Protocol of the Session on June 2, 2023

(Oliver Kirchner, AfD, und Ulrich Siegmund, AfD, lachen)

entsprechend ausbilden und das kann man am besten in separaten Strukturen. Da müssen wir, glaube ich, etwas grundsätzlicher heran.

Wenn wir uns in der Debatte an dem Punkt treffen, dann haken wir uns überraschenderweise unter; denn am Ende ist eine moderne Lehrerausbildung, die den Problemlagen in diesem Lande gerecht wird, unser gemeinsames Ziel. Das habe ich zumindest wahrgenommen. Damit will ich ein wenig versöhnlich enden. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der CDU)

Danke, Herr Tullner. - Für die AfD spricht Herr Tillschneider.

Herr Präsident! Sehr geehrte Damen und Herren! Die GRÜNEN wollen, dass angehende Lehrer in Zukunft nicht mehr Lehramt Sekundarschule oder Lehramt Gymnasium studieren, sondern Lehramt Sekundarstufe I oder Lehramt Sekundarstufe II und dann an allen Schulformen unterrichten können. Konsequent zu Ende gedacht müssten dann auch die Berufsschullehrer und die Förderschullehrer wegfallen. Man hätte dann ein System, in dem man ohne jegliche Differenzierung nach Schulformen Primarstufenlehrer, Sek-I-Lehrer oder Sek-II-Lehrer werden kann.

Aber selbst wenn es Ihnen nur darum ginge, den Gymnasiallehrer abzuschaffen, was die Hauptstoßrichtung Ihres Antrags zu sein scheint, würden Sie damit unserem Bildungssystem nur noch weiteren Schaden zufügen.

Möglicherweise gewinnen sie so diejenigen als Lehramtsstudenten, die sich zu Beginn ihrer Ausbildung nicht auf eine Schulform festlegen wollen. Sie verlieren aber im Gegenzug alle diejenigen, die schon ganz genau wissen, dass sie z. B. Gymnasiallehrer werden wollen und nichts anderes. Sie verlieren also diejenigen, die genaue Vorstellungen von ihrer beruflichen Zukunft haben, was naturgemäß die strebsameren und besseren sind, und gewinnen die Wankelmütigen, die noch in der Selbstfindungsphase stecken und sich noch nicht so genau festlegen wollen und die naturgemäß häufiger ein Studium abbrechen und den eingeschlagenen Weg wechseln.

Im Durchschnitt würden dann noch weniger junge Menschen den Lehrerberuf ergreifen. Die Aussicht, sich vorsorglich zur eierlegenden Wollmilchsau ausbilden lassen zu müssen, ist eben nicht sonderlich attraktiv. Sodann würde Ihre Reform zu einem weiteren Qualitätsverlust führen.

Seit der Herausbildung einer arbeitsteiligen Gesellschaft in der Jungsteinzeit gilt schließlich, dass das Geheimnis qualitätsvoller Kulturleistung die Spezialisierung ist. Genauso, wie der Nephrologe einen, wenn man Nierenprobleme hat, besser behandeln kann als der Allgemeinarzt, kann ein speziell für das Gymnasium ausgebildeter Gymnasiallehrer die Gymnasiasten besser unterrichten als ein Sek-I-Lehrer, der für alle Schulformen zwischen Jahrgangsstufe 5 und Jahrgangsstufe 10 zuständig ist.

(Zustimmung von Christian Hecht, AfD)

Schließlich ist es so, dass wir, wenn wir anfangen, Stufenlehrer auszubilden, damit unweigerlich der Abschaffung der Schulformen Vorschub leisten. Die unterschiedliche Lehramtsausbildung ist schließlich ein Faktor, der die Differenzierung in den Schulformen institutionell ab- sichert. Das Gymnasium hält sich als Schulform, weil immer wieder Gymnasiallehrer nach- kommen.

Wer nun aber die Lehrer nicht mehr nach Schulformen ausbildet, der legt die Axt an ein differenziertes Schulsystem. Seien Sie also wenigstens ehrlich und sprechen Sie hier klar und deutlich aus: Das, was Sie wollen, ist genau das, was auch DIE LINKE immer will. Sie wollen die Abschaffung des Gymnasiallehrers und des Gymnasiums.

(Zustimmung bei der AfD)

Wahrlich: Die GRÜNEN haben schon genug Schaden angerichtet. Wir müssen mit aller Kraft verhindern, dass noch mehr vom Gift der grünen Kulturfeindlichkeit in die Bildungspolitik einsickert. Unser Bildungssystem ist überall dort schlecht, wo die Säure des grünen Ungeistes bewährte Traditionen pulverisiert hat. Und es ist überall dort noch gut, wo sich noch eine Substanz an Tradition erhalten hat.

(Unruhe)

Wenn ich auf der Grundlage der Fehlentwicklungen in unserem Schulsystem, die größtenteils auf grünem Mist gewachsen sind, die künftige Entwicklung extrapoliere, dann wird unser Bildungssystem in wenigen Jahrzehnten zu einem staatlichen Betreuungs- und Indoktrinationssystem verkommen sein, das die minderjährigen Insassen einer permanenten Beschäftigungstherapie unterzieht, in deren Rahmen sie ständig zu unproduktiver Nabelschau angehalten werden und stundenlang über Befindlichkeiten aller Art schwafeln sollen, wo aber nichts mehr geübt und gelehrt wird und ihnen nichts beigebracht wird außer eben der richtigen Meinung und dass es besonders toll sein soll, nicht heterosexuell und nicht eindeutig männlich oder weiblich zu sein.

(Zustimmung bei der AfD)

Wenn die GRÜNEN sich durchsetzen, dann werden wir statt studientaugliche Abiturienten in Zukunft absolute Taugenichtse von Sek-II-Absolventen bekommen, die von Differenzialrechnung keinen blassen Schimmer mehr haben, die keinen fehlerfreien englischen, französischen oder russischen Satz bilden können und die ihre Abiturprüfungen im Fach Deutsch mithilfe eines Multiple-Choice-Tests hinter sich bringen, weil die Abfassung eines mehrseitigen konzisen und klar aufgebauten deutschen Textes doch wohl zu viel verlangt wäre.

Sie werden keine Bücher mehr gelesen haben. Dafür können sie das Smartphone meisterhaft bedienen. Sie meinen, nichts mehr wissen zu müssen, weil sie wissen, wie man googelt und wie man ChatGPT bedient und weil sie während ihrer Schullaufbahn vor allem die eine Lektion gelernt haben: dass die eigene Meinung, wenn sie denn die richtige Meinung ist, alles Wissen dieser Welt aufwiegt.

Das ist die Schule von morgen, von der die GRÜNEN sprechen - eine schreckliche Dystopie, die sich heute schon am Horizont abzeichnet. Nichts weniger als die Zukunft unseres Landes hängt davon ab, ob es uns gelingt, dieses Vernichtungswerk heute noch aufzuhalten. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der AfD - Ulrich Siegmund, AfD: Bravo!)

Für die FDP Fraktion spricht Herr Bernstein. - Bitte.

Sehr geehrter Herr Präsident! Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Im vorliegenden Antrag geht es - das wurde jetzt schon mehrfach festgestellt - um die Einrichtung eines schulstufen- statt eines schulformbezogenen Lehramtes. Sie alle dürfen davon ausgehen, dass an dieser Stelle ganz speziell bei uns Freien Demokraten die Alarmglocken schrillen; denn - auch das wurde hier schon festgehalten - auf den Einheitslehrer folgt zwangsläufig irgendwann die Einheitsschule.

(Zustimmung bei der CDU)

Es gilt, zumindest aus unserer Sicht, diesem Weg ganz entschieden Einhalt zu gebieten.

(Ulrich Siegmund, AfD: Jawohl!)

Wie allgemein bekannt ist, stehen auch wir Freien Demokraten für ein differenziertes und gegliedertes Schulsystem, wie wir es bei uns im Lande vorfinden. Wir werden alles dafür tun, damit es dabei bleibt.

Es geht um ein Schulsystem, das natürlich im Optimalfall auf die unterschiedlichen Stärken und Schwächen der Schüler eingeht. Jetzt müssen wir uns sicherlich nicht darüber unterhalten, dass wir in Bezug auf diese Punkte noch nicht beim Optimum angelangt sind. Wir arbeiten daran. Aber ich glaube, mit einem Schul- system für alle - so die Vorstellung - werden die Probleme auch nicht gelöst.

(Zuruf von Sebastian Striegel, GRÜNE)

Die Frage ist doch aber, ob ein Stufenlehramt zum einen die notwendigen Qualifikationen vermittelt, um den Erfordernissen in den verschiedenen Schulformen gerecht werden zu können,

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU)

und ob es zum anderen auch die Attraktivität für den zukünftigen Lehrer steigert, sich z. B. für den Bildungsgang der Sekundarschule zu entscheiden. Unsere Antwort darauf lautet: Nein.

Sehr geehrte Kolleginnen und Kollegen! Lassen Sie mich auf die Frage nach der Attraktivität der Sekundarschule noch einmal eingehen. Das ist aus meiner Sicht eines der Kriterien, das letztlich zur Wahl bzw. gerade Nichtwahl dieser Schulform führt. Das heißt also, wir müssen alles dafür tun, dass es attraktiver wird, an einer Sekundarschule zu arbeiten und auch zu lernen.

Es hilft nicht, darum herumzureden: An dieser Schulform sind die Probleme tatsächlich vorhanden. Darüber müssen wir nicht reden. Aber es bringt nichts, wenn wir diese Schulform immer nur schlechtreden; vielmehr müssen wir auch einmal die positiven Beispiele in den Vordergrund stellen.

Ich war in dieser Woche - in der letzten Woche war ich woanders; davon erzähle ich auch noch - an einer Sekundarschule in Stendal. Es ging

eigentlich um ein ganz anderes Thema. Das ist eine Ganztagsschule. Sie hat ein superkostensparendes Projekt im Digitalbereich. Aber wir haben uns auch über verschiedenste Punkte aus ihrem Schulalltag unterhalten. Dabei hat man gemerkt, dass die Kolleginnen und Kollegen gern dort arbeiten. Sie haben genau die gleichen Probleme wie überall im Land: Lehrermangel, heterogene Klassenzusammensetzung usw. Aber es macht ihnen Spaß. Es gibt dort flache Hierarchien. Es gibt dort Kooperation und Austausch zwischen den Kollegen. All das muss doch gefördert werden. Darüber müssen wir reden. Daran sieht man, dass es positive Beispiele gibt.

Neben der Attraktivitätssteigerung für Sekundarschulen als Arbeitsort sollten wir uns auch mit den breiteren Zugangsmöglichkeiten zum Lehramtsstudium auseinandersetzen. Das

Stichwort lautet: Lehramtsstudium eventuell auch ohne ein originäres Abitur. Wer als Schüler ein Gymnasium besucht hat, der wird sich - das zeigen die Zahlen bei den Erstsemestern - im Regelfall für das Lehramt am Gymnasium entscheiden.

Als Vertreter unseres Bildungsausschusses - jetzt komme ich zu der letzten Woche; da war ich in Berlin in der Zukunftswerkstatt „Lehrkräftebildung neu denken“ - kann ich Ihnen auch davon berichten, dass das Thema duales Studium ein Topthema war. Auch in Sachsen-Anhalt - darauf hat der Minister schon hingewiesen - haben wir uns mit dem Modell an der OVGU, der Otto-von-Guericke-Universität, letztlich auch darauf verständigt. Aber - auf dieses Problem wurde auch schon hingewiesen - wir verbreitern mit einem solchen Angebot jetzt die Auswahl- oder die Zugangsmöglichkeiten nicht. Das ist das Problem, das man vielleicht noch lösen sollte.

(Dr. Katja Pähle, SPD: KMK-Standards!)

Als Bewohner des dritten Oberzentrums - dies sei mir gestattet - möchte ich hier noch einmal für das Dessau-Roßlauer Modell werben, ein Modell, welches inzwischen auch über die Landesgrenzen hinweg großes Interesse findet. Aus meiner Sicht wäre es sehr schade, wenn hier im Lande so etwas durchaus sehr Fortschrittliches entwickelt und in den anderen Bundesländern eventuell umgesetzt wird, bei uns jedoch leider in den Schubladen verstaubt, aus den unterschiedlichsten Gründen, über die man sicherlich auch diskutieren möchte.

Zur Frage nach dem Zugang mit einer Fachhochschulreife, also ohne dieses schon angesprochene originäre Abitur. Dass es funktioniert, zeigt auch die Kooperation zwischen der Hochschule Merseburg und der Otto-von-GuerickeUniversität in Magdeburg. Danach können Merseburger Ingenieurstudenten in Magdeburg einen Lehramtsabschluss an berufsbildenden Schulen erlangen. Es gibt also viele Punkte,

(Dr. Katja Pähle, SPD: Hm!)

liebe Kollegin Pähle, über die wir im Bildungsausschuss - mitberatend - sowie im Ausschuss für Wissenschaft, Energie, Klimaschutz und Umwelt - ich wollte kurz UWE sagen - ganz herzlich debattieren sollten. - Ich danke für die Aufmerksamkeit.

(Zustimmung bei der FDP und bei der CDU - Guido Kosmehl, FDP: UWE ist immer gut!)

Danke, Herr Bernstein. - Für die DIE LINKE spricht Herr Lange. - Bitte.

Herr Präsident! Meine sehr geehrten Damen und Herren! Dass DIE LINKE die Ausbildung und

den Einsatz von Stufenlehrer*innen für den richtigen Weg hält, hat mein Kollege Lippmann schon mehrfach im Landtag deutlich gemacht. Entsprechende Anträge meiner Fraktion liegen dem Landtag vor. Zuletzt hat der Landtag im Oktober zu unserem Masterplan genau darüber diskutiert. Von daher unterstützen wir jede Initiative, die in die richtige Richtung geht.

(Zustimmung von Monika Hohmann, DIE LINKE)

Meine Damen und Herren! Die Umstellung der Lehramtsausbildung für die Sekundarstufen I und II ist doch längst überfällig und wird nur von ideologischem Geplänkel ausgebremst.