Protocol of the Session on June 2, 2023

Das Modell des Stufenlehrers ist durchaus vernünftig. Es wird andernorts auch schon praktiziert. Wir müssen nicht so tun, als ob wir alles grundstürzend neu machen. Aber wir sollten auch ganz offen über Vor- und Nachteile reden.

De facto absolviert in einem Stufenlehrermodell jeder Student den Sekundarstufe-II-Abschluss, um ein nach den KMK-Standards bundesweit anerkanntes Examen absolvieren zu können; das ist das Ziel des Ganzen. Daran halte ich auch fest. Es mag den einen oder anderen im Raum geben, der gelegentlich der Verlockung erliegt, zu sagen, wir bilden nur für unser Land aus, damit die jungen Menschen nicht weggehen können und hierbleiben. Nein, das wollen wir nicht. Wir sind attraktiv an unseren Universitäten und Hochschulen, weil wir Abschlüsse vermitteln, die in der ganzen Bundesrepublik anerkannt sind und dazu führen, dass man seinen Beruf ausüben kann.

(Zustimmung von Dr. Katja Pähle, SPD, von Guido Heuer, CDU, und von Ministerin Eva Feußner)

Gut an dem Modell des Stufenlehrers ist, dass der spätere Einsatzort, ob Sekundarschule oder Gymnasium, dadurch tatsächlich offener wird und dass wir im Gegensatz zum bisherigen lehramtsbezogenen Modell sagen, wir haben eine größere Verwendungsbreite, wie es heißt. Das ist für uns natürlich von Interesse, insbesondere im ländlichen Raum. Jenseits unserer beiden Großstädte Halle und Magdeburg ist es nämlich durchaus schwieriger, Lehrkräfte zu gewinnen.

Allerdings gibt es ein paar technische Unterschiede. Bislang ist das Studium für das Sekundarschullehramt, wie es bei uns eingerichtet ist, ein Semester kürzer als das für das Gymnasiallehramt. Das muss man wissen. Aber das ist kein entscheidender Grund. Man kann das anders aufziehen. Man muss über die einzelnen Modelle diskutieren. Das haben die Hochschulrektorenkonferenz und die Friedrich-Ebert-Stiftung auch schon getan. Andere Länder haben ähnliche Modelle bereits eingeführt.

Die flexiblen Einsatzmöglichkeiten sind für das Land attraktiv und für die jungen Leute möglicherweise auch, weil sie sehr früh einen hin- reichenden Praxisbezug bekommen und an den Schulen ihrer Wahl, so möchte man sagen, oder auch an den Schulen der Wahl des Landes tätig sein können. Denn wir möchten es schon ein Stück weit steuern. Ich glaube, es ist auch im Interesse der Kollegin Feußner, dass wir dafür sorgen, dass das Interesse für das notleidende Sekundarschullehramt an der Stelle gesteigert wird.

(Zustimmung von Angela Gorr, CDU, und von Ministerin Eva Feußner)

Ich glaube nicht, was gelegentlich gesagt wird, dass die Zahl der Studienabbrecher dadurch steigt, dass möglicherweise alle nunmehr auf einen fachwissenschaftlich höheren Anteil im Studium verwiesen werden. Ich freue mich

übrigens über die Innovationskraft der MartinLuther-Universität, die sich ihrerseits immer wieder dafür ausgesprochen hat und anregt, die Lehrämter an Grund- und Förderschulen ebenso wie an Sekundarschulen und Gymnasien miteinander zu verbinden. Das wird in der praktischen Lehre übrigens schon an anderer Stelle getan, und das ist auch gut so.

(Zustimmung bei der SPD)

Meine Damen und Herren! Das ist ein guter Ansatz, über den wir reden müssen. Wir befinden uns in einer Zeit des bundesweit bestehenden erheblichen Fachkräftebedarfs im Lehramt. Ich darf Ihnen verraten, das Wissenschaftsministerium und auch der Wissenschaftsminister halten viel davon, in dieser Zeit nicht nur die ausgetrampelten Pfade zu begehen, sondern auch neue Wege zu versuchen,

(Zustimmung von Juliane Kleemann, SPD, und von Guido Heuer, CDU)

um dadurch unseren Lehrkräftebedarf decken zu können. - Vielen Dank für die Aufmerksamkeit.

(Hört, hört! bei der CDU)

Herr Willingmann, ich glaube, Frau Dr. Schneider wollte eine Frage stellen.

Die Frau Dr. Schneider.

Das ist aber nett. Es freut mich unwahrscheinlich, zu hören, dass Sie bereit sind, neue Wege

zu versuchen. Ich denke, das gebietet auch das gute Miteinander; das habe ich auch erwartet. Sie sprachen gerade von dem dualen Studium und von dem Bildungsgipfel. Ich möchte an- merken: Die CDU-Fraktion hat das Thema des dualen Studiums zwar nicht erfunden, aber wir bringen das seit mehreren Monaten - um nicht zu sagen, seit fast schon einem Jahr - ganz massiv nach vorn. Es freut mich sehr, dass wir uns dabei ein Stück weit näherkommen.

Eine weitere Anmerkung. Wir haben nicht nur im Sekundarschulbereich große Bedarfe. Das ist eine recht schwierige Schulform. Auch der Grundschulbereich benötigt dringend mehr Strukturen und mehr Lehrer. Ich bin sehr froh über Ihre Darstellung, dass Sachsen-Anhalt nicht nur aus Halle und Magdeburg besteht; denn gerade der ländliche Bereich hat enorme Schwierigkeiten.

Sie haben auch davon gesprochen, dass sich andere mehr vorstellen. Können Sie noch einmal kurz darstellen, was Sie selbst unter diesem „Mehr“ verstehen? Vielleicht sagen Sie auch, was geht und was gar nicht geht. Aus meiner Sicht kann es nicht das Ergebnis sein, dass das, was beim Bildungsgipfel vorgeschlagen wurde, also 30 duale Studenten, bedeutet, dass 30 bestehende Studenten in ein duales Studium überführt werden. Denn dadurch ergibt sich kein Mehr; das wäre nur ein Verschiebebahnhof.

Frau Schneider, es fällt mir schwer, darauf zu antworten. Aber es zeigt, wie richtig es war, am Anfang meiner Rede noch einmal die Zahlen zu nennen. Wir haben von 1 200 Studienplätzen nur 900 besetzt. Ein Hin-und-her-Schieben spielt daher überhaupt keine Rolle. Ob diese 30 zusätzlichen Studenten aus den 1 200 Studen-

ten generiert werden oder ob es die Studienplätze 1 201 bis 1 230 sind, ist für uns uninteressant. Entscheidend ist: Wenn es Anwärterstu- dienplätze sind, werden sie künftig im Einzelplan des Bildungsministeriums geführt werden müssen. Denn das sind junge Menschen, die von der ersten Stunde an ein Salär erhalten; über die Höhe müssen wir reden. Das ist ein völlig anderes Modell als das, was wir bisher kennen. Das hat auch nichts mit einem Stipendium zu tun, sondern das sind Beschäftigte, die vom ersten Tag ihrer Zugehörigkeit zum öffentlichen Dienst an auch einen Alimentationsanspruch haben. Das muss man sich klar machen.

Lassen Sie uns nicht ringen über die Frage, ob wir noch mehr Studienplätze brauchen als die 1 200. Ich sage Ihnen: Wir brauchen zunächst diese 30 Anwärterplätze. Für den Fall, dass das gut funktioniert, habe ich die Botschaften aus Ihrer Fraktion gehört. Auch der Fraktionsvorsitzende war so freundlich, darauf hinzuweisen, dass er sich noch viel mehr vorstellen könnte.

Ich mache einen Vorschlag: Füllen wir zunächst die 30 Studienplätze. Und wenn wir diese gefüllt haben und sehen, der Andrang wird riesig, und wir sind bereit, die Kosten dafür zu tragen, dann können Sie das von mir aus ausweiten. Dann bin ich der Erste, der dafür ist. - Vielen Dank.

(Zustimmung bei der SPD und bei der CDU)

Danke, Herr Willingmann. - Für die CDU-Fraktion spricht Herr Tullner. - Bitte.

Herr Präsident! Liebe Kolleginnen und Kollegen. Hier liegt ein roter Stift der Firma Büttner. Das

wird wahrscheinlich der Kollege von der AfD sein. - Lassen Sie mich zunächst Wasser trinken.

(Guido Heuer, CDU: Hat er liegen gelassen, weil er so nervös war!)

Es war ja auch eine inhaltsreiche Rede.

Meine Damen und Herren! An dem Thema Lehrerbildung - das sehen Sie sehen allein an der Wortmeldung der Kollegin Schneider - ist die CDU-Fraktion vielfältig und intensiv interessiert. Bevor ich in meinen kurzen Beitrag einsteige, will ich den Gedanken des Ministers aufgreifen, den er angedeutet, aber nicht zu Ende ausgesprochen hat. Ich glaube, über eine Mengenmehrung in der Lehrerausbildung brauchen wir angesichts einer gewissen limitierenden Anzahl von Abiturienten und Schulabgängern nicht zu reden. Wir reden über einen Fachkräftemangel in ganz vielen Bereichen. Deswegen muss man in der Gänze schauen, dass Fachkräfte in unserem Land Raum und Perspektive finden können. Deswegen ist es das schlechteste bzw. das ungünstigste Mittel, die Anzahl der Studienplätze zu erhöhen. Denn damit erreicht man nichts.

Liebe Frau Sziborra-Seidlitz, ich kenne Sie noch nicht so gut, weil Sie Mitglied eines anderen Ausschusses sind. Ich nehme aber wahr, welche bildungspolitischen Ideen Sie an der einen oder anderen Stelle entwickeln.

Aber, ehrlich gesagt, so richtig überzeugen kann mich das nicht - das ist noch sehr freundlich formuliert -, weil es ganz schön viele alte Hüte sind.

(Zustimmung bei der CDU)

Sie wollen die Grundschule auf sechs Jahre verlängern, was in Berlin und in Brandenburg ja nun „mit großem Erfolg“ praktiziert wird. Ich sehe ihn jedenfalls nicht - Ironie aus. Sie haben sich über die Inklusion ausgelassen und die

ganzen Eskapaden. Das will ich jetzt alles gar nicht tun, weil das nicht hierhergehört.

Ich will mich einmal auf das Thema Lehrerbildung im engeren Sinne konzentrieren. Ich verstehe vom Grundansatz her etwas nicht. In Bezug auf dieses Ziel war übrigens der Antrag der LINKEN sehr viel inhaltsreicher, weil er nämlich näher an dem Problem ist - wenn man diesen Ansatz verfolgt, ich verfolge ihn nicht.

Ich will einmal sagen, was ich dabei nicht verstehe. Auf der einen Seite reden wir über Heterogenität in der Schule und Sie kommen jetzt auf der anderen Seite mit der Homogenisierung der Lehrerbildung. Das passt überhaupt nicht zusammen.

(Zuruf: Genau!)

Wir brauchen Vielfalt, wir brauchen unterschiedliche Kompetenzen und nicht eine Einheitssoße.

(Zustimmung bei der CDU und bei der FDP)

Deswegen sehen Sie mich an der Stelle sehr skeptisch. Aber ich will Ihnen zugestehen, dass wir natürlich offenbleiben müssen für neue Entwicklungen. Ich weiß auch, dass die Ministerin an der Stelle durchaus mit ihren Expertinnen und Experten unterwegs ist. Deswegen würde ich mich heute noch nicht abschließend positionieren wollen. Aber mit einem Vorgehen nach dem Motto „Wir machen mal schnell eine Einheit“ - die Gewerkschaften freuen sich darüber, weil sie natürlich alte Träume in Bezug auf Besoldung etc. im Blick haben - werden wir dem Problem am Ende nicht gerecht. Der Praxisbeweis wird im Moment tagtäglich in den Gemeinschaftsschulen erbracht, weil die Gemeinschaftsschule sozusagen im theoretischen Ansatz die ganze Breite an Schulabschlüssen anbietet.

Wenn man jetzt aber einen Lehrer - nehmen wir einmal das fiktive Beispiel eines Gymnasiallehrers - gewinnen will: Wo geht er hin? - Er geht ans Gymnasium. Er will nicht an die Gemeinschaftsschule. Warum? - Weil die Profile dort klarer, strukturierter sind und am Ende auch unterschiedliche Fertigkeiten und Kompetenzen sich in unterschiedlichen Schulformen auch besser entwickeln lassen. Davon sind wir als CDU sehr überzeugt.

(Zustimmung bei der CDU)

Ich sage einmal einen Satz, der in diesem Haus lange nicht gefallen ist: Die CDU steht zum gegliederten Schulsystem. Daran lassen wir auch nicht rütteln. Das bleibt auch so, meine Damen und Herren. Das will ich an der Stelle sagen. Dieser Satz muss natürlich unter Berücksichtigung der Demografie und der ländlichen Räume konkretisiert werden. Ich bin gern bereit, das zu tun. Aber das gehört vielleicht auch nicht hierher.

Ein weiterer Punkt, den ich an der Stelle erwähnen möchte, betrifft die Frage: Wie kriegen wir dies hin? Ich finde, diesbezüglich springen Sie am Ende zu kurz. Die Klagen und die Probleme, die wir in der Lehrerbildung haben, gehen oft darauf zurück, dass junge Leute, die mit großem Enthusiasmus und Begeisterung Lehrer werden wollen, in eine akademische Welt stoßen, in der die Fachlichkeit von Prof. A - ich bringe das berühmte Beispiel des Mathematikers, dem es am Ende egal ist, ob Lehramtsstudenten oder Bachelor- oder Masterstudenten vor ihm sitzen - zählt und in der sie am Ende nicht die Kompetenzen bekommen, die man als Fachlichkeit an den Schulen benötigt. Vor allen Dingen bekommt man auch nicht das Verständnis dafür, dass man neben dem einen Fach noch ein zweites Fach belegen und auch noch Didaktik, Pädagogik sowie den ganzen Bereich machen muss.

An der Stelle müssen wir ansetzen. Ich glaube, das Beispiel, das wir in Magdeburg probieren, ist sehr hilfreich. In unserem Wahlprogramm stand ja - Sie werden sich daran erinnern - die Pädagogische Hochschule. Damit ist nicht das Konstrukt gemeint, welches wir zu DDR-Zeiten hatten; vielmehr geht es dabei um den programmatischen Ansatz, den wir weiter verfolgen. Die Kollegin Schneider ist mit Blick auf dieses Beispiel auch unterwegs. Wir müssen noch ein bisschen über Details reden. Aber ich finde den Ansatz gut.

Wir müssen dahin kommen, dass wir an solchen Stellen sagen, wir müssen Lehramtsstudierende, also Studenten, Frauen wie Männer,

(Ulrich Siegmund, AfD: Studenten!)

- ja, ich habe es gemerkt -

(Oliver Kirchner, AfD, und Ulrich Siegmund, AfD, lachen)