicht sein, dass die halbe chinesische Olympiamannschaft positive Dopingbefunde hat und trotzdem oben neben unseren Athleten und den anderen Nationen auf dem Treppchen

steht. Da braucht es eine Gleichbehandlung. Wenn ich mir anschaue, wie deutsche Athleten zum Teil über Jahrzehnte darum kämpfen, wie lange Claudia Pechstein gebraucht hat, einen Freispruch zu bekommen, und dann ist in der Abluftanlage irgendeines Restaurants in den Weiten Chinas das Dopingmittel - das funktioniert nicht. Das IOC muss sich für die Chancengleichheit etwas ausdenken.

Das sage ich nicht nur, weil es eine Frage von Chancengerechtigkeit ist, sondern weil an das öffentliche Geld, das wir in die Sportförderung geben - jeder Euro, der in den Sport fließt, ist ein guter Euro -, eine Bedingung geknüpft ist: Es muss sauberer Sport sein. Dabei geht es nicht um die Frage, wer da wie Medaillen abholt, sondern darum, ob man den Kindern, die bei den Sachsen-Anhalt-Spielen gesichtet werden, sagen kann: Mach das, strenge dich an, richte dein Leben mit den ganzen Entbehrungen, die der Leistungssport mit sich bringt, darauf ein, aber wenn du Olympiasieger werden willst, musst du dopen. - Das funktioniert nicht. Sport muss sauber sein, die Medaillen müssen sauber sein, und am Ende müssen die Medaillen chancengerecht vergeben werden. Ich finde, da hat das IOC tatsächlich noch eine Aufgabe.

(Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Ich will zum Schluss auch Florian Wellbrock nennen, Olympiasieger in Tokio, und ich sage das nicht, weil ich ihn trösten will. Wir kennen uns persönlich nicht, und ob das jemand, den er nicht kennt, am Rednerpult sagt, ist egal. Ich weiß auch nicht, ob sein persönliches Umfeld ihn trösten kann. Jeder von uns, der schon einmal einen Wettkampf vor sich hatte, egal ob das Kreismeisterschaften oder Olympische Spiele sind, der gut trainiert und sich den Allerwertesten aufgerissen hat, der ein gutes Gefühl und tolle Wettkämpfe hatte, und beim Saisonhöhe-

punkt danebengegriffen hat, der weiß, da kann einen keiner trösten, da hilft nur die Zeit.

Ich nenne Florian Wellbrock deshalb, weil er am Montag auf Instagram einen relativ langen Post abgesetzt hat. Da standen drei Sachen drin: Erstens, ich fahre jetzt in den Urlaub, ich muss das erstmal verarbeiten. Zweitens, danach geht es weiter mit dem Training; 2028 steht vor der Tür. Drittens, Aufgeben ist keine Option für mich. - Das, meine Damen und Herren, ist das Mindset eines Champions. Davon brauchen wir mehr, dann klappt es im Jahr 2028 auch mit dem Medaillenspiegel. - Sport frei!

(Beifall bei der SPD, bei der CDU, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Danke, Herr Grube. - Wir setzten fort. Für die Fraktion Die Linke Herr Lippmann. - Sie haben das Wort.

Vielen Dank, Herr Präsident. - Liebe Kolleginnen und Kollegen! Die Olympischen Spiele 2024 waren wirklich ein herausragendes sportliches Highlight mit vielen Weltklasseleistungen und spannenden Wettkämpfen in höchstattraktiven Wettkampfstätten, wenn man einmal von der verschmutzten Seine absieht.

Die Franzosen waren auch einfach tolle Gastgeber. Es war ein strahlendes, ein buntes Fest für alle, die vor Ort dabei sein konnten, und für die Millionen, die es an den Bildschirmen verfolgten. Wir können dankbar sein für die Freude und die Völkerverbindung, die diese Spiele ausgestrahlt haben - ein Kontrapunkt in den schwierigen Zeiten, die auch die Franzosen

durchleben so wie viele Menschen in sehr vielen Ländern weltweit.

Dankbar muss man den Organisatoren sein für eine rundum gelungene Inszenierung dieser Spiele und den Gastgebern und ihren Gästen für die grandiose Stimmung in vollen Stadien und auf den Straßen von Paris.

(Beifall bei der Linken und bei der FDP)

Dank und Hochachtung gelten aber zuvorderst den Athletinnen und Athleten, ihren Trainerinnen und Trainern und den ganzen Betreuungsteams. Sie haben durch ihre jahrelange aufopferungsvolle und akribische Trainingsarbeit die erfolgreichen Olympischen Spiele erst möglich gemacht.

Auch aus unserem kleinen deutschen Bundesland konnten Sportlerinnen und Sportler durch Spitzenleistungen olympische Medaillen erkämpfen und einen überproportionalen Beitrag zur Bilanz der deutschen Delegation beitragen. Darauf können sie alle sehr stolz sein, und wir auf den Zuschauerbänken sind es mit ihnen.

(Zustimmung bei der Linken)

Es ist dabei völlig in Ordnung, dass wir diese Erfolge mit ihnen feiern und uns mit ihnen schmücken. Es ist auch verständlich, dass nun versucht wird, aus diesen Erfolgen einen möglichst großen Nutzen zu ziehen. Es ist angesichts der erbrachten Leistungen richtig, vom Bund nachdrücklich die Errichtung eines nationalen Schwimmzentrums hier in Magdeburg zu fordern, und auch wir unterstützen das.

(Beifall bei der Linken und von Andreas Silbersack, FDP)

Jenseits der überzeugenden und teils über- raschenden Erfolge darf man aber die Augen

nicht davor verschließen, dass das Abschneiden der deutschen Sportlerinnen und Sportler insgesamt wohl nicht ganz den Erwartungen entspricht. Von den Nationen, die in den letzten 24 Jahren die sieben Sommerolympiaden ausgerichtet haben, gehören heute fünf mit ihren Athletinnen und Athleten zu den erfolgreichsten Ländern.

Das zeigt, dass Impulse, die von einem solchen sportlichen Großereignis im eigenen Land ausgehen, auch nachhaltig zu Erfolgen führen können, wenn die Förderung des Sports nicht nur kurzfristig, sondern nachhaltig intensiviert wird. Hierbei hat Deutschland noch einen erheb- lichen Nachholbedarf.

Umfang und Struktur der Sportförderung gehören jetzt auf den Prüfstand und nicht erst nach einer eventuell erfolgreichen Olympiabewerbung. Das, liebe Kolleginnen und Kollegen, gilt bei aller Euphorie über die Olympiamedaillen und weiteren guten Platzierungen auch für Sachsen-Anhalt. Sportlerinnen und Sportler aus Sachsen-Anhalt haben in Paris eine kleine Erfolgsspur hinterlassen. Aber sie ist dennoch schmal und kann auch schnell wieder ver- sanden.

Der Leistungssportdirektor unseres Lan

dessportbundes Torsten K. hat es in einem Rückblick auf die Spiele folgendermaßen zum Ausdruck gebracht - ich zitiere -:

„Auch eine umfangreichere Unterstützung der Politik sowohl des Breiten- als auch des Leistungssports wäre wünschenswert, um die Basis für kommende Erfolge auf nationalem und internationalem Boden zu legen. Da sind uns Frankreich, Großbritannien oder die Niederlande den einen oder anderen Schritt voraus.“

Auch wenn in den letzten Jahren einiges auf den Weg gebracht und geschaffen wurde, ist immer

noch ziemlich viel Luft nach oben, wenn es um die dauerhafte und nachhaltige Förderung des Sports im Bund aber auch hier im Land geht.

Durch die Fokussierung auf den Spitzensport darf der Breitensport aber nicht vernachlässigt werden. Das fängt bei einer besseren Absicherung des Schulsports an und hört bei der Gewinnung von ehrenamtlichen Trainerinnen und Trainern sowie Organisatoren in den Sportvereinen längst noch nicht auf.

Die finanzielle Unterstützung für den Sport durch das Land hat sich in den letzten Jahren zwar stabil entwickelt, allerdings auf durchaus bescheidenem Niveau. Das zeigt unter anderem die Antwort der Landesregierung auf die Kleine Anfrage meiner Kollegin Eva von Angern.

So schön es wäre, wenn Magdeburg ein nationales Schwimmzentrum bekäme, so dringend und notwendig ist es aber auch, dass wir unsere Schwimmbäder in Ordnung bringen. Ein Olympiasieger im Wasser hilft nicht weiter, wenn Kinder noch nicht einmal das Seepferdchen erringen können.

(Beifall bei der Linken - Zustimmung bei der SPD und bei den GRÜNEN)

Unsere Forderung nach einem Schwimmbadfonds ist Jahre alt, bleibt aber aktuell. Liebe Kolleginnen und Kollegen! Zu guten Rahmenbedingungen gehört auch, dass es bald in Halle ein neues Haus des Sports gibt.

(Zustimmung bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)

Aber bauliche Investitionen sind natürlich immer nur die eine Seite der Medaille. Auf die Menschen, ihre Motivation, ihr Können und ihre Konzentration auf das Training kommt es entscheidend an. Hierin liegen die größten Herausforderungen, um optimale Bedingungen für

eine erfolgreiche Entwicklung in den kommenden Jahren zu schaffen. Der Landessportbund ist bereits seit vielen Jahren mit einem Programm zur Talentfindung unterwegs - vorbildlich und erfolgreich, wie ich finde.

Mit den inzwischen flächendeckend durchgeführten Sport-Motorik-Tests in den 3. Klassen der Grundschulen, den Landessportspielen und den sich darauf aufbauenden Talentgruppen mit dem angestrebten Übergang in die Eliteschulen des Sports wurde ein System etabliert, mit dem die Grundlagen für eine systematische Entwicklung von Leistungskadern geschaffen wurden. Dieses System zur Talentfindung zu stabilisieren und weiter auszubauen, muss uns allen am Herzen liegen.

Neben der Talentfindung bleibt die Suche nach geeigneten und qualifizierten Übungsleitern und Trainern entscheidend für die künftigen Erfolge. An dieser Stelle allerdings wachsen zunehmend größere Probleme, die sich ohne eine deutliche Ausweitung der finanziellen Unterstützung nicht werden lösen lassen.

Ebenso von zentraler Bedeutung ist die Vereinbarkeit von leistungssportlichem Training mit der Ausbildung und dem Beruf. Denn spätestens im Studium oder in der Lehre und erst recht im Beruf wird es für die Mehrzahl der Athletinnen und Athleten schwierig. In den meisten Sportarten kann man nicht so viel verdienen, dass man davon seinen Lebensunterhalt bestreiten könnte.

Es ist deshalb dringend geboten, liebe Kolleginnen und Kollegen, über leistungsfördernde Rahmenbedingungen für den Spitzensport zu sprechen. Stichworte dafür sind unter anderem höhere direkte finanzielle Zuwendungen, Sonderstellen, nicht nur in der Bundeswehr und bei der Polizei, sondern auch in der öffentlichen Verwaltung oder die Gutschrift etwa von

Rentenpunkten für die Zeit im Leistungssport, um nur einige zu nennen.

Insofern, lieber Kollege Silbersack, wäre ein konkreter Antrag von der FDP aus unserer Sicht hierfür besser gewesen als nur darüber zu debattieren. Aber das können wir dann bei anderer Gelegenheit fortsetzen und nachholen.

Es müssen also einige ganz konkrete Fragen besprochen werden, um in Zukunft im sportlichen Wettkampf auf der internationalen Bühne bestehen zu können. Wir wollen den Sport in unserem Land, den Leistungssport ebenso wie den Breitensport, weiter nach vorn bringen. Lassen Sie uns das gemeinsam anpacken. - Vielen Dank.

(Beifall bei der Linken - Zustimmung bei den GRÜNEN)

Danke, Herr Lippmann. - Für die CDU-Fraktion spricht Kollege Heuer. - Bitte.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Liebe Gäste! 16 grandiose Tage des Sports liegen hinter uns. Paris 2024 hat nicht nur in den Stadien neue Maßstäbe gesetzt, diese Olympischen Spiele waren auch ein Erfolg für die Gastgeber, aber auch für Deutschland und natürlich für Sachsen-Anhalt.

Stellvertretend für alle 16 Olympioniken aus unserem Bundesland gratuliere ich im Namen meiner Fraktion - ich denke auch, im Namen des ganzen Hauses - unserem Goldjungen Lukas Märtens, der Judoka Miriam Butkereit zu Silber und Isabel Gose zu ihrer Bronze-Medaille.

Vergessen dürfen wir hierbei natürlich nicht - denn sie ist noch gar nicht genannt worden - Pauline Grabosch, die zurzeit für den RSC Cottbus startet, vom RSV Osterweddingen stammt, in Bottmersdorf aufgewachsen ist, in Magdeburg geboren und Bronze im Teamsprint auf der Bahn geholt hat.

(Zustimmung bei der CDU, bei der Linken, bei der SPD, bei der FDP und bei den GRÜNEN)