Protocol of the Session on March 21, 2024

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN und bei der SPD)

und zwar so, wie auch die Kinder mit diesen Materialien komplett kindgerecht lernen können. Familie k a n n mehr sein als Vater, Mutter, Kind. Die Filme und Bücher vermitteln ganz klassisch: Auch Jungs dürfen Rosa mögen, Tanzen toll finden und für Glitzer schwärmen, wie man auch als Mädchen gern nur Schwarz tragen, sich raufen oder Fußball spielen darf; das vielleicht sogar erfolgreicher als Jungs.

(Zustimmung bei den GRÜNEN und bei der LINKEN)

Man kann Jungen oder Mädchen süß finden. Auch das Gefühl, die eigene Geschlechtlichkeit nicht so richtig zu fühlen oder sich weder so richtig als Junge noch als Mädchen zu empfinden oder noch nicht so genau zu wissen, was das eigentlich ist, kommt vor. Jede und jeder ist okay, und zwar genau so, wie er oder sie ist.

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN, bei der SPD und von Kathrin Tarricone, FDP)

Das alles ist eigentlich ganz selbstverständlich. Wenn das aber so selbstverständlich ist, warum braucht es dann diese Medienkoffer? - Weil es für alle Kinder wichtig ist, es zu erleben und auch in Büchern zu lesen: Auch ich bin, wie ich bin, normal. Weil das in den meisten Büchern eben nicht vorkommt, ist es wichtig, solche Bücher gezielt auch in die Kitas zu bringen. Die eigentliche Gefahr für das Kindeswohl droht, wenn wir Kindern vermitteln, nicht normal zu sein, irgendwie anders zu sein, irgendwie krank zu sein oder irgendwie ausgegrenzt zu sein. Das ist nämlich genau das, was Sie tun.

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN und bei der SPD)

Das ist Kindeswohlgefährdung.

Es ist nicht leicht, als queerer Mensch in einer heteronormativen Welt aufzuwachsen. Das endet bisweilen tödlich. Anfang Februar sind in England zwei Jugendliche für den Mord an der 16-jährigen Brianna G. zu lebenslanger Haft verurteilt worden. Die Tat geschah, so das Gericht, aus Hass auf Transgender-Personen. Im März vorigen Jahres wurde der Transmann Malte C. auf dem CSD in Münster getötet, und zwar aus Hass auf Transgender-Personen. Auch Selbst-

tötungen, Suizidversuche und Selbstmordgedanken sind bei queeren Jugendlichen häufiger, weil sie vermehrt mit Diskriminierung, fehlender Unterstützung und Anfeindungen konfrontiert sind und weil sie vermittelt bekommen, dass sie nicht okay sind, wie sie sind. Bei geschlechtergerechter Kinder- und Jugendarbeit geht es darum, das zu ändern. Die Studienlage dazu ist eindeutig, aber mit Wissenschaft haben Sie es ja nicht so.

Der Medienkoffer will es den Kindern und Jugendlichen leichter machen. Die AfD will es ihnen offensichtlich schwerer machen. Sie wollen queere Kinder und Jugendliche weiter an den Rand drängen und ihnen den Stempel „unnormal“ verpassen. In Ihrer Feindschaft gegenüber Minderheiten kämpfen Sie gegen Kinderbücher, die für Toleranz werben, und wollen die Förderung für den Medienkoffer beenden, der für eine inklusive und vielfältige Gesellschaft steht und notwendig ist, damit sich alle Kinder okay fühlen, und zwar so, wie sie sind. Diesen Koffer dann auch noch in die Nähe von Kindesmissbrauch zu rücken, ist eine unsägliche Verleumdung der Fachkräfte und der Wissenschaft.

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN und bei der SPD)

Es ist pure Ignoranz gegenüber dem Fachbeirat des Medienkoffers und schlicht bösartig. Vielleicht glauben Sie ja tatsächlich, durch Kinderbücher wie „Leon, Hugo und die Trans*identität“ beschädige man Kinderseelen. Tja, dann haben in Ihrer Kindheit vielleicht genau diese Bücher gefehlt.

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN und bei der SPD - Cornelia Lüddemann, GRÜNE: Ja, genau!)

Denn dann hätten Sie ganz entspannt und offen mit Vielfalt aufwachsen können und müssten

jetzt nicht faschistische Feldzüge führen, um Ihre kleine, überschaubare Vater-Mutter-KindWelt gegen böse Kinderbücher, sinistre Jugendfilme und hundsgemeine Memory-Spiele zu verteidigen.

(Zuruf von Oliver Kirchner, AfD)

Wie gesagt: Man könnte Sie fast auslachen, wenn es nicht so entsetzlich ernst wäre.

(Zurufe von der AfD)

Selbstverständlich ist dieser Antrag abzulehnen. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN und bei der SPD - Zuruf: Unerträglich!)

Frau Sziborra-Seidlitz, es gibt eine Intervention von Herrn Dr. Tillschneider. - Herr Dr. Tillschneider, diese Intervention soll aber bitte kein Korreferat werden, sondern eine Intervention.

Ja, eine Intervention. - Ich muss sagen: Es gibt einige Inhalte - nicht alle, aber einige Inhalte - in diesem Koffer, die ich nicht anschauen kann, ohne dass mir physisch schlecht wird.

(Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE - Hen- drik Lange, DIE LINKE: Ja, das ist das Prob- lem!)

So geht es, nehme ich einmal an, jedem normal veranlagten Menschen. Das wollen Sie unseren Kindern zumuten. Das ist Kindesmisshandlung. Was ist Kindesmisshandlung, wenn nicht das?

(Zustimmung bei der AfD)

Frau Sziborra-Seidlitz, Sie können reagieren.

Da Sie so viel Wert auf normale Menschen und unnormale Menschen legen, möchte ich mich an dieser Stelle gegen die Anmaßung verwehren, dass Sie wissen, wie es normalen Menschen geht oder nicht. Sie sind die Rechtsextremen in diesem Parlament

(Zuruf von der AfD: Wir sind normal!)

und das ist in diesem Land zum Glück noch nicht normal.

(Zustimmung bei den GRÜNEN, bei der LIN- KEN und bei der SPD - Zuruf von Oliver Kirch- ner, AfD)

Als nächste Rednerin spricht Frau Gensecke.

(Zuruf von Oliver Kirchner, AfD - Zuruf: Die kleine Vater-Mutter-Kind-Welt! Die ist doch nicht ganz dicht! - Unruhe)

- Ich habe es gesagt. Hier ein Mitglied des Landtags zu beschimpfen, Mitglied einer Nazifamilie zu sein, ist über - -

(Oliver Kirchner, AfD: Ich lasse mich von so ei- ner Frau nicht als Rechtsextremist bezeich- nen! - Unruhe)

Sie haben - -

(Oliver Kirchner, AfD: Es reicht mir langsam hier! - Zustimmung - Weitere Zurufe: Kleine Vater-Mutter-Kind-Welt! - Es reicht, ehrlich! - Unruhe)

- Nein, es reicht nicht. Es reicht nicht! Wir haben hier eine intensive Auseinandersetzung. Es gibt Vorwürfe an die Personen direkt, Unterstellungen, Einordnungen oder was auch immer. Aber wir wollen nicht eine Grenze, die schon sehr weit herausgeschoben worden ist, auch noch überschreiten, indem Menschen in eine Gruppe gesteckt werden aufgrund einer familiären Zuschreibung. Das geschieht in dem Augenblick, wenn Sie von „Nazifamilie“ reden. Das geht nicht. Deswegen erteile ich Ihnen hiermit einen Ordnungsruf.

(Zustimmung bei der LINKEN, bei der SPD, bei den GRÜNEN und von Tobias Krull, CDU)

Frau Lüddemann hat sich, wie ich annehme, als Fraktionsvorsitzende gemeldet. - Frau Lüddemann, bitte.

Frau Präsidentin, es steht mir nicht zu, hier Ihre Einlassung zu kommentieren. Ich habe aber das große Bedürfnis, Ihnen dafür zu danken, dass Sie sehr klar in Richtung der rechtsextremen Fraktion agiert haben.

(Zurufe von der AfD)

Denn wir haben uns im Ältestenrat sehr deutlich darauf verständigt, dass wir uns hier faktenbasiert inhaltlich austauschen.

(Zurufe von der AfD - Zuruf von Eva von An- gern, DIE LINKE)

- Es ist widerlich, Frau Kollegin, da haben Sie recht. Ich will sehr deutlich sagen: Wir haben uns darauf verständigt, dass Familienangehö-

rige und Menschen, die nicht hier im Raum sind, nichts zur Debatte beitragen können

(Zuruf von Daniel Roi, AfD - Weitere Zurufe von der AfD)

und deswegen auch nicht in die Debatte eingeführt werden. Und ich - -

(Daniel Roi, AfD: Das ist doch lächerlich, was Sie hier erzählen! - Zuruf von Oliver Kirchner, AfD - Unruhe)

Ich bitte darum, jetzt erst einmal Frau Lüddemann ausführen zu lassen.

(Daniel Roi, AfD: Jetzt spielt sie hier den Moralapostel! - Unruhe)